Foto: Kreuzer
Wie schon im April dieses Jahres, so haben kürzlich das Referat Seniorenseelsorge des Bistums Passau und die Malteser in Zusammenarbeit mit der KEB gemeinsam wieder eine kostenlose Ausbildung für Ehrenamtliche im Besuchs- und Begleitungsdienst angeboten. Dazu konnten Rosmarie Friedsam, Referentin Soziales Ehrenamt bei den Maltesern, und Katharina Werner, freiberufliche Referentin und Trainerin für Biografiearbeit, acht angehende Ehrenamtliche in der Malteser Diözesangeschäftsstelle in Hacklberg begrüßen.
Zunächst fragte Rosmarie Friedsam die Anwesenden nach den Gründen für ihre Teilnahme und warum sie sich im Besuchsdienst engagieren möchten. Die Antworten waren ebenso interessant wie unterschiedlich. „Es baut mich auf, wenn ich jemanden helfen kann.“ „Man braucht eine Aufgabe, bevor einem die Decke auf den Kopf fällt.“ „Ich bin jetzt in Rente. Früher war ich in der Jugendarbeit tätig. Ich vermisse es, Gutes zu tun und Spaß dabei zu haben.“ „Ich möchte gerne etwas zurückgeben an die ältere Generation.“
Im Verlauf des Tages ging es unter anderem um die Themen altersbedingte Veränderungen, Umgang mit Herausforderungen, Grundlagen der Kommunikation, religiöse Aspekte, Selbstfürsorge und Wahrung der eigenen Grenzen sowie Rechtliches und Organisatorisches. Eine Besonderheit war das „Expertengespräch“, bei dem eine langjährige ehrenamtliche Besucherin der Malteser über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichtete.
Rosmarie Friedsam erklärte, was der Besuchsdienst ist und was nicht: „Es geht darum, den Besuchten Lebensfreude zu schenken. Im Vordergrund steht dabei nicht die Aktivität, sondern die menschliche Nähe, das Dasein. Es ist eine sinnstiftende Tätigkeit für beide Seiten. Und man bekommt auch viel zurück.“ Der Besuchsdienst sei kein Fahrdienst und auch keine Konkurrenz zu Pflegediensten, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Die Besuche sind für die Besuchten kostenlos und die Ehrenamtlichen erhalten keine Vergütung.
Mögliche altersbedingte Veränderungen sprach Katharina Werner dann an. Diese können durch weniger Aufgaben, Verlust oder Nicht-Vorhandensein eines Partners, geringere Mobilität oder Krankheit entstehen. „Alleinsein ist nicht gleich einsam sein“, betonte sie.
Mögliche Aktivitäten bei den Besuchen seien zuhören, Gespräche führen, alte Fotos und Dokumente anschauen, vorlesen, singen, spielen, spazieren gehen und vieles mehr erklärte Rosmarie Friedsam.
Breiten Raum nahm das Thema Kommunikation ein, durch das Katharina Werner führte. Beim Gebets-Workshop forderte sie die Teilnehmer auf, ein eigenes Gebet zu schreiben nach dem Muster: Anrede Gottes, Aufgreifen der Situation, Dank, Bitte und Amen. Dann zeigte sie zahlreichen Themen auf, über die bei den Besuchen gesprochen werden kann, wie Früchte, Gedichte oder die erste Liebe. Bei der Selbstfürsorge betonte sie im Satz „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ den letzten Teil. Nur, wenn man sich selbst liebe, könne man auch den anderen lieben. Wichtig sei es auch, eigene Grenzen zu erkennen und sie zu wahren.
Im Anschluss informierte Rosmarie Friedsam über die Malteser im Allgemeinen und über die Aktivitäten des Sozialen Ehrenamtes im Besonderen. Natürlich erläuterte sie dabei den Besuchsdienst besonders ausführlich. So ging es z. B. um die regelmäßigen Gruppentreffen und Fortbildungen oder die Art und Weise der Kontaktaufnahme und Vermittlung von Besucher und Besuchtem.
Wie schon bei der Ausbildung im April, so war auch diesmal Ursula Beerschneider im Rahmen des „Expertengespräches“ zu Gast. Sie berichtete über 18 Jahre im Besuchsdienst. „Meine erste Dame, die fast einhundert Jahre alt wurde, war sehr belesen. Wir haben sehr gerne Erinnerungen ausgetauscht und Mensch ärgere dich nicht gespielt – ich habe sie aber nicht gewinnen lassen“, sagte sie mit einem Schmunzeln. Und weiter: „Von Anfang an war die Harmonie zwischen uns beiden da.“ Sieben Jahre begleitete Ursula Beerschneider die Seniorin bis zu ihrem Tod.
Rosmarie Friedsam erklärte, dass die Ehrenamtliche danach eigentlich eine kleine Pause wollte. Doch da habe sie der Hilferuf einer Frau aus der Altstadt erreicht. Sie war sehr krank und wollte spazieren gehen. „Ich habe Ursula Beerschneider angerufen und sie hat sofort ja gesagt.“ Das war im Mai vor zehn Jahren. Und seither drehen die beiden jeden Mittwoch ihre Runde rund um die Ortsspitze. „Das ist ein Kontrast zu den Besuchen bei der ersten Dame, bei der wir immer zu Hause waren“, berichtete Ursula Beerschneider. Was auch schon vorher Katharina Werner und Rosmarie Friedsam immer wieder betont hatten, bestätigte auch sie: „Man muss sich verstehen, die Chemie muss stimmen.“
Zum Abschluss des Lehrganges überreichte Rosmarie Friedsam Zertifikate an die Teilnehmer. Alle erklärten, dass sie viel von dem Tag mitnehmen. Einige haben sich an Ort und Stelle zur Mitarbeit im Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser bereiterklärt. Ihnen ist es jedoch freigestellt, sich auch woanders einzubringen, etwa in ihrer Pfarrgemeinde.
Auch im nächsten Jahr soll die Ausbildung wieder stattfinden. Interessenten können sich gerne schon jetzt melden und werden dann rechtzeitig informiert, wenn der Termin feststeht. Gerne beantwortet Rosmarie Friedsam auch alle Fragen rund um den Besuchsdienst: Tel. 0851÷95666−45, E- Mail Rosmarie.Friedsam@malteser.org
Text: Rosemarie Friedsam



