Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) in der Diözese Passau ist mit einem neuen Format in das Jahr 2026 gestartet: Im Festsaal St. Maximilian in Passau lud der Frauenbund zum politischen Neujahrsempfang ein. Damit unterstrich der KDFB sein Engagement als politischer Verband, der Lobbyarbeit für Frauen vorantreibt. Gleichzeitig bot sich die Chance zum intensiven Austausch unter gleichgesinnten Frauen, die nach echter Gleichstellung streben.
KDFB-Diözesanvorsitzende Claudia Seibold begrüßte fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter einige aktive Mandatsträgerinnen sowie KDFB-Frauen, die sich auf Diözesan‑, Dekanats- und Zweigvereinsebene engagieren. Mit Blick auf die Kommunalwahlen in Bayern, die am 8. März 2026 und damit am Weltfrauentag stattfinden, stellte Seibold heraus, dass die Präsenz von Frauen in der Kommunalpolitik von großer Bedeutung sei. „Gerade in der Kommunalpolitik geht es um Themen, die uns unmittelbar betreffen. Es gibt auf dieser Ebene also viel Gestaltungspotenzial“, sagte Seibold und betonte: „Demokratie braucht Engagement und Frauen!“ Als Motto für den Neujahrsempfang hatte der KDFB „Island – wildes Land – starke Frauen: Feminismus als Anleitung zum Glücklichsein“ gewählt. „Lange Zeit war es für deutsche Frauen, die sich öffentlich zu einem Missstand äußerten, ein ungeschriebenes Gesetz, ihr Statement mit den Worten ‚Ich bin ja keine Feministin, aber…‘ zu beginnen. Es ist an der Zeit, den Begriff Feminismus positiv und selbstbewusst zu verwenden“, forderte KDFB-Bildungsreferentin Tanja Kemper und übergab das Wort an die Referentin des Abends: Margrét Rún Kraus, geboren und aufgewachsen in Island, Regisseurin und Vorsitzende der SPD-Frauen in Passau Stadt und Landkreis.
Margrét Rún Kraus berichtete aus erster Hand von dem legendären Frauenstreik der Isländerinnen, der sich im Oktober 2025 zum 50. Mal jährte. Zunächst aber schilderte sie die Ausgangslage: 1970 waren im isländischen Parlament lediglich eine Frau, aber 95 Männer vertreten. Isländische Frauen wurden deutlich schlechter bezahlt als Männer, die denselben Beruf ausübten. Zudem mussten sie sich ganz selbstverständlich um die Carearbeit kümmern. Rahmenbedingungen, die sich die Frauen nicht länger gefallen lassen wollten. 1970 wurde mit den „Roten Socken“ eine überparteiliche Frauenbewegung gegründet. Immer wieder machten die „Roten Socken“ mit aufsehenerregenden und originellen Aktionen auf sich aufmerksam. Beispielsweise wurde laut Kraus einmal eine Hausfrauenpuppe an einen Weihnachtsbaum gekreuzigt und durch die Straßen getragen. Die Frauen organisierten Protestmärsche, schrieben Zeitungsartikel und hielten Vorträge – insbesondere bei Männerorganisationen. „Die Frauen hatten keine Scheu, den Männern Feminismus beizubringen und waren sehr angriffslustig“, berichtete Kraus. Der zentrale Durchbruch, der auch international für ein großes Medienecho sorgte, gelang 1975 mit einem Frauenstreik, an dem fast 90 Prozent aller isländischer Frauen teilnahmen – darunter auch Margrét Rún Kraus und ihre Mutter.
„Die Stimmung im Land war anschließend großartig. Wenige Monate später wurde ein Gleichberechtigungsgesetz verabschiedet, wonach Frauen und Männer in jeder Hinsicht gleichgestellt sind“, so Kraus. Allerdings sei schnell deutlich geworden, dass Gleichstellung auf dem Papier noch lange keine Gleichstellung in der Realität bedeute. Deshalb wurden die Isländerinnen nicht müde, weiterhin für ihre Rechte zu kämpfen. Heute gilt Island als Musterland der Gleichstellung. Der Frauenanteil im Althing, dem isländischen Parlament, liegt bei rund 47 Prozent. Wichtige politische Ämter wie das der Präsidentin, Premierministerin oder der Außen- und Justizministerin sind in Frauenhand. Was also können deutsche Frauen von den Isländerinnen lernen? „Aus meiner Sicht sind drei Dinge zwingend notwendig: Überparteilichkeit, Humor und das positive Interesse der Presse.“ Kraus motivierte dazu, laut, lustig und mit originellen Ideen für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Zudem rief sie zur Teilnahme am bundesweiten Frauenstreik in Deutschland auf, der am 9. März stattfinden wird. Die Planungen für das Programm in Passau seien bereits angelaufen.
Adelinde Grad, stellvertretende KDFB-Diözesanvorsitzende und Vorsitzende des KDFBBildungswerks Passau, dankte der Referentin für ihre ermutigenden Worten und ihren unterhaltsamen Vortrag. Die Frauen diskutierten schließlich zunächst in großer Runde und in der Folge im persönlichen Gespräch sehr angeregt über die aktuelle Situation in der deutschen Kommunalpolitik, Gründe für den Frauenmangel in der Politik und die Wichtigkeit des KDFB-Aufrufs: „Frauen wählt Frauen!“
Text: KDFB



