2019 Beratung Seelsorge Praevention

Missbrauch & Prävention

Missbrauch und Prävention Ansprechpartner, Hilfe, Aufarbeitung

Seit Janu­ar 2010 ist bekannt, dass sexu­el­ler Miss­brauch in Ein­rich­tun­gen der katho­li­schen Kir­che und auch in der Diö­ze­se Pas­sau statt­ge­fun­den hat. Die von der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz in Auf­trag gege­be­ne MHG-Stu­die hat im Jahr 2018 deut­li­che Ergeb­nis­se, wel­che die­se Taten neu beleuch­tet und bear­bei­tet hat.

Das Bis­tum Pas­sau führt seit 2010 eine inten­si­ve Prä­ven­ti­ons­ar­beit durch, um sexu­el­lem Miss­brauch vor­zu­beu­gen. Die­se Prä­ven­ti­ons­ar­beit bezieht alle betrof­fe­nen Per­so­nen mit ein: Kin­der, Eltern und Leh­rer, aber auch Seel­sor­ger wie Pries­ter, Dia­ko­ne, Pas­to­ral- und Gemein­de­re­fe­ren­ten sowie die vie­len ehren­amt­li­chen Ver­ant­wort­li­chen in der Kin­der- und Jugendarbeit. 

Die Hil­fe für die Opfer sexu­el­ler Gewalt hat in unse­rem Bis­tum eine sehr hohe Prio­ri­tät. Zu die­ser Hil­fe gehö­ren neben mate­ri­el­len Leis­tun­gen auch mensch­li­che, the­ra­peu­ti­sche und seel­sorg­li­che Hilfs­an­ge­bo­te für die Opfer und ihre Ange­hö­ri­gen. Die Miss­brauchs­be­auf­trag­ten des Bis­tums sind eine ers­te Anlauf­stel­le für die Opfer. Sie reagie­ren bei Vor­fäl­len und Ver­mu­tun­gen pro­fes­sio­nell und ste­hen den Opfern als kom­pe­ten­te Gesprächs­part­ner zur Ver­fü­gung. Bei Bedarf ver­mit­teln die Miss­brauchs­be­auf­trag­ten an Fach­stel­len und Seelsorger. 

Die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz hat am 16. Sep­tem­ber 2013 die über­ar­bei­te­ten Leit­li­ni­en für den Umgang mit sexu­el­lem Miss­brauch Min­der­jäh­ri­ger vor­ge­stellt. Die vor­he­ri­ge Fas­sung stamm­te vom 31. August 2010. Die Leit­li­ni­en wer­den im Bis­tum Pas­sau kon­se­quent umgesetzt.

Sie haben einen Verdacht? Wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an unsere Missbrauchsbeauftragten.

Dr. Josef Meier

Missbrauchsbeauftragter

Rosemarie Weber

Missbrauchsbeauftragte

Augen auf – hin­se­hen & schüt­zen. Leit­prin­zi­pi­en für die Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt an Kin­dern, jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen in der katho­li­schen Kir­che in Deutschland.”

Die Ent­wick­lung der Prä­ven­ti­ons­kon­zep­te, die ab dem Jahr 2010 erst­ma­lig umge­setzt wur­den, beruht auf einer engen Zusam­men­ar­beit mit erfah­re­nen Koope­ra­ti­ons­part­ne­rin­nen und -part­nern. Die Bera­tungs­er­geb­nis­se sind gespeist aus Feld­erfah­run­gen und wis­sen­schaft­li­cher Begleitforschung. 

Es haben sich dabei Leit­prin­zi­pi­en kirch­li­cher Prä­ven­ti­ons­ar­beit her­aus­ge­prägt, die zu einem erwei­ter­ten Ansatz unse­res Ver­ständ­nis­ses von Prä­ven­ti­ons­ar­beit geführt haben.

Die insti­tu­tio­nel­le Prä­ven­ti­on stellt dabei ein Quer­schnitts­the­ma dar, das sich wie ein roter Faden durch die unter­schied­li­chen Schlüs­sel­pro­zes­se der katho­li­schen Kir­che zieht. Somit soll der größt­mög­li­che Schutz von Kin­dern, Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen gewähr­leis­tet werden.

(Quel­le: Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz, https://​www​.dbk​.de/​t​h​e​m​e​n​/​s​e​x​u​e​l​l​e​r​-​m​i​s​s​b​r​a​u​c​h​/​p​r​a​e​v​e​n​tion/)

Bei Fragen können Sie sich jederzeit an den Präventionsbeauftragten des Bistums Passau wenden.

