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20181113 Frauenseelsorge 5464 info-icon-20px Foto: Simona Kehl / pbp

Was ist sexualisierte Gewalt?

Der Begriff „Sexualisierte Gewalt“ betont, dass es sich um einen Gewaltakt handelt, der in sexualisierter Form ausgedrückt wird. Somit wird sie körperlicher oder seelischer Gewalt nebengeordnet.

Sexualisierte Gewalt

Sexua­li­tät ist bei sexua­li­sier­ter Gewalt immer ein Mit­tel zum Zweck. Es geht pri­mär nicht um die Befrie­di­gung sexu­el­ler Bedürf­nis­se oder Lust, son­dern um die Befrie­di­gung von Macht­be­dürf­nis­sen oder dar­um einen Men­schen zu demü­ti­gen oder zu verletzen.

Durch die Ver­wen­dung des Begriffs Gewalt“ wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es sich bei der Hand­lung nicht um ein­ver­nehm­li­che Gescheh­nis­se zwi­schen Part­nern auf Augen­hö­he han­delt, son­dern um ein Ver­hal­ten, das eine Per­son der ande­ren Per­son aufzwingt.

Dabei darf der Begriff der Gewalt nicht zu eng ver­stan­den wer­den: Das Anwen­den phy­si­schen Zwangs (Fest­hal­ten, Schla­gen, Bedro­hen o. Ä.) ist nicht not­wen­dig. Um Gewalt han­delt es sich immer dann, wenn zwi­schen zwei oder mehr Per­so­nen ein Macht­ge­fäl­le herrscht, das dazu führt, dass die unter­le­ge­ne Per­son nicht in der Lage ist, sich einer Situa­ti­on zu ent­zie­hen, ihre eige­nen Wün­sche und Inter­es­sen nicht durch­set­zen kann.

Die­ses Macht­ge­fäl­le kann sich aus ver­schie­de­nen Kon­stel­la­tio­nen erge­ben. Es kann z. B. beru­hen auf

  • gro­ßen Altersunterschied,
  • sozia­len Status,
  • Geschlecht,
  • Her­kunft,
  • kör­per­li­cher Überlegenheit,
  • Auto­ri­täts­stel­lung,
  • kogni­ti­ver und/​oder sprach­li­cher Überlegenheit.

Ent­schei­dend ist, dass die über­le­ge­ne Per­son durch ihre Macht­po­si­ti­on den Ablauf des Gesche­hens und die Dyna­mik einer Bezie­hung dik­tie­ren kann. Die unter­le­ge­ne Per­son ist gezwun­gen, den Wün­schen der über­le­ge­nen Per­son Fol­ge zu leis­ten (bspw. weil sie sonst erheb­li­che Nach­tei­le in Kauf neh­men muss.)

Prävention im Bistum Passau:

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Erscheinungsformen

Um der Band­brei­te von sexua­li­sier­ter Gewalt gerecht zu wer­den, wird die­se in drei Berei­che ein­ge­teilt. Alle die­se For­men wer­den im Kon­text von Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt in den Blick genommen.

Grenzverletzungen

Grenz­ver­let­zun­gen sind die häu­figs­te Form von sexua­li­sier­te Gewalt. Gemeint sich alle Ver­hal­tens­wei­sen, bei denen die per­sön­li­chen Gren­zen über­schrit­ten wer­den, aller­dings geschieht dies meist unab­sicht­lich und auf­grund von man­geln­der Acht­sam­keit.

Ent­schei­dend, ob eine Hand­lung oder For­mu­lie­rung eine Grenz­über­schrei­tung ist, hängt nicht nur davon ab, was jemand tut, son­dern auch wie dies vom Gegen­über erlebt wird. 

Grenz­ver­let­zun­gen sind im All­tag nicht immer zu ver­mei­den, kön­nen aber meist mit einer ernst­ge­mein­ten Ent­schul­di­gung aus der Welt geschaf­fen werden.

Grenz­ver­let­zun­gen wer­den u. a. des­halb in der Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­te Gewalt beach­tet, weil bekann­ter­ma­ßen die­se oft­mals der Anfang eines Miss­brauchs­ge­sche­hens sind. 

Bei­spie­le:

  • Miss­ach­tung per­sön­li­cher Gren­zen (trös­ten­de Umar­mung, obgleich dies dem Gegen­über unan­ge­nehm ist)
  • Miss­ach­tung der Gren­zen der pro­fes­sio­nel­len Rol­le (Gespräch über das eige­ne Sexualleben)
  • Miss­ach­tung von Per­sön­lich­keits­rech­ten (Unge­fragt Fotos ohne Ein­ver­ständ­nis zu machen und an ande­re zu verschicken)
  • Miss­ach­tung der Intim­sphä­re (Umzie­hen in der Sam­mel­um­klei­de eines Schwimm­bads, obwohl sich ein Mäd­chen oder ein Jun­ge nur in der Ein­zel­ka­bi­ne umzie­hen möchte)

Sexuelle Übergriffe

Sexu­el­le Über­grif­fe sind immer Aus­druck von man­geln­den Respekt und gesche­hen nicht mehr zufäl­lig oder aus Ver­se­hen, außer­dem pas­sie­ren sie häu­fi­ger und mas­si­ver. Die Schwel­le zur Straf­bar­keit ist noch nicht über­schrit­ten, es besteht aber ein flie­ßen­der Über­gang zu die­ser. In eini­gen Fäl­len sind sexu­el­le Über­grif­fe ein stra­te­gi­sches Vor­ge­hen zur Vor­be­rei­tung straf­recht­lich rele­van­ter For­men sexua­li­sier­ter Gewalt. Sie gehö­ren zu den typi­schen Stra­te­gien, mit denen ins­be­son­de­re erwach­se­ne Täter tes­ten, in wie weit sie ihre Opfer mani­pu­lie­ren und gefü­gig machen können.

Bei­spie­le:

  • Ein­stel­len von sexua­li­sier­ten Fotos ins Inter­net und sexis­ti­sches Mani­pu­lie­ren von Fotos (Ein­fü­gen von Por­trait­auf­nah­men in Fotos von nack­ten Kör­pern in sexu­el­ler Pose)
  • wie­der­hol­te, ver­meint­lich zufäl­li­ge Berüh­rung der Brust oder der Geni­ta­li­en (bei Pfle­ge­hand­lun­gen, bei Hil­fe­stel­lun­gen im Sport oder bei diver­sen Spielen)
  • wie­der­holt abwer­ten­de sexis­ti­sche Bemer­kun­gen über die kör­per­li­che Ent­wick­lung jun­ger Menschen
  • sexis­ti­sche Spiel­an­lei­tun­gen (Pokern oder Fla­schen­dre­hen mit Entkleiden)
  • wie­der­hol­te Miss­ach­tung der Gren­zen der pro­fes­sio­nel­len Rol­le (z. B. Gesprä­che über das eige­ne Sexu­al­le­ben, Auf­for­de­run­gen zu Zärtlichkeiten)

Strafrechtlich relevante Tatbestände

Das Straf­ge­setz­buch bezeich­net die­se als Straf­ta­ten gegen die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung“ (§§ 174 ff. StGB). Nicht nur Erwach­se­ne, son­dern auch Jugend­li­che zwi­schen 1418 Jah­ren kön­nen bereits als Täter oder Täte­rin­nen zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen werden. 

Bei­spie­le:

  • Sexu­el­ler Miss­brauch von Schutzbefohlenen
  • Sexu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern oder Jugendlichen
  • Sexu­el­ler Über­griff; sexu­el­le Nöti­gung; Vergewaltigung
  • Ver­brei­tung, Erwerb und Besitz kin­der- oder jugend­por­no­gra­phi­scher Schriften
  • Sexu­el­le Belästigung
  • Ver­let­zung des höchst­per­sön­li­chen Lebens­be­rei­ches durch Bildaufnahmen

Sie haben Fragen zum Thema? Wir helfen Ihnen gerne.

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Bettina Sturm

Präventionsbeauftragte

Florian Weber

Florian Weber

Referent in der Präventionsarbeit

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Prävention gegen sexualisierte Gewalt

"Augen auf – hinsehen & schützen.“ So lauten die Leitprinzipien für die Prävention von sexualisierter Gewalt an Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen in der katholischen Kirche in Deutschland.