Bischofsbesuch-Propädeutiker2019 info-icon-20px Foto: Roland Kickinger

Propädeutikum

Das Propädeutikum ist der erste Teilbereich in der Priesterausbildung. Die jungen Männer sollen sich die Zeit nehmen, die Frage nach ihrer Berufung zu klären, der Antwort darauf nachzuspüren und gemeinsam ihre Glaubens- und Gottesbeziehung zu vertiefen. Darüber hinaus schafft das Propädeutikum eine wichtige Basis für das Studium der Theologie.

Grundanliegen

Zum Sep­tem­ber 2008 wird in allen baye­ri­schen und den fünf ost­deut­schen Diö­ze­sen für alle, die Pries­ter wer­den wol­len, eine pro­pä­deu­ti­sche Aus­bil­dungs­pha­se ver­bind­lich ein­ge­führt. Ein Pro­pä­deu­ti­kum gibt es bereits in vie­len Diö­ze­sen Deutsch­lands und ist von der Gesamt­kir­che für die Pries­ter­bil­dung vor­ge­se­hen. Mit die­sem Beschluss der baye­ri­schen Bischö­fe auf der Herbst­voll­ver­samm­lung 2007 in Frei­sing ant­wor­ten sie auf die gestie­ge­nen Anfor­de­run­gen an die Pries­ter im 21. Jahr­hun­dert mit einer Qua­li­täts­si­che­rung und Opti­mie­rung der Priesterausbildung.

Durch die­se Inves­ti­ti­on in eine gedie­ge­ne und umfas­sen­de Grund­aus­bil­dung soll der kom­ple­xer gewor­de­nen Situa­ti­on der Gesell­schaft und der Seel­sor­ger Rech­nung getra­gen wer­den. Glau­bens-, Lebens- und Spra­chen­schu­le” hei­ßen die Stich­wor­te, die das Aus­bil­dungs­kon­zept des baye­ri­schen Pro­pä­deu­ti­kums umfassen.

Die Ein­übung der geist­li­chen Grund­voll­zü­ge, ein sozi­al­prak­ti­scher Ein­satz, das Ken­nen- und Lie­ben­ler­nen des kirch­li­chen Lebens und geist­li­chen Diens­tes sowie das Absol­vie­ren der für das Stu­di­um not­wen­di­gen Spra­chen (Latein, Grie­chisch und Hebrä­isch) gehö­ren dazu. Den indi­vi­du­el­len Vor­aus­set­zun­gen und Vor­bil­dun­gen der ange­hen­den Pries­ter­kan­di­da­ten soll im Pro­pä­deu­ti­kum Rech­nung getra­gen wer­den. Das Pro­pä­deu­ti­kum wird von einem Direk­tor gelei­tet – aktu­ell der jewei­li­ge Regens von Bam­berg und Pas­sau. Ihm zur Sei­te steht ein zwei­ter Pries­ter für die geist­li­che Aus­bil­dung und Begleitung.

Ziele

In der Rah­men­ord­nung für die Pries­ter­bil­dung ist für alle Män­ner, die sich für den Beruf des Welt­pries­ters ent­schie­den haben, eine pro­pä­deu­ti­sche Pha­se vor dem Stu­di­um und zu Beginn der Aus­bil­dung im Pries­ter­se­mi­nar vorgesehen.

Als Zie­le des Pro­pä­deu­ti­kums wer­den genannt: Ein umfas­sen­de­res Ver­ständ­nis der Iden­ti­tät des Pries­ter­tums ver­mit­teln, auch im Blick auf den Pries­ter als Leh­rer des Glau­bens, eine Glau­bens­ver­tie­fung und Ein­füh­rung in das geist­li­che Leben ermög­li­chen, eine prak­ti­sche Ein­übung in das Gemein­schafts­le­ben, eine Refle­xi­on der eige­nen Bio­gra­phie und Ver­tie­fung der Motivation.

Beim Ad-Limi­na-Besuch der deut­schen Bischö­fe in Rom 2006 hat Papst Bene­dikt XVI. das gesam­te Pro­pä­deu­ti­kum aus­drück­lich begrüßt und als wei­te­res Ziel hin­zu­ge­fügt, die alten Spra­chen erlernen.

Glaubensschule

Das Pro­pä­deu­ti­kum soll den Pries­ter­kan­di­da­ten Gele­gen­heit geben, den per­sön­li­chen Glau­ben exis­ten­zi­ell zu ver­tie­fen und den Reich­tum kirch­li­cher Glau­bens­for­men und -inhal­te zu ent­de­cken. Das Ein­üben und Fei­ern der Lit­ur­gie spielt eine wich­ti­ge Rol­le. Bevor mit dem Theo­lo­gie­stu­di­um die wis­sen­schaft­li­che Glau­bens­re­fle­xi­on beginnt, ist es hilf­reich, sich zunächst des eige­nen Got­tes­bil­des zu ver­ge­wis­sern und das per­sön­li­che Kir­chen- und Pries­ter­bild zu klä­ren. Die ele­men­ta­ren Voll­zü­ge eines geist­li­chen Lebens wer­den im Rhyth­mus des Kir­chen­jah­res eingeübt.

