Wunsch am Ende der Predigt beim Pontifikalgottesdienst: „Gott segne diese wunderbare Stadt“ – Wert des Einsatzes für das Gemeinwohl unterstrichen.
Eingereiht in die Schar prominenter Gratulanten zum Jubiläum 1250 Jahre Vilshofen – darunter auch Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder – hat sich ebenso Bischof Dr. Stefan Oster am Wochenende. Den feierlichen Pontifikalgottesdienst nahm er zum Anlass, den Wert des ehrenamtlichen Einsatzes um das Gemeinwohl zu betonen, und die Menschen dazu aufzurufen, die Kirche als Zeichen der lebendigen Erinnerung an Gott und Jesus wahrzunehmen. „Gott segne diese wunderbare Stadt“, wünschte Oster Vilshofen am Ende seiner mit Beifall aufgenommenen Predigt.
Der Bischof stellte Gedanken über das Geheimnis von Stadt aus biblischer Perspektive in den Mittelpunkt, beginnend mit der allerersten Erwähnung einer Stadt in der Heiligen Schrift bei Kain und Abel, als der Brudermörder zum Gründer einer Stadt geworden sei. Auch die zweite Erwähnung des Begriffs Stadt hob Oster hervor, Babel mit dem Bau eines riesigen Turms, der zum Himmel reichen sollte, um sich in gewisser Weise zu Gott zu machen und zu sagen, „den, den es gibt, den brauchen wir nicht.“ Wenn der Gottesbezug verlorengehe, „dann werden wir vor allem im Umgang mit uns miteinander funktional“ – mit der Folge, einander nur zu benutzen und zu gebrauchen, sich zu verkaufen und kaufen.
Der Passauer Oberhirte skizzierte die große Gefahr, dass durch die Funktionalität in Städten der Mensch eher zur Ware wird. Oster prangerte die Tatsache an, dass inzwischen mehr Menschen in Mega-Städten lebten als auf dem Land und die Anonymität am größten in Hochhäusern sei, wo man zwar ganz eng aufeinander wohne, aber der eine den anderen nichts mehr angehe. In Erinnerung rief der Bischof den berühmten großen König Israels, David, nach seinen Worten irgendwie ein Vorausbild auf den Messias-König, der Jerusalem zu seiner Königsstadt gemacht habe — ein Zeichen für das himmlische Jerusalem mit dem Tempelbau um die Bundeslade herum mit der Aussage, „wir sind das Volk, in dessen Mitte Gott wohnt.“
Nicht außer Acht ließ Oster die Verbindung der Geschichte von so wunderschönen Städten wie Vilshofen mit der Historie der Kirche als ganz wichtige Stützpunkte – nicht nur für den Glauben, sondern einst auch für die Interessen der Fürstbischöfe, deren Zeit längst vorbei sei. Der Prediger stellte in Frage, Städte nur als funktional zu sehen, als Ort von Kaufen und Verkaufen, um den anderen zu benutzen und zu gebrauchen. „Oder ist die Kirche mitten in der Stadt ein lebendiges Erinnerungszeichen für den, der von sich gesagt hat, ich bin der lebendige Tempel“, fragte der Diözesanbischof, der in diesem Zusammenhang auch auf Artikel eins des deutschen Grundgesetzes aufmerksam machte, „die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Er warnte davor, Menschen nur zu verzwecken, anstatt sie als Geschöpf Gottes zu sehen.
Oster leitete daraus Herausforderungen für das Thema Liebe ab, zumal Menschen auch in ihren Liebesbeziehungen versucht seien, den anderen zu funktionalisieren und ihn nur zu mögen, „so lang Du so bist, wie ich Dich gut finde.“ Gegenüber stellte der Theologe dem die Bedeutung der maßlosen Vergebungsbereitschaft, die von Jesus komme. Der Bischof plädierte für gegenseitige Anerkennung im Gedenken an seinen Ordensvater Don Bosco, der sich sogar um kriminelle Straßenjungen gekümmert und zu ihnen in die Gefängnisse gegangen sei. „Die Kirche ist so wichtig für eine Stadt“ mit dem Ziel, den Umgang miteinander zu lernen und dem Herrn zu begegnen – in der Taufe, Erstkommunion, Firmung, Heirat und Beerdigung.
Osters Botschaft: „Wir haben den Tempel, wir haben die Gegenwart Gottes hier.“ Nicht verhehlen wollte der Bischof die gegenwärtige Krise der Kirche und womöglich auch des demokratisches Systems. Beides hänge voneinander ab, und es sei wichtig, sich für das Gemeinwohl einzusetzen und für den anderen. Wenn das verlorengeht, dann nähmen das Auseinander und Gegeneinander zu, so der Oberhirte, der sich für das gemeinsame Feiern des Stadtjubiläums bedankte. Eingangs hatte ihn dazu Vilshofens Bürgermeister Florian Gams begrüßt. Als Geschenk überreichte er dem Bischof den Jubiläumskrug. Oster spekulierte augenzwinkernd kurz darüber, mit welchem Bier er denn gefüllt werden sollte. Bekanntlich befindet sich die Brauerei Hacklberg in Passau im Eigentum des Bistums.
In die Fürbitten einbezogen waren unter anderem alle Menschen, die sich um die Stadt Vilshofen verdient gemacht haben. Den Friedenswunsch während des Gottesdienstes formulierte der Bischof „für Euch und Eure Stadt“. Zuletzt applaudierte Oster zusammen mit Stadtpfarrer Peter Kieweg, Pater Binoy sowie Pater Johannes Strahl vom Kloster Schweiklberg und dem Inder Pater Paul, der Ende August die Priesterweihe empfangen wird, sowie den begeisterten Besuchern dem Kirchenchor und Orchester St. Johannes für die eindrucksvolle Interpretation der „Messe brève No. 7“ von Charles Gounod und der eigens für das Stadtjubiläum geschaffenen „Hymne an Vilshofen“, komponiert von Chor- und Orchesterleiter Martin Bender, gemeinsam getextet mit Erika Schwitulla. Am Ende steht in dem Choral der Wunsch „Gott schütze unsre Heimatstadt im schönen Lande Bayern, es lebe unser Vilshofen, es blühe und gedeihe.“
Text: Bernhard Brunner



