Am Mittwoch weinte bereits morgens der Himmel — denn abends ging es für die Wallfahrer nach Hause. Ein letztes Mal machten sich die Wallfahrerinnen und Wallfahrer trotzdem auf zur Führung durch das jüdische Viertel und den Stadtteil Trastevere. Nach einem gemeinsamen Abschlussgottesdienst in S. Cecilia ging es erschöpft, aber vor allen Dingen glücklich und dankbar wieder nach Deutschland.
Der fünfte Tag der Diözesanwallfahrt führte die Gruppe aus dem Stadtzentrum hinaus. In der Basilika St. Paul vor den Mauern begann der Tag erneut mit dem gemeinsamen Gottesdienst.
Die Predigt von Bischof Oster zum Nachhören:
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Anschließend kamen die Wallfahrerinnen und Wallfahrer in den Genuss der ehemaligen Kardinalsvilla Villa d’Este, die für ihre zahlreichen Brunnen, Kaskaden und Wasserspiele in einer schönen Parkanlage bekannt ist. Wie schon die Tage zuvor, gestalteten örtliche Guides die Führungen in Kleingruppen und gaben einiges an wissenswerten Details und historischen Einblicken weiter. Die Andacht in S. Biagio in der Altstadt von Tivoli gestalteten erneut die Diözesanblechbläser mit beeindruckender Klangvielfalt, bevor sich dann alle über ein Abendessen im Gewölbekeller einer antiken Therme freuten.
Am Montag begann der Tag für die Wallfahrerinnen und Wallfahrer bereits bei Sonnenaufgang. Am Petersplatz angekommen wurden sie dafür mit einem Petersdom in goldenem Licht belohnt, bevor die Gruppe durch die Heilige Pforte einzog. Am Cathedra-Altar feierte Bischof Stefan mit Konzelebranten und Wallfahrern die Heilige Messe.
„Wer ist Jesus? Und dann: Wer ist er für mich?”
Am Wirkungsort des Papstes und unter der Cathedra Petri ging der Bischof in seiner Predigt auf das Amt des Papstes als eine Form der ständigen Auseinandersetzung ein. Dazu erzählte er die Geschichte des Apostels Petrus anhand verschiedener Kernpunkte nach. Petrus komme im gesamten Neuen Testament 190 Mal vor — häufiger als alle anderen Apostel zusammen. Die Evangelien seien wohl im Interesse daran geschrieben, nahezubringen, was das Amt des Petrus und seiner Nachfolger ausmacht: zu erklären, wer Jesus ist. Jesus habe am symbolträchtigen Ort Caesarea Philippi die entscheidende Frage gestellt: „Für wen halten mich die Menschen?“ Dies sei auch heute die Mitte allen Glaubens: „Wer ist Jesus? Und dann: Wer ist er für mich?“, so der Bischof. Petrus habe Jesus im Angesicht seiner Kreuzigung verleugnet. Nach der Auferstehung jedoch habe ihm Jesus keinen Vorwurf gemacht, er habe ihn lediglich dreimal gefragt: „Liebst du mich?“
„Jesus der Gekreuzigte ist in Person vergebende Liebe“, so der Bischof. Deswegen gelte immer wieder von Jesus an uns die Frage: „Wer bin ich denn für dich?“ Schon im ersten Gottesdienst der Wallfahrt hat Bischof Oster die Frage gestellt, ob die Wallfahrerinnen und Wallfahrer als Touristen oder Pilger unterwegs seien. Der Pilger lasse sich von der Frage betreffen und ringe nach der Antwort. Er glaube, „dass diese Liebe wirklich in die größere Freiheit führt und die Quelle unserer Hoffnung ist.“ In dem Maß, in dem uns das tiefer ins Herz sinke, seien wir schließlich Pilger der Hoffnung.
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Am Nachmittag hatten die Wallfahrer die Möglichkeit, an freiwilligem Programm teilzunehmen oder den Rest des Tages selbst zu gestalten. Während eine Gruppe den Aufstieg auf die Kuppel des Petersdoms wagte, genoss eine zweite Gruppe die eindrucksvolle Kunst in den Vatikanischen Museen. Gruppe drei erhielt bei einer Redaktionsführung einen spannenden Einblick in die Medienarbeit von rund 650 Redakteurinnen und Redakteuren aus 60 Nationen bei Radio Vatikan — einen einmaligen Ausblick auf die Engelsburg gab es inklusive.
Der Sonntag brachte für eine kleine Gruppe Wallfahrer ein einzigartiges Erlebnis mit sich: einige wenige machten sich gemeinsam mit Klaus Metzl auf zur Heiligsprechung von Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati. Währenddessen begann das Programm für die restliche Gruppe in S. Maria dell‘Anima, der Kirche der deutschen Gemeinde in Rom. Konzelebrant war auch Pfarrer Christian Böck, Leiter des Deutschen Pilgerzentrums in Rom und Pfarrer aus dem Bistum Passau.
