Das glauben wir

Die Beichte – Sakrament der Versöhnung

Stefanie Hintermayr am 26.03.2026

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr / pbp

Altmodisch und antiquiert! Genau diese Meinung haben Viele, wenn es um die Beichte geht. Für gläubige Christen dagegen, die regelmäßig beichten gehen, ist das Sakrament der Versöhnung sehr wertvoll. Eine Spurensuche nach einem unterschätzten Sakrament durch unser Bistum zeigt, wo darin für jeden von uns die Chance für einen Neuanfang liegt.

Du gehst heu­te noch beich­ten?“ Eine viel gestell­te Fra­ge in der heu­ti­gen Zeit. Vie­le Men­schen zei­gen sich oft ver­wun­dert, wenn gläu­bi­ge Katho­li­kin­nen und Katho­li­ken ihnen erzäh­len, dass sie sich einem Pries­ter anver­trau­en. Es gäbe doch heut­zu­ta­ge so vie­le ande­re Mög­lich­kei­ten – wie bei­spiels­wei­se die unzäh­li­gen Bera­tungs- und The­ra­pie­an­ge­bo­te –, die bei per­sön­li­chen Ver­feh­lun­gen und Pro­ble­men wei­ter­hel­fen wür­den, lau­tet oft die Argu­men­ta­ti­on. Man kön­ne sich doch auch ander­wei­tig als mit der Beich­te Rat­schlä­ge und Hil­fe holen. Gera­de die­je­ni­gen aber, die die Beich­te schät­zen und regel­mä­ßig beich­ten gehen, wis­sen sehr wohl, dass hin­ter dem Sakra­ment der Ver­söh­nung weit mehr steckt, als nur das Frei­spre­chen von den eige­nen Sün­den und dass es auch nicht um blo­ße Lebens­hil­fe“ geht. Das bestä­tig­ten auch Jugend­pfar­rer Huber­tus Ker­scher, Kapu­zi­ner­pa­ter Mari­nus Par­zin­ger, Gemein­de­re­fe­ren­tin Jen­ni­fer Kin­der und Chris­toph Koch­mann, Lei­ter der Ehe‑, Fami­li­en- und Lebens­be­ra­tung im Bis­tum Pas­sau, in Inter­views. Sie sind sich einig, dass es das Sakra­ment der Ver­söh­nung gera­de heu­te braucht.

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Ehrliche Reue ermöglicht einen Neuanfang

Zur Fra­ge, war­um die Beich­te gera­de für Chris­tin­nen und Chris­ten so wich­tig sei, meint Jugend­pfar­rer Huber­tus Ker­scher: Das Chris­ten­tum ist erst ein­mal ein Bezie­hungs­ge­sche­hen. Das mer­ken wir schon am wich­tigs­ten Gebot im Evan­ge­li­um: Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, lie­ben, und du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst.“ Sün­den dage­gen wür­den uns von Gott, unse­ren Mit­men­schen und unse­rer Umwelt iso­lie­ren und abson­dern, so Ker­scher wei­ter. Und genau die­se Tren­nung will das Beicht­sa­kra­ment über­win­den. Es ist die Zusa­ge, dass ehr­li­che Reue immer einen Neu­an­fang ermög­licht, dass die Ver­ge­bung Got­tes grö­ßer ist als alle Schuld.“ Ver­ge­bung und die Bereit­schaft zu ver­ge­ben gehö­ren dabei untrenn­bar zusam­men, betont er. für mich ist die Beich­te der Ort, an dem ich erfah­re, dass Gott und sei­ne Kir­che die­sen Weg mit mir gehen – dass ich nicht allein bin.“

Weniger Menschen, aber intensivere Gespräche

Äußerst leben­dig und viel­fäl­tig ist die Beich­te im Wall­fahrts­ort Alt­öt­ting. Der Kapu­zi­ner­pa­ter Mari­nus Par­zin­ger erlebt hier seit 16 Jah­ren, wie sich das Sakra­ment ver­än­dert und ent­wi­ckelt hat. Die Zahl der Men­schen, die zur Beich­te kom­men, wird zwar gerin­ger, aber die Gesprä­che wer­den inten­si­ver.“ Zwar sei das Publi­kum eher mitt­le­ren oder höhe­ren Alters, doch gäbe es auch vie­le Ange­bo­te für Kin­der, Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne, erklärt er, und nennt Kate­che­sen, Night­fi­re und Barm­her­zig­keits­aben­de als Bei­spie­le. Ins­ge­samt gibt es ein brei­tes Spek­trum, und wir ver­su­chen, den Men­schen so weit wie mög­lich ent­ge­gen­zu­kom­men.“ Beich­ten kann man in Alt­öt­ting – mit ein paar weni­gen Aus­nah­men – täg­lich, vor­mit­tags, nach­mit­tags oder neu­er­dings sogar auch abends. In der Regel wer­den dazu die Beicht­zim­mer – und nur bei hoher Nach­fra­ge auch die Beicht­stüh­le – genutzt. Alles ist gut vor­be­rei­tet, sodass eine ange­neh­me Gesprächs­at­mo­sphä­re ent­steht. Das wirkt sich spür­bar dar­auf aus, dass sich Men­schen öff­nen und den Mut haben zu sprechen.“