Franz Stadlberger

Franz Stadlberger

Präventionsbeauftragter

Birgit Werbik Foto4

Birgit Werbik

Sachbearbeiterin Koordinierungsstelle gegen sexuelle Gewalt

Begriffe und Zusammenhänge

Kindeswohlgefährdung

Kin­der haben das Recht auf gewalt­freie Erzie­hung. Kör­per­li­che Bestra­fun­gen, see­li­sche Ver­let­zun­gen und ande­re ent­wür­di­gen­de Maß­nah­men sind unzulässig.”

(§ 1631, Abs. 2, BGB)

Erklä­rung

Kin­des­wohl­ge­fähr­dung liegt vor, wenn das kör­per­li­che, geis­ti­ge und see­li­sche Wohl eines Kin­des durch das Tun oder Unter­las­sen der Eltern oder Drit­ter gra­vie­ren­de Beein­träch­ti­gun­gen erlei­det, die dau­er­haf­te oder zeit­wei­li­ge Schä­di­gun­gen in der Ent­wick­lung des Kin­des zur Fol­ge haben bzw. haben können. 

Bei einer Gefähr­dung muss die Beein­träch­ti­gung, die das Kind erlei­det, gra­vie­rend sein und es muss die bio­gra­phisch zeit­li­che Dimen­si­on beach­tet werden. 

Kin­des­wohl bezieht sich auf gegen­wär­ti­ge, ver­gan­ge­ne und auf zukünf­ti­ge Lebens­er­fah­rung und Lebens­ge­stal­tung eines Kindes.“ 

aus: Deut­sches Jugend­in­sti­tut. Heinz Kind­ler, Susan­na Lil­lig, Her­bert Blüml, Anne­gret Wer­ner, Cars­ten Rum­mel (Hg.): Hand­buch Kin­des­wohl­ge­fähr­dung nach § 1666 BGB und All­ge­mei­ner Sozia­ler Dienst. Sep­tem­ber 2004

Kindesmisshandlung

Kör­per­li­che Misshandlungen

Dar­un­ter sind alle Hand­lun­gen zu ver­ste­hen, die zu kör­per­li­chen Ver­let­zun­gen oder gar zum Tod des Kin­des füh­ren kön­nen. Meis­tens sind Spu­ren wie blaue Fle­cken, Brü­che oder Ver­bren­nun­gen erkenn­bar, die Sor­ge­be­rech­tig­te aller­dings oft als Fol­gen eines Stur­zes oder Unfalls verharmlosen.“ 

aus: Pro­gramm Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on der Län­der und des Bun­des (Hg.): Kin­der­schutz geht alle an! Gemein­sam gegen Kin­des­miss­hand­lung und Ver­nach­läs­si­gung. Eine Hand­rei­chung für Lehr­kräf­te, päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te und Ehren­amt­li­che in der Kin­der- und Jugend­ar­beit. S. 9

See­li­sche Misshandlung

See­li­sche Miss­hand­lung kann eben­so grau­sam sein wie kör­per­li­che Gewalt und ist wohl die häu­figs­te Form von Gewalt gegen Kin­der. Dazu zäh­len Äuße­run­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen, die Kin­der ängs­ti­gen, sie her­ab­set­zen oder über­for­dern. Als Fol­ge füh­len sich die Kin­der abge­lehnt und wert­los und reagie­ren dar­auf häu­fig mit Aggres­si­vi­tät, Distanz­lo­sig­keit, inne­rem Rück­zug, Ängs­ten und man­geln­dem Selbstwertgefühl.

See­li­sche Ver­let­zun­gen sind schwie­ri­ger zu erken­nen als kör­per­li­che, weil es kei­ne äuße­ren Anzei­chen dafür gibt.“

aus: Pro­gramm Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on der Län­der und des Bun­des (Hg.): Kin­der­schutz geht alle an! Gemein­sam gegen Kin­des­miss­hand­lung und Ver­nach­läs­si­gung. Eine Hand­rei­chung für Lehr­kräf­te, päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te und Ehren­amt­li­che in der Kin­der- und Jugend­ar­beit. S.10

Vernachlässigung

Ver­nach­läs­si­gung ist die andau­ern­de oder wie­der­hol­te Unter­las­sung für­sorg­li­chen Han­delns durch sor­ge­ver­ant­wort­li­che Per­so­nen (Eltern oder ande­re von ihnen auto­ri­sier­te Betreu­ungs­per­so­nen), wel­ches zur Sicher­stel­lung der see­li­schen und kör­per­li­chen Ver­sor­gung des Kin­des not­wen­dig wäre.

