Bischof

1250-jährige Geschichte: Bischof in Vilshofen

Redaktion am 11.05.2026

Info Icon Foto: Bernhard Brunner
Zusammen mit Bischof Oster stellten sich Vertreter der Stadt- und Pfarrgemeinde am Stadtplatz zum Erinnerungsfoto unter strahlend blauem Himmel auf. – Fotos: Bernhard Brunner.

Wunsch am Ende der Predigt beim Pontifikalgottesdienst: „Gott segne diese wunderbare Stadt“ – Wert des Einsatzes für das Gemeinwohl unterstrichen.

Ein­ge­reiht in die Schar pro­mi­nen­ter Gra­tu­lan­ten zum Jubi­lä­um 1250 Jah­re Vils­ho­fen – dar­un­ter auch Bay­erns Minis­ter­prä­si­dent Dr. Mar­kus Söder – hat sich eben­so Bischof Dr. Ste­fan Oster am Wochen­en­de. Den fei­er­li­chen Pon­ti­fi­kal­got­tes­dienst nahm er zum Anlass, den Wert des ehren­amt­li­chen Ein­sat­zes um das Gemein­wohl zu beto­nen, und die Men­schen dazu auf­zu­ru­fen, die Kir­che als Zei­chen der leben­di­gen Erin­ne­rung an Gott und Jesus wahr­zu­neh­men. Gott seg­ne die­se wun­der­ba­re Stadt“, wünsch­te Oster Vils­ho­fen am Ende sei­ner mit Bei­fall auf­ge­nom­me­nen Predigt.

Der Bischof stell­te Gedan­ken über das Geheim­nis von Stadt aus bibli­scher Per­spek­ti­ve in den Mit­tel­punkt, begin­nend mit der aller­ers­ten Erwäh­nung einer Stadt in der Hei­li­gen Schrift bei Kain und Abel, als der Bru­der­mör­der zum Grün­der einer Stadt gewor­den sei. Auch die zwei­te Erwäh­nung des Begriffs Stadt hob Oster her­vor, Babel mit dem Bau eines rie­si­gen Turms, der zum Him­mel rei­chen soll­te, um sich in gewis­ser Wei­se zu Gott zu machen und zu sagen, den, den es gibt, den brau­chen wir nicht.“ Wenn der Got­tes­be­zug ver­lo­ren­ge­he, dann wer­den wir vor allem im Umgang mit uns mit­ein­an­der funk­tio­nal“ – mit der Fol­ge, ein­an­der nur zu benut­zen und zu gebrau­chen, sich zu ver­kau­fen und kaufen.

Der Pas­sau­er Ober­hir­te skiz­zier­te die gro­ße Gefahr, dass durch die Funk­tio­na­li­tät in Städ­ten der Mensch eher zur Ware wird. Oster pran­ger­te die Tat­sa­che an, dass inzwi­schen mehr Men­schen in Mega-Städ­ten leb­ten als auf dem Land und die Anony­mi­tät am größ­ten in Hoch­häu­sern sei, wo man zwar ganz eng auf­ein­an­der woh­ne, aber der eine den ande­ren nichts mehr ange­he. In Erin­ne­rung rief der Bischof den berühm­ten gro­ßen König Isra­els, David, nach sei­nen Wor­ten irgend­wie ein Vor­aus­bild auf den Mes­si­as-König, der Jeru­sa­lem zu sei­ner Königs­stadt gemacht habe — ein Zei­chen für das himm­li­sche Jeru­sa­lem mit dem Tem­pel­bau um die Bun­des­la­de her­um mit der Aus­sa­ge, wir sind das Volk, in des­sen Mit­te Gott wohnt.“

Nicht außer Acht ließ Oster die Ver­bin­dung der Geschich­te von so wun­der­schö­nen Städ­ten wie Vils­ho­fen mit der His­to­rie der Kir­che als ganz wich­ti­ge Stütz­punk­te – nicht nur für den Glau­ben, son­dern einst auch für die Inter­es­sen der Fürst­bi­schö­fe, deren Zeit längst vor­bei sei. Der Pre­di­ger stell­te in Fra­ge, Städ­te nur als funk­tio­nal zu sehen, als Ort von Kau­fen und Ver­kau­fen, um den ande­ren zu benut­zen und zu gebrau­chen. Oder ist die Kir­che mit­ten in der Stadt ein leben­di­ges Erin­ne­rungs­zei­chen für den, der von sich gesagt hat, ich bin der leben­di­ge Tem­pel“, frag­te der Diö­ze­san­bi­schof, der in die­sem Zusam­men­hang auch auf Arti­kel eins des deut­schen Grund­ge­set­zes auf­merk­sam mach­te, die Wür­de des Men­schen ist unan­tast­bar.“ Er warn­te davor, Men­schen nur zu ver­zwe­cken, anstatt sie als Geschöpf Got­tes zu sehen.