Lebensschule

Durch einen regel­mä­ßi­gen und qua­li­fi­zier­ten Pra­xis­ein­satz in sozi­al-cari­ta­ti­ven Berufs­fel­dern bie­ten sich den Pries­ter­kan­di­da­ten Gele­gen­hei­ten, Ver­füg­bar­keit, Dienst­be­reit­schaft und die dia­ko­ni­sche Hal­tung der Nächs­ten­lie­be und des Hir­ten­diens­tes als ele­men­ta­re Auf­ga­ben des pries­ter­li­chen Diens­tes in die Tat umzu­set­zen. Prak­ti­sche Aus­bil­dungs­ele­men­te wie Stimm­bil­dung und kir­chen­mu­si­ka­li­sche Aus­bil­dung kom­men hin­zu. Das Zusam­men­le­ben im glei­chen Haus soll mit­ver­ant­wort­lich gestal­tet und die sozia­le Kom­pe­tenz geför­dert werden.

Sprachenschule

Da für das Theo­lo­gie­stu­di­um Kennt­nis­se in d­rei alten Spra­chen erfor­der­lich sind und vie­le Neu­ein­stei­ger Latein, Alt­grie­chisch und Hebrä­isch an der Uni­ver­si­tät nach­ler­nen müs­sen, kön­nen die Pro­pä­deu­ti­ker für die­se Spra­chen die für den Magisterstu­di­en­gang gefor­der­ten Spra­chen­kennt­nis­se bereits in die­sem Vor­kurs erwer­ben. Damit kann das Grund­stu­di­um wesent­lich ent­las­tet und wie­der ganz den phi­lo­so­phi­schen und theo­lo­gi­schen Stu­di­en gewid­met werden.

Kein zusammenhangloses Nebeneinander

Die Anhäu­fung von Ein­zel- und Spe­zi­al­wis­sen prägt in der Regel den schu­li­schen und aka­de­mi­schen All­tag. Lei­der ist das Ergeb­nis nicht gera­de nach­hal­tig. Längst hat man erkannt, dass Ver­schu­lung zwar kurz­zei­tig zur Wis­sens­an­häu­fung führt, aber dem kon­kre­ten Leben nur in völ­lig unzu­rei­chen­der Wei­se dient. Nicht das repro­du­zier­te Wis­sen trägt, son­dern das reflek­tier­te und in ganz­heit­li­cher Wei­se erschlos­se­ne. Des­we­gen geht das Pro­pä­deu­ti­kum nicht den Weg des mecha­nis­ti­schen Den­kens und zusam­men­hang­lo­sen Neben­ein­an­ders. Im Gegenteil!

Ein ganzheitliches Lernmodell

Das zugrun­de lie­gen­de Lern­mo­dell des Pro­pä­deu­ti­kums setzt ganz auf orga­ni­sche Lern­pro­zes­se. Wie die Natur aus ganz­heit­li­chen Lebens­ge­bil­den besteht, die nur im öko­lo­gi­schen Gleich­ge­wicht gesund sind, zeich­net auch den Men­schen eine sehr kom­ple­xe Seins­struk­tur aus. Gegen alle ein­sei­ti­gen Lern­for­men setzt ganz­heit­li­ches Ler­nen genau hier an. Es geht um die Ver­bin­dung von Theo­rie und Pra­xis, Glau­be und Wis­sen, das Mit­ein­an­der von Leben und Stu­die­ren, Ken­nen und Ein­üben, die Ergän­zung des Arbei­tens durch Beten und Fei­ern sowie klas­si­schen Unter­richt und lebens­na­he Exkur­sio­nen. Die­se inne­re Balan­ce macht den Reiz des Pro­pä­deu­ti­kums aus.

Auf den Spuren Jesu

Ein exem­pla­ri­sches Lern­feld für die­se Ver­bin­dung von Glau­ben und Wis­sen bie­tet eine mehr­wö­chi­ge Exkur­si­on ins Hei­li­ge Land. Es ist eine Bibel­schu­le ganz eige­ner Art, wenn man wie die Jün­ger damals im Land der Bibel auf den Spu­ren Jesu unter­wegs sein kann. Ori­gi­nal­schau­plät­ze und das, was heu­te noch davon geblie­ben ist, las­sen die Lebens­be­din­gun­gen der ers­ten Chris­ten bes­ser erah­nen als Bild­bän­de und DVDs.

Wenn Aus­gra­bun­gen von alten Kul­tu­ren erzäh­len und Begeg­nun­gen mit Juden und Mos­lems, mit Ortho­do­xen und Kop­ten Reli­gio­nen mit kon­kre­ten Gesich­tern ver­bin­den, wird Glau­be lebendig.

Hier erfah­ren Sie in einer mehr­tei­li­gen Rei­he aus dem Jahr 2019 alles über die Bibel­schu­le des Pro­pä­deu­ti­kums im Hei­li­gen Land

Bibelschule

Anstren­gen­de Wüs­ten­wan­de­run­gen und umfang­rei­che Bibel­lek­tü­re wer­den gern in Kauf genom­men, weil der Reich­tum an Erfah­rung und die Lebens-, Glau­­bens- und Gebets­ge­mein­schaft alle Anstren­gung auf­wiegt. In die­ser Bibel­schu­le soll nicht nur die Bibel gele­sen, son­dern auch in regel­mä­ßi­gen Aus­tauschrun­den reflek­tiert und in Gebet und Got­tes­dienst ver­tieft wer­den. Selbst erar­bei­te­te Kurz­re­fe­ra­te geben dar­über hin­aus spe­zi­fi­sche Einblicke.

Bischof Stefan Oster hat die Propädeutiker 2018/19 feierlich verabschiedet. Hier geht es zum Artikel:

Anmeldung

Bevor die Ausbildung zum Priester beginnen kann, muss ein Anmeldeverfahren durchlaufen werden.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Infobroschüre: