20181029_Jugendliche_1850

Prävention gegen sexualisierte Gewalt

Das Bistum Passau führt seit 2010 eine intensive Präventionsarbeit durch, um sexuellem Missbrauch vorzubeugen. Diese Präventionsarbeit bezieht alle betroffenen Personen mit ein: Kinder, Eltern und Lehrer, aber auch Seelsorger wie Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie die vielen ehrenamtlichen Verantwortlichen in der Kinder- und Jugendarbeit.

Seit Janu­ar 2010 ist bekannt gewor­den, dass sexu­el­ler Miss­brauch in Ein­rich­tun­gen der katho­li­schen Kir­che und auch in der Diö­ze­se Pas­sau statt­ge­fun­den hat. Die von der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz in Auf­trag gege­be­ne MHG-Stu­die hat im Jahr 2018 deut­li­che Ergeb­nis­se, wel­che die­se Taten neu beleuch­tet und bear­bei­tet hat.

Die Hil­fe für die Opfer sexu­el­ler Gewalt hat für das Bis­tum Pas­sau eine sehr hohe Prio­ri­tät. Zu die­ser Hil­fe gehö­ren neben mate­ri­el­len Leis­tun­gen auch mensch­li­che, the­ra­peu­ti­sche und seel­sorg­li­che Hilfs­an­ge­bo­te für die Opfer und ihre Ange­hö­ri­gen. Die Miss­brauchs­be­auf­trag­ten des Bis­tums sind eine ers­te Anlauf­stel­le für die Opfer. Sie reagie­ren bei Vor­fäl­len und Ver­mu­tun­gen pro­fes­sio­nell und ste­hen den Opfern als kom­pe­ten­te Gesprächs­part­ner zur Ver­fü­gung. Bei Bedarf ver­mit­teln die Miss­brauchs­be­auf­trag­ten an Fach­stel­len und Seelsorger. 

Die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz hat am 16. Sep­tem­ber 2013 die über­ar­bei­te­ten Leit­li­ni­en für den Umgang mit sexu­el­lem Miss­brauch Min­der­jäh­ri­ger vor­ge­stellt. Die vor­he­ri­ge Fas­sung stamm­te vom 31. August 2010. Die Leit­li­ni­en wer­den im Bis­tum Pas­sau kon­se­quent umgesetzt.

Fragen zum Thema? Wenden Sie sich jederzeit an den Präventionsbeauftragten im Bistum Passau

Franz Stadlberger

Franz Stadlberger

Präventionsbeauftragter

Birgit_Werbik

Birgit Werbik

Sachbearbeiterin Koordinierungsstelle gegen sexuelle Gewalt

Begriffe und Zusammenhänge

Sexualisierte Gewalt

Augen auf – hin­se­hen & schüt­zen. Leit­prin­zi­pi­en für die Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt an Kin­dern, jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen in der katho­li­schen Kir­che in Deutschland”

(März 2018)

Die Ent­wick­lung der Prä­ven­ti­ons­kon­zep­te, die ab dem Jahr 2010 erst­ma­lig umge­setzt wur­den, beruht auf einer engen Zusam­men­ar­beit mit erfah­re­nen Koope­ra­ti­ons­part­ne­rin­nen und -part­nern. Die Bera­tungs­er­geb­nis­se sind gespeist aus Feld­erfah­run­gen und wis­sen­schaft­li­cher Begleitforschung. 

Es haben sich dabei Leit­prin­zi­pi­en kirch­li­cher Prä­ven­ti­ons­ar­beit her­aus­ge­prägt, die zu einem erwei­ter­ten Ansatz unse­res Ver­ständ­nis­ses von Prä­ven­ti­ons­ar­beit geführt haben.

Die insti­tu­tio­nel­le Prä­ven­ti­on stellt dabei ein Quer­schnitts­the­ma dar, das sich wie ein roter Faden durch die unter­schied­li­chen Schlüs­sel­pro­zes­se der katho­li­schen Kir­che zieht. Somit soll der größt­mög­li­che Schutz von Kin­dern, Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen gewähr­leis­tet werden. 

(Quel­le: Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz: https://​www​.dbk​.de/​t​h​e​m​e​n​/sexu… )

Kindeswohlgefährdung

Kin­der haben das Recht auf gewalt­freie Erzie­hung. Kör­per­li­che Bestra­fun­gen, see­li­sche Ver­let­zun­gen und ande­re ent­wür­di­gen­de Maß­nah­men sind unzulässig.”