Die­se Unter­las­sung kann aktiv oder pas­siv (unbe­wusst), auf­grund unzu­rei­chen­der Ein­sicht oder unzu­rei­chen­den Wis­sens erfolgen. 

Die durch Ver­nach­läs­si­gung bewirk­te chro­ni­sche Unter­ver­sor­gung des Kin­des durch die nach­hal­ti­ge Nicht­be­rück­sich­ti­gung, Miss­ach­tung oder Ver­sa­gung sei­ner Lebens­be­dürf­nis­se hemmt, beein­träch­tigt oder schä­digt sei­ne kör­per­li­che, geis­ti­ge und see­li­sche Ent­wick­lung und kann zu gra­vie­ren­den blei­ben­den Schä­den oder gar zum Tode des Kin­des führen.“ 

aus: Scho­ne, R., Gint­zel, U., Jor­dan, E., Kal­scheu­er, M., Mün­der, J.: Kin­der in Not. Ver­nach­läs­si­gung im frü­hen Kin­des­al­ter und Per­spek­ti­ven sozia­ler Arbeit. Müns­ter 1997, S. 21.

Sexualisierte Gewalt

Um die eige­nen sexu­el­len Bedürf­nis­se befrie­di­gen zu kön­nen, nutzt eine Per­son die Unter­le­gen­heit einer ande­ren Per­son aus.”

Erklä­rung

Sexua­li­sier­te Gewalt meint jede sexu­el­le Hand­lung, die an oder vor einem Kind oder einem/​einer Jugend­li­chen ent­we­der gegen dessen/​deren Wil­len vor­ge­nom­men wird oder der die Per­son auf­grund kör­per­li­cher, psy­chi­scher, kogni­ti­ver oder sprach­li­cher Unter­le­gen­heit nicht wis­sent­lich zustim­men kann. 

Der Täter nutzt sei­ne Macht- und Auto­ri­täts­po­si­ti­on aus, um sei­ne eige­nen Bedürf­nis­se auf Kos­ten des Opfers zu befriedigen. 

Bei sexua­li­sier­ter Gewalt han­delt es sich um die Aus­nut­zung eines Macht­ge­fäl­les auf­grund von Geschlecht, Alter, kör­per­li­cher Über­le­gen­heit, Her­kunft sowie sozia­lem Sta­tus. Die Betrof­fe­nen sind auf­grund des bestehen­den Macht­ge­fäl­les meist nicht in der Lage, ohne Unter­stüt­zung von außen für ihr Recht auf see­li­sche und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit und ihr Recht auf Hil­fe wirk­sam einzutreten. 

Die Ver­ant­wor­tung für den Schutz von Kin­dern und Jugend­li­chen liegt des­halb bei den Erwachsenen. 

Bei­spie­le

Auf der kör­per­li­chen Ebe­ne kann sich sexu­el­le Gewalt z.B. in Küs­sen, unan­ge­mes­se­nen Berüh­run­gen sowie den ver­schie­de­nen For­men der Ver­ge­wal­ti­gung äußern. 

Auf der psy­chi­schen Ebe­ne gehö­ren u.a. anzüg­li­che Bemer­kun­gen über den Kör­per des Kin­des oder Jugend­li­chen, unan­ge­mes­se­ne Gesprä­che über Sexua­li­tät oder auch das Zugäng­lich­ma­chen und Zei­gen von ero­ti­schen und por­no­gra­phi­schen Erzeug­nis­sen sowie exhi­bi­tio­nis­ti­sche Ver­hal­tens­wei­sen dazu. (Ban­ge Deege­ner 1996105)

Grenzverletzungen

Situa­tio­nen, die eine Grenz­ver­let­zung dar­stel­len, sind nicht immer straf­recht­lich rele­vant. Jedoch sind die Gren­zen oft flie­ßend und manch­mal nicht ein­deu­tig zu entscheiden.”

