Bistum

Abschied von Klinikseelsorger Gerl

Redaktion am 13.11.2025

Info Icon Bild: Klinikum Passau
Nach 32 Jahren geht Krankenhausseelsorger Josef Gerl (r.) in den Ruhestand. Ihm folgt Adi Ortmeier (Mitte), hier mit Klinikums-Werkleiter Dr. Holger Otto, nach.

„Patienten haben mich gelehrt, worauf es im Leben ankommt“ - Nach 32 Jahren als Klinikseelsorger verabschiedet sich Josef Gerl in den Ruhestand.

Über drei Jahr­zehn­te war er als katho­li­scher Seel­sor­ger am Kli­ni­kum Pas­sau tätig, hat in die­ser Zeit tau­sen­de Pati­en­ten und Mit­ar­bei­ter beglei­tet, schwe­re und auch wun­der­schö­ne Momen­te erlebt. Nun geht Josef Gerl in den wohl­ver­dien­ten Ruhe­stand. Sein Nach­fol­ger steht schon bereit: Pfar­rer Adi Ort­mei­er wird seit Mit­te Sep­tem­ber ein­ge­ar­bei­tet und bil­det künf­tig zusam­men mit Bar­ba­ra Stadl­ber­ger das Team der katho­li­schen Klinikseelsorge. 

Als Kli­nik­seel­sor­ger, so betont Josef Gerl mit Blick auf die schö­nen Sei­ten sei­ner Arbeit, habe ihn stets das gute und wert­schät­zen­de Mit­ein­an­der der vie­len Men­schen, die hier arbei­ten, erfreut – dar­um bin ich immer ger­ne zur Arbeit gekom­men“. Wenn er ins Kli­ni­kum kam, das ers­te freund­li­che Grüß Gott“ des Tages hör­te, dann leg­te sich inner­lich ein Schal­ter um“, erzählt er. Von Her­zen gefreut habe er sich auch, wenn ich manch­mal im Nach­hin­ein erfah­re, dass es einem kran­ken Men­schen oder sei­nen Ange­hö­ri­gen gut­ge­tan hat, wenn ich bei ihm war“. 

Podcast "Medizin am Mikro"

Ihnen entgeht ein toller Beitrag!

Ohne die Ver­wen­dung von Coo­kies kann die­ser Bei­trag nicht ange­zeigt wer­den. Coo­kies sind klei­ne Datei­en, die von Ihrem Web­brow­ser gespei­chert wer­den, um Ihnen ein opti­ma­les Erleb­nis auf die­ser Web­site zu bieten.

Erin­nern kann Josef Gerl sich an vie­le Pati­en­ten, an vie­le Schick­sa­le. Etwa an eine Frau mit Leuk­ämie, die er in sei­nen Anfangs­jah­ren am Kli­ni­kum ken­nen­lern­te. Sie hat­te nach qual­vol­len lan­gen Mona­ten über­lebt. Sie war für mich ein Gelän­der, ein Halt, wenn ich zu schwer­kran­ken Men­schen gegan­gen bin – ein Beweis, dass man sol­che Krank­hei­ten auch über­le­ben kann“, so Josef Gerl. Er wis­se zwar, dass das kei­ne Gewiss­heit für ande­re Pati­en­ten sei, aber inner­lich hat mir das eine gewis­se Fes­tig­keit gegeben“. 

Ich erin­ne­re mich an ein­zel­ne Pati­en­ten, die mich geprägt haben, mein Leben, mei­nen Glau­be, die mich gelehrt haben, wor­auf es im Leben ankommt, Zufrie­den­heit und Hoff­nung“, sagt der schei­den­de Kli­nik­seel­sor­ger. Gleich­zei­tig stel­le ich mir immer wie­der die Fra­ge im Ange­sicht eines Pati­en­ten oder einer Pati­en­tin: Wie wür­de ich das aus­hal­ten kön­nen? Wie wäre es da mit mei­nem Glau­ben“, beschreibt er Fra­gen und Zwei­fel, die bei sei­ner seel­sor­ge­ri­schen Tätig­keit über all die Jah­re immer wie­der aufkamen. 

Info Icon Bild: Klinikum Passau
Ein Gefühl von Dankbarkeit habe er in den Begegnungen mit den Menschen im Klinikum entwickelt, sagt der Seelsorger, hier bei der Einweihung des neuen Bettenhauses mit Ärztlichem Direktor Prof. Dr. Matthias Wettstein (r.), Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach und MdL Josef Heisl (2.v.r.).