(§ 1631, Abs. 2, BGB)

Erklä­rung

Kin­des­wohl­ge­fähr­dung liegt vor, wenn das kör­per­li­che, geis­ti­ge und see­li­sche Wohl eines Kin­des durch das Tun oder Unter­las­sen der Eltern oder Drit­ter gra­vie­ren­de Beein­träch­ti­gun­gen erlei­det, die dau­er­haf­te oder zeit­wei­li­ge Schä­di­gun­gen in der Ent­wick­lung des Kin­des zur Fol­ge haben bzw. haben können. 

Bei einer Gefähr­dung muss die Beein­träch­ti­gung, die das Kind erlei­det, gra­vie­rend sein und es muss die bio­gra­phisch zeit­li­che Dimen­si­on beach­tet werden. 

Kin­des­wohl bezieht sich auf gegen­wär­ti­ge, ver­gan­ge­ne und auf zukünf­ti­ge Lebens­er­fah­rung und Lebens­ge­stal­tung eines Kindes.“ 

aus: Deut­sches Jugend­in­sti­tut. Heinz Kind­ler, Susan­na Lil­lig, Her­bert Blüml, Anne­gret Wer­ner, Cars­ten Rum­mel (Hg.): Hand­buch Kin­des­wohl­ge­fähr­dung nach § 1666 BGB und All­ge­mei­ner Sozia­ler Dienst. Sep­tem­ber 2004

Kindesmisshandlung

Kör­per­li­che Miss­hand­lun­gen
Dar­un­ter sind alle Hand­lun­gen zu ver­ste­hen, die zu kör­per­li­chen Ver­let­zun­gen oder gar zum Tod des Kin­des füh­ren kön­nen. Meis­tens sind Spu­ren wie blaue Fle­cken, Brü­che oder Ver­bren­nun­gen erkenn­bar, die Sor­ge­be­rech­tig­te aller­dings oft als Fol­gen eines Stur­zes oder Unfalls verharmlosen.“ 

aus: Pro­gramm Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on der Län­der und des Bun­des (Hg.): Kin­der­schutz geht alle an! Gemein­sam gegen Kin­des­miss­hand­lung und Ver­nach­läs­si­gung. Eine Hand­rei­chung für Lehr­kräf­te, päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te und Ehren­amt­li­che in der Kin­der- und Jugend­ar­beit. S. 9

See­li­sche Miss­hand­lung
See­li­sche Miss­hand­lung kann eben­so grau­sam sein wie kör­per­li­che Gewalt und ist wohl die häu­figs­te Form von Gewalt gegen Kin­der. Dazu zäh­len Äuße­run­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen, die Kin­der ängs­ti­gen, sie her­ab­set­zen oder über­for­dern. Als Fol­ge füh­len sich die Kin­der abge­lehnt und wert­los und reagie­ren dar­auf häu­fig mit Aggres­si­vi­tät, Distanz­lo­sig­keit, inne­rem Rück­zug, Ängs­ten und man­geln­dem Selbstwertgefühl.

See­li­sche Ver­let­zun­gen sind schwie­ri­ger zu erken­nen als kör­per­li­che, weil es kei­ne äuße­ren Anzei­chen dafür gibt.“

aus: Pro­gramm Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on der Län­der und des Bun­des (Hg.): Kin­der­schutz geht alle an! Gemein­sam gegen Kin­des­miss­hand­lung und Ver­nach­läs­si­gung. Eine Hand­rei­chung für Lehr­kräf­te, päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te und Ehren­amt­li­che in der Kin­der- und Jugend­ar­beit. S.10

Vernachlässigung

Ver­nach­läs­si­gung ist die andau­ern­de oder wie­der­hol­te Unter­las­sung für­sorg­li­chen Han­delns durch sor­ge­ver­ant­wort­li­che Per­so­nen (Eltern oder ande­re von ihnen auto­ri­sier­te Betreu­ungs­per­so­nen), wel­ches zur Sicher­stel­lung der see­li­schen und kör­per­li­chen Ver­sor­gung des Kin­des not­wen­dig wäre.

Die­se Unter­las­sung kann aktiv oder pas­siv (unbe­wusst), auf­grund unzu­rei­chen­der Ein­sicht oder unzu­rei­chen­den Wis­sens erfolgen. 

