Foto: Uschi Friedenberger
Beim Priester- und Diakonentag kamen rund 150 Geistliche aus dem ganzen Bistum zusammen – im Mittelpunkt stand die Aufarbeitungsstudie.
Zeit für Begegnung, Austausch und innere Stärkung – dafür steht der Priester- und Diakonentag zu Beginn der Karwoche. Auch in diesem Jahr kamen im Festsaal des Hauses St. Valentin rund 150 Priester und Diakone zusammen. Im Mittelpunkt stand diesmal die Aufarbeitungsstudie.
Generalvikar Josef Ederer stimmte die Mitbrüder im Amt des Priesters und Diakons auf das Hauptthema ein: „Heute soll Gelegenheit sein, darüber ins Gespräch zu kommen!“
„Was kann uns die Aufarbeitungsstudie für die Zukunft mitgeben?“ lautete anschließend das Thema eines Impulses durch Prof. Dr. Hannelore Putz. Die Archivdirektorin des Bistums Passau blickte zurück: „Fast vier Monate ist es her, dass am 8. Dezember 2025 die Aufarbeitungsstudie zu sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt im Bistum Passau erschienen ist. Es waren für Sie, ja für uns alle belastende Tage und Wochen vor und nach diesem 8. Dezember.“ Die Referentin ließ die anschließende Vorgehensweise durch Bischof und Generalvikar Revue passieren. Sie erwähnte beispielsweise die vielen intensiven Gespräche sowie die Enthüllung des Mahnmals zu sexuellem Missbrauch im Dom am 8. März. Hannelore Putz: „Das Bistum hat damit innerhalb nur weniger Wochen sowohl in starken symbolischen Zeichen als auch in tatsächlichen administrativen Reformen auf die Ergebnisse der Studie reagiert.“
Foto: Uschi Friedenberger
Ob das Thema damit abgearbeitet sei? Die Referentin betonte: „Die Studie betrifft uns über die Anerkennung des Geschehenen hinaus in einer weiteren Perspektive: sie will uns nämlich Diskussionsansätze für die Zukunft geben und sie verlangt ganz klar und dezidiert von uns, uns mit ihr und ihren Vorschlägen auseinanderzusetzen.“ Auf diesem Fundament könne man dann eigene Schlüsse ziehen, „mit denen wir – gehärtet durch die auch schrecklichen Ergebnisse der Studie – reflektiert und bewusst in die Zukunft gehen wollen.“
Einige Aspekte rund um diese Thematik führte die Referentin näher aus – so zum Beispiel den Begriff des Klerikalismus, den Umgang mit „schuldiggewordenen“ Klerikern, die Frage, welches Verhalten das Beste für die Kirche von Passau sei, wenn Irreguläres geschieht, sowie die Frage nach den „Bystandern“. Neben einem Täter und einem geeigneten „Tatobjekt“ brauche es ja den „versagenden Wächter“ oder die nicht ausreichenden Schutz- und Kontrollmechanismen, um Taten zu ermöglichen.
Die Amtszeit von Bischof Dr. Stefan Oster SDB sei bislang stark von Aufklärung und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs geprägt, so die Referentin. Hannelore Putz wandte sich an die Priester und Diakone: „Sie stehen ja vor Ort und vertreten die Kirche und ihre Botschaften. Sie mühen sich mit dem Alltag und ich hoffe, dass nun nach Veröffentlichung der Studie auch Ihr Atmen trotz aller Erosion kirchlichen Lebens wieder etwas freier wird. Jetzt befinden wir uns in der Zeit nach der Studie, vielleicht und hoffentlich in der Zeit eines neuen Aufbruchs.“
Foto: Uschi Friedenberger
Bischof Stefan Oster SDB fügte hinzu, dass es auf das Erscheinen der Studie fast keine Reaktionen gegeben habe. Das führte er einerseits auf eine Art Ermüdung in der Öffentlichkeit und auf das Desinteresse vieler Menschen, die sich bereits seit langem abgewandt hätten, zurück. Der dritte Punkt ist laut Bischof Oster, „dass man anfängt, uns abzunehmen, dass die Kirche etwas tut. Dass wir vielleicht sogar die einzige Großorganisation sind, die in dieser Art innerer Durchdringung dieses Thema bearbeitet.“ Der Bischof weiter: „Ich glaube, dieser Punkt, an dem wir stehen, kann ein Anfang sein für eine wirkliche Erneuerung.“ Stefan Oster dankte den Mitbrüdern für ihren Dienst, dafür, dass sie Zeugnis geben in diesen schwierigen Zeiten und schloss mit den Worten: „Ich glaube, dass es noch ganz viele Menschen gibt, die Hoffnung haben!“
Die Missbrauchsstudie mit ihren Herausforderungen für die Zukunft war auch Thema der anschließenden lebhaften Gespräche der Teilnehmenden in den verschiedenen Arbeitsgruppen. Gut vorbereitet und gestärkt feierten die Geistlichen anschließend die „Missa chrismatis“ und gingen hinein in die Feier der Karwoche und des Osterfestes.
Text und Fotos: Uschi Friedenberger