Mit Dank­bar­keit ver­ab­schie­det er sich auch von den Mit­ar­bei­tern des Kli­ni­kums, die sich ganz auf das Wohl­erge­hen der Pati­en­ten fokus­sier­ten. Neben den Pfle­gen­den und Ärz­ten denkt er auch an den Haus­dienst, Pati­en­ten­fahr­dienst, Prak­ti­kan­ten – sie alle sind Zuar­bei­te­rin­nen und Zuar­bei­ter der Seel­sor­ge“. Auch ihnen ver­such­te er zur Sei­te zu ste­hen, in ihren Sor­gen ernst zu neh­men und soweit mög­lich auch zu hel­fen. Manch­mal hat schon der Raum gereicht, den wir von der Seel­sor­ge den Pro­ble­men, dem Anlie­gen des ande­ren gewähr­ten“, weiß Gerl. 

Josef Gerl hat eine fun­dier­te kli­ni­sche Seel­sor­ge­aus­bil­dung durch­lau­fen mit viel Selbst­er­fah­run­gen, mit Super­vi­si­on. Das habe ihm sehr viel gebracht für den struk­tu­rier­ten Blick, hier im Kli­ni­kum und auch in mei­ner Kir­che, zwei völ­lig ver­schie­de­nen Wel­ten“, wie er sagt. Mei­ne Kol­le­gin und ich leben und arbei­ten in einem säku­la­ren Raum hier im Kli­ni­kum, und das Span­nen­de ist, dass hier, außer­halb kirch­li­cher Struk­tu­ren, die Fra­ge nach dem Sinn des Lebens, nach dem Glau­ben, nach Ant­wor­ten häu­fig gestellt wird in aller Frei­heit, ohne Angst, durch die Fra­gen als ungläu­big bezeich­net zu wer­den“, erklärt er.

Die Hei­ter­keit oder Lebens­freu­de ist gewach­sen im Umgang mit kran­ken Men­schen, in der Rela­ti­vie­rung des Eigenen.”

Krankenhausseelsorger Josef Gerl

Dass er trotz vie­ler trau­ri­ger Schick­sa­le eine gewis­se Leich­tig­keit nicht ver­lo­ren hat, wird schnell klar, wenn man mit Gerl ins Gespräch kommt. Die Hei­ter­keit oder Lebens­freu­de ist gewach­sen im Umgang mit kran­ken Men­schen, in der Rela­ti­vie­rung des Eige­nen“, sagt der Pfar­rer. In den Begeg­nun­gen mit den Pati­en­ten am Kli­ni­kum sei in ihm ein Gefühl von Dank­bar­keit erwach­sen über das, was mir geschenkt ist“. Er esse gern boden­stän­dig gut, rei­se ger­ne, auch weit weg, wie etwa nach Myan­mar oder Nami­bia. Ich las­se mich von den Men­schen in frem­den Län­dern hin­ter­fra­gen und von den Men­schen hier im Kli­ni­kum“, sagt Gerl.

Kran­ken­haus­pfar­rer am Kli­ni­kum Pas­sau ist mir zur Beru­fung gewor­den im Lau­fe der vie­len Jah­re, hat mich zu einem zufrie­de­nen Men­schen mit Hoff­nung gemacht“, zieht Gerl ein posi­ti­ves Fazit. Wie er sei­nen Ruhe­stand gestal­ten wird, dar­über hat er sich noch kei­ne Gedan­ken gemacht. Ich sage immer, ich wer­de erst­mal ein hal­bes Jahr schla­fen und mei­ne damit, dass ich nichts Regel­mä­ßi­ges an Auf­ga­ben anneh­men wer­de“, sagt er. Er fin­de es span­nend, etwas Neu­es zu erle­ben, und ich freue mich, aus der Ver­ant­wor­tung her­aus zu kom­men, aus der Tak­tung, ohne Han­dy ein­kau­fen gehen zu kön­nen, ohne stän­di­ge Bereit­schaft, und auch ein biss­chen in den Tag hin­ein­le­ben zu kön­nen“, gesteht er. 

Dass sei­ne Nach­fol­ge mit Pfar­rer Adi Ort­mei­er gere­gelt ist, freut Josef Gerl. Er ist ein Seel­sor­ger, der die Men­schen ernst nimmt und der die Men­schen mag“, so Gerl. Sei­ne Art und Wei­se macht es mir leich­ter, aus dem Kli­ni­kum zu gehen, weil die Seel­sor­ge bei ihm und mei­ner Kol­le­gin Bar­ba­ra Stadl­ber­ger in guten Hän­den bleibt.“

Text und Bil­der: Kli­ni­kum Passau

Weitere Nachrichten

08.12.2025

Das große Miteinander

Die Predigt zum Gottesdienst am zweiten Advent in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Ortenburg.

Bistum
08.12.2025

Aufarbeitungsstudie veröffentlicht

Nach Veröffentlichung der Aufarbeitungsstudie mit dem Titel „Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt.…

Bistum
07.12.2025

Mathias Eder zum Diakon geweiht

Bischof Stefan Oster SDB hat am 6. Dezember in der Altöttinger Stiftspfarrkirche Mathias Eder zum Diakon…

Soziales
05.12.2025

Ein Blick hinter die Kulissen

Der Hausnotruf gibt Sicherheit rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage ...