Das Altöttinger Marienwerk hat mit einem Pontifikalgottesdienst mit Bischof Stefan Oster SDB am 13. September sein 80-jähriges Bestehen gefeiert. Seit 1946 engagiert sich die Gemeinschaft für die Verehrung der Altöttinger Gnadenmutter und die Wallfahrt sowie für Gebet, Musik und Kultur.
Auf 80 Jahre Engagement für die Verehrung der Altöttinger Gnadenmutter unter dem Motto „In Gemeinschaft vereint – im Gebet geborgen!“, für Gebet, Musik und Kultur kann das Altöttinger Marienwerk zurückblicken. Die Gemeinschaft mit vielen tausend Mitgliedern hat dieses große Jubiläum am 13. September mit einem Pontifikalgottesdienst mit Bischof Stefan Oster in der Basilika St. Anna in Altötting gefeiert. Zahlreiche Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer des Marienwerks sowie etliche Festgäste und Gläubige konnte Pfarrer BGR Christian Kriegbaum, der neue Vorsitzende (seit Januar 2026), zu Beginn begrüßen. „Gemeinsam wollen wir uns im Glauben und in der Verehrung der Muttergottes stärken lassen.“
Es sei Zeit, Dank zu sagen für alles, was das Marienwerk in den 80 Jahren zur Förderung der Wallfahrt gewirkt habe, die immer auch eine Förderung des Glaubens sei, so Bischof Stefan Oster zu Beginn. „Glaube auch als einen qualitätsvollen Ausdruck unserer Lebenskultur. Das Marienwerk hat dazu durch die Förderung der Musik, durch Film, durch den Kreuzweg, durch die Dioramenschau, aber vor allem auch durch die Gebetsgemeinschaft einen ganz besonderen Beitrag geleistet und tut es immer noch.“
YouTube-Film zum Tag des Marienwerks
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Die vergebende Liebe – und unsere eigenen Grenzen
In seiner Predigt stellte der Bischof zu Beginn die Frage: „Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal über eine Aussage Jesu aus dem Evangelium so wirklich erschrocken?“ Er bezog sich damit auf das zuvor verlesene, wie er es formulierte „groteske Gleichnis“ zum Thema Vergebung aus dem Matthäusevangelium. Petrus fragte am Anfang des Evangeliums Jesus, ob er siebenmal vergeben muss. Jesu Antwort lautete aber, immer und immer und immer wieder. „Ich glaube, liebe Schwestern und Brüder, diese Herausforderung, dass wir lernen müssen, vergebende Menschen zu werden, die steht in einer ähnlichen erschreckenden Kategorie wie die Aufforderung, unsere Feinde zu lieben, denen gut zu sein, die uns verfolgen, die uns hassen, die uns verleumden, die uns mobben, die Feinde zu lieben. Oder: Fürchtet euch vor niemandem“, erklärte der Bischof. Eine Herausforderung, die wir aus gutem Grund oft nicht erfüllen würden. „Warum? Weil wir uns so schwertun, uns vorzustellen, dass der Herr wirklich da ist und wirklich in uns Liebe und Vergebung und Furchtlosigkeit herstellen will.“ Sünde sei zuerst, so zu leben, als ob es Gott nicht gäbe. Und trotzdem sei er stets bereit, uns zu immer wieder zu vergeben, weil wir Kinder Gottes sind, so die Botschaft Jesu im Gleichnis.
