Foto: Martin Göth / KI optimiert
Anlässlich des 800. Todestages (3.10.1226) des heiligen Franz von Assisi haben der Ortenburger Musiker und Komponist Martin Göth und sein Freund Pastoralreferent i.R. Paul Weininger eines der bekanntesten Gebete des Heiligen in eine neue musikalische Form gebracht: den „Sonnen-gesang“.
Der „Sonnengesang“ gehört zu den bedeutendsten geistlichen Texten des Mittelalters. Franz von Assisi verfasste ihn allerdings nicht auf Latein, sondern bewusst in der damaligen Volkssprache, einer umbrischen Sprachform des 13. Jahrhunderts und damit einer frühen Form des Italienischen. Der Sonnengesang gilt deshalb zugleich als eines der ältesten bedeutenden Zeugnisse der italienischen Literatur.
Dass Franziskus nicht die damalige Gelehrtensprache Latein verwendete, sondern die Sprache der einfachen Menschen, war dabei von besonderer Bedeutung. Sein Lobpreis sollte verstanden, weitergegeben und gesungen werden können. — An diesem Gedanken knüpfen auch Martin Göth und Paul Weininger an. Weininger übertrug den Sonnengesang ins Deutsche und bemühte sich dabei, möglichst nahe am ursprünglichen Text und seiner Aussage zu bleiben. Göth nahm diese Übersetzung anschließend als Grundlage für seine Vertonung. Entstanden sind dabei zwei unterschiedliche musikalische Zugänge.
Für Erwachsene schuf Göth eine anspruchsvollere musikalische Fassung, die dem feierlichen und tiefgründigen Charakter des Sonnengesangs Rechnung trägt. Darüber hinaus entstand ein kindgerechter Text von Paul Weininger, der sich am Sonnengesang orientiert und schon für Kindergartenkinder geeignet ist. Auch diesen Text vertonte der Kinderliedermacher aus Ortenburg. Wie diese Fassung bei den Kleinsten ankommen kann, hat Martin Göth erst vor wenigen Tagen bei einer seiner Fortbildungen mit Kindergärtnerinnen ausprobiert. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen wurde das Lied mit einem einfachen, farbenfrohen Tüchertanz verbunden. Die Freude und Begeisterung der Erzieherinnen zeigte, dass sich der jahrhundertealte Lobpreis durchaus auf spielerische Weise in die heutige Lebenswelt von Kindern übertragen lässt.
Für den Diplomtheologen Martin Göth steckt darin eine besondere Botschaft: Der Sonnengesang lädt dazu ein, die Schöpfung mit Dankbarkeit und Staunen wahrzunehmen – die Sonne, Mond und Sterne, das Wasser, die Erde, die Natur und das gesamte Leben, ja sogar auch den Tod. Sein Wunsch ist deshalb, dass dieser besondere Lobpreis Gottes, des Schöpfers der wunderbaren Erde, auch heute immer wieder von Menschen unterschiedlichen Alters angestimmt wird. — So verbindet die neue Vertonung Geschichte und Gegenwart: Ein Gebet, das vor rund 800 Jahren in der Sprache des einfachen Volkes entstand, erhält eine neue musikalische Stimme – und soll dadurch auch für kommende Generationen lebendig bleiben. Die Noten, sowie eine kleine Einführung zu beiden Sonnengesangsvertonungen findet man in dem Buch „Schöpfung unterm Regenbogen“, RPA-Verlag Landshut, erhältlich im Domladen Passau.
Text: Martin Göth



