Soziales

„Ich vermisse es, Gutes zu tun“

Redaktion am 30.11.2025

Info Icon Foto: Kreuzer
Beste Stimmung bei allen Beteiligten: Die Referentinnen Katharina Werner (2.v.r.) und Rosmarie Friedsam (5.v.r.) sowie Besuchsdienst-Koordinatorin Karin Hellwig (5.v.l.) mit den Teilnehmern.

Wie schon im April dieses Jahres, so haben kürzlich das Referat Seniorenseelsorge des Bistums Passau und die Malteser in Zusammenarbeit mit der KEB gemeinsam wieder eine kostenlose Ausbildung für Ehrenamtliche im Besuchs- und Begleitungsdienst angeboten. Dazu konnten Rosmarie Friedsam, Referentin Soziales Ehrenamt bei den Maltesern, und Katharina Werner, freiberufliche Referentin und Trainerin für Biografiearbeit, acht angehende Ehrenamtliche in der Malteser Diözesangeschäftsstelle in Hacklberg begrüßen.

Zunächst frag­te Ros­ma­rie Fried­sam die Anwe­sen­den nach den Grün­den für ihre Teil­nah­me und war­um sie sich im Besuchs­dienst enga­gie­ren möch­ten. Die Ant­wor­ten waren eben­so inter­es­sant wie unter­schied­lich. Es baut mich auf, wenn ich jeman­den hel­fen kann.“ Man braucht eine Auf­ga­be, bevor einem die Decke auf den Kopf fällt.“ Ich bin jetzt in Ren­te. Frü­her war ich in der Jugend­ar­beit tätig. Ich ver­mis­se es, Gutes zu tun und Spaß dabei zu haben.“ Ich möch­te ger­ne etwas zurück­ge­ben an die älte­re Generation.“

Im Ver­lauf des Tages ging es unter ande­rem um die The­men alters­be­ding­te Ver­än­de­run­gen, Umgang mit Her­aus­for­de­run­gen, Grund­la­gen der Kom­mu­ni­ka­ti­on, reli­giö­se Aspek­te, Selbst­für­sor­ge und Wah­rung der eige­nen Gren­zen sowie Recht­li­ches und Orga­ni­sa­to­ri­sches. Eine Beson­der­heit war das Exper­ten­ge­spräch“, bei dem eine lang­jäh­ri­ge ehren­amt­li­che Besu­che­rin der Mal­te­ser über ihre Erfah­run­gen und Erleb­nis­se berichtete.

Ros­ma­rie Fried­sam erklär­te, was der Besuchs­dienst ist und was nicht: Es geht dar­um, den Besuch­ten Lebens­freu­de zu schen­ken. Im Vor­der­grund steht dabei nicht die Akti­vi­tät, son­dern die mensch­li­che Nähe, das Dasein. Es ist eine sinn­stif­ten­de Tätig­keit für bei­de Sei­ten. Und man bekommt auch viel zurück.“ Der Besuchs­dienst sei kein Fahr­dienst und auch kei­ne Kon­kur­renz zu Pfle­ge­diens­ten, son­dern eine sinn­vol­le Ergän­zung. Die Besu­che sind für die Besuch­ten kos­ten­los und die Ehren­amt­li­chen erhal­ten kei­ne Vergütung.

Mög­li­che alters­be­ding­te Ver­än­de­run­gen sprach Katha­ri­na Wer­ner dann an. Die­se kön­nen durch weni­ger Auf­ga­ben, Ver­lust oder Nicht-Vor­han­den­sein eines Part­ners, gerin­ge­re Mobi­li­tät oder Krank­heit ent­ste­hen. Allein­sein ist nicht gleich ein­sam sein“, beton­te sie.

Mög­li­che Akti­vi­tä­ten bei den Besu­chen sei­en zuhö­ren, Gesprä­che füh­ren, alte Fotos und Doku­men­te anschau­en, vor­le­sen, sin­gen, spie­len, spa­zie­ren gehen und vie­les mehr erklär­te Ros­ma­rie Friedsam.