Erklä­rung

Grenz­ver­let­zun­gen umfas­sen ein­ma­li­ge oder gele­gent­li­che, unan­ge­mes­se­ne Ver­hal­tens­wei­sen, die zumeist unab­sicht­lich gesche­hen. Die Bewer­tung des unan­ge­mes­se­nen Ver­hal­tens ist vom sub­jek­ti­ven Erle­ben der Betrof­fe­nen abhän­gig. Sie sind häu­fig die Fol­ge fach­li­cher oder per­sön­li­cher Unzu­läng­lich­kei­ten ein­zel­ner Per­so­nen oder auch das Ergeb­nis einer Orga­ni­sa­ti­ons- und Ein­rich­tungs­kul­tur, in der indi­vi­du­el­le Gren­zen wenig gel­ten und kon­kre­te Regeln und Struk­tu­ren feh­len. (Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013

Im päd­ago­gi­schen und pas­to­ra­len All­tag sind Grenz­über­schrei­tun­gen nicht ganz zu ver­mei­den. Zufäl­li­ge und unbe­ab­sich­tig­te Grenz­ver­let­zun­gen (zum Bei­spiel eine unbe­ab­sich­tig­te Berüh­rung oder Krän­kung durch eine als ver­let­zend erleb­te Bemer­kung) sind im all­täg­li­chen Mit­ein­an­der kor­ri­gier­bar, wenn die grenz­ver­let­zen­de Per­son dem Gegen­über mit einer grund­le­gend respekt­vol­len Hal­tung begegnet.

Bei­spie­le

  • Miss­ach­tung von per­sön­li­chen Gren­zen (z.B. eine gut gemein­te, trös­ten­de Umar­mung, die dem Gegen­über aber unan­ge­nehm ist) 
  • Miss­ach­tung der Gren­zen der pro­fes­sio­nel­len Rol­le (z.B. Gesprä­che über das eige­ne Sexualleben) 
  • Miss­ach­tung von Per­sön­lich­keits­rech­ten (z.B. Ver­let­zung des Rechts auf das eige­ne Bild durch Ver­öf­fent­li­chung über Han­dy oder Internet) 
  • Miss­ach­tung der Intim­sphä­re (z.B. Umklei­den nur in der Sam­mel­ka­bi­ne möglich) 

(Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013)

Sexuelle Übergriffe

Beschul­dig­te fan­gen mit sexu­el­len Grenz­über­schei­tun­gen an, um die Reak­ti­on der Betrof­fe­nen zu testen.”

Erklä­rung

Sexu­el­le Über­grif­fe gesche­hen nicht zufäl­lig und unbe­ab­sich­tigt, son­dern stel­len eine ein­deu­ti­ge Über­schrei­tung gesell­schaft­li­cher Nor­men, insti­tu­tio­nel­ler Regeln und fach­li­cher Stan­dards dar – auch über per­sön­li­che Gren­zen, ver­ba­le, non­ver­ba­le und kör­per­li­che Wider­stän­de der Opfer hin­weg und gegen die Kri­tik Dritter. 

Sie sind mas­si­ver, häu­fi­ger als Grenz­ver­let­zun­gen und resul­tie­ren aus einer respekt­lo­sen Grund­hal­tung sowie per­sön­li­chen und/​oder fach­li­chen Defi­zi­ten des Täters bzw. der Täterin. 

(Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013

Bei­spie­le

  • Sexis­ti­sches Mani­pu­lie­ren von Fotos und das Ein­stel­len sexua­li­sier­ter Fotos ins Internet
  • Wie­der­hol­te und nur ver­meint­lich zufäl­li­ge Berüh­run­gen des Brust- oder Genitalbereichs 
  • Wie­der­holt abwer­ten­de sexis­ti­sche Äußerungen 
  • Sexis­ti­sche Spielanleitungen 
  • Wie­der­hol­te Miss­ach­tung der Gren­zen der pro­fes­sio­nel­len Rol­le (z.B. Auf­for­de­run­gen zur Zärt­lich­keit, Gesprä­che über das eige­ne Sexualleben) 

(Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013)

Strafrechtlich relevante Tatbestände

Erklä­rung

Sexu­el­le Hand­lun­gen an oder mit Kin­dern unter 14 Jah­ren sind ver­bo­ten. Sie wer­den mit bis zu zehn Jah­ren Frei­heits­stra­fe bestraft. Zu sexu­el­len Hand­lun­gen gehört nicht nur Geschlechts­ver­kehr, son­dern auch Pet­ting und Küs­sen, das Anfas­sen von Geschlechts­tei­len, aber auch die Her­stel­lung, Ver­brei­tung und der Besitz von kin­der­por­no­gra­phi­schen Produkten(vgl. § 184 STGB). Auch wer jeman­den zwingt, einem ande­ren bei der Selbst­be­frie­di­gung zuzu­se­hen, macht sich straf­bar (vgl. § 176 StGB). Auch exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lun­gen wer­den straf­recht­lich verfolgt. 

