Foto: Tamina Friedl / pbp
Rund 200 Wallfahrerinnen und Wallfahrer haben sich im Heiligen Jahr zusammen mit Bischof Stefan Oster aufgemacht nach Rom. Organisiert durch das Bayerische Pilgerbüro und die Passauer Diözesanpilgerstelle führte die Diözesanwallfahrt an beeindruckende historische Stätten und durch die Heiligen Pforten in die Gotteshäuser der Ewigen Stadt. Die Frage, ob man dabei als Pilger oder Tourist unterwegs sei, stellte Bischof Oster in seinen Predigten auf der Reise.
Am Anreisetag machten sich vier Busse auf in Richtung Rom. Mit an Bord waren für jede Gruppe eine Reiseleitung und eine Geistliche Begleitung. Neben Bischof Oster brachten hier auch Domdekan Dr. Hans Bauernfeind, Prälat Dr. Klaus Metzl und Dompropst Dr. Michael Bär Impulse für die Fahrt mit und gestalteten gemeinsam vor Ort das Programm und die Gottesdienste mit. In Bus 4 reisten darüber hinaus auch die Diözesanblechbläser um Michael Beck und die beiden Kantoren und Organisten Claus Kuhn und Max Pöschl nach Rom. Bereits am Samstag startete dann der erste richtige Reisetag mit einer Führung durch die unterirdische Nekropole, ehe mit der gemeinsamen Messe in der Basilika S. Sebastiano die Wallfahrt feierlich beginnen konnte.
„Stelle ich mich in die große Geschichte hinein, die wir hier in Rom erleben und die wir mit dem Heiligen Jahr verbinden? Bin ich Teil dieser Geschichte?”
Schon in seiner ersten Predigt lud Bischof Stefan Oster die Wallfahrerinnen und Wallfahrer dazu ein, sich in den kommenden Tagen auf die Frage einzulassen, worin der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Pilger liegt: „Stelle ich mich in die große Geschichte hinein, die wir hier in Rom erleben und die wir mit dem Heiligen Jahr verbinden? Bin ich Teil dieser Geschichte? Oder höre ich sie interessiert, gewissermaßen von außen wie einen interessanten Text oder eine interessante Erzählung? Lasse ich mich persönlich hineinnehmen in diese Geschichte?“
All diese Fragen begleiteten die Wallfahrer über die gesamte Reise hinweg. Bischof Oster sprach in den darauffolgenden Predigten über die Verbindung zwischen dem Loslassen und der tiefen Freiheit, in die uns der Herr führen wird und die die Gläubigen als Pilger entdecken können. Er sprach auch über die entscheidende Frage, die Jesus gestellt hat: „Für wen halten mich die Menschen?“ Der Pilger lasse sich von dieser Frage betreffen und ringe nach einer Antwort. Er glaube, dass die vergebende Liebe Jesu „wirklich in die größere Freiheit führt und die Quelle unserer Hoffnung ist.“ In dem Maß, in dem uns das tiefer ins Herz sinke, seien wir letztlich Pilger der Hoffnung. Der Kern des Glaubens seien nicht Vorschriften und Gesetze. „Der Inbegriff unseres Glaubens ist: Der Herr ist für dich gestorben und auferstanden und liebt dich ohne Ende, als wärst du der einzige Mensch auf der Welt.“ Wer sich von dieser Liebe berühren lasse, lasse sich wie von selbst in die Gemeinschaft einfügen – und ist als Pilger unterwegs.
Alle Predigten von Bischof Oster finden Sie jetzt auf Soundcloud:
„Rom ist immer ein besonderes Ziel und vor allem jetzt im Heiligen Jahr.”
Ihr Pilgerweg führte die Teilnehmenden an der Diözesanwallfahrt in den darauffolgenden vier Tagen einmal quer durch die Stadt. Alle vier der fünf öffentlich-zugänglichen Heiligen Pforten konnten die Wallfahrer gemeinsam durchschreiten, angefangen in der Basilika S. Maria Maggiore über S. Giovanni in Laterano, bis hin zum Petersdom und der Basilika St. Paul vor den Mauern. Fixpunkt der Wallfahrt war immer wieder der gemeinsame Gottesdienst, zu dem alle zusammenkamen. So etwa auch am Sonntag in der Kirche der deutschen Gemeinde in Rom, S. Maria dell‘Anima. Konzelebrant und anschließend viel-gefragter Experte für die Historie „der Anima“ war hier auch Pfarrer Christian Böck, Leiter des Deutschen Pilgerzentrums in Rom und Pfarrer aus dem Bistum Passau. Besonderes Highlight war für die Wallfahrer insbesondere auch die Heilige Messe am Cathedra-Altar im Petersdom, für die sich selbst das Schlangestehen um 6 Uhr früh lohnte – dafür und für den Sonnenaufgang am Petersplatz.
Rund um die Besichtigung der Kirchen und die gemeinsamen Messen kam auch das Dolce Vita nicht zur kurz. Bei Führungen durch das historische Stadtzentrum, das jüdische Viertel und den Stadtteil Trastevere erhielten die Teilnehmenden nicht nur umfangreiche Einblicke in die Geschichte der wichtigsten Orte der Stadt, sondern konnten auch ein Stück des italienischen Lebensgefühls aufsaugen. Besonders wichtig für die römischen Guides waren dabei auch Fragen wie: Wie kocht man eigentlich richtig Pasta? Da wurde das eine oder andere Mal in Gedanken mit notiert…
Kultur erlebten die Wallfahrer in den Vatikanischen Museen oder in den Parkanlagen der Villa d’Este. Hautnah dran am Geschehen im Vatikan waren die Besucherinnen und Besucher wiederum bei Radio Vatikan. Für die berührenden Momente auf der Wallfahrt sorgte aber vor allem eine Gruppe der Mitreisenden: Die Diözesanblechbläser. Am Vorplatz des Pantheons empfingen die Wallfahrer die Musiker mit tosendem Applaus nach ihrem eindrucksvollen Konzert im Rahmen der Andacht, für die der Pantheon eigens für die Wallfahrtsgruppe reserviert war.
„Die Stimmung ist aus meiner Sicht bestens“, zog Bischof Stefan Oster zur Mitte der Woche ein Zwischenfazit. „Die Leute lassen sich darauf ein. Die Wallfahrt ist nicht nur vergnügungssteuerpflichtig sozusagen, sondern manchmal auch sehr anstrengend.“ Dem konnte sich Diözesanpilgerleiterin Irene Huber nur anschließen: „Rom ist immer ein besonderes Ziel und vor allem jetzt im Heiligen Jahr. Wir kommen nach Rom mit dem Bischof, mit den Diözesanbläsern…Und dieses Gemeinschaftserlebnis dann mitzukriegen, das begeistert dann doch die Leute.“ Seitens der Wallfahrer waren die Highlights vielfältig, die Stimmung beseelt und jede Anstrengung belohnt durch einzigartige Erfahrungen. Und egal ob nun bei einem Granita al caffè am Pantheon, beim Durchschreiten der Heiligen Pforten oder beim gemeinsamen Gebet: Als Pilger der Hoffnung waren am Ende alle zusammen unterwegs.



