Bistum

Gemeinschaft aus kleinen Anfängen

Tamina Friedl am 13.09.2025

Info Icon Foto: Tamina Friedl/pbp

Am Samstag feierte der Passauer Gehörlosenverein sein 100-jähriges Bestehen. Beim Festgottesdienst mit Domkapitular Gerhard Auer und den darauffolgenden Feierlichkeiten stand vor allem eines im Vordergrund: die Gemeinschaft.

„Die Men­schen die damals den Ver­ein gegrün­det haben, waren mutig und haben in die Zukunft geblickt“, eröff­ne­te Auer den Got­tes­dienst. Der Lohn dafür sei die gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung, die Soli­da­ri­tät und das freund­schaft­li­che Ver­hält­nis unter den Ver­eins­mit­glie­dern. Umso mehr freu­te er sich, dass zur Fei­er des Tages zahl­rei­che Mit­glie­der zusam­men­ge­kom­men sind. Die musi­ka­li­sche Gestal­tung des Got­tes­diens­tes über­nahm der Chor ​„Sin­gen­de Hän­de“ um Chor­lei­te­rin Mar­tha Pilsl und den Ver­eins­vor­sit­zen­den Kon­rad Lorenz in Gebär­den­spra­che. Beson­ders ein­drucks­voll dabei: das gesun­ge­ne Vater Unser. Als Dol­met­scher fun­gier­te Han­nes Fruth. 

Über Gemein­schaft sprach Dom­ka­pi­tu­lar Auer auch in sei­ner Pre­digt. In Anleh­nung an das zuvor gehör­te Gleich­nis vom Senf­korn sei vie­les auch in die­ser Gemein­schaft aus klei­nen Anfän­gen gewach­sen. ​„Gemein­schaft ent­steht, wenn wir uns als Schwes­tern und Brü­der ver­ste­hen“, so Auer zunächst. Dabei sei es völ­lig nor­mal, dass Geschwis­ter unter­schied­lich sind. Die­se Unter­schied­lich­keit mache eine Gemein­schaft erst über­haupt bunt und reich. ​„Als Chris­ten glau­ben wir, dass Talen­te mehr sind als nur ver­erb­te Anla­gen. Wir glau­ben, dass Talen­te Geschen­ke Got­tes sind.“ Mit die­sen ver­schie­de­nen Talen­ten errei­chen wir bes­ser die Zie­le, die wir uns gemein­sam set­zen. Dom­ka­pi­tu­lar Auer sei dank­bar, dass so vie­le der Anwe­sen­den genau das immer wie­der zei­gen und aus­strah­len. So wach­se Gemein­schaft und wer­de zu einem Ort an dem wir uns zuhau­se fühlen. 

Zuletzt wand­te sich Auer an alle die, die sich im All­tag manch­mal nicht wich­tig füh­len: ​„Es gibt nie­man­den unter euch, der nicht ein beson­de­rer Mensch ist und wert­voll. Es gibt immer jeman­den, dem du beson­ders wich­tig bist.“ Die­ser Jemand sei Gott, für den man immer ein beson­de­rer und gelieb­ter Mensch sei. Der Lieb­lings­platz Jesu sei ​„in dei­nem Her­zen“. So sei das Gute, das man von Her­zen aus­strah­le, auch eine Ein­la­dung an alle, an Gott zu glau­ben. Am Ende des Got­tes­diens­tes seg­ne­te Auer sei­nen Nach­fol­ger Andre­as Kin­der­mann, der in Zukunft der neue Ansprech­part­ner für den Gehör­lo­sen­ver­ein im Bis­tum sein wird. 

Im Anschluss an den Got­tes­dienst kam die Fei­er­ge­sell­schaft in St. Valen­tin zusam­men. Ehren­gast Land­rat Rai­mund Knei­din­ger rich­te­te zur Begrü­ßung eini­ge Wor­te an die Gehör­lo­sen, die direkt in Gebär­den­spra­che über­setzt wur­den. ​„In unse­rer Gesell­schaft ist es kein Pro­blem mehr, mit der Rake­te zum Mond zu flie­gen“, so der Land­rat. Im All­tag aller­dings tau­chen immer wie­der noch Bar­rie­ren auf, die es zu über­win­den gel­te. Gera­de dafür sei der Ver­ein von gro­ßer Bedeu­tung. Auch der baye­ri­sche Lan­des­ver­bands­vor­sit­zen­de Josef Roth­mei­er freu­te sich, zum Jubi­lä­um wie­der nach Pas­sau zu kom­men. Er erin­ne­re sich gern an das ers­te Ver­bands­tref­fen zurück, das 1988 in Pas­sau statt­fand, und lud bereits jetzt zum Tref­fen im nächs­ten Jahr in Würz­burg ein. Sein beson­de­rer Dank galt Kon­rad Lorenz, der nun schon seit 28 Jah­ren den Ver­eins­vor­sitz in Pas­sau inne­hat. Ihm dank­te auch Dom­ka­pi­tu­lar Auer für sei­ne tat­kräf­ti­ge Orga­ni­sa­ti­on des gan­zen Tages. Andre­as Kin­der­mann blei­be heu­te beson­ders ein Wort im Gedächt­nis: Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Mit Hän­den und Fin­gern wer­den hier Freu­de, Fra­gen und Über­ra­schun­gen aus­ge­tauscht — und die­ses Fin­ger­spit­zen­ge­fühl wün­sche er sich auch für die kom­men­de Zusam­men­ar­beit. Die Gebär­de für ​„Freund­schaft“ habe er jeden­falls heu­te schon gelernt.

Der rest­li­che Tag war prall-gefüllt mit einem bun­ten Pro­gramm. Nach einem wei­te­ren Gruß­wort durch den 2. Bür­ger­meis­ter der Stadt Pas­sau, Andre­as Rother, folg­ten Gra­tu­la­tio­nen der Gehör­lo­sen­ver­ei­ne Deg­gen­dorf, Lands­hut und Strau­bing, eine Bil­der­prä­sen­ta­ti­on zum Ver­eins­le­ben, ein Thea­ter­stück durch Gehör­lo­se aus Mün­chen und Musik von Jür­gen Schwengklenks. 

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