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Aus der Geschichte des Pfarrverbandes



(von Dr. Oswin Rutz)

Schon im Mittelalter gab es  „Pfarrverbände“
Die ersten Christen lebten zwischen Inn und Rott schon in der späten Römerzeit. Im frühen Herzogtum Baiern förderten die Herzöge und ab 739 das neu gegründete Bistum Passau die Christianisierung durch den Bau von Kirchen als Mittelpunkt des Glaubenslebens. Solche Urkirchen sind Sulzbach und Tettenweis. Ab dem Jahr 1000 wurden diesen kirchlichen Zentren mit einem Pfarrer ein festgelegtes Gebiet, der Pfarrsprengel, zugeteilt. Zu Sulzbach gehörten u.a. Ruhstorf, Rotthof, Rottersham und Eholfing, zu Tettenweis u.a. Hader. Berg war ein Teil der alten Pfarrei Reutern. Nachdem mit dem Bevölkerungswachstum die großen Filialen selbständig geworden waren, wurden sie in den letzten Jahrzehnten wie im kommunalen Bereich zum großen Pfarrverband Ruhstorf vereinigt.

Pfarrei Ruhstorf
Der Ort an der Römerstraße ist durch den Fund eines Schwertes bereits um 700 bewohnt. An Ostern 795 schenkt der Adelige Madalgoz seinen Besitz in „Essenbach an der Rott“, wie der Ort damals hieß, an die Bischofskirche in Passau. 1188 wird die schon bestehende Marienkirche als Filiale von Sulzbach vom Bischof an das Benediktinerkloster Vornbach geschenkt. Die Patres versahen die Seelsorge von Sulzbach aus, und ab 1611 als Pfarrvikare im alten Pfarrhof.1806 selbständige Pfarrei.
Kirche Mariä Himmelfahrt
Alte Pfarrkirche mit Friedhof, 1772-1788 erbaut, einfache Saalkirche mit Rokokoaltären von Joseph Narziß Modler (1780-1781), Grabepitaphien vom 15.-18.Jahrhundert des einheimischen Adels.
Pfarrkirche Christus der König
Durch die Industrialisierung und den Zuzug der Vertriebenen bedingt Neubau einer geräumigen Pfarrkirche durch den Dombaumeister Hans Schädel Würzburg 1960-1962. Der in der Diözese stilbildende Bau ist ein von hinten ansteigendes Zelt, dessen Decke statisch sehr kühn nur von hinten getragen wird. Im Osten großes abstraktes Betonglasfenster des Österreichers Markus Prachensky und weltweit erstes freistehendes Sakramentshaus als Lebensbaum von Fritz König, Landshut; Turm in Form einer vom Boden ansteigenden hohen Pyramidenspitze. Daneben Pfarrhof mit Pfarrbüro in Atriumform.
Rotthof Siebenschläferkirche
Zum Teil an der Außenmauer und im Inneren römische Grabaltäre und ein Weihestein für die Siegesgöttin aus dem 3. Jahrhundert. Spätrömische Grabsteinreliefs mit sieben Köpfen  führten zur Identifizierung mit den legendären Siebenschläfern aus Ephesus und dem Aufblühen einer Wallfahrt zu den Schutzheiligen des „Schlafs“.
1125/26 schenkt der kinderlose Adelige Meginhart von Rotehoven u.a. die Ortschaft an das Stift Berchtesgaden. Die Höfe werden ab dem 15. Jahrhundert von den Birndorfern, der Vorfahren des hl. Bruders Konrad von Parzham verwaltet. Kirche 1188 erwähnt.
Spätgotischer Gewölbebau von 1494/98 in ostbayerisch-Braunauer Bautradition. Die Altäre von Johann Baptist und Balthasar Modler 1758 sind ein Höhepunkt des ländlichen Bayerischen Rokokos. (Kirche während des Tages geöffnet).
Rottersham St. Nikolaus
812-817 schenkt ein Ratold seinen Besitz an die Diözese in Passau, die die Kirche 1188 zur Seelsorge an das Kloster Vornbach verleiht. Aus dieser Zeit ist das romanische Schiff  erhalten. Chor spätgotisch wahrscheinlich vom Meister von Berg. Interessante Emporenbemalung und Kirchenbänke aus der Spätgotik; moderner Flügelaltar mit Szenen aus dem Leben des hl. Nikolaus.

