Unter dem Motto: In Kapellen beten, Kraft schöpfen, Ruhe finden und Natur genießen hat die Pilgerbegleiterin Gertraud Seidl zu einer eindrucksvollen Pilgeraktion eingeladen. Auf einem Rundkurs von ca. 10 Kilometern wurden mehrere kleine Kapellen besucht – stille Orte der Einkehr und geistlichen Begegnung. Jede Station bot Gelegenheit zum Innehalten: mit kurzen Andachten, geistlichen Impulsen, Gesängen und gemeinsamen Gebeten.
In der St.Josef Kirche von Karlsbach war der Ausgangspunkt. Ein mit Blumen geschmückter Pilgerstab, der als Symbol für Führung und Gemeinschaft diente, ging bei den zwölf Gläubigen zur Vorstellungsrunde herum. Bereits dieser Moment der Vorstellung schuf eine besondere, verbindende Atmosphäre.
Es folgte ein Rückblick über die bewegende Geschichte der Kirche, die im Jahr 1922 erbaut wurde. Es waren arme und schwierige Zeiten nach dem ersten Weltkrieg. Kooperator Otto Kaufmann war ein ganzes Jahr auf dem Holzbettel unterwegs. Oft bis zu 15 Stunden ging er von Ortschaft zu Ortschaft. In der Kirche ist auch die erste Kapelle, nämlich eine Marienkapelle. Gemeinsam wurde dort gesungen und gebetet.
Dann wurde nach Atzesberg zur Dorfkapelle aufgebrochen. Der Weg führte durch schattige Wälder und angeregt unterhaltend lernte man sich kennen — dies ist Gemeinschaft erleben. Geschichtliches über die Erbauung der Dorfkapelle Atzesberg brachte Frau Maria Berger bei.
Nun begann ein besinnlicher, ruhiger Teil des Pilgerweges. Schweigend geht die Gruppe durch ein verträumtes idyllisches Tal, jeder in seinem Tempo. Schritt für Schritt in heiterer Stille wuchs das Bewusstsein für die eigenen Sinne: den weichen Wind, ein gackerndes Huhn, eine Katze die uns erstaunt beobachte und der kühle rauschende Wald. Dabei sollten alle belastenden Gedanken ausgeblendet werden. Kein Denken an die Arbeit, die Familie oder Probleme. Nur so waren die Sinne voll im Einsatz und dies führt zu einer verstärkten Wahrnehmung der natürlichen Umgebung und inneren Ruhe. Am nächsten Zielpunkt, dem sogenannten Goldener Steig-Brunnen vor der Ortschaft Reut hielten die Pilger inne.
An dieser ausgewählten Station lud Gertraud Seidl zur Qi Gong Meditation ein. Die meditativen Bewegungen bringt Atem, Körper und Geist in Einklang. Jeder Atemzug wurde intensiv gespürt. Nach dieser meditativen Pause führte der Weg durch die Ortschaft Reut Richtung Stadlerkapelle.
Der Ursprung und die Geschichte dieser kleinen Privatkapelle war für die Pilgerinnen und Pilger sehr interessant. Der Überlieferung nach wurde sie vor langer Zeit aus Dankbarkeit erbaut. Die Verwandten einer Frau, die nach schwerer Krankheit durch Gebete überraschend gesundete haben die kleine Holzkapelle errichtet.
Nun auf halber Strecke der Pilgerwanderung wurde eine Pause eingelegt und die mitgebrachten Brotzeiten verzehrt.
Gestärkt gings auf Feldwegen weiter mit Fernblick auf die Stadt Waldkirchen und die Höhenzüge rund um den Oberfrauenwald. Bald war die letzte Kapelle in Wotzmannsreut erreicht. Unterwegs haben wir Steine gesammelt, die wir nun betrachteten. Jeder Stein anders, so wie wir Menschen.
In der letzten Etappe ging es zurück zur Kirche St. Josef in Karlsbach. Ein altes Pilgergebet endete mit dem Pilgersegen. Die Teilnehmenden waren sich einig: „Pilgern bereichert“ und der Wunsch nach Wiederholung wurde ausgesprochen.
Text: Gertraud Seidl, Pilgerbegleiterin


