Bild: Thomas König
Die Pfarrei St. Anton im Bistum Passau lädt am 26. Juli zu einem besonders schweren Abschied ein. Die Nebenkirche „Christi Himmelfahrt“ in der Spitalhofstraße 50 in Passau wird profaniert, die Kirche wird entweiht. Der Erhalt neben der Pfarrkirche St. Anton wäre langfristig finanziell nicht mehr zu stemmen gewesen. Für das Gebäude wurde bereits ein Käufer gefunden.
Die Nebenkirche Christi Himmelfahrt in der Spitalhofstrasse in Passau gehört zum Pfarrverband Passau St. Anton. Sie stammt aus den 1970-er Jahren. Der damalige Pfarrer Josef Krumbachner war einer der Hauptinitiatoren zum Bau der Nebenkirche. Die Altarweihe wurde am 08. Mai 1975 von Bischof Dr. Antonius Hofmann vorgenommen.
Jetzt 2026 — wird die Kirche bzw. das Gebäude verkauft. Die Kirche wird am Sonntag, den 26. Juli profaniert. Sie wird dann ausgeräumt, das Gebäude soll ab Herbst dem neuen Eigentümer zur zukünftigen Nutzung zur Verfügung stehen.
„Wir möchten unsere Aufgaben verantwortungsvoll übernehmen. Und ich glaube, das tun wir mit diesem Schritt, auch wenn er schmerzhaft ist”
Eine Kirche wird verkauft: Zurückgehende Gottesdienstbesucherzahlen, anstehende Sanierungskosten und schwierige Vertragsgrundlagen, zwangen die Verantwortlichen zu handeln. Die grundliegenden Überlegungen, was die Zukunft der Nebenkirche angeht, liegen bereits mehrere Jahre zurück. „Ich bin 2022 Pfarrer geworden in St. Anton und St. Peter. Und dann wurde relativ früh eigentlich schon klar, dass man sich in Bezug auf „Christi Himmelfahrt“ Gedanken machen muss, wie es weitergeht“, sagt Dr. Anton Spreitzer, Pfarrer im Pfarrverband Passau St. Anton, im Interview. Nach Jahren der Abwägung aller möglichen Szenarien wurde klar, der Erhalt neben der Pfarrkirche St. Anton ist nicht mehr zu stemmen, sie muss verkauft werden. Natürlich ist so ein Verkauf ein komplexer Vorgang. Es gibt aber auch eine emotionale und spirituelle Dimension des gesamten Geschehens. Eine Kirche wird — verkauft.
Rückblick:
Mit folgenden Worten eröffnete die Festschrift, die 1975 anlässlich der Weihe der Nebenkirche Christi Himmelfahrt in der Spitalhofstraße erschien:
Voller Freude und Dankbarkeit erlebt die Pfarrgemeinde Passau-St. Anton den Tag der Weihe ihrer Nebenkirche Christi Himmelfahrt am Feste Christi Himmelfahrt, den 8. Mai 1975, durch unseren Bischof Dr. Antonius Hofmann. Sie sagt frohen Herzens: „Gott sei Dank!“. Sie sagt „Vergelt’s Gott“ allen, die mitgeholfen haben, denen, die ihr mitsorgendes Herz, ihren planenden Geist, das harte Werk ihrer Hände geliehen, denen, deren Name am Schluss dieser Festschrift genannt ist und den vielen Unbekannten, die ihre Arbeit und ihre Opfer geschenkt haben, dem Bischöflichen Ordinariat für die großzügige Unterstützung, dem Kath. Wohnbauwerk für die vorzügliche Baubetreuung.
Es werde hier für uns und die kommenden Generationen ein Ort der Gottesnähe und des Friedens!
Die Pfarrgemeinde St. Anton – Passau
(Auszug aus der Festschrift 1975)
Der Auszug der Festschrift von damals wurde auch im aktuellen Pfarrbrief des Pfarrverbands abgedruckt. Im Pfarrbrief heißt es weiter:
Und in der Tat – für viele Menschen ist Christi Himmelfahrt seither ein Ort der Gottesnähe und des Friedens geworden. Wichtige Stationen in ihrem Leben haben Menschen hier erlebt: ihre erste heilige Kommunion empfangen, sich im Sakrament der Ehe verbunden, ihre Primiz gefeiert, in der Beichte sakramentale Lossprechung erfahren – und v.a. in der Eucharistie Gemeinschaft mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn gehabt. Die Vision, die Pfarrer Josef Krumbachner und die Gläubigen von St. Anton seinerzeit hatten, hat sich in zahllosen Menschenleben bewahrheitet. Und es war seinerzeit nicht nur eine richtige, sondern auch eine vorausschauende Entscheidung, mit Christi Himmelfahrt im Bereich der Spitalhofstraße eine Nebenkirche in der Pfarrei St. Anton zu errichten.
