In der ProLi KinoBar in Passau diskutierten junge Engagierte und Gäste über Glauben, Gemeinschaft und die Zukunft der Kirche. Der Abend zeigte: Wer jungen Menschen zuhört, entdeckt eine Kirche voller Engagement, Zuversicht und authentischer Glaubenszeugnisse.
Wie sieht Kirche aus, wenn junge Menschen selbst das Wort ergreifen? Dieser Frage widmete sich die Veranstaltung „Alte Werte – neue Welt“ in der ProLi KinoBar in Passau. Dass der Abend nicht in kirchlichen Räumen stattfand, sondern dort, wo junge Erwachsene ihre Freizeit verbringen, war ein bewusstes Zeichen – und eine Chance, den Dialog genau dort zu führen, wo junge Menschen unterwegs sind. Darauf machte auch Diözesanjugendpfarrer Hubertus Kerscher aufmerksam.
Vier junge Menschen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise in der Kirche engagieren, berichteten auf dem Podium von ihren persönlichen Glaubenswegen und ihrem Einsatz. Ob als Kurat der Pfadfinder, als junge Mesnerin oder im Umfeld der Home Mission Base – ihre Geschichten machten deutlich, wie vielfältig kirchliches Engagement heute sein kann und welche Bedeutung der Glaube im eigenen Leben hat.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die persönliche Glaubensbiografie, sondern auch die Frage, wie Kirche in Zukunft gestaltet werden kann. In einem lebendigen Austausch beteiligten sich neben den Podiumsgästen auch die rund 20 Besucherinnen und Besucher an einem offenen Gespräch über Chancen, Herausforderungen und notwendige Entwicklungen der Kirche.
Jugendpfarrer Hubertus Kerscher zeigte sich beeindruckt von den persönlichen Zeugnissen der jungen Erwachsenen. Für ihn wurde deutlich, welche Menschen die kirchliche Jugendarbeit hervorbringt: junge Christinnen und Christen, die ihren Glauben authentisch leben und weitergeben. Sie seien die glaubwürdigste Werbung für Kirche und für die Botschaft Jesu Christi.
Auch Lukas Mixa, Diözesankurat der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), hob den offenen Charakter des Abends hervor. Das Gespräch habe gezeigt, wie wichtig Räume seien, in denen junge Menschen gemeinsam darüber nachdenken können, wie Kirche heute und morgen aussehen soll.
Diskutiert wurde dabei in der sogenannten „Fishbowl-Methode“: Ein freier Stuhl auf dem Podium ermöglichte es den Besucherinnen und Besuchern, sich jederzeit aktiv in die Diskussion einzubringen und ihre Sichtweisen einzubringen. So entstand ein lebendiger und unkomplizierter Austausch auf Augenhöhe.
Für Franz Schlüsselhuber, Diözesansekretär der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), lag die besondere Stärke der Veranstaltung darin, dass junge Menschen ehrlich von ihrer Lebenswirklichkeit als gläubige Christinnen und Christen berichteten. Themen wie persönlicher Glaube, Glaubenskommunikation im digitalen Raum sowie die Frage nach notwendigen Veränderungen in der Kirche seien offen und respektvoll diskutiert worden. Besonders ermutigend sei gewesen zu erleben, dass es trotz aller gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen weiterhin junge Menschen gibt, die ihrer Kirche vertrauen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Der Abend machte deutlich: Junge Menschen wünschen sich eine Kirche, die zuhört, Beteiligung ermöglicht und ihren Glauben authentisch lebt. Formate wie „Alte Werte – neue Welt“ schaffen dafür den notwendigen Raum – offen, wertschätzend und dort, wo sich die Lebenswelt junger Menschen tatsächlich abspielt.
Zugleich wurde an diesem Abend deutlich, dass Kirche dort besonders glaubwürdig ist, wo sie den Mut hat, ihre vertrauten Räume zu verlassen und den Menschen in ihrem Alltag zu begegnen. Die kirchliche Jugendarbeit zeigt seit vielen Jahren, wie das gelingen kann: mitten in der Lebenswelt junger Menschen, im offenen Dialog und mit dem Vertrauen darauf, dass der Glaube gerade dort seine stärkste Strahlkraft entfaltet, wo die großen Fragen des Lebens gestellt werden.
Text: Nikolaus Pfeiffer / Referent für Digitale Glaubenskommunikation im Bischöfliches Jugendamt Passau