Ein offener Raum für Kinder – sicher, beschützt und geborgen

Im Pfarr­ver­band Fürs­ten­zell beglei­tet Jen­ni­fer Kin­der als Gemein­de­re­fe­ren­tin Kin­der und Jugend­li­che bei der Erst­kom­mu­ni­on- und Firm­vor­be­rei­tung nach wie vor inten­siv und auf leben­di­ge Art und Wei­se auf das Sakra­ment der Beich­te vor. Mir ist bei den Kin­dern beson­ders wich­tig, dass sie zunächst ein­mal ver­ste­hen und erfah­ren, dass sie an einen ver­zei­hen­den Gott glau­ben kön­nen.“ Gera­de bei der Erst­beich­te der Erst­kom­mu­ni­on­kin­der sei für sie ent­schei­dend, dass trotz aller Ver­schwie­gen­heit ein Raum ent­ste­he, der für die Kin­der im Leben wich­tig und zugäng­lich sei. Die Kin­der ken­nen unse­re Beicht­pries­ter, und die Pries­ter ken­nen größ­ten­teils die Kin­der. Dadurch ent­steht ein offe­ner Raum, in dem sich die Kin­der sicher, beschützt und gebor­gen füh­len können.“

Handle so, als ob alles von dir abhänge, und vertraue auf Gott!

Dia­kon Chris­toph Koch­mann führt als Lei­ter der Ehe‑, Fami­li­en- und Lebens­be­ra­tung im Bis­tum Pas­sau regel­mä­ßig Gesprä­che mit Men­schen, die Rat und Hil­fe suchen. Erfah­run­gen zei­gen zunächst ein­mal – gera­de bei Schuld und ähn­li­chen The­men –, dass vor allem der ent­ste­hen­de Bezie­hungs­schmerz eine Rol­le spielt und dass es dafür einen geschütz­ten Raum braucht“, erklärt er. Es brau­che einen siche­ren Rah­men, Ruhe, Zeit und jeman­den, der zuhö­re. Des­halb kämen die Men­schen auch ger­ne zu ihm. Er hört erst ein­mal zu und gibt dann Impul­se für eine mög­li­che Ver­än­de­rung – ähn­lich wie bei der Beich­te. Die Beich­te ist oft die ers­te Gele­gen­heit, in Ruhe alles zu sor­tie­ren – sym­bo­lisch gespro­chen – vor sich aus­zu­brei­ten und dar­auf zu schau­en. Das allein gibt schon ein Gefühl der Erleich­te­rung, des Ver­stan­den-Seins, und eine Art Feed­back an die Betref­fen­den selbst.“ Kein Bera­tungs­ge­spräch, so betont Koch­mann, kön­ne die Beich­te erset­zen. Zur Erklä­rung zitiert er Igna­ti­us von Loyo­la: Hand­le so, als ob alles von dir abhän­ge, und ver­traue so auf Gott, als ob alles von ihm abhän­ge.“ Die­se Wor­te ver­deut­li­chen Koch­mann zufol­ge die Schnitt­stel­le zwi­schen Beich­te und Bera­tung. Wo ich mich in Rich­tung Gott neu ver­or­ten kann und gleich­zei­tig den Impuls erhal­te: Schau auf dein Leben und sieh, wel­che Mög­lich­kei­ten es für posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen gibt. Genau dort setzt dann die Bera­tung an.“

Mehr zum Sakrament Beichte

In einem You­Tube-Video spricht Bischof Ste­fan Oster SDB über das her­aus­for­dern­de Sakra­ment der Ver­söh­nung, die Beich­te und geht auf zen­tra­le Fra­gen genau­er ein. Wie geht beich­ten? Was ist dabei zu beach­ten – ins­be­son­de­re dann, wenn die letz­te Beich­te schon län­ger zurück­liegt? Wie läuft das Gan­ze ab? Und wie oft soll­te man beich­ten gehen? Sei­ne Ant­wor­ten hier im Video:

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