(Auszug aus dem Pfarrbrief Juli/2026)
51 Jahre später ist die Situation eine ganz andere, wie Pfarrer Dr. Anton Spreitzer sagt. „Wir alle wissen, dass die Welt vor fünfzig Jahren eine völlig andere war und die wird in fünfzig Jahren wieder eine andere sein. Wir möchten unsere Aufgaben verantwortungsvoll übernehmen. Und ich glaube, das tun wir mit diesem Schritt, auch wenn er schmerzhaft ist, aber auch mit einem, wenn man das so sagen kann, guten Gewissen in der Situation und vor allem mit der Vernunft und dem Blick auf eine nachhaltige, verantwortungsvolle Umgangsweise mit dem, was zur Pfarrei heute dazugehört.“
Das unterstreicht auch Kirchenpfleger in St. Anton Bernhard Zacharias im Interview, der selber dem Pfarrverband seit seiner Kindheit angehört: „Es ist keine leichte Entscheidung, auch keine leichtfertige Entscheidung. Wir haben alles durchprobiert, aber es ist eine Entscheidung der Vernunft. Ich bin seit meiner Kindheit mit diesem Gebäude oder auch mit St. Anton und auch mit Christi Himmelfahrt verbunden und das ist natürlich schon schwierig, wenn man weiß, es gibt da Leute, denen man irgendwo ein Stück Heimat nimmt und das ist dann was, das einem schon irgendwo den einen oder anderen Kloß in den Hals setzt.“
Alleine mit 20.000 Euro Unterhaltungskosten schlage die Kirche Christi Himmelfahrt jährlich zu Buche, eine Summe die schwer wiege, wenn man ohnehin keine großen Sprünge machen könne, erklärt Pfarrer Spreitzer. Hinzu käme die Situation mit der schrumpfenden Gottesdienstgemeinde und Investitionen ins Gebäude. Die Kirche ist jetzt über 50 Jahre alt, hier müsste viel Geld investiert werden. Hintergrund sind hier einige bauliche Auflagen, die erfüllt werden müssten, um den weiteren Betrieb überhaupt gewährleisten zu können. „Diese Kombination an verschiedenen Faktoren, führt uns zu einem Schritt, der schmerzlich ist, natürlich, aber, und das war uns immer wichtig – eben der Vernunft geschuldet ist,“ so Anton Spreitzer weiter. Kirchenpfleger Bernhard Zacharias: „Die Vernunft und die Perspektive des Gebäudes – da geht es ja nicht nur um die momentanen Schäden und Reparaturen die man hat, sondern es ist so viel das ansteht.
„Es ist keine leichte Entscheidung, auch keine leichtfertige Entscheidung. Wir haben alles durchprobiert, aber es ist eine Entscheidung der Vernunft.”
Für Pfarrer Anton Spreitzer ist es die erste Profanierung, er nimmt sie im Auftrag des Bischofs vor, der Termin des Profanierungsgottesdienstes der jetzt am 26. Juli ansteht, beschäftigt ihn sehr. „Es ist, wenn man Pfarrer wird, Theologie studiert und sich auf diesen Beruf vorbereitet und dann reingeht, auch wenn man weiß, dass die Zeiten für die Kirche heute mit vielen Herausforderungen irgendwie begleitet sind, dass man eine Kirche stilllegt, sozusagen, dass man da einen Kirchenort und das Leben, das damit verbunden ist, offiziell beendet, ist natürlich schon eine Erfahrung, die man sich nicht wünscht.“
Hier die vorgesehenen Termine zur Profanierung der Kirche Christi Himmelfahrt:
Bild: Kommunikationsdesign Bistum Passau
Hier erhalten Sie alle Informationen zur Kirche Christi Himmelfahrt – unter anderem können Sie auch die Baugeschichte nachverfolgen:


