Missbrauch geistlicher Autorität

Missbrauch geistlicher Autorität ist die bewusste Ausnutzung einer geistlichen Autoritäts- oder Vertrauensbeziehung. Christliche Gottesbezüge, geistliche Übungen und kirchliche Traditionen werden auf eine Weise benutzt, dass sie die persönliche Freiheit und die spirituelle Selbstbestimmung betroffener Personen oder Gruppen verletzen, unterdrücken oder ausschalten, anstatt sie zu fördern.

Das inners­te Got­tes­ver­hält­nis eines betrof­fe­nen Men­schen wird in einer miss­bräuch­li­chen Situa­ti­on berührt. Letzt­lich basiert die­se Form des Miss­brauchs auf einer tief­grei­fen­den Ver­wechs­lung von geist­li­chen Per­so­nen mit der Stim­me Got­tes und ist somit ein Ver­ge­hen gegen Gott selbst. 

Das inners­te Got­tes­ver­hält­nis eines betrof­fe­nen Men­schen wird in einer miss­bräuch­li­chen Situa­ti­on berührt. Letzt­lich basiert die­se Form des Miss­brauchs auf einer tief­grei­fen­den Ver­wechs­lung von geist­li­chen Per­so­nen mit der Stim­me Got­tes und ist somit ein Ver­ge­hen gegen Gott selbst. 

Kriterien und Erkennungsmerkmale

Miss­brauch geist­li­cher Auto­ri­tät äußert sich in ver­schie­de­nen Dimen­sio­nen und zeigt cha­rak­te­ris­ti­sche Mus­ter. Die Arbeits­hil­fe der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz Nr. 338 benennt fol­gen­de zen­tra­le Indi­zi­en, die auf einen mög­li­chen Miss­brauch hin­deu­ten können:

1. Manipulation und Verletzung der spirituellen Autonomie

Durch:

  • emo­tio­na­len Druck und Einschüchterung
  • spi­ri­tu­el­le Vorgaben
  • Ent­wer­tung indi­vi­du­el­ler Lebens­ge­schich­ten oder bestehen­der Beziehungen
  • Erzeu­gung stän­di­ger Schuldgefühle
  • Zwang zur öffent­li­chen Ankla­ge von Ver­stö­ßen in einer geist­li­chen Gemeinschaft
  • Miss­brauch ver­trau­li­cher Informationen
  • Mani­pu­la­ti­ve Erzeu­gung emo­tio­na­ler Abhän­gig­keit in der Seelsorge

2. Kontrolle der Kommunikation und Information

In Bezug auf:

  • Her­kunfts­fa­mi­lie, Freun­de, Kol­le­gen oder ande­re sozia­le Bezüge
  • Kon­trol­le per­sön­li­cher Kor­re­spon­denz und Kontakte
  • Theo­lo­gisch-geist­li­che Zen­sur von Büchern, Zeit­schrif­ten und Medien
  • ein­sei­ti­ge Deu­tung geist­li­cher Inhal­te und Infor­ma­tio­nen zu Glau­be und Kirche
  • sys­te­ma­ti­sches Vor­ent­hal­ten von Informationen

3. Exklusivitätsansprüche der Gruppe oder Verantwortlichen

  • Auf­bau eines Per­so­nen­kults um eine Obe­rin, einen Obe­ren, einen Pfar­rer, eine Seel­sor­ge­rin oder einen Seelsorger
  • Mono­po­li­sie­rung des Ange­bots zur geist­li­chen Bil­dung durch ein­zel­ne Verantwortliche
  • Abso­lu­te Defi­ni­ti­ons­macht einer Person
  • Behaup­tung exklu­si­ver geist­li­cher Ein­sich­ten oder Kräf­te, die ande­ren nicht zugäng­lich sind
  • Unrecht­mä­ßi­ger Aus­schluss von den Sakra­men­ten als Mit­tel der Machtausübung
  • Unter­bin­dung frei­er Kri­tik an ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen oder der Gruppierung
  • Aus­schluss­dro­hun­gen gegen kri­ti­sche oder unan­ge­pass­te” Personen

4. Ideologisierung religiöser Wertvorstellungen und Praktiken

  • reli­giö­se Binnensprache
  • Ver­bot zu hinterfragen
  • Exklu­si­ve und rigi­de Vor­ga­be bestimm­ter Idea­le (mora­lisch, kör­per­lich, sexuell) 
  • Kri­mi­na­li­sie­rung von Ver­hal­ten, das hin­ter den Idea­len zurückbleibt
  • Abwer­tung der Gegen­warts­kul­tur und gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit bis in ein Feind­bild hinein
  • Igno­ranz gegen­über kirch­li­chen Wei­sun­gen, Anord­nun­gen und Regeln
  • Ver­wei­ge­rung von Trans­pa­renz und exter­ner Aufsicht