Brei­ten Raum nahm das The­ma Kom­mu­ni­ka­ti­on ein, durch das Katha­ri­na Wer­ner führ­te. Beim Gebets-Work­shop for­der­te sie die Teil­neh­mer auf, ein eige­nes Gebet zu schrei­ben nach dem Mus­ter: Anre­de Got­tes, Auf­grei­fen der Situa­ti­on, Dank, Bit­te und Amen. Dann zeig­te sie zahl­rei­chen The­men auf, über die bei den Besu­chen gespro­chen wer­den kann, wie Früch­te, Gedich­te oder die ers­te Lie­be. Bei der Selbst­für­sor­ge beton­te sie im Satz Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst“ den letz­ten Teil. Nur, wenn man sich selbst lie­be, kön­ne man auch den ande­ren lie­ben. Wich­tig sei es auch, eige­ne Gren­zen zu erken­nen und sie zu wahren.

Im Anschluss infor­mier­te Ros­ma­rie Fried­sam über die Mal­te­ser im All­ge­mei­nen und über die Akti­vi­tä­ten des Sozia­len Ehren­am­tes im Beson­de­ren. Natür­lich erläu­ter­te sie dabei den Besuchs­dienst beson­ders aus­führ­lich. So ging es z. B. um die regel­mä­ßi­gen Grup­pen­tref­fen und Fort­bil­dun­gen oder die Art und Wei­se der Kon­takt­auf­nah­me und Ver­mitt­lung von Besu­cher und Besuchtem.

Wie schon bei der Aus­bil­dung im April, so war auch dies­mal Ursu­la Beer­schnei­der im Rah­men des Exper­ten­ge­sprä­ches“ zu Gast. Sie berich­te­te über 18 Jah­re im Besuchs­dienst. Mei­ne ers­te Dame, die fast ein­hun­dert Jah­re alt wur­de, war sehr bele­sen. Wir haben sehr ger­ne Erin­ne­run­gen aus­ge­tauscht und Mensch ärge­re dich nicht gespielt – ich habe sie aber nicht gewin­nen las­sen“, sag­te sie mit einem Schmun­zeln. Und wei­ter: Von Anfang an war die Har­mo­nie zwi­schen uns bei­den da.“ Sie­ben Jah­re beglei­te­te Ursu­la Beer­schnei­der die Senio­rin bis zu ihrem Tod.

Ros­ma­rie Fried­sam erklär­te, dass die Ehren­amt­li­che danach eigent­lich eine klei­ne Pau­se woll­te. Doch da habe sie der Hil­fe­ruf einer Frau aus der Alt­stadt erreicht. Sie war sehr krank und woll­te spa­zie­ren gehen. Ich habe Ursu­la Beer­schnei­der ange­ru­fen und sie hat sofort ja gesagt.“ Das war im Mai vor zehn Jah­ren. Und seit­her dre­hen die bei­den jeden Mitt­woch ihre Run­de rund um die Orts­spit­ze. Das ist ein Kon­trast zu den Besu­chen bei der ers­ten Dame, bei der wir immer zu Hau­se waren“, berich­te­te Ursu­la Beer­schnei­der. Was auch schon vor­her Katha­ri­na Wer­ner und Ros­ma­rie Fried­sam immer wie­der betont hat­ten, bestä­tig­te auch sie: Man muss sich ver­ste­hen, die Che­mie muss stimmen.“

Zum Abschluss des Lehr­gan­ges über­reich­te Ros­ma­rie Fried­sam Zer­ti­fi­ka­te an die Teil­neh­mer. Alle erklär­ten, dass sie viel von dem Tag mit­neh­men. Eini­ge haben sich an Ort und Stel­le zur Mit­ar­beit im Besuchs- und Beglei­tungs­dienst der Mal­te­ser bereit­erklärt. Ihnen ist es jedoch frei­ge­stellt, sich auch woan­ders ein­zu­brin­gen, etwa in ihrer Pfarrgemeinde.

Auch im nächs­ten Jahr soll die Aus­bil­dung wie­der statt­fin­den. Inter­es­sen­ten kön­nen sich ger­ne schon jetzt mel­den und wer­den dann recht­zei­tig infor­miert, wenn der Ter­min fest­steht. Ger­ne beant­wor­tet Ros­ma­rie Fried­sam auch alle Fra­gen rund um den Besuchs­dienst: Tel. 0851÷9566645, E- Mail Rosmarie.​Friedsam@​malteser.​org

Text: Rose­ma­rie Friedsam

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