Mit einem feierlichen Gottesdienst mit Abt Petrus Adrian aus dem Kloster Windberg in den Klosterkirche wurde der Festtag feierlich begonnen. Vor 90 Jahren haben sich fünf Schwestern aus dem hiesigen Franziskanerinnenkloster aufgemacht, um ihre Heimat und ihr Kloster zu verlassen und in einer 3‑wöchigen Schiffsreise nach Brasilien zu reisen. Dieses Jubiläum war der Anlass, um mit allen Freunden und Bekannten, allen Spendern und Missionsbegeisterten im Kloster Aiterhofen zu feiern. Vor dem Altar stand ein gemaltes Bild des Schiffes „Cap Norte“, das die Schwestern damals nach Brasilien brachte. Dazu waren Symbole zu sehen, die bei den Fürbitten und Gabenprozession zum Altar gebracht wurden, unter anderem ein Anker als Sinnbild der Verankerung in Christus, ein Fernglas, um den Blick in die Zukunft zu wagen, ein Stern der Verheißung und eine Deutschlandkarte als Erinnerung an alle, die regelmäßig immer wieder durch ihre Spenden die Arbeit der Schwestern in Brasilien ermöglichen.
Generaloberin Sr. Maria Kreiner begrüßte zu Beginn des Gottesdienstes alle, die gekommen waren, um gemeinsam mit den Schwestern zu feiern. Abt Petrus Adrian erinnerte in seiner Statio daran, dass in diesem Jahr das Heilige Jahr gefeiert wird und wir als „Pilger der Hoffnung“ unterwegs sind – so wie die fünf Schwestern, die sich vor 90 Jahren auf den Weg gemacht haben. Das Predigtgespräch zwischen der früheren Generaloberin und Archivarin Sr. Anita und Sr. Vilma, einer gebürtigen Brasilianerin, die seit einem halben Jahr als Unterstützung der Schwestern in Aiterhofen lebt, zeigte die Anfänge der Mission auf. Es war nicht von Anfang an klar, dass die Schwestern aus Aiterhofen sich für die Mission entscheiden würden. Aber mit Gottes Hilfe und Einladung eines brasilianischen Bischofs wurde der Schritt in die Mission 1935 verwirklicht.
Foto: Sr. Klara Hofer
Es waren viele gekommen, die regelmäßig für die Mission spenden und verschiedene Aktionen initiieren. Am Schluss des Gottesdienstes wurde ein Grußwort von der Provinzoberin aus Brasilien verlesen, ebenso vom Provinzialminister der Franziskaner aus München. Anschließend trafen sich alle im Innenhof des Klosters zu einem gemeinsamen Mittagessen und verschiedenen Angeboten. Ein besonderes Schmankerl waren brasilianische Bohnen- und Reisgerichte, die von Sr. Vilma zubereitet wurden. Im brasilianisch/bolivianischen Bazar konnten gegen Spende verschiedene handwerklich hergestellte Dinge der Schwestern und Mitarbeiter aus Brasilien erworben werden. Es gab kunstvoll geknüpfte Rosenkränze und gestickte Decken.
Aus Bolivien wurden handgewebte Stoffe angeboten, Hängematten und landestypische Gegenstände. Bei einer anderen Station waren besonders die Kinder eingeladen, sich eine Stofftasche zu bemalen mit dem Logo des 90-jährigen Jubiläums. Auch ein Puzzle der 3 Länder konnte zusammengesetzt werden und auf selbstgebauten Würfeln waren Bilder von Kindern aus den Stationen der Schwestern abgebildet, die zum Gespräch anregten. Sr. Anita war unterwegs, um ein Wünsche- und Gästebuch von den Mitfeiernden schreiben zu lassen, das die beiden Schwestern, die von Deutschland aus im Oktober nach Brasilien aufbrechen, dorthin mitnehmen werden.
Um die Arbeit der brasilianischen Schwestern kennenzulernen, waren kleine Videos über die Abreise nach Brasilien vor 90 Jahren zu sehen. Zum Jubiläum haben sich die Schwestern der Provinz noch ein besonderes Geschenk gemacht. Am 16. Mai 2025 wurde im Staat Pará, im Amazonasgebiet eine neue Schwesternstation errichtet. Auch dazu konnte ein Video angeschaut werden. Dort leisten 3 Schwestern Pionierarbeit in einem ausgedehnten Gebiet, das fast nur durch Boote zu erreichen ist. Inzwischen leben nur noch zwei deutsche Schwestern in Brasilien – seit über 60 Jahren und werden von den Schwestern liebevoll umsorgt. Bei den Gästen gab es viele Gespräche über ihre Verbindung zu Brasilien und zu den Schwestern. Dabei waren viele dabei, die regelmäßig für die brasilianische Provinz spenden, sei es durch verschiedene Aktionen wie Brotbacken, Firmlingsarbeit oder Sternsingergruppen. Am Nachmittag gab es Kaffee und Kuchen – Lehrkräfte der Schulen hatten sich mit Kuchen backen beteiligt, dabei wurden viele Erlebnisse ausgetauscht.
Einige der Anwesenden hatten schon Erfahrungen mit Brasilienbesuchen oder längerer Mitarbeit mit den Schwestern der Provinz und unterstützen seitdem auch von hier aus die Schwestern in ihrer Arbeit. Als Abschluss des Festtages fanden sich alle noch einmal in der Klosterkirche ein und beteten gemeinsam die Franziskusvesper, um vor allem Gott zu danken für den Mut und die Entschlossenheit der Ordensgemeinschaft und der ersten Missionarinnen, die mit dem Samen der Mission in der brasilianischen Erde vor 90 Jahren ein Licht entzündet haben, das heute noch weiter brennt. Wer sich über Brasilien und die Mission der Aiterhofener Franziskanerinnen informieren möchte oder die Arbeit unterstützen möchte, ist dazu herzlich eingeladen.
Text: Sr. Klara Hofer