Differenzierungen und Abgrenzungen

Nicht jede Aus­ein­an­der­set­zung oder mensch­li­che Schwä­che in kirch­li­chen Kon­tex­ten stellt bereits Miss­brauch geist­li­cher Auto­ri­tät dar. Die Arbeits­hil­fe betont wich­ti­ge Unterscheidungen:

Kein auto­ma­ti­scher Miss­brauch liegt vor bei:

  • Nor­ma­len zwi­schen­mensch­li­chen Kon­flik­ten in reli­giö­sen Fragen
  • Ein­zel­nen Grenz­ver­let­zun­gen im kirch­li­chen Alltag
  • Mensch­li­chen Schwä­chen, die in jedem Gemein­schafts­le­ben spür­bar werden
  • Struk­tu­rel­len Span­nun­gen oder als starr emp­fun­de­nen Strukturen
  • Glau­bens­über­zeu­gun­gen, die als Zumu­tung emp­fun­den werden
  • Unbe­ab­sich­tig­ten Grenz­ver­let­zun­gen auf­grund von Bio­gra­fie, Kul­tur oder per­sön­li­cher Wertorientierung

Geist­li­ches Leben beein­flusst alle Dimen­sio­nen des Mensch­seins wie z. B. das Den­ken, Füh­len, Reden und Han­deln, den Glau­ben, das Beten und das Leben in Gemein­schaft. Wenn es in guter und der jewei­li­gen Per­son ange­mes­se­nen Wei­se gelebt wird, führt es zu grö­ße­rer Frei­heit und Ver­bun­den­heit mit Gott, den Mit­men­schen, der Schöp­fung und mit sich selbst. Geleb­ter Glau­be und ein geist­li­ches Leben kön­nen zu einem gelin­gen­den Leben bei­tra­gen, indem sie Ori­en­tie­rung, Sicher­heit, Sinn und Frei­heit ver­mit­teln helfen.

(Quel­le: Arbeits­hil­fe Miss­brauch geist­li­cher Auto­ri­tät. Zum Umgang mit Geist­li­chem Miss­brauch” der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz (DBK Nr. 338), 31. Mai 2023)

Unabhängige Ansprechperson Missbrauch geistlicher Autorität

Theologe, psychologischer Berater, Pastoralreferent i.R.

Rainer
Weißl

Unabhängige Ansprechperson "Geistlicher Missbrauch"

Psychologin

Dr. Agathe
Schiebelsberger

Unabhängige Ansprechperson „Geistlicher Missbrauch“

Beraterstab für Fragen des Missbrauchs geistlicher Autorität:

Der Bera­ter­stab – G ist ein Bera­tungs­gre­mi­um des Bischofs und beglei­tet in die­ser Funk­ti­on das gesam­te Ver­fah­ren im Umgang mit Vor­wür­fen des Miss­brauchs geist­li­cher Auto­ri­tät im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Diö­ze­se Pas­sau. Er arbei­tet auf Grund­la­ge der Arbeits­hil­fe Nr. 338 Miss­brauch geist­li­cher Auto­ri­tät – Zum Umgang mit Geist­li­chem Miss­brauch“ der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz sowie des Geset­zes zur Ord­nung der diö­ze­sa­nen Struk­tu­ren zur Inter­ven­ti­on bei Ver­dacht auf Miss­brauch geist­li­cher Auto­ri­tät (Inter­ven­ti­ons­struk­tur­ge­setz IntStruktG‑G).

Exter­ne unab­hän­gi­ge Ansprech­per­so­nen: 
Dr. Aga­the Schie­bels­ber­ger, Psy­cho­lo­gin
Rai­ner Weißl, Theo­lo­ge, psy­cho­lo­gi­scher Bera­ter, Pas­to­ral­re­fe­rent i.R.

Inter­ne Ansprech­per­so­nen:
Dia­kon Chris­toph Koch­mann, Beauf­trag­ter für Ange­le­gen­hei­ten Miss­brauch geist­li­cher Autio­ri­tät
Anto­nia Murr, Juris­tin und Inter­ven­ti­ons­be­auf­trag­te
Dom­ka­pi­tu­lar Offi­zi­al Claus Bitt­ner, Bischöf­li­cher Beauf­tra­ger für die Nachsorge

Hier finden Sie die Arbeitshilfe der DBK und das "Interventionsstrukturgesetz - G" zum Nachlesen:

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Arbeitshilfe der DBK - Interventionsstrukturgesetz G

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Ordnung Interventionsstrukturgesetz G

PDF  ·  504 kb

Sie haben Fragen zum Thema? Wir helfen Ihnen gerne.

Christoph
Kochmann

Diakon, Bischöflicher Beauftragter für Angelegenheiten Missbrauch geistlicher Autorität