„Die Menschen die damals den Verein gegründet haben, waren mutig und haben in die Zukunft geblickt“, eröffnete Auer den Gottesdienst. Der Lohn dafür sei die gegenseitige Unterstützung, die Solidarität und das freundschaftliche Verhältnis unter den Vereinsmitgliedern. Umso mehr freute er sich, dass zur Feier des Tages zahlreiche Mitglieder zusammengekommen sind. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahm der Chor „Singende Hände“ um Chorleiterin Martha Pilsl und den Vereinsvorsitzenden Konrad Lorenz in Gebärdensprache. Besonders eindrucksvoll dabei: das gesungene Vater Unser. Als Dolmetscher fungierte Hannes Fruth.
Über Gemeinschaft sprach Domkapitular Auer auch in seiner Predigt. In Anlehnung an das zuvor gehörte Gleichnis vom Senfkorn sei vieles auch in dieser Gemeinschaft aus kleinen Anfängen gewachsen. „Gemeinschaft entsteht, wenn wir uns als Schwestern und Brüder verstehen“, so Auer zunächst. Dabei sei es völlig normal, dass Geschwister unterschiedlich sind. Diese Unterschiedlichkeit mache eine Gemeinschaft erst überhaupt bunt und reich. „Als Christen glauben wir, dass Talente mehr sind als nur vererbte Anlagen. Wir glauben, dass Talente Geschenke Gottes sind.“ Mit diesen verschiedenen Talenten erreichen wir besser die Ziele, die wir uns gemeinsam setzen. Domkapitular Auer sei dankbar, dass so viele der Anwesenden genau das immer wieder zeigen und ausstrahlen. So wachse Gemeinschaft und werde zu einem Ort an dem wir uns zuhause fühlen.
Zuletzt wandte sich Auer an alle die, die sich im Alltag manchmal nicht wichtig fühlen: „Es gibt niemanden unter euch, der nicht ein besonderer Mensch ist und wertvoll. Es gibt immer jemanden, dem du besonders wichtig bist.“ Dieser Jemand sei Gott, für den man immer ein besonderer und geliebter Mensch sei. Der Lieblingsplatz Jesu sei „in deinem Herzen“. So sei das Gute, das man von Herzen ausstrahle, auch eine Einladung an alle, an Gott zu glauben. Am Ende des Gottesdienstes segnete Auer seinen Nachfolger Andreas Kindermann, der in Zukunft der neue Ansprechpartner für den Gehörlosenverein im Bistum sein wird.
Im Anschluss an den Gottesdienst kam die Feiergesellschaft in St. Valentin zusammen. Ehrengast Landrat Raimund Kneidinger richtete zur Begrüßung einige Worte an die Gehörlosen, die direkt in Gebärdensprache übersetzt wurden. „In unserer Gesellschaft ist es kein Problem mehr, mit der Rakete zum Mond zu fliegen“, so der Landrat. Im Alltag allerdings tauchen immer wieder noch Barrieren auf, die es zu überwinden gelte. Gerade dafür sei der Verein von großer Bedeutung. Auch der bayerische Landesverbandsvorsitzende Josef Rothmeier freute sich, zum Jubiläum wieder nach Passau zu kommen. Er erinnere sich gern an das erste Verbandstreffen zurück, das 1988 in Passau stattfand, und lud bereits jetzt zum Treffen im nächsten Jahr in Würzburg ein. Sein besonderer Dank galt Konrad Lorenz, der nun schon seit 28 Jahren den Vereinsvorsitz in Passau innehat. Ihm dankte auch Domkapitular Auer für seine tatkräftige Organisation des ganzen Tages. Andreas Kindermann bleibe heute besonders ein Wort im Gedächtnis: Fingerspitzengefühl. Mit Händen und Fingern werden hier Freude, Fragen und Überraschungen ausgetauscht — und dieses Fingerspitzengefühl wünsche er sich auch für die kommende Zusammenarbeit. Die Gebärde für „Freundschaft“ habe er jedenfalls heute schon gelernt.
Der restliche Tag war prall-gefüllt mit einem bunten Programm. Nach einem weiteren Grußwort durch den 2. Bürgermeister der Stadt Passau, Andreas Rother, folgten Gratulationen der Gehörlosenvereine Deggendorf, Landshut und Straubing, eine Bilderpräsentation zum Vereinsleben, ein Theaterstück durch Gehörlose aus München und Musik von Jürgen Schwengklenks.


