Foto: Wolfgang Bayer / pbp
Gott gibt uns Zeit zu wachsen, zu reifen und unser Leben radikal zu verändern. Er sieht in einem Menschen niemals nur das Gute oder das Böse allein. Im Gegenteil. Gott gibt uns die Zeit, Misslungenes ins Gute zu verändern und lehrt uns: Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß. Ein Impuls zum 19. Juli 2026 von Gemeindereferentin Jennifer Kinder.
„Das Leben ist eben nicht nur schwarz und weiß“, ein weiser Spruch meiner Oma, der sich im Laufe meines Lebens immer mehr bewahrheitet hat und mir hilft, nicht immer gleich mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern erst einmal tief durchzuatmen – manchmal vielleicht sogar auch eine Nacht darüber zu schlafen. Manchmal möchte ich eine Sache, die mir gegen den Strich geht, aber SOFORT klären. Ein Problem SOFORT lösen. Einen FEHLER SOFORT wieder gutmachen. Das Gute vom Bösen trennen – radikal – von der Wurzel an.
Ähnlich ergeht es Knechten eines Bauers, von dem Jesus im heutigen Evangelium erzählt: Der Bauer sät guten Weizen, aber nachts kommt ein Feind und sät Unkraut dazwischen. Als die Knechte das merken, wollen sie das Unkraut sofort ausreißen – das Problem an der Wurzel packen – Gutes von Bösem trennen. Radikal. Das Problem von der Wurzel her anpacken.
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Auf den ersten Blick: gut. Auf den zweiten Blick nur noch gut gemeint. Der Bauer stoppt sie, fordert die Knechte auf, geduldig zu sein, denn: man KANN das Gute vom Bösen noch gar nicht unterscheiden! Wer das Unkraut ausreißt, vernichtet auch den guten Weizen.
Gut und Böse sind in unserer Welt und in unseren Herzen existent — unbestreitbar. Und deren Unterscheidung ist nicht selten kompliziert oder im ersten Moment sichtbar. Was auf den ersten Blick wie Unkraut wirkt, entpuppt sich manchmal als wertvoll. Andererseits ist nicht alles Gold, was glänzt.
Jesus rät uns deshalb zur Geduld. Gott, im Gleichnis der Bauer, schlägt nicht sofort zu, sondern lässt Zeit zu reifen und zu wachsen. Das ist sicherlich keine Gleichgültigkeit! Vielmehr gibt Gott auch uns Zeit zu wachsen, gibt uns Zeit, das, was uns nicht gelungen ist RADIKAL ins Gute zu verändern und ER hat uns nicht nur in diesem Gleichnis vorgelebt: das Leben ist eben nicht nur schwarz und weiß.
Jennifer Kinder
Gemeindereferentin in Fürstenzell


