Bistum

Stellungnahme des Diözesanrats

Redaktion am 17.12.2025

Info Icon Foto: Monika Zieringer / pbp

Stellungnahme des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Passau zur Veröffentlichung der Aufarbeitungsstudie für das Bistum Passau durch das Team von Prof. Marc von Knorring am 08.12.2025:

Mit der Auf­ar­bei­tungs­stu­die Sexu­el­ler Miss­brauch und kör­per­li­che Gewalt — Über­grif­fe auf Min­der­jäh­ri­ge durch katho­li­sche Geist­li­che im Bis­tum Pas­sau 1945 bis 2022“ wird nun­mehr ein wei­te­rer, sehr wich­ti­ger Schritt zur umfas­sen­den und trans­pa­ren­ten Auf­klä­rung sexu­el­len Miss­brauchs sowie der Anwen­dung kör­per­li­cher Gewalt in der Kir­che von Pas­sau gegangen. 

Der Diö­ze­san­rat der Katho­li­ken im Bis­tum Pas­sau nimmt die­se Ergeb­nis­se mit gro­ßer Betrof­fen­heit zur Kennt­nis. Gro­ßes Leid wur­de Men­schen – Kin­dern und Jugend­li­chen – zuge­fügt, dort wo sie sich sicher und geschützt hät­ten füh­len sol­len. Dafür gibt es kei­ne Entschuldigung.

Wir sind von der detail­lier­ten und sehr infor­ma­ti­ven Arbeit des For­scher­teams der Uni­ver­si­tät Pas­sau rund um Prof. Dr. Marc von Knor­ring beein­druckt und dan­ken für die fun­dier­te wis­sen­schaft­li­che Arbeit. 

Unser beson­de­rer Respekt gilt den Betrof­fe­nen bzw. den Über­le­ben­den“ des Miss­brauchs – wie sie von Papst Fran­zis­kus bezeich­net wur­den, die durch ihre Zeug­nis­se und ihre Bereit­schaft zur Mit­wir­kung die­se Auf­ar­bei­tung erst mög­lich gemacht haben. Ihnen gilt unser tie­fes Mit­ge­fühl für das erlit­te­ne Leid und unse­re Solidarität.

Das Ergeb­nis der Stu­die zeigt auch im Bis­tum Pas­sau sys­te­mi­sche Ursa­chen für den Miss­brauch auf. Die Miss­brauchs­fäl­le wur­den abhän­gig vom amtie­ren­den Bischof bis zum Beginn der 2000er Jah­re mehr oder weni­ger vertuscht.

Die Stu­die zeigt einer­seits über den erfass­ten Zeit­raum hin­weg die Anzahl der Betrof­fe­nen und den Umgang mit den Taten und Tätern, ande­rer­seits, dass die Betrof­fe­nen und ihr Leid im Zuge der Ver­tu­schung gar kei­ne bzw. nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le gespielt haben. Hier wird deut­lich, dass die Täter sowie ihre Wir­kung auf die Insti­tu­ti­on Kir­che dem Bis­tum wich­ti­ger waren, als die Sor­ge um die Betrof­fe­nen bzw. der Schutz mög­li­cher zukünf­ti­ger Opfer. Durch die Stu­die wird eben­so offen­sicht­lich, dass die­se Ver­bre­chen zum gro­ßen Teil zu ver­mei­den gewe­sen wären, hät­te man früh­zei­tig die rich­ti­gen Schlüs­se gezo­gen und Täter nicht ver­setzt, son­dern aus dem Dienst genommen. 

Einen bedeu­ten­den Teil der Stu­die nimmt völ­lig zurecht die Rol­le der soge­nann­ten Bystan­der“ ein. Die­ser Teil der Stu­die macht beson­ders deut­lich, dass jede Per­son (!), die Kennt­nis­se von ver­gleich­ba­ren Taten oder Anzei­chen ver­schweigt, die Situa­ti­on der von Miss­brauch Betrof­fe­nen ver­schlim­mert und sich mit­schul­dig an einer feh­len­den früh­zei­ti­gen Auf­de­ckung die­ser Taten macht. 

Die Leh­re aus die­sem Teil der Stu­die muss daher für uns alle sein – wie auch vom Gut­ach­ter Prof. Marc von Knor­ring als Auf­trag aus der Stu­die for­mu­liert – in allen Berei­chen unse­res Bis­tums (über die Prä­ven­ti­on und Inter­ven­ti­on hin­aus) ein Bewusst­sein für Anzei­chen von Miss­brauch zu schaf­fen, alle Men­schen dafür zu sen­si­bi­li­sie­ren und dazu auf­zu­for­dern, ohne Kle­ri­ka­lis­mus oder Anse­hen der Täter die­se Anzei­chen an die zustän­di­gen Stel­len im Bis­tum und staat­li­chen Stel­len zu mel­den. Hier sind die glei­chen Maß­stä­be, wie bei allen ande­ren Ver­ge­hen und Ver­bre­chen und deren Ver­fol­gung anzulegen.

Wir set­zen uns dafür ein, dass die Emp­feh­lun­gen aus der Stu­die umge­setzt und not­wen­di­ge Ver­än­de­run­gen ange­sto­ßen werden.

Unser Ziel ist eine Kir­che, die glaub­wür­dig bleibt, indem sie ihre Feh­ler ein­ge­steht, aus ihnen lernt und kon­se­quent für den Schutz und die Wür­de aller Men­schen ein­tritt – auch wenn dies bedeu­tet, Täter aus den eige­nen Krei­sen zu benen­nen und für ihre Taten zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen. Dies bedarf einer­seits einer offe­nen und ehr­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on (soweit recht­lich mög­lich) und ande­rer­seits der Wahr­neh­mung von Ver­ant­wor­tung durch jede und jeden Einzelnen. 

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren – wie auch von der Stu­die kon­sta­tiert – wur­den bereits vie­le gute und rich­ti­ge Schrit­te in Auf­ar­bei­tung und Prä­ven­ti­on, Inter­ven­ti­on und Nach­sor­ge durch das Bis­tum gegan­gen. Dies gilt es fort­zu­set­zen und gut zu kom­mu­ni­zie­ren. Gleich­zei­tig müs­sen die her­aus­ge­ar­bei­te­ten Auf­ga­ben aus der Stu­die unver­züg­lich umge­setzt wer­den. Die Kul­tur eines neu­en syn­oda­len Mit­ein­an­ders wird dabei eine gro­ße Hil­fe sein.

Text: Geschäfts­füh­ren­der Vor­stand des Diö­ze­san­rats der Katho­li­ken im Bis­tum Passau

Kon­takt­da­ten:

Dom­platz 7
94032 Pas­sau
E‑Mail: dioezesanrat@​bistum-​passau.​de
Tel.: +49 851 393 — 72 10

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