Oster lei­te­te dar­aus Her­aus­for­de­run­gen für das The­ma Lie­be ab, zumal Men­schen auch in ihren Lie­bes­be­zie­hun­gen ver­sucht sei­en, den ande­ren zu funk­tio­na­li­sie­ren und ihn nur zu mögen, so lang Du so bist, wie ich Dich gut fin­de.“ Gegen­über stell­te der Theo­lo­ge dem die Bedeu­tung der maß­lo­sen Ver­ge­bungs­be­reit­schaft, die von Jesus kom­me. Der Bischof plä­dier­te für gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung im Geden­ken an sei­nen Ordens­va­ter Don Bosco, der sich sogar um kri­mi­nel­le Stra­ßen­jun­gen geküm­mert und zu ihnen in die Gefäng­nis­se gegan­gen sei. Die Kir­che ist so wich­tig für eine Stadt“ mit dem Ziel, den Umgang mit­ein­an­der zu ler­nen und dem Herrn zu begeg­nen – in der Tau­fe, Erst­kom­mu­ni­on, Fir­mung, Hei­rat und Beerdigung. 

Osters Bot­schaft: Wir haben den Tem­pel, wir haben die Gegen­wart Got­tes hier.“ Nicht ver­heh­len woll­te der Bischof die gegen­wär­ti­ge Kri­se der Kir­che und womög­lich auch des demo­kra­ti­sches Sys­tems. Bei­des hän­ge von­ein­an­der ab, und es sei wich­tig, sich für das Gemein­wohl ein­zu­set­zen und für den ande­ren. Wenn das ver­lo­ren­geht, dann näh­men das Aus­ein­an­der und Gegen­ein­an­der zu, so der Ober­hir­te, der sich für das gemein­sa­me Fei­ern des Stadt­ju­bi­lä­ums bedank­te. Ein­gangs hat­te ihn dazu Vils­ho­fens Bür­ger­meis­ter Flo­ri­an Gams begrüßt. Als Geschenk über­reich­te er dem Bischof den Jubi­lä­ums­krug. Oster spe­ku­lier­te augen­zwin­kernd kurz dar­über, mit wel­chem Bier er denn gefüllt wer­den soll­te. Bekannt­lich befin­det sich die Braue­rei Hack­lberg in Pas­sau im Eigen­tum des Bistums.

In die Für­bit­ten ein­be­zo­gen waren unter ande­rem alle Men­schen, die sich um die Stadt Vils­ho­fen ver­dient gemacht haben. Den Frie­dens­wunsch wäh­rend des Got­tes­diens­tes for­mu­lier­te der Bischof für Euch und Eure Stadt“. Zuletzt applau­dier­te Oster zusam­men mit Stadt­pfar­rer Peter Kie­weg, Pater Binoy sowie Pater Johan­nes Strahl vom Klos­ter Schwei­klberg und dem Inder Pater Paul, der Ende August die Pries­ter­wei­he emp­fan­gen wird, sowie den begeis­ter­ten Besu­chern dem Kir­chen­chor und Orches­ter St. Johan­nes für die ein­drucks­vol­le Inter­pre­ta­ti­on der Mes­se brè­ve No. 7“ von Charles Goun­od und der eigens für das Stadt­ju­bi­lä­um geschaf­fe­nen Hym­ne an Vils­ho­fen“, kom­po­niert von Chor- und Orches­ter­lei­ter Mar­tin Ben­der, gemein­sam getex­tet mit Eri­ka Schwi­tul­la. Am Ende steht in dem Cho­ral der Wunsch Gott schüt­ze uns­re Hei­mat­stadt im schö­nen Lan­de Bay­ern, es lebe unser Vils­ho­fen, es blü­he und gedeihe.“ 

Text: Bern­hard Brunner

1250 Jahre Vilshofen: Die Predigt von Bischof Stefan Oster kann hier nachgehört und heruntergeladen werden:

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