Das glauben wir

Wohin ruft dein Weg? - Berufung entdecken

Redaktion am 27.06.2025

Info Icon Foto: Simona Kehl

Berufung entdecken – mitten im Leben, mitten im Alltag.

„Beru­fen? Ich doch nicht!“ ​„Beru­fung!?“ Für vie­le klingt es nach einer Sache, die ande­re betrifft: Pries­ter, Ordens­leu­te, viel­leicht beson­ders gläu­bi­ge Men­schen. Doch Beru­fung ist kein Son­der­weg. Beru­fung ist Leben. Sie beginnt da, wo ich jetzt bin – als Schü­le­rin oder Schü­ler, als Mut­ter oder Vater, als Rent­ne­rin oder Rent­ner, als ganz nor­ma­ler Mensch mit­ten im All­tag, im Ehren­amt. Gott ruft – lei­se, manch­mal über­ra­schend. Wer zuhört, kann ent­de­cken, wohin der Weg führt.

Berufung ist für alle

Der Jesu­it Josef Mau­re­der beschreibt in sei­nem Buch ​„Wir kom­men, wohin wir schau­en“ die Beru­fung jedes Men­schen als drei­fa­chen Ruf:

  1. Geru­fen zum Leben – Mensch sein
  2. Beru­fen zur Freund­schaft – Christ sein
  3. Gesandt in die Welt – Zeu­gin oder Zeu­ge sein

Jeder und jede von uns ist gemeint. Jede Lebens­ge­schich­te ist von Gott geru­fen. Beru­fung ist dabei kein sta­ti­scher Zustand, den man ein­mal fin­det und dann ​„hat“. Beru­fung ist ein Weg, der sich ent­fal­tet, wenn wir begin­nen, hinzuhören.

Hören als Schlüssel

Papst Fran­zis­kus betont immer wie­der, wie wich­tig das Zuhö­ren ist – das Hören auf das Wort Got­tes, auf die Men­schen um uns her­um, auf unser eige­nes Herz.

„„Es ist sehr wich­tig, auf die Stim­me des Herrn zu hören, ihr in die­sem Dia­log zuzu­hö­ren und zu sehen, wohin der Herr uns ruft.“”

Papst Franziskus

Beru­fung beginnt mit Hören. Jesus sagt: ​„Mei­ne Scha­fe hören auf mei­ne Stim­me.“ (Joh 10,27)

Papst Leo XIV. hat es bei einer Pre­digt am Grab des Hl. Petrus im Mai 2025 so zusam­men­ge­fasst: ​„Wenn du über dein Leben nach­denkst, wie erklärst du dir, wo du ange­kom­men bist? Zuzu­hö­ren ist die Hal­tung, die uns hilft, die­se Fra­ge zu beantworten.“

Zuhö­ren ist mehr als still sein. Es bedeu­tet: sich berüh­ren las­sen. Sich auf einen ech­ten Dia­log ein­las­sen – mit Gott, mit den Men­schen, mit sich selbst. Auch im All­tag, auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen, auch in ganz nor­ma­len Lebensumständen.

Berufung ist keine Mangelverwaltung

Wenn heu­te über Beru­fung gespro­chen wird, geschieht das oft im Modus der Sor­ge: ​„Es gibt zu weni­ge Pries­ter, zu weni­ge Ordens­leu­te, zu weni­ge Haupt­amt­li­che in der Kir­che.“ So dür­fen wir in die­sem Jahr auch kei­ne Pries­ter­wei­he im Dom fei­ern oder zu der ein oder ande­ren Pri­miz pil­gern. Aber Beru­fung ist kein Man­gel­the­ma. Beru­fung ist ein Hoffnungsthema.

Die Kir­che braucht Men­schen, die Gott hören wol­len – nicht nur im Pries­ter­se­mi­nar, nicht nur im Klos­ter, son­dern in allen Berei­chen: in der Fami­lie, im Beruf, in der Schu­le, im Ehren­amt, in der Nach­bar­schaft. Gott ruft in unzäh­li­gen Lebensformen.

Die aktu­el­le Stu­die zur Moti­va­ti­on von Pries­ter­kan­di­da­ten in Deutsch­land weist dar­auf hin: Die Kri­se der pries­ter­li­chen Beru­fun­gen hängt auch mit der Kri­se des all­ge­mei­nen Pries­ter­tums zusam­men – also mit den Fra­gen: Wie sehr ver­ste­hen wir uns als Getauf­te und als Men­schen mit einem Sen­dungs­auf­trag? Wie sehr sehen wir das Pries­ter­tum, das all­ge­mei­ne und das beson­de­re, ein­ge­bun­den in die Kirche? 

Viel­leicht liegt eine Ant­wort in einer Kir­che, die wie­der neu das Hören lernt – ohne zu urtei­len, ohne zu schnell zu wis­sen, wie alles sein muss. Eine hören­de Kir­che ist eine Kir­che, die Beru­fun­gen weckt.

Hoffnung leben – heute

Beru­fung ist immer kon­kret. Sie lebt davon, dass ich bereit bin, mich zu fra­gen: ​„Herr, was willst du mir heu­te sagen?“

Viel­leicht ruft Gott mich zu einem Gespräch, zu einem Ehren­amt, zu einem beson­de­ren Dienst. Viel­leicht ruft er mich, mit neu­er Acht­sam­keit mei­nen All­tag zu leben. Viel­leicht ruft er mich zu etwas, das ich mir noch gar nicht vor­stel­len kann.

Jesus sagt: ​„Come and see.“ – ​„Komm und sieh.“ Beru­fung bedeu­tet: Kom­men. Hören. Gehen. Wer hört, fin­det den Weg.

Text: Dom­vi­kar Peter Kunz

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