Natür­lich kön­nen auch sexu­el­le Hand­lun­gen mit oder an älte­ren Jun­gen und Mäd­chen straf­bar sein, auch wenn sie voll­jäh­rig sind. Man unter­schei­det dabei:

  • Wer die Not­la­ge eines Jun­gen oder Mäd­chen unter 18 Jah­ren aus­nutzt, um an der/​dem Jugend­li­chen sexu­el­le Hand­lun­gen vor­zu­neh­men, macht sich straf­bar. Eine sol­che Not­la­ge kann z.B. feh­len­des Geld oder ein­fach die Angst vor dem/​der Täter/​in sein. Das Opfer muss dabei nicht bedroht sein und es muss auch kei­ne kör­per­li­che Gewalt ange­wen­det wor­den sein. Es droht dem/​der Täter/​in eine Stra­fe bis zu fünf Jah­ren für sexu­el­len Miss­brauch an Jugend­li­chen (vgl. § 182 StGB).
  • Wenn ein Erwach­se­ner, dem Kin­der und Jugend­li­che bis 18 Jah­re anver­traut sind (Leh­rer, Grup­pen­lei­ter u.ä.), sei­ne Posi­ti­on aus­nutzt, um sexu­el­le Hand­lun­gen an oder mit den ihm anver­trau­ten Kin­dern und Jugend­li­chen durch­zu­füh­ren, macht er sich straf­bar. Das ist sexu­el­ler Miss­brauch von Schutz­be­foh­le­nen und wird mit einer Frei­heits­stra­fe von bis zu fünf Jah­ren bestraft (vgl. § 174 StGB).

Diözesanbeauftragter für Prävention - Koordinationsstelle für Prävention von sexualisierter Gewalt

Der Prä­ven­ti­ons­be­auf­trag­te unter­stützt und ver­netzt die diö­ze­sa­nen Akti­vi­tä­ten zur Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt an Kin­dern, Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen. Neben der Fach­be­ra­tung von Prä­ven­ti­ons­pro­jek­ten und Infor­ma­ti­ons- und Vor­trags­an­ge­bo­ten vor allem im Aus- und Wei­ter­bil­dungs­be­reich gehö­ren zu ihren Auf­ga­ben auch die Wei­ter­ent­wick­lung von ver­bind­li­chen Qua­li­täts­stan­dards in der Präventionsarbeit. 

Er sorgt dafür, dass die bei­den Zie­le der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz zur Prä­ven­ti­on zur Umset­zung gelangen:

  1. Ent­wick­lung einer neu­en Kul­tur des acht­sa­men Miteinanders 
  2. Ent­wick­lung von trans­pa­ren­ten, nach­voll­zieh­ba­ren, kon­trol­lier­ba­ren und eva­lu­ier­ba­ren Struk­tu­ren und Pro­zes­sen zur Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt

Ziel eins: Ent­wick­lung einer neu­en Kul­tur des acht­sa­men Mit­ein­an­ders

Eine neue Kul­tur des acht­sa­men Mit­ein­an­ders zu ent­wi­ckeln ist ein kir­chen­in­ter­ner Ver­än­de­rungs­pro­zess. Zum einen mit Min­der­jäh­ri­gen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen, zum ande­ren inner­halb aller, die in der Diö­ze­se mit­ein­an­der arbei­ten und zu tun haben. Sei es ehren­amt­lich oder hauptamtlich.