Die durch Ver­nach­läs­si­gung bewirk­te chro­ni­sche Unter­ver­sor­gung des Kin­des durch die nach­hal­ti­ge Nicht­be­rück­sich­ti­gung, Miss­ach­tung oder Ver­sa­gung sei­ner Lebens­be­dürf­nis­se hemmt, beein­träch­tigt oder schä­digt sei­ne kör­per­li­che, geis­ti­ge und see­li­sche Ent­wick­lung und kann zu gra­vie­ren­den blei­ben­den Schä­den oder gar zum Tode des Kin­des führen.“ 

aus: Scho­ne, R., Gint­zel, U., Jor­dan, E., Kal­scheu­er, M., Mün­der, J.: Kin­der in Not. Ver­nach­läs­si­gung im frü­hen Kin­des­al­ter und Per­spek­ti­ven sozia­ler Arbeit. Müns­ter 1997, S. 21.

Sexualisierte Gewalt

Um die eige­nen sexu­el­len Bedürf­nis­se befrie­di­gen zu kön­nen, nutzt eine Per­son die Unter­le­gen­heit einer ande­ren Per­son aus.”

Erklä­rung

Sexua­li­sier­te Gewalt meint jede sexu­el­le Hand­lung, die an oder vor einem Kind oder einem/​einer Jugend­li­chen ent­we­der gegen dessen/​deren Wil­len vor­ge­nom­men wird oder der die Per­son auf­grund kör­per­li­cher, psy­chi­scher, kogni­ti­ver oder sprach­li­cher Unter­le­gen­heit nicht wis­sent­lich zustim­men kann. 

Der Täter nutzt sei­ne Macht- und Auto­ri­täts­po­si­ti­on aus, um sei­ne eige­nen Bedürf­nis­se auf Kos­ten des Opfers zu befriedigen. 

Bei sexua­li­sier­ter Gewalt han­delt es sich um die Aus­nut­zung eines Macht­ge­fäl­les auf­grund von Geschlecht, Alter, kör­per­li­cher Über­le­gen­heit, Her­kunft sowie sozia­lem Sta­tus. Die Betrof­fe­nen sind auf­grund des bestehen­den Macht­ge­fäl­les meist nicht in der Lage, ohne Unter­stüt­zung von außen für ihr Recht auf see­li­sche und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit und ihr Recht auf Hil­fe wirk­sam einzutreten. 

Die Ver­ant­wor­tung für den Schutz von Kin­dern und Jugend­li­chen liegt des­halb bei den Erwachsenen. 

Bei­spie­le

Auf der kör­per­li­chen Ebe­ne kann sich sexu­el­le Gewalt z.B. in Küs­sen, unan­ge­mes­se­nen Berüh­run­gen sowie den ver­schie­de­nen For­men der Ver­ge­wal­ti­gung äußern. 

Auf der psy­chi­schen Ebe­ne gehö­ren u.a. anzüg­li­che Bemer­kun­gen über den Kör­per des Kin­des oder Jugend­li­chen, unan­ge­mes­se­ne Gesprä­che über Sexua­li­tät oder auch das Zugäng­lich­ma­chen und Zei­gen von ero­ti­schen und por­no­gra­phi­schen Erzeug­nis­sen sowie exhi­bi­tio­nis­ti­sche Ver­hal­tens­wei­sen dazu. (Ban­ge Deege­ner 1996105)

Grenzverletzungen

Situa­tio­nen, die eine Grenz­ver­let­zung dar­stel­len, sind nicht immer straf­recht­lich rele­vant. Jedoch sind die Gren­zen oft flie­ßend und manch­mal nicht ein­deu­tig zu entscheiden.”

