Foto: Wolfgang Terhörst
Unter dem Geläut der Altöttinger Kirchenglocken zogen am Pfingstsamstag gegen 9.30 Uhr tausende Teilnehmer der 197. Regensburger Diözesanwallfahrt über den Kapellplatz, vorbei am Gnadenbild Unserer Lieben Frau, um die Gnadenkapelle herum und hinab zur Basilika St. Anna. Erschöpfung, Erleichterung und Freude zugleich spiegelten sich nach 111 Kilometern Fußmarsch an drei Tagen, zum Teil bei sommerlicher Hitze.
Diözesanbischof Rudolf Voderholzer und Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl hatten die Regensburger, allen voran Pilgerleiter Bernhard Meiler mit dem eigens ins Freie gebrachten Gnadenbild begrüßt. Musikalisch wurden die Wallfahrer vor der Basilika von der Musikkapelle Dießfurt in der Oberpfalz empfangen und schwungvoll hereingespielt zum Pilgergottesdienst. Nach der Begrüßung durch Meiler und den Hausherrn der Basilika, Kapuzinerpater Marinus Parzinger, überraschte ein Mädchenchor der Schulstiftung der Diözese Regensburg die Gottesdienstgemeinde mit einer gefühlvoll musikalisch angepassten und auf Altötting gemünzten Version des bekannten Rockliedes „(Ich will zurück nach) Westerland“ der Band „Die Ärzte“.
Bischof Rudolf Voderholzer hieß die Pilger dann seinerseits herzlich willkommen am Ziel der 197. Regensburger Diözesanfußwallfahrt – und blickte zugleich voraus: „Diese Wallfahrt ist zugleich die erste der Vorbereitungstrilogie auf das 200. Jubiläum im Jahr 2029.“ In der Tat hat sich das Leitungsteam im Pilgerverein einiges vorgenommen, wie Pilgerleiter Bernhard Meiler im Vorfeld verriet: So gibt es bereits ein neues Logo für die Wallfahrt, eine neue Internet-Homepage soll noch dieses Jahr umgesetzt werden, gefolgt vom einem neuen Pilgerbuch 2027. Die Gnadenbildkopie des Wallfahrtsvereins – eine von fünf im Zweiten Weltkrieg beauftragten originalgetreuen Nachbildungen aus der Hand des Künstlers Josef Neustifter – erhielt ein kostbares, in rund hundert Stunden Handarbeit angefertigtes Gewand nach dem Vorbild des Originals.
Außerdem wurde in diesem Jahr eine weitere Aktion mit Blick auf die Jubiläumswallfahrt 2029 gestartet: 14 Metallkreuze, jeweils 2,30 Meter hoch und 1,50 Meter breit, sollen entlang des Pilgerwegs aufgestellt werden. Ein privater Sponsor finanziert die Kreuze, von ihm stammt auch der Entwurf, der mit dem Dreipass auf der linken Seite die bisherige Symbolik aufgreift, mit drei Streben auf der rechten Seite, die für Glaube, Liebe und Hoffnung stehen, auch den Weg in die Zukunft weist. Die ersten vier Kreuze stehen bereits an der Kirche St. Albertus Magnus in Regensburg, dem Startpunkt der Fußwallfahrt sowie an den Rastorten Sünching, Frontenhausen und Geratskirchen. Das letzte soll 2029 in Altötting montiert werden und den Pilgerweg vollenden. Zudem sollen Erläuterungen angebracht werden, welche Bedeutung der Ort jeweils für die Wallfahrt hat.
Im Zentrum der geistlichen Vorbereitungszeit auf das Jubiläum steht der dreieinige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Wobei die Gottesmutter Maria, „die wir als Tochter des Vaters, Mutter des Sohnes und Braut des Heiligen Geistes ehren“, dabei stets Vorbild sein soll. In diesem ersten Jahr hat das Wort aus dem Magnifikat das Motto vorgegeben: „Sein Name ist heilig!“ (Lk 1,49). So hinterfragte Bischof Rudolf während seiner Predigt den Begriff „heilig“ als etwas, das man auf keinen Fall missen möchte – das aber allzu leicht ins Beliebige abdriften könne: Dem einen sei die Familie heilig, anderen Gesundheit und Frieden, wieder anderen der Mittagsschlaf oder die Feierabendhalbe. Als größte Religionsgemeinschaft gelte mitunter der ADAC. „Heilig‘s Blechle!“, entfuhr es dem Bischof. Ähnliche Verehrung werde oft dem Fußball zuteil, gerade wie heuer in einem Jahr der Weltmeisterschaft.
Wer aber nur auf Irdisches, auf Vergängliches setze, der sei arm dran, erklärte Voderholzer. Umso dankbarer sei er für das Zeichen, das die Pilger auf ihrer Wallfahrt setzen, mit der sie den Glauben nach außen tragen und bekennen als ein sichtbares Zeichen und ein Segen auch für viele Suchende und Fragende.
Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die Teilnehmer wieder bei Speis und Trank zum Pilgerfest im Basilika-Garten, bevor sich die meisten auf den Rückweg machten. Die Pilgergruppe Fichtelgebirge traf sich noch wie gewohnt um 15 Uhr zur Andacht in und vor der Gnadenkapelle und mancher „Regensburger“ beschloss die Wallfahrt mit einer Teilnahme an der abendlichen Lichterprozession.
Text: Wolfgang Terhörst



