Foto: Adobe Stock
Im Alltag und dann, wenn es um Entscheidungen geht, fragen wir unseren "Kopf" – und immer häufiger das Internet oder die Smartwatch. Der Autor des Editorials der aktuellen Ausgabe 8-2026 aber weiß: Das Bauchgefühl ist ein präziser innerer Kompass – wenn man ihm denn zuhört.
Immer mehr Menschen aus meinem Freundeskreis stehen morgens auf, schauen auf ihre Armbanduhr und wissen danach trotzdem nicht, wie spät es ist. Warum? Weil es sie nicht interessiert. Viel wichtiger als die Information, ob man verschlafen hat oder sich noch einmal umdrehen kann, ist nämlich der Schlafscore. Eine Zahl zwischen 1 und 100, die nach dem Aufwachen von der Uhr angezeigt wird. Unter 50 heißt: Bleib liegen, du bist platter als die ausgelaugte Wärmflasche unterm Federbett! Über 80 heißt: Hinaus in den Morgen, lebe!
Moderne Fitnessuhren sind Wunderwerke der Technik. Sie analysieren den Schlaf, überwachen die Herzfrequenz, messen den Sauerstoffgehalt im Blut, zählen Schritte und Kalorien und gießen alles in bunte Trainingspläne und Fortschrittsanalysen. Aja, telefonieren, navigieren, bezahlen und Musik hören kann man mit den Alleskönnern am Handgelenk natürlich auch.
Das ist ganz wunderbar. Aber bleibt nicht doch etwas Wesentliches auf der Strecke, wenn Sensoren und Zahlenreihen die Regie über meinen Alltag übernehmen? …