„Rom ist immer ein besonderes Ziel.”
In seiner Predigt suchte Bischof Stefan Oster nach einer Antwort auf die Frage, wie das Tagesevangelium tatsächlich zu verstehen sei. Kann jemand, der nicht auf alles verzichtet, überhaupt Jünger Gottes sein? Schon im Anfangsgottesdienst der Wallfahrt hatte Bischof Oster angekündigt, in den kommenden Tagen gemeinsam mit den Wallfahrern über das Wort Freiheit nachdenken zu wollen. Diesmal zog er dafür die Kindererziehung heran: „Jeder, der Kinder erzieht, weiß, dass es darum geht immer in die rechte Weise hineinzufinden und in die Fähigkeit, dem Kind zu vertrauen. Und dem Kind zu vertrauen bedeutet immer auch, loslassen zu lernen.“ Auch er selbst habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Beziehung zu seinem Vater durch das Loslassen gestärkt hat. Denn: „Wenn man einen Menschen festhalten will und nicht loslassen kann, dann entzieht sich dessen inneres Leben von mir.“
Der amerikanische Autor C.S. Lewis habe einmal gesagt: „Nichts, was du nicht losgelassen hast, wird dir jemals wirklich gehören.“ Im Kontext mit dem Vertrauen, das dieses Loslassen erfordert, fordere Jesus ein, dass wir zu ihm mehr Vertrauen haben als zu allem anderen in der Welt — wenn wir wirklich ernst nehmen, wer er ist. Kein weltlicher Besitz mache aus, wer man wirklich sei. „Die Zugehörigkeit zu Gott relativiert alles andere“, so der Bischof. „Suche Gott, dann wird dir die Welt hinterher gegeben.“ Dieses weniger begierliche, weniger besitzergreifende Leben könne mitunter schwierig sein in der heutigen Zeit, so Bischof Oster. Aber es mache uns freier und gebe Hoffnung.
Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die Wallfahrer das Glück, einen wahren Experten für die Kirche S. Maria dell‘Anima und das deutsche Pilgertum in Rom kennenzulernen: Pfarrer Böck nahm die Gruppe für einen Moment mit in einen historischen Rückblick über die Kirche.
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Am Nachmittag ging es historisch weiter mit Führungen durch das antike Stadtzentrum. Neben historischen Fakten lagen den römischen Guides insbesondere auch Lektionen aus dem italienischen Alltag am Herzen. So gab Barbara eine anschauliche — und eindringliche — Anleitung zum richtigen Kochen von Pasta.
Der Tag endete mit einer einzigartigen Andacht im Pantheon. Die extra mit nach Rom gekommenen Diözesanbläser um Michael Beck gestalteten die Andacht musikalisch mit einem Konzert, das den Wallfahrern sicherlich noch lang im Gedächtnis bleiben wird.
Diözesanpilgerleiterin Irene Huber, die gemeinsam mit dem Bayerischen Pilgerbüro um Geschäftsführerin Dr. Irmgard Jehle die Organisation der Wallfahrt übernommen hat, zog an Tag drei bereits ein positives Zwischenfazit: „Rom ist immer ein besonderes Ziel.“ So sei es vor allem aber auch das Gemeinschaftserlebnis, das die Leute an der Reise gemeinsam mit zahlreichen Reiseleitern, den Diözesanblechbläsern und nicht zuletzt Bischof Oster begeistere.
Bereits am Samstag startete der Reisetag mit einer Führung durch die unterirdische Nekropole, ehe mit der gemeinsamen Messe in der Basilika S. Sebastiano die Wallfahrt feierlich beginnen konnte.
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Im Anschluss machte sich die Gruppe auf zur Papstbasilika S. Maria Maggiore, wo die erste Heilige Pforte des Tages durchschritten wurde. Darauf folgte ein Besichtigung in Kleingruppen in der Basilika, in der Papst Franziskus seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Nach einer Mittagspause ging es weiter in Richtung des Viertels Lateran und in die Kirche S. Giovanni in Laterano. „Mutter und Haupt aller Kirchen“ sei Lateran in ihrer Rolle als Papstkirche, so Bischof Stefan Oster.
Zu den gemeinsamen Klängen des „Laudate dominum“ durchschritten die Wallfahrer auch hier die Heilige Pforte und trafen sich im Anschluss zum Gebet in der Kapelle. Bei der Besichtigung der Kirche, in deren Umgebung früher traditionell die Päpste gelebt hatten, unterstützten auch die Wallfahrer selbst mit kompetentem Heiligenwissen. Der Tag endete in S. Croce in Gerusalemme, wo die Gäste aus Passau unbeabsichtigt auch Gäste einer italienischen Hochzeit wurden.