Erklä­rung

Grenz­ver­let­zun­gen umfas­sen ein­ma­li­ge oder gele­gent­li­che, unan­ge­mes­se­ne Ver­hal­tens­wei­sen, die zumeist unab­sicht­lich gesche­hen. Die Bewer­tung des unan­ge­mes­se­nen Ver­hal­tens ist vom sub­jek­ti­ven Erle­ben der Betrof­fe­nen abhän­gig. Sie sind häu­fig die Fol­ge fach­li­cher oder per­sön­li­cher Unzu­läng­lich­kei­ten ein­zel­ner Per­so­nen oder auch das Ergeb­nis einer Orga­ni­sa­ti­ons- und Ein­rich­tungs­kul­tur, in der indi­vi­du­el­le Gren­zen wenig gel­ten und kon­kre­te Regeln und Struk­tu­ren feh­len. (Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013

Im päd­ago­gi­schen und pas­to­ra­len All­tag sind Grenz­über­schrei­tun­gen nicht ganz zu ver­mei­den. Zufäl­li­ge und unbe­ab­sich­tig­te Grenz­ver­let­zun­gen (zum Bei­spiel eine unbe­ab­sich­tig­te Berüh­rung oder Krän­kung durch eine als ver­let­zend erleb­te Bemer­kung) sind im all­täg­li­chen Mit­ein­an­der kor­ri­gier­bar, wenn die grenz­ver­let­zen­de Per­son dem Gegen­über mit einer grund­le­gend respekt­vol­len Hal­tung begegnet.

Bei­spie­le

  • Miss­ach­tung von per­sön­li­chen Gren­zen (z.B. eine gut gemein­te, trös­ten­de Umar­mung, die dem Gegen­über aber unan­ge­nehm ist) 
  • Miss­ach­tung der Gren­zen der pro­fes­sio­nel­len Rol­le (z.B. Gesprä­che über das eige­ne Sexualleben) 
  • Miss­ach­tung von Per­sön­lich­keits­rech­ten (z.B. Ver­let­zung des Rechts auf das eige­ne Bild durch Ver­öf­fent­li­chung über Han­dy oder Internet) 
  • Miss­ach­tung der Intim­sphä­re (z.B. Umklei­den nur in der Sam­mel­ka­bi­ne möglich) 

(Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013)

Sexuelle Übergriffe

Beschul­dig­te fan­gen mit sexu­el­len Grenz­über­schei­tun­gen an, um die Reak­ti­on der Betrof­fe­nen zu testen.”

Erklä­rung

Sexu­el­le Über­grif­fe gesche­hen nicht zufäl­lig und unbe­ab­sich­tigt, son­dern stel­len eine ein­deu­ti­ge Über­schrei­tung gesell­schaft­li­cher Nor­men, insti­tu­tio­nel­ler Regeln und fach­li­cher Stan­dards dar – auch über per­sön­li­che Gren­zen, ver­ba­le, non­ver­ba­le und kör­per­li­che Wider­stän­de der Opfer hin­weg und gegen die Kri­tik Dritter. 

Sie sind mas­si­ver, häu­fi­ger als Grenz­ver­let­zun­gen und resul­tie­ren aus einer respekt­lo­sen Grund­hal­tung sowie per­sön­li­chen und/​oder fach­li­chen Defi­zi­ten des Täters bzw. der Täterin. 

(Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013

Bei­spie­le

  • Sexis­ti­sches Mani­pu­lie­ren von Fotos und das Ein­stel­len sexua­li­sier­ter Fotos ins Internet
  • Wie­der­hol­te und nur ver­meint­lich zufäl­li­ge Berüh­run­gen des Brust- oder Genitalbereichs 
  • Wie­der­holt abwer­ten­de sexis­ti­sche Äußerungen 
  • Sexis­ti­sche Spielanleitungen 
  • Wie­der­hol­te Miss­ach­tung der Gren­zen der pro­fes­sio­nel­len Rol­le (z.B. Auf­for­de­run­gen zur Zärt­lich­keit, Gesprä­che über das eige­ne Sexualleben) 

(Vgl. Ber­tels, Waz­la­wik 2013)

Strafrechtlich relevante Tatbestände

Erklä­rung

Sexu­el­le Hand­lun­gen an oder mit Kin­dern unter 14 Jah­ren sind ver­bo­ten. Sie wer­den mit bis zu zehn Jah­ren Frei­heits­stra­fe bestraft. Zu sexu­el­len Hand­lun­gen gehört nicht nur Geschlechts­ver­kehr, son­dern auch Pet­ting und Küs­sen, das Anfas­sen von Geschlechts­tei­len, aber auch die Her­stel­lung, Ver­brei­tung und der Besitz von kin­der­por­no­gra­phi­schen Produkten(vgl. § 184 STGB). Auch wer jeman­den zwingt, einem ande­ren bei der Selbst­be­frie­di­gung zuzu­se­hen, macht sich straf­bar (vgl. § 176 StGB). Auch exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lun­gen wer­den straf­recht­lich verfolgt. 

