Bistum

Zeit für Austausch und innere Stärkung

Redaktion am 30.03.2026

Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Archivdirektorin Prof. Dr. Hannelore Putz informierte in ihrem Impuls beim Priester- und Diakonentag über die Aufarbeitungsstudie.

Beim Priester- und Diakonentag kamen rund 150 Geistliche aus dem ganzen Bistum zusammen – im Mittelpunkt stand die Aufarbeitungsstudie.

Zeit für Begeg­nung, Aus­tausch und inne­re Stär­kung – dafür steht der Pries­ter- und Dia­ko­nen­tag zu Beginn der Kar­wo­che. Auch in die­sem Jahr kamen im Fest­saal des Hau­ses St. Valen­tin rund 150 Pries­ter und Dia­ko­ne zusam­men. Im Mit­tel­punkt stand dies­mal die Aufarbeitungsstudie.

Gene­ral­vi­kar Josef Ede­rer stimm­te die Mit­brü­der im Amt des Pries­ters und Dia­kons auf das Haupt­the­ma ein: Heu­te soll Gele­gen­heit sein, dar­über ins Gespräch zu kommen!“

Was kann uns die Auf­ar­bei­tungs­stu­die für die Zukunft mit­ge­ben?“ lau­te­te anschlie­ßend das The­ma eines Impul­ses durch Prof. Dr. Han­ne­lo­re Putz. Die Archiv­di­rek­to­rin des Bis­tums Pas­sau blick­te zurück: Fast vier Mona­te ist es her, dass am 8. Dezem­ber 2025 die Auf­ar­bei­tungs­stu­die zu sexu­el­lem Miss­brauch und kör­per­li­cher Gewalt im Bis­tum Pas­sau erschie­nen ist. Es waren für Sie, ja für uns alle belas­ten­de Tage und Wochen vor und nach die­sem 8. Dezem­ber.“ Die Refe­ren­tin ließ die anschlie­ßen­de Vor­ge­hens­wei­se durch Bischof und Gene­ral­vi­kar Revue pas­sie­ren. Sie erwähn­te bei­spiels­wei­se die vie­len inten­si­ven Gesprä­che sowie die Ent­hül­lung des Mahn­mals zu sexu­el­lem Miss­brauch im Dom am 8. März. Han­ne­lo­re Putz: Das Bis­tum hat damit inner­halb nur weni­ger Wochen sowohl in star­ken sym­bo­li­schen Zei­chen als auch in tat­säch­li­chen admi­nis­tra­ti­ven Refor­men auf die Ergeb­nis­se der Stu­die reagiert.“

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Die Direktorin des Bistumsarchivs Prof. Dr. Hanelore Putz sprach zum Thema "Was kann uns die Aufarbeitungsstudie für die Zukunft mitgeben?"

Ob das The­ma damit abge­ar­bei­tet sei? Die Refe­ren­tin beton­te: Die Stu­die betrifft uns über die Aner­ken­nung des Gesche­he­nen hin­aus in einer wei­te­ren Per­spek­ti­ve: sie will uns näm­lich Dis­kus­si­ons­an­sät­ze für die Zukunft geben und sie ver­langt ganz klar und dezi­diert von uns, uns mit ihr und ihren Vor­schlä­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen.“ Auf die­sem Fun­da­ment kön­ne man dann eige­ne Schlüs­se zie­hen, mit denen wir – gehär­tet durch die auch schreck­li­chen Ergeb­nis­se der Stu­die – reflek­tiert und bewusst in die Zukunft gehen wollen.“

Eini­ge Aspek­te rund um die­se The­ma­tik führ­te die Refe­ren­tin näher aus – so zum Bei­spiel den Begriff des Kle­ri­ka­lis­mus, den Umgang mit schul­dig­ge­wor­de­nen“ Kle­ri­kern, die Fra­ge, wel­ches Ver­hal­ten das Bes­te für die Kir­che von Pas­sau sei, wenn Irre­gu­lä­res geschieht, sowie die Fra­ge nach den Bystan­dern“. Neben einem Täter und einem geeig­ne­ten Tat­ob­jekt“ brau­che es ja den ver­sa­gen­den Wäch­ter“ oder die nicht aus­rei­chen­den Schutz- und Kon­troll­me­cha­nis­men, um Taten zu ermöglichen.

Die Amts­zeit von Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB sei bis­lang stark von Auf­klä­rung und Auf­ar­bei­tung sexu­el­len Miss­brauchs geprägt, so die Refe­ren­tin. Han­ne­lo­re Putz wand­te sich an die Pries­ter und Dia­ko­ne: Sie ste­hen ja vor Ort und ver­tre­ten die Kir­che und ihre Bot­schaf­ten. Sie mühen sich mit dem All­tag und ich hof­fe, dass nun nach Ver­öf­fent­li­chung der Stu­die auch Ihr Atmen trotz aller Ero­si­on kirch­li­chen Lebens wie­der etwas frei­er wird. Jetzt befin­den wir uns in der Zeit nach der Stu­die, viel­leicht und hof­fent­lich in der Zeit eines neu­en Aufbruchs.“ 

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In verschiedenen Arbeitsgruppen – hier mit Kanzlerin Antonia Murr – tauschten sich die Priester und Diakone über die Aufarbeitungsstudie aus.

Bischof Ste­fan Oster SDB füg­te hin­zu, dass es auf das Erschei­nen der Stu­die fast kei­ne Reak­tio­nen gege­ben habe. Das führ­te er einer­seits auf eine Art Ermü­dung in der Öffent­lich­keit und auf das Des­in­ter­es­se vie­ler Men­schen, die sich bereits seit lan­gem abge­wandt hät­ten, zurück. Der drit­te Punkt ist laut Bischof Oster, dass man anfängt, uns abzu­neh­men, dass die Kir­che etwas tut. Dass wir viel­leicht sogar die ein­zi­ge Groß­or­ga­ni­sa­ti­on sind, die in die­ser Art inne­rer Durch­drin­gung die­ses The­ma bear­bei­tet.“ Der Bischof wei­ter: Ich glau­be, die­ser Punkt, an dem wir ste­hen, kann ein Anfang sein für eine wirk­li­che Erneue­rung.“ Ste­fan Oster dank­te den Mit­brü­dern für ihren Dienst, dafür, dass sie Zeug­nis geben in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten und schloss mit den Wor­ten: Ich glau­be, dass es noch ganz vie­le Men­schen gibt, die Hoff­nung haben!“

Die Miss­brauchs­stu­die mit ihren Her­aus­for­de­run­gen für die Zukunft war auch The­ma der anschlie­ßen­den leb­haf­ten Gesprä­che der Teil­neh­men­den in den ver­schie­de­nen Arbeits­grup­pen. Gut vor­be­rei­tet und gestärkt fei­er­ten die Geist­li­chen anschlie­ßend die Mis­sa chris­ma­tis“ und gin­gen hin­ein in die Fei­er der Kar­wo­che und des Osterfestes. 

Text und Fotos: Uschi Friedenberger

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