Bild: Thomas König
Das Bistum will dauerhaft Strukturen etablieren, die Missbrauch und Gewalt verhindern helfen. Aus diesem Grund wurde eine neue Stabsabteilung des Generalvikars eingerichtet, in der die Fachbereiche der Prävention, der Intervention, der Nachsorge und der Aufarbeitung verortet sind.
Missbrauch umfasst jede Form von sexueller, körperlicher oder seelischer Misshandlung, die sehr oft mit Machtmissbrauch einhergeht. Missbrauch und Gewalt verletzen die Würde des Menschen und haben oftmals lebenslange Folgen für die Betroffenen. Das Bistum sieht es als dauerhafte Verpflichtung an, Strukturen zu etablieren, die jegliche Form von Missbrauch und Gewalt verhindern helfen. Aus diesem Grund wurde die neue Stabsabteilung eingerichtet: PINA. Der Name leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der Fachbereiche ab: Prävention, Intervention, Nachsorge und Aufarbeitung. Mit PINA folgt das Bistum sowohl der Empfehlung der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) und des Unabhängigen Betroffenenbeirates (UBB) als auch den Erkenntnissen der im Dezember 2025 veröffentlichten Aufarbeitungsstudie. Im Gesetz zur Organisation der Stabsabteilung ist die Grundlage für diese neue Struktur der Aufarbeitung geschaffen worden.
Dem vorausgegangen waren gut fünf Jahre, in denen die Mitglieder der Unabhängigen Aufarbeitungskommission im Bistum Passau mit großer Fachkenntnis die historisch-wissenschaftliche Aufarbeitung angestoßen und begleitet haben. UAK und UBB waren im Jahr 2021 von Bischof Dr. Stefan Oster eingesetzt worden. Die Kernaufgabe beider Gremien bestand in der Aufklärung und Aufarbeitung nicht nur sexualisierten Missbrauchsgeschehens und dessen Folgen auf Seiten betroffener Personen im Bistum Passau, sondern besonders auch in der Erarbeitung von daraus zu ziehenden Konsequenzen auf der Ebene systemischer Reformen.
Die von der UAK in Auftrag gegebene und vom Bistum finanzierte Studie Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022 (Verfasser: Prof. Dr. Marc von Knorring & M.A. Anna Karoline Matschl) untersuchte „sexualisierte Gewalt und andere Formen körperlicher Misshandlung im kirchlichen Raum des Bistums Passau“ wissenschaftlich fundiert und historisch nachvollziehbar. Im Mittelpunkt standen nicht nur individuelle Fehlhandlungen, sondern insbesondere strukturelle, organisatorische und kulturelle Faktoren, die Missbrauch ermöglicht oder dessen Aufdeckung erschwert haben“, erklären Siegfried Lang, der Sprecher des UBB, und Guido Pollak, der Vorsitzende der UAK.
Besonders bedeutsam seien die Erkenntnisse über die in diesem Sinne negative Rolle von sogenannten „Bystandern“ im familiären, schulischen und sozialen Umfeld des Tatgeschehens. Aus der Studie für das Bistum Passau und aus zahlreichen anderen Studien und Forschungsergebnissen haben UAK und UBB Empfehlungen für aus ihrer Sicht sinnvolle Reformmaßnahmen entwickelt und in den Dialog mit den im Bistum verantwortlichen Entscheidungsträgern eingebracht. Mit Blick auf die aus Sicht beider Gremien notwendige Weiterführung der Aufgaben wurde die Einrichtung einer Stabsstelle empfohlen, in der die genannten Aufgabenbereiche institutionell verankert werden sollten. Die Leitung liegt bei Kanzlerin Antonia Murr.
In der neuen Struktur der Aufarbeitung nimmt der Gesamtberaterstab eine zentrale Rolle ein. Er ist nicht weisungsgebunden und in seiner Tätigkeit unabhängig. Er verantwortet künftig die Qualitätssicherung und das Monitoring der Stabsabteilung PINA und ist das zentrale Beratungsorgan für Bischof und Generalvikar in diesem Bereich.
Ein wichtiges Anliegen bleibt es, Betroffenen eine Stimme zu geben und sie auch in Zukunft in allen Belangen von PINA im Bistum Passau miteinzubeziehen. So haben sich auch zwei Betroffene bereit erklärt, in dem neu gegründeten ständigen Beraterstab für Fragen von sexualisierter und körperlicher Gewalt sowie im Gesamtberaterstab im Bistum Passau mitzuwirken und sich als Stimme der Betroffenen einzubringen. Darüber hinaus werden sie in Zukunft als Betroffenenvertreter auch direkt für Betroffene als Anlaufstelle zur Verfügung stehen und diese auf Wunsch unterstützen und begleiten.
Nach Ansicht von Bischof Stefan Oster wird die Strukturreform und Einrichtung der Stabsstelle die Anliegen von UAK und UBB wachhalten. „Mir ist es wichtig, dass die Kirche ein Ort wird, der möglichst sicher ist und wo Menschen das Heil finden und nicht das Unheil“, so das Fazit des Bischofs.