Pfarrei Sulzbach
Bereits 754 schenkt der Hochadelige Into seinen Hof, ein Lehen von Herzog Odilo, der  Domkirche St. Stephan in Passau. 788/89 stiftet der Priester Alto, wahrscheinlich identisch mit dem hl. Alto von Altomünster die St. Stephanuskirche und beschenkt sie reich mit Gütern samt Gesinde. Die Pfarrei wird mit Filialen 1188 an das Kloster Vornbach übergeben. Seit 1974 beim Pfarrverband Ruhstorf.
Weite spätgotische Kirche von 1474 mit wertvollem barocken Hochaltar.
Eholfing St. Vitus
In die Chormauer eingemauert Reste römische Grabsteine mit Symbolen ewigen Lebens. Eine von einem Meginhart 791/96 gestiftete Kapelle ist wahrscheinlich Eholfing. 1094 wird von den Grafen von Vornbach-Windberg der Lebensunterhalt für vier Kapläne geschenkt und die Kirche wird dem Kloster Vornbach eingegliedert.
Spätgotische Bau mit Braunauer Merkmalen mit wertvollen Fresken, einem Flügelaltar und einem figürlichen Glasfenster aus der Erbauungszeit.

Pfarrei Tettenweis St. Martin
Das Patrozinium des fränkischen Landespatron deutet auf eine Gründung vor oder um 800. 1182 übergibt Bischof Theobald die Pfarrei mit ihren Filialen dem Aussätzigenspital St. Ägid in der Passauer Innstadt und dem Innbrückenamt, die vom Domkapitel verwaltet wurden. In einer Zeit ohne Steuern mussten öffentliche Aufgaben durch die Einkünfte aus Pfarreien finanziert werden. Der Ort ist Heimat des Passauer Bischofs Christoph von Schachner (1490- 1500). Beim Ruhstorfer Pfarrverband seit 2009.
Der Gemeinderaum der spätgotischen Kirche ist eine Besonderheit, ein von Braunau angeregter sog. Dreistützenraum von 1472, dessen Gewölbe auf drei Pfeilern ruht. Durch die Verlängerung 1886 und 1904 entstand ein Wechsel zwischen zwei und drei Schiffen: Chor von 1531. Grabsteine des Ortsadels. Der Turm aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit reicher Friesverzierung hat eine elegante barocke Haube.
Benediktinerinnenabtei St. Gertrud
1899 gegründet im ehem. barocken Schloss. Neuromanischer Neubau von 1899 mit großer modernisierter Abteikirche.
Ottenberg St.Leonhard und Wolfgang
Gegründet als Hauskapelle des örtlichen Adelssitzes. Kleiner malerischer hochgotischer Bau mit schöner Einrichtung im barocken Knorpelstil (1683).

Pfarrei Hader St. Philipp und Jakob
Ehem. Filiale von Tettenweis und wohl schon 1182 an das Aussätzigenspital St. Egid und das Innbrückenamt geschenkt.1894 Pfarrei und seit 2007 beim Pfarrverband Ruhstorf.
Das Schiff der Kirche ist spätromanisch (vor 1300). Der Turm wurde um 1300 erbaut. Der Chor ist spätgotisch in Passauer Stilformen. Neugotische Einrichtung mit alten Figuren.
Hader Friedhofskapelle
Spätgotische Kapelle mit Familiengrab der Freiherrn von Moreau.
Schlosskapelle Kleeberg Mariä Himmelfahrt
Ehemaliger Festsaal mit Frührokokostuck von Johann B. Modler um 1740 mit Szenen aus der antiken Mythologie. Rokokoeinrichtung.

Pfarrei Berg
Wahrscheinlich als Burgkapelle der Edlen von Berg im 12. Jahrhundert gegründet. Filiale der Pfarrei Reutern. Seit dem großzügigen Kirchenbau Kampf um die Selbständigkeit, aber erst 1899 gelingt die Erhebung zur Pfarrei. Seit 1975 beim Pfarrverband Ruhstorf.
Spätgotischer Bau des Meisters von Wolfakirchen-Berg. Geschnitzte Sakristeitür von von 1485. Neugotische Einrichtung.