Foto: Christine Hochreiter
Zugehörigkeit als Lebenselixier: Die Botschaften der Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen stehen im Mittelpunkt eines Seminars im Europakloster Gut Aich in St. Gilgen. Unsere Autorin hat ihre Erfahrungen zusammengefasst.
Es ist nur eine kleine Geste, doch sie berührt: Nach der Vesper wäscht ein Mönch den neuen Seminar-Gästen die Hände. Dieses Benediktiner-Ritual passt perfekt zum Leitmotiv des Europaklosters Gut Aich in St. Gilgen: „In Beziehung kommen“. Das Kloster am Wolfgangsee ist ein außergewöhnliches Kloster. Es ist gerade einmal 33 Jahre alt. Gegründet wurde es 1993 von Pater Johannes Pausch mit zwei Mitstreitern.
Der gebürtige Oberpfälzer hatte im niederbayerischen Metten die Klosterschule und das Internat besucht, war dort in den Orden eingetreten und hatte mehrere Jahre als Lehrer und Erzieher am Gymnasium gewirkt. Nachdem er viele pädagogische und seelsorgerische Erfahrungen gesammelt hatte, wurde ihm immer klarer, „dass etwas Neues entstehen muss“ – ein Kloster, das zeitgemäße Antworten auf Fragen und Nöte suchen und im besten Fall gemeinsam mit den Menschen finden kann. Sein Ziel war es, einen spirituellen Mehrwert für die Gesellschaft im Großen und den Einzelnen im Kleinen zu schaffen.
Den richtigen Platz für sein Projekt – die erste Neugründung im deutschsprachigen Raum nach etlichen Jahrhunderten – fand der Priester, Theologe, Psychotherapeut, Autor und Heilpflanzenexperte in einem aufgelassenen Kinderheim der Franziskanerinnen von Au am Inn. Aus kleinen Anfängen und trotz vieler Hürden entwickelte sich …

