Soziales

Rückblick: 50 Jahre Telefonseelsorge

Redaktion am 12.06.2025

Info Icon Foto: Thomas König/pbp
Der Leiter der Passauer Telefonseelsorge, Pater Ludger Werner zu Besuch bei Maria Lehner.

Gespräch mit Maria Lehner: Maria Lehner ist 91 Jahre alt, Mutter von fünf Kindern, Großmutter von zwölf Enkeln und Urgroßmutter von vier Urenkeln. Sie lebt in Passau und blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Zwi­schen 1978 und 1987 war sie für die Tele­fon­seel­sor­ge im Bis­tum Pas­sau tätig. In klei­nen Kalen­der­bü­chern hat sie akri­bisch alle ihre Diens­te notiert. Mit einem die­ser Bücher in der Hand spricht sie über ihre Erfah­run­gen in einem Bereich der Seel­sor­ge, der oft unsicht­bar bleibt – und doch so unend­lich wich­tig ist.

Ich war kein Grün­dungs­mit­glied”, sagt Maria Leh­ner gleich zu Beginn. Als sie zur Tele­fon­seel­sor­ge kam, war die­se noch stark von Stadt­pfar­rern getra­gen. Ihre eige­ne Geschich­te begann jedoch bei der Cari­tas. Dort war sie im Bera­tungs­dienst tätig, unter ande­rem in der Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tung. Weil ihr jedoch ein Stu­di­um fehl­te, muss­te sie die­se Arbeit nach einer gesetz­li­chen Ände­rung auf­ge­ben. Da kam dann die Emp­feh­lung einer Kol­le­gin, Mar­git Wie­den, die schon von Anfang an die Arbeit der TS unter­stütz­te. Sie brach­te mich mit Pater Klei­ne in Kon­takt.” Nach einem län­ge­ren Gespräch wur­de sie ein­ge­la­den, zur Tele­fon­seel­sor­ge zu kom­men. Ihre Aus­bil­dung zur Ehe­be­ra­te­rin und ihre lang­jäh­ri­ge Erfah­rung gaben den Aus­schlag.
Der Ein­stieg war trotz Ner­vo­si­tät gut mög­lich, erin­nert sie sich. Ich war ja Gesprä­che gewöhnt.” Beson­ders hilf­reich sei ihre Aus­bil­dung in der Ehe­be­ra­tung gewe­sen, denn vie­le Gesprä­che am Tele­fon betra­fen genau die­se The­men. Es gab auch Begeg­nun­gen von Ange­sicht zu Ange­sicht. Ein­mal kol­la­bier­te eine Frau im Bera­tungs­raum. Das war sehr dramatisch.”

Maria Leh­ner arbei­te­te meist halb­tags – nicht nur wegen der fünf Kin­der, son­dern auch, weil sie viel­fach enga­giert war: im Frau­en­bund, in der Erwach­se­nen­bil­dung, in Ver­ei­nen. In ihren Kalen­dern sind die Ein­sät­ze doku­men­tiert: 25. Mai, von acht bis drei­zehn Uhr”.
Beson­ders for­dernd waren Gesprä­che mit soge­nann­ten Dau­er­an­ru­fern. Da muss­te man einen Mit­tel­weg fin­den zwi­schen Zuhö­ren und Gren­zen set­zen.” Auch die Not der Anru­fen­den sei oft her­aus­for­dernd gewe­sen. Vie­le kamen auch aus dem länd­li­chen Raum. Die kann­ten zwar ihren Pfar­rer, woll­ten aber anonym spre­chen oder hat­ten viel­leicht auch kei­ne Mög­lich­keit, ihn auf­zu­su­chen.” Hier war die Anony­mi­tät der Tele­fon­seel­sor­ge ein gro­ßer Vor­teil.
Dank habe sie sel­ten unmit­tel­bar erhal­ten. Aber, wenn jemand sag­te: Jetzt geht es mir bes­ser, das hat gehol­fen – das war schon sehr schön.” Es ging nicht um Lösun­gen, son­dern um Hil­fe zur Selbst­hil­fe. Und manch­mal ein­fach ums Trösten.”

Dass die Tele­fon­seel­sor­ge 2025 ihr 50-jäh­ri­ges Bestehen fei­ert, über­rascht sie nicht. Ich glau­be, sie wird heu­te mehr gebraucht denn je.” Seel­sor­ge in den Pfar­rei­en wer­de weni­ger, die Anony­mi­tät und die Nie­der­schwel­lig­keit der Tele­fon­seel­sor­ge sei­en heu­te von gro­ßer Bedeu­tung. Da muss man nicht ver­spre­chen, brav zu sein. Da wird man ein­fach gehört.”

Maria Leh­ner war übri­gens eine der ers­ten Frau­en in der Pas­sau­er Tele­fon­seel­sor­ge. Das war schon etwas Beson­de­res.” Sie erin­nert sich an die Anfän­ge im Hei­lig­geist­gar­ten, an Pater Klei­ne, Pater Wies­mann und Bischof Anto­ni­us. Wenn ich Spät­dienst hat­te, konn­te ich durchs Fens­ter die Men­schen im Gar­ten lachen hören. Zwi­schen all den schwe­ren Gesprä­chen war das eine klei­ne Insel der Freu­de.“
Heu­te sagt sie mit ruhi­ger Stim­me: Tele­fon­seel­sor­ge ist wie Beich­te am Tele­fon. Ob Frau­en zu Pries­tern geweiht wer­den sol­len? Ich weiß es nicht, aber eine Frau im Beicht­stuhl, kann ich mir sehr gut vorstellen.“ 

Ein hal­bes Jahr­hun­dert Tele­fon­seel­sor­ge – mit­ten­drin war auch eine Frau mit gro­ßem Her­zen und wachem Geist: Maria Lehner.

Text: pbp

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Pater

Ludger
Werner

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