Mit der Aufarbeitungsstudie „Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt — Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022“ wird nunmehr ein weiterer, sehr wichtiger Schritt zur umfassenden und transparenten Aufklärung sexuellen Missbrauchs sowie der Anwendung körperlicher Gewalt in der Kirche von Passau gegangen.
Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Passau nimmt diese Ergebnisse mit großer Betroffenheit zur Kenntnis. Großes Leid wurde Menschen – Kindern und Jugendlichen – zugefügt, dort wo sie sich sicher und geschützt hätten fühlen sollen. Dafür gibt es keine Entschuldigung.
Wir sind von der detaillierten und sehr informativen Arbeit des Forscherteams der Universität Passau rund um Prof. Dr. Marc von Knorring beeindruckt und danken für die fundierte wissenschaftliche Arbeit.
Unser besonderer Respekt gilt den Betroffenen bzw. den „Überlebenden“ des Missbrauchs – wie sie von Papst Franziskus bezeichnet wurden, die durch ihre Zeugnisse und ihre Bereitschaft zur Mitwirkung diese Aufarbeitung erst möglich gemacht haben. Ihnen gilt unser tiefes Mitgefühl für das erlittene Leid und unsere Solidarität.
Das Ergebnis der Studie zeigt auch im Bistum Passau systemische Ursachen für den Missbrauch auf. Die Missbrauchsfälle wurden abhängig vom amtierenden Bischof bis zum Beginn der 2000er Jahre mehr oder weniger vertuscht.
Die Studie zeigt einerseits über den erfassten Zeitraum hinweg die Anzahl der Betroffenen und den Umgang mit den Taten und Tätern, andererseits, dass die Betroffenen und ihr Leid im Zuge der Vertuschung gar keine bzw. nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Hier wird deutlich, dass die Täter sowie ihre Wirkung auf die Institution Kirche dem Bistum wichtiger waren, als die Sorge um die Betroffenen bzw. der Schutz möglicher zukünftiger Opfer. Durch die Studie wird ebenso offensichtlich, dass diese Verbrechen zum großen Teil zu vermeiden gewesen wären, hätte man frühzeitig die richtigen Schlüsse gezogen und Täter nicht versetzt, sondern aus dem Dienst genommen.
Einen bedeutenden Teil der Studie nimmt völlig zurecht die Rolle der sogenannten „Bystander“ ein. Dieser Teil der Studie macht besonders deutlich, dass jede Person (!), die Kenntnisse von vergleichbaren Taten oder Anzeichen verschweigt, die Situation der von Missbrauch Betroffenen verschlimmert und sich mitschuldig an einer fehlenden frühzeitigen Aufdeckung dieser Taten macht.
Die Lehre aus diesem Teil der Studie muss daher für uns alle sein – wie auch vom Gutachter Prof. Marc von Knorring als Auftrag aus der Studie formuliert – in allen Bereichen unseres Bistums (über die Prävention und Intervention hinaus) ein Bewusstsein für Anzeichen von Missbrauch zu schaffen, alle Menschen dafür zu sensibilisieren und dazu aufzufordern, ohne Klerikalismus oder Ansehen der Täter diese Anzeichen an die zuständigen Stellen im Bistum und staatlichen Stellen zu melden. Hier sind die gleichen Maßstäbe, wie bei allen anderen Vergehen und Verbrechen und deren Verfolgung anzulegen.
Wir setzen uns dafür ein, dass die Empfehlungen aus der Studie umgesetzt und notwendige Veränderungen angestoßen werden.
Unser Ziel ist eine Kirche, die glaubwürdig bleibt, indem sie ihre Fehler eingesteht, aus ihnen lernt und konsequent für den Schutz und die Würde aller Menschen eintritt – auch wenn dies bedeutet, Täter aus den eigenen Kreisen zu benennen und für ihre Taten zur Verantwortung zu ziehen. Dies bedarf einerseits einer offenen und ehrlichen Kommunikation (soweit rechtlich möglich) und andererseits der Wahrnehmung von Verantwortung durch jede und jeden Einzelnen.
In den vergangenen Jahren – wie auch von der Studie konstatiert – wurden bereits viele gute und richtige Schritte in Aufarbeitung und Prävention, Intervention und Nachsorge durch das Bistum gegangen. Dies gilt es fortzusetzen und gut zu kommunizieren. Gleichzeitig müssen die herausgearbeiteten Aufgaben aus der Studie unverzüglich umgesetzt werden. Die Kultur eines neuen synodalen Miteinanders wird dabei eine große Hilfe sein.
Text: Geschäftsführender Vorstand des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Passau
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