Bistumsblatt

Das Brauchtum der Wetterkerzen

Redaktion am 28.08.2025

Info Icon Foto: Maximiliane Heigl-Saalfrank
„Schwarze Oidedinger Wedakirzn“. Angebote in Altöttinger Devotionalienläden.

Immer noch beliebt: Spannendes über den alten Brauch der Wetterkerzen

Der ​„Hei­li­ge Berg der Nie­der­bay­ern“ ist der Ort Alt­bay­erns, der als ers­ter auf die Erfin­dung des ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­sal­ge­lehr­ten Ben­ja­min Frank­lin setz­te: 1771 mon­tier­te man auf den Turm der Wall­fahrts­kir­che ​„Mariä Him­mel­fahrt“ einen Blitz­ab­lei­ter. Jah­re spä­ter war es dann erst in der Resi­denz­stadt Mün­chen soweit – die Kapu­zi­ner stat­te­ten ihre Klos­ter­kir­che an der ehe­ma­li­gen Bas­tei eben­falls mit dem neu­en Blitz­schutz aus.

Mit der Auf­klä­rung brach eine neue Zeit her­an, in der das Bewei­sen mehr galt als das Glau­ben, ins­be­son­de­re was den Umgang mit dem Wet­ter, mit dem ​„Weda“ wie der Bay­er zu Gewit­tern sagt, anlang­te. 1783 ver­bot Kur­fürst Carl Theo­dor das Wet­t­er­läu­ten und das Wet­ter­b­öl­lern. Auf immer vor­bei soll­te es sein mit der Macht der Glo­cken, deren Umschrift oft mit dem ​„Ful­ga­ra Fran­go“, mit dem ​„Die Blit­ze bre­che ich“ ende­te. Für Pfarr­her­ren und Mes­ner ver­sieg­ten damit auch die Läut­ga­ben, eine unwet­ter­ab­hän­gi­ge Ein­kom­mens­quel­le aus Natu­ra­li­en. Berich­tet wird aus Süd­ost­bay­ern, dass Bau­ern dem Pfar­rer ​„eine Gar­be von jedem Fuder“ abzu­lie­fern hat­ten, die Mes­ner erhiel­ten für ihre Diens­te soge­nann­te ​„Wet­ter­ei­er“. Gehal­ten hat sich an das staat­li­che Läut­ver­bot so gut wie kei­ner, zu sehr war der Glau­be an die Wirk­mäch­tig­keit der Glo­cken seit früh­christ­li­cher Zeit in Land und Leu­ten ver­an­kert. Mit dem Amts­an­tritt Max Josephs 1799 ver­schärf­ten sich die Kir­chen­re­for­men: Wall­fahr­ten, Umgän­ge und Andach­ten aller Art wur­den unter­sagt, Feld- und Wet­ter­kreu­ze sowie Votiv­ta­feln als nutz­lo­se Objek­te ent­fernt und spe­zi­el­le Kul­te wegen ihrer sinn­frei­en Thea­tra­lik verboten.

Seit Men­schen­ge­den­ken hat­ten Men­schen versucht, …

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