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Mit Blick auf das 80-jährige Jubiläum des Altöttinger Marienwerks betonte der Bischof, dass dies auch ein Ort sei, der uns an der Seite der Muttergottes immer besser verstehen ließe, was Christus an uns täte und an uns tun wolle. Er würdigte die Gemeinschaft, die sich von einer Vereinigung zur Förderung der Kirchenmusik zu einer Gebetsgemeinschaft zur Förderung der Verehrung der Altöttinger Gnadenmutter entwickelt habe, und dankte für das vielseitige Engagement. „Pflege der Kultur bedeutet auch: Wir wollen dem Herrn und seiner Mutter unser Bestes geben. Das heißt, wir wollen auch durch Schönheit von Musik, von Film, durch die Dioramenschau, durch den schönen Kreuzweg, der gestaltet worden ist, vor allem aber auch durch junge Musik, was ich sehr schön finde, den Herrn begleiten und gewissermaßen das kulturelle Leben und damit die Herzensbildung fördern.“ Sein Dank galt schließlich alle, die an der kirchenmusikalischen Nachwuchsförderung des Marienwerks mit den Altöttinger Kapellsingknaben und der Mädchenkantorei mitwirken. „Dass auch junge Menschen mit der Liturgie in Verbindung kommen und über die Musik lernen, sich selber und unseren Herrn zu erkennen und zu verehren und uns allen helfen, unseren Blick zu lenken auf den, der die vergebende Liebe in Person ist.“
Weitere Impressionen
Tag des Marienwerks
Das große Aushängeschild des Marienwerks ist die traditionelle Kirchenmusik am Gnadenort. Und diese konnten die Besucher des mittlerweile 29. „Tag des Altöttinger Marienwerks“ am 13. September gleich mehrfach miterleben. In der feierlichen Pontifikalmesse, gestaltet von Kapellchor und ‑orchester unter Leitung von Lucia Gasser mit Johann Ernst Eberlins „Missa in C ‚brevissima‘“. Die feierliche AVE-Marienandacht am Vorplatz der Gnadenkapelle am frühen Nachmittag wiederum umrahmte die Altöttinger Hofmusik musikalisch. Der neue Marienwerks-Vorsitzende Kriegbaum spendete dabei den Segen mit einer Kopie des Gnadenbilds. Abschluss des Tages war die „Geistliche Abendmusik zum Jubiläum“ am späten Nachmittag in der Stiftspfarrkirche. Dort konnten Besucher die „Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei“ erleben, die heuer gemeinsam mit dem Kammerorchester „Viva la musica salzburg“ auftraten. Der Chor unter Leitung von Herbert Hager ist längst deutschlandweit und darüber hinaus bekannt und geschätzt. Die „Stiftung Altöttinger Marienwerk“ ist Träger der „Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei“ und stellt den jungen Sängerinnen und Sängern mit der im Jahr 2007 gegründeten „Singschule mit Instrumentalabteilung“ im Gebäude des Marienwerks am Kapellplatz 18 eine professionelle Ausbildungsstätte zur Verfügung.
Sehr am Herzen liegt dem Marienwerk der Gemeinschaftsgedanke und damit die Möglichkeit des Austausches. Auch hierfür boten sich den Besucher an diesem Tag viele Gelegenheiten, beispielsweise im Rahmen von Filmvorführungen und einem Besuch der unter dem Dach des Marienwerks beheimateten Dioramenschau.
Das Altöttinger Marienwerk
Gegründet wurde die Gemeinschaft als Altöttinger Musikgemeinde im Jahr 1946 von Stiftskapellmeister Prälat Ludwig Uttlinger. Im Jahr 1955 wurde sie dann vom damaligen Passauer Bischof Simon Konrad Landersdorfer zu einer „Pia Unio“, einer „frommen Vereinigung“, erhoben. Seitdem wirkt die Gemeinschaft im Gebet, in der Förderung der Wallfahrt und in der Kirchenmusik für die Wallfahrer und Pilger Altöttings. Die (kirchen-)musikalische Nachwuchsförderung liegt dem Marienwerk dabei sehr am Herzen. So werden in einer Singschule, zu der die Altöttinger Kapellsingknaben und die Mädchenkantorei gehören, Mädchen und Jungen gleichermaßen gefördert. Das Gebet mit- und füreinander ist bei der Gemeinschaft zentral. Regelmäßig werden Heilige Messen in der Gnadenkapelle gefeiert, bei denen den Verstorbenen des Marienwerks besonders gedacht wird. Unter dem Leitgedanken „Zur größeren Ehre Unserer Lieben Frau von Altötting“ zählt die Gemeinschaft inzwischen mehrere tausend Mitglieder. Vorsitzender ist Pfarrer BGR Christian Kriegbaum, sein Stellvertreter Prälat Klaus Metzl, Stadtpfarrer und Wallfahrtsadministrator.
Text: Stefanie Hintermayr / pbp, Michael Glaß / pbb
Fotos: Stefanie Hintermayr / pbp, Roswitha Dorfner



