Trauer ist eine natürliche Reaktion auf den Verlust einer geliebten nahestehenden Person, die einhergeht mit intensiven Gefühlen. In dieser schmerzlichen Situation braucht der Trauernde neben Trost und Beistand oft auch noch Unterstützung bei der Organisation von Trauerfeiern. Geschulter Trauerbegleiter können in dieser emotional herausfordernden Situation mehr als trösten, sie sind oft wertvoll Helfer auf dem Weg heraus aus diesem tiefen Tal der Trauer. In Thyrnau sind jetzt neun dieser ausgebildeten ehrenamtlichen Trauerhelfer im Rahmen eines Gottesdienstes gesegnet und dann ausgesandt worden.
Zur emotionale Unterstützung der Trauernden gehört nicht nur Trost spenden und einfühlsam zuhören, um den Trauernden in ihrem Schmerz Beistand zu leisten. Zu den Bewältigungsstrategien gehören auch die Unterstützung bei der Verarbeitung von Gefühlen wie Wut, Schmerz und Angst, um damit den Trauerprozess zu erleichtern. Der Trauernde braucht oft auch praktische Hilfe wie zum Beispiel die Unterstützung bei der Organisation von Trauerfeiern oder anderen praktischen Angelegenheiten. Als wichtige Netzwerkarbeit ist oft auch die Weitervermittlung an Psychologen, Trauergruppen oder andere Einrichtungen notwendig, wenn eine noch tiefere Unterstützung benötigt wird. Dabei ist die Trauerbegleitung nicht mit ärztlicher oder psychotherapeutischer Behandlung zu verwechseln, sie konzentriert sich vielmehr auf die Begleitung im Trauerprozess, nicht auf die “Heilung” einer Krankheit. Und vor allem, die Trauerbegleitung bietet einen geschützten persönlichen Rahmen, in dem Trauernde ihre Gefühle offen äußern können und sie sich nicht aus dem sozialen Miteinander zurückzuziehen.
Um dem Trauernde so eine wertvolle Hilfestellung anbieten zu können, bedarf es deshalb auch einer speziellen Ausbildung. Diese Grundausbildung zur Trauerbegleitung bietet das Referat Hospiz- und Trauerpastoral der Diözese Passau für Frauen und Männer an, die sich bereit erklären, in Zusammenarbeit mit den Pfarrseelsorgern der Pfarreien Trauernde des eigenen Pfarrverbandes in der ersten Zeit nach dem Verlust eines Angehörigen hilfreich zu begleiten. Diese Grundausbildung, so erklärt hierzu Dr. Istvàn Bruncsàk als Referent für Hospiz- und Trauerpastoral im Passauer Ordinariat, umfasst insgesamt neun Module zu je einer Doppelstunde. Dabei, so der Referent, gehe es um die Trauerkultur in unserer Gesellschaft, um ein psychologisches Grundwissen über die Trauer, über Symbole und Gebete in der Trauerbegleitung, über die Trauerbegleitung im Kindesalter oder auch über die Trauer nach einem Suizid gegangen.
Diese Ausbildung zum ehrenamtlichen Trauerbegleiter haben jetzt aus den beiden Pfarrverbänden Straßkirchen und Hauzenberg insgesamt acht Frauen und ein Mann absolviert. Vom Pfarrverband Straßkirchen waren dies Johann Gottinger und Annelene Wagner aus der Pfarrei Thyrnau sowie Michaela Wallner, Luise Köppl uns Anita Rosenauer aus der Pfarrei Salzweg sowie vom Pfarrverband Hauzenberg Heidi Möckl, Marianne Hirsch und Waltraud Leitner aus der Pfarrei Hauzenberg. Außerdem hatte sich auch noch Marianne Holzbauer aus Waldkirchen aus privaten Gründen zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen.
Diese neun Trauerbegleiter wurden jetzt im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in der Thyrnauer Pfarrkirche St. Franz Xaver offiziell ausgesendet. „Ein herzliches Vergelt’s Gott dafür, dass ihr euer gutes Herz für diese großartige Bereitschaft der Trauerbegleitung zur Verfügung stellt“, so begrüßte Domkapitular Gerhard Auer als Abteilungsleiter „Seelsorger und Begleitung“ des Ordinariats die Trauerbegleiter, der in Konzelebration mit dem Thyrnauer Pfarrer Andreas Erndl und Hauzenbergs Pfarrer Pater Darek Bryck, den Heimatpfarrern dieser Trauerbegleiter diesen Gottesdienst zelebrierte.
„Trost ist eine Erfahrung von Verbundenheit, eine Erfahrung, nicht alleine zu sein und eine Beziehung, in der Schmerz ausgehalten wird, ohne wegerklärt zu werden“, das gab Dr. Istvàn Bruncsàk den Trauerbegleitern in seiner Predigt mit auf dem weiteren Weg. Außerdem auch noch, dass Trauer um einen nahen und geliebten Menschen ein Ausdruck von Liebe sei, dass sie auch ein Beleg dafür sei, dass uns ein Mensch wichtig gewesen war. „Jeder Mensch trauert anders – in seiner eigenen Geschwindigkeit und mit seiner eigenen Sprache“ stellte der Prediger weiter fest, „deshalb ist Trost nicht machbar oder erzwingbar, ihr könnt aber einen Raum schaffen, in dem Trost möglich ist. Und ihr seid diejenigen, die mit den Trauernden mitgehen und vor allem, ihr seid ein Kanal, durch den Trost fließen kann.“
Abschließend wünschte Dr. Istvàn Bruncsàk den Trauerbegleitern noch ein waches Herz, das hören kann, auch wenn keine Worte gesagt werden. Er wünschte ihnen Geduld mit sich selbst und mit denen, die oft sehr langsam aus der Trauer wegkommen und er wünschte ihnen vor allem auch noch die Freude, die wachse, wenn man anderen beistehe. „Gott ist der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes“, damit zitierte er auch noch den Apostel Paulus aus dem zweiten Korintherbrief, „damit ist der wahre Trost nie unsere Leistung, sondern ein Geschenk Gottes.“
Anschließend forderte Dr. Istvàn Bruncsàk alle Trauerbegleiter zum Vortreten vor dem Altar auf, wo dann mit einem gemeinsamen Lied um den Beistand des Heiligen Geistes gebetet wurde. Domkapitular Gerhard Auer sprach dann vor ihnen das Segensbebet: „Guter Gott, du sendest uns zu den Menschen, um ihnen in schweren Stunden nahe zu sein. Segne diese Frauen und den Mann, die sich bereit erklärt haben, Trauernde zu begleiten und zu trösten. Erfülle ihre Herzen mit deinem Mitgefühl, ihre Worte mit Weisheit und ihre Gegenwart mit Frieden. Schenke ihnen Geduld, Kraft und Behutsamkeit für ihren ehrenamtlichen Dienst. Sei das Licht, das du durch sie anderen schenken willst.“
Mit großer Freude und auch Dankbarkeit für die ehrenamtliche Bereitschaft überreichte der Domkapitular den Trauerbegleitern dann die Urkunden. Abschließend segneten auch noch die Geistlichen die Trauerbegleiter einzeln per Handauflegung. Pfarrer Andreas Erndl wies schließlich noch darauf hin, dass ab sofort in den Fällen, in denen bei einem Trauerfall gewünscht werde oder auch notwendig wäre, in den beiden Pfarrverbänden Straßkirchen oder Hauzenberg bei den Ortspfarrern oder in den Pfarrbüros bestens ausgebildete Trauerbegleiter angefordert werden können.
Text Franz Stangl