Natür­lich kön­nen auch sexu­el­le Hand­lun­gen mit oder an älte­ren Jun­gen und Mäd­chen straf­bar sein, auch wenn sie voll­jäh­rig sind. Man unter­schei­det dabei:

  • Wer die Not­la­ge eines Jun­gen oder Mäd­chen unter 18 Jah­ren aus­nutzt, um an der/​dem Jugend­li­chen sexu­el­le Hand­lun­gen vor­zu­neh­men, macht sich straf­bar. Eine sol­che Not­la­ge kann z.B. feh­len­des Geld oder ein­fach die Angst vor dem/​der Täter/​in sein. Das Opfer muss dabei nicht bedroht sein und es muss auch kei­ne kör­per­li­che Gewalt ange­wen­det wor­den sein. Es droht dem/​der Täter/​in eine Stra­fe bis zu fünf Jah­ren für sexu­el­len Miss­brauch an Jugend­li­chen (vgl. § 182 StGB).
  • Wenn ein Erwach­se­ner, dem Kin­der und Jugend­li­che bis 18 Jah­re anver­traut sind (Leh­rer, Grup­pen­lei­ter u.ä.), sei­ne Posi­ti­on aus­nutzt, um sexu­el­le Hand­lun­gen an oder mit den ihm anver­trau­ten Kin­dern und Jugend­li­chen durch­zu­füh­ren, macht er sich straf­bar. Das ist sexu­el­ler Miss­brauch von Schutz­be­foh­le­nen und wird mit einer Frei­heits­stra­fe von bis zu fünf Jah­ren bestraft (vgl. § 174 StGB).

Die rechtlichen Grundlagen finden Sie hier:

Wir über uns

Hier fin­den Sie Infor­ma­tio­nen über die Koor­di­nie­rungs­stel­le Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt im Bis­tum Pas­sau, über unse­re Auf­ga­ben und uns selbst.

Diözesanbeauftragter für Prävention - Koordinationsstelle für Prävention von sexualisierter Gewalt

Der Prä­ven­ti­ons­be­auf­trag­te unter­stützt und ver­netzt die diö­ze­sa­nen Akti­vi­tä­ten zur Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt an Kin­dern, Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen. Neben der Fach­be­ra­tung von Prä­ven­ti­ons­pro­jek­ten und Infor­ma­ti­ons- und Vor­trags­an­ge­bo­ten vor allem im Aus- und Wei­ter­bil­dungs­be­reich gehö­ren zu ihren Auf­ga­ben auch die Wei­ter­ent­wick­lung von ver­bind­li­chen Qua­li­täts­stan­dards in der Präventionsarbeit. 

Er sorgt dafür, dass die bei­den Zie­le der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz zur Prä­ven­ti­on zur Umset­zung gelangen:

  1. Ent­wick­lung einer neu­en Kul­tur des acht­sa­men Miteinanders 
  2. Ent­wick­lung von trans­pa­ren­ten, nach­voll­zieh­ba­ren, kon­trol­lier­ba­ren und eva­lu­ier­ba­ren Struk­tu­ren und Pro­zes­sen zur Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt

Ziel eins: Ent­wick­lung einer neu­en Kul­tur des acht­sa­men Mit­ein­an­ders

Eine neue Kul­tur des acht­sa­men Mit­ein­an­ders zu ent­wi­ckeln ist ein kir­chen­in­ter­ner Ver­än­de­rungs­pro­zess. Zum einen mit Min­der­jäh­ri­gen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen, zum ande­ren inner­halb aller, die in der Diö­ze­se mit­ein­an­der arbei­ten und zu tun haben. Sei es ehren­amt­lich oder hauptamtlich.

