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Tabertshausen


Filialkirche St. Kilian in Tabertshausen

 
Seit dem 16. Jahrhundert gehört der Ort zum Herrschaftsbereich von Aholming. Die spätromanische Kirche ist dem hl. Kilian geweiht, als einzige in der Diözese Passau. Dieses in Niederbayern äußerst seltene Patrozinium hat wohl Bezug zum Kloster Niederaltaich, wo im Mittelalter öfter eine Kilianskapelle erwähnt wird. Der hl. Kilian wurde früher bei Rheumabeschwerden um Hilfe angefleht. Es ist anzunehmen, dass in den feuchten Isarauen manche Leute unter dieser Krankheit gelitten haben.
 
Die Kirche stammt wohl aus dem späten 13. Jahrhundert. Der quadratisch erscheinende eingezogene Chor hat geraden Schluss, das rippenlose Kreuzgratgewölbe ist sicher erst im 17. Jahrhundert eingezogen worden, denn es überdeckt teilweise die gotischen Wandmalereien.
Der gesamte Kirchenraum war ursprünglich wohl nie gewölbt. Eine Kuriosität ist die sehr schiefe Außenwand an der Südseite des Langhauses. Im 17. Jahrhundert wurden die für diese Zeit typischen unten und oben gerundeten Fenster eingebrochen. Bei der Renovierung von 1980 – 1983 wurde im Kirchenschiff eine Stahlbeton-Flachdecke eingezogen, um zu verhindern, dass sich die dickwandige Mauer noch mehr nach außen neigt.
Es war eine große Überraschung, als bei dieser Renovierung mittelalterliche Malereien gefunden wurden. Der gesamte Kirchenraum war einst mit Bildern geschmückt. An der Nordseite des Schiffes und im Chor sind diese relativ gut erhalten, weniger gut am Chorbogen, während an der Südseite nur so geringe Reste vorhanden waren, dass eine Freilegung und Konservierung sich nicht gelohnt hätte.
 
Die Wandgemälde:
Der Gemäldezyklus beginnt mit der überlebensgroßen Darstellung des h. Christopherus mit dem Christuskind. Nach der Meinung unserer Vorfahren konnte, wer am Morgen das Bild dieses Heiligen betrachtete, an diesem Tag keines unvorhergesehen Todes sterben.
Nach dem hl. Christopherus ist die Wand in eine untere und obere Zone aufgeteilt. Oben sind die hl. 14 Nothelfer, zu denen auch Christopherus zählt, dargestellt. Die untere Reihe beginnt links mit dem auferstandenen Christus, der der hl. Maria von Magdala erscheint, die ihn anfangs für den Gärtner hält. An ihrer Stelle befindet sich jetzt die Heiliggeisttaube auf goldenem Strahlenkranz, welche Bischof Fanz Xaver Eder 1987 zur Wiederweihe des Gotteshauses gestiftet hat.
 
Die Gemälde im Langhaus sind wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden. Etwa hundert Jahr jünger ist der Passionszyklus im Chor. Er beginnt links mit Christus am Ölberg, dann folgt die Gefangenennahme im Garten Gethsemane, die Geißelung, Kreuztragung, Kreuzigung, Kreuzabnahme, Grablegung und Auferstehung Christi.
 
Der prächtige Hochaltar wurde 1763 von dem tüchtigen Bildhauer Maximilian Wanger aus Pöding (heute Ortsteil von Osterhofen) geschaffen. Das Altarbild zeigt den Kirchenpatron in der himmlischen Glorie.
Über den beiden seitlichen Durchgängen steht links der hl. Sebastian und rechts der hl. Rochus, die beiden Pestpatrone. Am Altaraufbau befindet sich links der hl. Florian und gegenüber der hl. Donatus, der Wetterpatron.
Seitlich vom Chorbogen befinden sich die Holzfiguren der Maria Verkündigung. Der Erzengel Gabriel trägt schulterlanges lockiges Haar und ist mit Albe und Pluviale bekleidet. Maria im grünem Kleid und blauem Umhang hält ein aufgeschlagenes Buch in Händen und wendet sich in aufmerksamer Geste dem Erzengel zu. Die Gruppe befand sich einst im Schrein eines spätgotischen Flügelaltars aus der Zeit um 1500.