Die Deut­schen Bischö­fe defi­nie­ren eine neue Kul­tur der Acht­sam­keit wie folgt:

Eine Kul­tur der Achtsamkeit

  • … ist mehr als nur iso­lier­te Maßnahmen
  • … bedeu­tet ein Umden­ken im Umgang mit Kin­dern und Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutzbefohlenen
  • … bedeu­tet ein Umden­ken im Umgang mit allen Ver­ant­wort­li­chen in unse­rer Kir­che und mit uns selbst
  • … besteht aus gemein­sa­men Über­zeu­gun­gen, Wer­ten und Regeln, die in tief emp­fun­de­nen Gefüh­len der Bil­li­gung oder Miss­bil­li­gung ver­an­kert sind
  • … ist getra­gen von Fach­wis­sen und Feedbackkultur
  • … lässt neue Gewohn­hei­ten ent­ste­hen, die gemein­sam gelebt werden
  • … bedeu­tet zurück­tre­ten von gewohn­ten Denk­mus­tern und Wahr­neh­mungs­fil­tern mit Ein­neh­men einer Weit­win­kel­sicht“
  • … bedeu­tet ande­res Han­deln: Hin­se­hen und nicht weg­schau­en, hand­lungs­fä­hig sein und Zivil­cou­ra­ge zei­gen und fördern
  • … hilft, eine siche­re Umge­bung für Kin­der und Jugend­li­che oder erwach­se­ne Schutz­be­foh­le­ne aufzubauen
  • … bedeu­tet fein­füh­li­ger wer­den, wie Rech­te von Kin­dern und Jugend­li­chen oder erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen und deren Par­ti­zi­pa­ti­on in den Mit­tel­punkt gestellt wer­den können

Die Defi­ni­ti­on der Deut­schen Bischö­fe ist eine Ein­la­dung zur Aus­ein­an­der­set­zung mit den Begriff­lich­kei­ten. Zwi­schen Füh­rungs­kräf­ten und Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern. Zwi­schen Haupt- und Ehren­amt­li­chen. Begriff­lich­kei­ten mit Leben fül­len ist die Herausforderung.

Acht­sam­keit, so die Deut­schen Bischö­fe, beginnt im Umgang mit sich selbst. Das heißt, Acht­sam­keit beginnt damit, auf­merk­sa­mer mit sich selbst umzu­ge­hen. Mit eige­nen Gefüh­len, mit Ide­en und Kri­tik, mit Trans­pa­renz und Zusam­men­ar­beit. Das bedeu­tet, die eige­nen Gefüh­le bes­ser wahr­zu­neh­men, kri­ti­sche Impul­se zuzu­las­sen und im eige­nen Han­deln Trans­pa­renz und Par­ti­zi­pa­ti­on umzu­set­zen. Dies kann erleich­tern und das eige­ne Han­deln bereichern.

Der Begriff der Acht­sam­keit ist ein zutiefst spi­ri­tu­el­ler Begriff, der in allen Reli­gio­nen behei­ma­tet ist. Der Wert des Begriffs fin­det sich seit Jahr­hun­der­ten im Umgang mit ande­ren Men­schen, Schöp­fung sowie mit sich selbst. Mit Acht­sam­keit ist eine Grund­hal­tung gemeint, die wir als Chris­ten im Beson­de­ren mit dem leben­di­gen Gott in Ver­bin­dung brin­gen. Aus christ­li­cher Sicht ist die Acht­sam­keit ein Begriff, der durch die Fröm­mig­keits­ge­schich­te geprägt ist. 

Acht­sam­keit hat wesent­lich mit Gebet, mit Barm­her­zig­keit und wert­schät­zen­der Begeg­nung mit dem Nächs­ten und mit Gott zu tun. 

Acht­sam­keit als Hal­tung ist eine der Kern­auf­ga­ben der Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt an Min­der­jäh­ri­gen oder erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen, weil dadurch eine hohe Sen­si­bi­li­tät im Mit­ein­an­der geför­dert wird. Die­se zeigt sich u.a. in einem gesun­den Nähe-Distanz-Ver­hält­nis, in einer posi­ti­ven Anwen­dung von Macht und in einem mit akzep­tier­ten Gren­zen gestal­te­ten Leben.

Acht­sam­keit ist eine Hal­tung mit Fol­gen für jeden Ein­zel­nen und jede Ein­zel­ne. Das fin­det sei­nen Nie­der­schlag in der betrieb­li­chen“ Kul­tur und im beruf­li­chen Mit­ein­an­der sowie im Ehren­amt. Acht­sam­keit ist ein spi­ri­tu­el­ler Aspekt im Leben, der die Grund­hal­tung der Men­schen prägt.

Ziel zwei: Ent­wick­lung von trans­pa­ren­ten, nach­voll­zieh­ba­ren, kon­trol­lier­ba­ren und eva­lu­ier­ba­ren Struk­tu­ren und Pro­zes­sen zur Prä­ven­ti­on sexua­li­sier­ter Gewalt

Die Deut­schen Bischö­fe legen mit der Umset­zung eines insti­tu­tio­nel­len Schutz­kon­zep­tes die Grund­la­gen für die­se Zie­le. Jede Ein­rich­tung und jeder Pfarr­ver­band in den Diö­ze­sen ist ver­pflich­tet, die­ses Schutz­kon­zept auf den Grund­la­gen der miss­brauchs­ver­hin­dern­den Struk­tu­ren umzu­set­zen. Die­se wer­den erreicht mit: 

  • Trans­pa­renz
  • Kla­re Struk­tu­ren, ein­deu­ti­ge Zustän­dig­kei­ten und kla­re Regeln
  • Par­ti­zi­pa­ti­on
  • Gleich­be­rech­tig­ter Umgang zwi­schen den Geschlechtern
  • Sexu­al­päd­ago­gi­sche Konzepte
  • Kul­tur der Acht­sam­keit und Wertschätzung
  • Pro­fes­sio­nel­ler Umgang mit Nähe und Distanz.

Gelin­gen­de Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt hat wesent­lich mit der Hal­tung einer neu­en Kul­tur des acht­sa­men Mit­ein­an­ders zu tun. Kin­der und Jugend­li­che erhal­ten dabei sen­si­ble Wege der Ent­wick­lung auf­ge­zeigt, Erwach­se­ne erle­ben eine neue wei­ter­füh­ren­de Ent­wick­lung des eige­nen Lebens. Die­se im Ver­bund mit der Ent­wick­lung der Bau­stei­ne eines Insti­tu­tio­nel­len Schutz­kon­zep­tes bie­tet Ent­wick­lung und Schutz für Kin­der, Jugend­li­che und erwach­se­ne Schutzbefürftige.

Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt in die­sem Sinn ist inte­gra­ler Bestand­teil jeg­li­cher kirch­li­cher Arbeit mit Kin­dern, Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­dürf­ti­gen. Die Katho­li­sche Kir­che will all die­sen im Geist des Evan­ge­li­ums einen siche­ren Lern- und Lebens­raum bie­ten. Dar­in wird ihre mensch­li­che und geist­li­che Ent­wick­lung geför­dert sowie ihre Wür­de und Inte­gri­tät geach­tet. Psy­chi­sche und phy­si­sche Grenz­ver­let­zun­gen wer­den damit vermieden.

Aufgaben des Präventionsbeauftragten

  • Ent­wick­lung eines diö­ze­sa­nen Präventionskonzepts
  • Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung von Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men zur Prävention
  • Fach­be­ra­tung bei der Pla­nung und Durch­füh­rung von Präventionsprojekten
  • Bera­tung und Abstim­mung bei der Ent­wick­lung und Umset­zung von insti­tu­tio­nel­len Schutzkonzepten
  • Ver­mitt­lung von Fach­re­fe­ren­tin­nen und Fachreferenten
  • Bera­tung von Qualifizierungsseinrichtungen
  • Eva­lua­ti­on und Wei­ter­ent­wick­lung ver­bind­li­cher Qua­li­täts­stan­dards im Präventionsbereich
  • Erstel­lung von Infor­ma­tio­nen von Prä­ven­ti­ons­ma­te­ria­li­en und Präventionsprojekten
  • Durch­füh­rung von Schu­lun­gen und Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen für Mit­ar­bei­ter aller Berufsgruppen
  • Ver­net­zung von Prä­ven­ti­ons­ar­beit mit kirch­li­chen und nicht-kirch­li­chen Fach­be­ra­tungs­stel­len gegen sexua­li­sier­te Gewalt
  • Sicher­stel­lung von Qua­li­fi­zie­rung und Infor­ma­ti­on der für Prä­ven­ti­ons­fra­gen geschul­te Personen
  • Prä­ven­ti­on und Intervention
  • Öffent­lich­keits­ar­beit in Koope­ra­ti­on mit der Pres­se­stel­le des Bis­tums Passau.

Hil­fe und Beratung

Bera­tungs­an­ge­bo­te der Cari­tas für Kin­der, Jugend­li­che und deren Eltern

Hil­fe und Unter­stüt­zung für Erwach­se­ne, Ange­hö­ri­ge und Bezugs­per­so­nen der Bera­tungs­stel­len im Bis­tum Passau