Die Deut­schen Bischö­fe defi­nie­ren eine neue Kul­tur der Acht­sam­keit wie folgt:

Eine Kul­tur der Achtsamkeit

  • … ist mehr als nur iso­lier­te Maßnahmen
  • … bedeu­tet ein Umden­ken im Umgang mit Kin­dern und Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutzbefohlenen
  • … bedeu­tet ein Umden­ken im Umgang mit allen Ver­ant­wort­li­chen in unse­rer Kir­che und mit uns selbst
  • … besteht aus gemein­sa­men Über­zeu­gun­gen, Wer­ten und Regeln, die in tief emp­fun­de­nen Gefüh­len der Bil­li­gung oder Miss­bil­li­gung ver­an­kert sind
  • … ist getra­gen von Fach­wis­sen und Feedbackkultur
  • … lässt neue Gewohn­hei­ten ent­ste­hen, die gemein­sam gelebt werden
  • … bedeu­tet zurück­tre­ten von gewohn­ten Denk­mus­tern und Wahr­neh­mungs­fil­tern mit Ein­neh­men einer Weit­win­kel­sicht“
  • … bedeu­tet ande­res Han­deln: Hin­se­hen und nicht weg­schau­en, hand­lungs­fä­hig sein und Zivil­cou­ra­ge zei­gen und fördern
  • … hilft, eine siche­re Umge­bung für Kin­der und Jugend­li­che oder erwach­se­ne Schutz­be­foh­le­ne aufzubauen
  • … bedeu­tet fein­füh­li­ger wer­den, wie Rech­te von Kin­dern und Jugend­li­chen oder erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen und deren Par­ti­zi­pa­ti­on in den Mit­tel­punkt gestellt wer­den können

Acht­sam­keit, so die Deut­schen Bischö­fe, beginnt im Umgang mit sich selbst. Das heißt, Acht­sam­keit beginnt damit, auf­merk­sa­mer mit sich selbst umzu­ge­hen. Mit eige­nen Gefüh­len, mit Ide­en und Kri­tik, mit Trans­pa­renz und Zusam­men­ar­beit. Das bedeu­tet, die eige­nen Gefüh­le bes­ser wahr­zu­neh­men, kri­ti­sche Impul­se zuzu­las­sen und im eige­nen Han­deln Trans­pa­renz und Par­ti­zi­pa­ti­on umzu­set­zen. Dies kann erleich­tern und das eige­ne Han­deln bereichern.

Der Begriff der Acht­sam­keit ist ein zutiefst spi­ri­tu­el­ler Begriff, der in allen Reli­gio­nen behei­ma­tet ist. Der Wert des Begriffs fin­det sich seit Jahr­hun­der­ten im Umgang mit ande­ren Men­schen, Schöp­fung sowie mit sich selbst. Mit Acht­sam­keit ist eine Grund­hal­tung gemeint, die wir als Chris­ten im Beson­de­ren mit dem leben­di­gen Gott in Ver­bin­dung brin­gen. Aus christ­li­cher Sicht ist die Acht­sam­keit ein Begriff, der durch die Fröm­mig­keits­ge­schich­te geprägt ist. 

Acht­sam­keit hat wesent­lich mit Gebet, mit Barm­her­zig­keit und wert­schät­zen­der Begeg­nung mit dem Nächs­ten und mit Gott zu tun. 

Acht­sam­keit als Hal­tung ist eine der Kern­auf­ga­ben der Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt an Min­der­jäh­ri­gen oder erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen, weil dadurch eine hohe Sen­si­bi­li­tät im Mit­ein­an­der geför­dert wird. Die­se zeigt sich u.a. in einem gesun­den Nähe-Distanz-Ver­hält­nis, in einer posi­ti­ven Anwen­dung von Macht und in einem mit akzep­tier­ten Gren­zen gestal­te­ten Leben.

Ziel zwei: Ent­wick­lung von trans­pa­ren­ten, nach­voll­zieh­ba­ren, kon­trol­lier­ba­ren und eva­lu­ier­ba­ren Struk­tu­ren und Pro­zes­sen zur Prä­ven­ti­on sexua­li­sier­ter Gewalt

Die Deut­schen Bischö­fe legen mit der Umset­zung eines insti­tu­tio­nel­len Schutz­kon­zep­tes die Grund­la­gen für die­se Zie­le. Jede Ein­rich­tung und jeder Pfarr­ver­band in den Diö­ze­sen ist ver­pflich­tet, die­ses Schutz­kon­zept auf den Grund­la­gen der miss­brauchs­ver­hin­dern­den Struk­tu­ren umzu­set­zen. Die­se wer­den erreicht mit: 

  • Trans­pa­renz
  • Kla­re Struk­tu­ren, ein­deu­ti­ge Zustän­dig­kei­ten und kla­re Regeln
  • Par­ti­zi­pa­ti­on
  • Gleich­be­rech­tig­ter Umgang zwi­schen den Geschlechtern
  • Sexu­al­päd­ago­gi­sche Konzepte
  • Kul­tur der Acht­sam­keit und Wertschätzung
  • Pro­fes­sio­nel­ler Umgang mit Nähe und Distanz.

Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt in die­sem Sinn ist inte­gra­ler Bestand­teil jeg­li­cher kirch­li­cher Arbeit mit Kin­dern, Jugend­li­chen und erwach­se­nen Schutz­be­dürf­ti­gen. Die Katho­li­sche Kir­che will all die­sen im Geist des Evan­ge­li­ums einen siche­ren Lern- und Lebens­raum bie­ten. Dar­in wird ihre mensch­li­che und geist­li­che Ent­wick­lung geför­dert sowie ihre Wür­de und Inte­gri­tät geach­tet. Psy­chi­sche und phy­si­sche Grenz­ver­let­zun­gen wer­den damit ver­mie­den.

Rah­men­ord­nung Prä­ven­ti­on der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz vom 16.09.2013:
Link Rah­men­ord­nung Prä­ven­ti­on der dbk

Die Ansprechpartner in der Präventionsarbeit:

Franz Stadlberger

Franz Stadlberger

Präventionsbeauftragter

Birgit_Werbik

Birgit Werbik

Sachbearbeiterin Koordinierungsstelle gegen sexuelle Gewalt

Aufgaben des Präventionsbeauftragten

  • Ent­wick­lung eines diö­ze­sa­nen Präventionskonzepts
  • Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung von Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men zur Prävention
  • Fach­be­ra­tung bei der Pla­nung und Durch­füh­rung von Präventionsprojekten
  • Bera­tung und Abstim­mung bei der Ent­wick­lung und Umset­zung von insti­tu­tio­nel­len Schutzkonzepten
  • Ver­mitt­lung von Fach­re­fe­ren­tin­nen und Fachreferenten
  • Bera­tung von Qualifizierungsseinrichtungen
  • Eva­lua­ti­on und Wei­ter­ent­wick­lung ver­bind­li­cher Qua­li­täts­stan­dards im Präventionsbereich
  • Erstel­lung von Infor­ma­tio­nen von Prä­ven­ti­ons­ma­te­ria­li­en und Präventionsprojekten
  • Durch­füh­rung von Schu­lun­gen und Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen für Mit­ar­bei­ter aller Berufsgruppen
  • Ver­net­zung von Prä­ven­ti­ons­ar­beit mit kirch­li­chen und nicht-kirch­li­chen Fach­be­ra­tungs­stel­len gegen sexua­li­sier­te Gewalt
  • Sicher­stel­lung von Qua­li­fi­zie­rung und Infor­ma­ti­on der für Prä­ven­ti­ons­fra­gen geschul­te Personen
  • Prä­ven­ti­on und Intervention
  • Öffent­lich­keits­ar­beit in Koope­ra­ti­on mit der Pres­se­stel­le des Bis­tums Passau.

Verhaltenskodex

Auf Anwei­sung von Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB hat die Pas­sau­er Stab­stel­le Prä­ven­ti­on, die dem Gene­ral­vi­kar zuge­ord­net ist, einen Ver­hal­tens­ko­dex ver­fasst, der eine Ori­en­tie­rung für adäqua­tes Ver­hal­ten geben und einen Rah­men schaf­fen soll, der Grenz­ver­let­zun­gen, sexu­el­le Über­grif­fe und Miss­brauch in der kirch­li­chen Arbeit ver­hin­dern hel­fen soll. Hier geht es zum Inter­view mit Bischof Ste­fan Oster:

Hier können Sie, die im Verhaltenskodex definierten Inhalte, nachlesen:

Hier finden Sie weitere Internetseiten zum Thema:

Prä­ven­ti­on in den Ein­rich­tun­gen der Katho­li­schen Kir­che – Por­tal der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz: www​.dbk​.de/​t​h​e​m​e​n​/​s​e​x​u​e​l​l​e​r​-​m​i​s​s​b​r​a​u​c​h​/​p​r​a​e​v​e​n​tion/

Kein Raum für Miss­brauch:
www​.kein​-raum​-fuer​-miss​brauch​.de

Hier gelangen Sie zurück zu den Hauptseiten: