Bistum

Einkehrtage der Mesnerinnen und Mesner

Redaktion am 17.03.2026

Info Icon Foto: Markus Kirchmeyer

Die Mesnerinnen und Mesner der Diözese Passau trafen sich auch in diesem Jahr wieder zu ihren traditionellen Einkehrtagen. Diese fanden am 2. März im Haus der Begegnung Heilig Geist in Burghausen sowie am 9. März im Bildungshaus Spectrum Kirche in Passau statt.

Ins­ge­samt nah­men 186 Mes­ne­rin­nen und Mes­ner teil — 53 in Burg­hau­sen und 133 in Pas­sau.
Die Ein­kehr­ta­ge boten Gele­gen­heit zu geist­li­cher Ver­tie­fung, Aus­tausch unter­ein­an­der und zur Aus­ein­an­der­set­zung mit aktu­el­len The­men des kirch­li­chen Dienstes.

Nach der Begrü­ßung durch die Diö­ze­san­spre­cher Mar­tin Kopietz und Petra Kolb eröff­ne­te Prä­ses Mar­kus Kirchmey­er den Ein­kehr­tag mit einem geist­li­chen Vor­trag zum The­ma: ​“Seli­ger Franz Jäger­stät­ter — Schutz­pa­tron der Mes­ne­rin­nen und Mes­ner”. Dabei stell­te er das beein­dru­cken­de Lebens­zeug­nis des öster­rei­chi­schen Mär­ty­rers vor und mach­te deut­lich, wel­che Bedeu­tung des­sen Gewis­sens­ent­schei­dung für Chris­ten bis heu­te besitzt. Der seli­ge Franz Jäger­stät­ter ver­wei­ger­te im Jahr 1943 den Fah­nen­eid auf Adolf Hit­ler und wur­de dafür hin­ge­rich­tet. Für Jäger­stät­ter war die­se Ent­schei­dung kei­ne poli­ti­sche Ges­te, son­dern eine Gewis­sens­ent­schei­dung aus sei­nem tie­fen christ­li­chen Glau­ben her­aus. Er war über­zeugt, dass ein Christ ein Unrechts­sys­tem nicht unter­stüt­zen dür­fe. Der Vor­trag beleuch­te­te sowohl den his­to­ri­schen Hin­ter­grund der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus als auch die geist­li­che Ent­wick­lung Jäger­stät­ters. Beson­ders her­vor­ge­ho­ben wur­de die Rol­le des Gewis­sens in der christ­li­chen Tra­di­ti­on: Das Gewis­sen ist jene inne­re Stim­me, in der der Mensch sei­ne Ver­ant­wor­tung vor Gott erkennt. 

Jäger­stät­ters Ent­schei­dung war des­halb so außer­ge­wöhn­lich, weil sie in einer Situa­ti­on fiel, in der Anpas­sung für vie­le Men­schen selbst­ver­ständ­lich war. Trotz der Ver­ant­wor­tung für sei­ne Fami­lie und trotz mas­si­ven Drucks blieb er sei­ner Über­zeu­gung treu. 1943 wur­de er vom Reichs­kriegs­ge­richt zum Tode ver­ur­teilt und im Zucht­haus Bran­den­burg hin­ge­rich­tet. Erst Jahr­zehn­te spä­ter wur­de sein Zeug­nis umfas­send gewür­digt. Am 26. Okto­ber 2007 wur­de Franz Jäger­stät­ter schließ­lich selig­ge­spro­chen. Heu­te gilt er als Schutz­pa­tron der Mes­ne­rin­nen und Mes­ner. In sei­nem Leben sehen vie­le eine beson­de­re Par­al­le­le zum Dienst der Mes­ner: Wie sie oft im Hin­ter­grund für die Wür­de der Lit­ur­gie sor­gen, so stand auch Jäger­stät­ter nicht im Ram­pen­licht der Öffent­lich­keit. Sein Zeug­nis ent­stand im stil­len Rin­gen des Gewis­sens — und gera­de dar­in liegt sei­ne gro­ße geist­li­che Kraft. Pfar­rer Kirchmey­er zog dar­aus eine Ver­bin­dung zum Dienst der Mes­ne­rin­nen und Mes­ner heu­te. Sie tra­gen Ver­ant­wor­tung für den äuße­ren Raum des Glau­bens — den Kir­chen­raum, den Altar, die lit­ur­gi­schen Zei­chen. Franz Jäger­stät­ter erin­nert dar­an, dass es auch einen ​“inne­ren Altar” des Gewis­sens gibt, der eben­so sorg­fäl­tig bewahrt wer­den muss.
Nach einer Gesprächs­run­de folg­te die gemein­sa­me Fei­er der Eucha­ris­tie. Sie bil­de­te den geist­li­chen Höhe­punkt des Ein­kehr­ta­ges. In der Ein­füh­rung wur­de der Dienst der Mes­ner beson­ders gewür­digt. Oft gesche­he die­ser im Ver­bor­ge­nen — in der Vor­be­rei­tung der Lit­ur­gie, im Sor­ge tra­gen für den Kir­chen­raum, im Ent­zün­den der Ker­zen oder im Läu­ten der Glo­cken. Doch gera­de die­se schein­bar klei­nen Auf­ga­ben tra­gen wesent­lich dazu bei, dass Men­schen Gott begeg­nen kön­nen. In der Pre­digt wur­de der Bogen erneut zum Leben Franz Jäger­stät­ters gespannt. Sei­ne Kraft, so wur­de betont, habe aus der Nähe zu Chris­tus und aus sei­nem eucha­ris­ti­schen Glau­ben geschöpft. Gera­de als Mes­ner war er dem Aller­hei­ligs­ten beson­ders ver­bun­den. Die­se Nähe zum Hei­li­gen schärf­te sein Gespür für die Unver­ein­bar­keit von Evan­ge­li­um und Unrecht. Auch die Situa­ti­on der Kir­che heu­te wur­de ange­spro­chen. Vie­le Gemein­den erle­ben Ver­än­de­run­gen, Rück­gän­ge und Unsi­cher­hei­ten. Gera­de in die­ser Zeit sei der Dienst der Mes­ne­rin­nen und Mes­ner ein wich­ti­ges Zei­chen der Hoff­nung und der Treue. Jede offe­ne Kir­che, jede bren­nen­de Ker­ze und jede wür­dig gefei­er­te Lit­ur­gie erin­ne­re dar­an, dass Gott mit­ten unter den Men­schen gegen­wär­tig ist.

Im Anschluss an den Got­tes­dienst tra­fen sich die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer zum gemein­sa­men Mit­tag­essen. Dabei blieb aus­rei­chend Zeit für Gesprä­che, für per­sön­li­che Begeg­nun­gen und für den Aus­tausch über Erfah­run­gen aus den jewei­li­gen Pfar­rei­en. Vie­le Mes­ne­rin­nen und Mes­ner nut­zen die­se Tref­fen bewusst, um Kon­tak­te zu pfle­gen und sich gegen­sei­tig zu ermu­ti­gen. Gera­de ange­sichts der Ver­än­de­run­gen in der kirch­li­chen Land­schaft wird die­ser Aus­tausch als beson­ders wert­voll erlebt.

Am Nach­mit­tag gab es einen inhalt­li­chen Input zum The­ma ​“Nähe mit Ver­ant­wor­tung. Grenz­ach­ten­der Umgang mit Kin­dern und Jugend­li­chen.” Frau Sturm, Prä­ven­ti­ons­be­auf­trag­te des Bis­tums, ver­folg­te mit der Sen­si­bi­li­sie­rungs­ver­an­stal­tung das Ziel, ein acht­sa­mes Mit­ein­an­der im beruf­li­chen All­tag zu stär­ken und dadurch einen wich­ti­gen Bei­trag zur Prä­ven­ti­on sexua­li­sier­ter Gewalt zu leis­ten. Die Teil­neh­men­den beka­men Ein­blick in die Dyna­mik zwi­schen Betrof­fe­ner-Beschul­dig­ter-Insti­tu­ti­on und hör­ten von den Schwach­stel­len, die sexua­li­sier­te Gewalt begüns­ti­gen. Die Bedeu­tung von Nähe und Distanz aus der beruf­li­chen Rol­le her­aus wur­de eben­so the­ma­ti­siert wie die Ver­hal­tens­re­geln im Umgang mit den Minis­tran­ten. Der anschlie­ßen­de Erfah­rungs­aus­tausch und das Gespräch mit­ein­an­der stärk­ten die Mes­ne­rin­nen und Mes­ner für ihren wich­ti­gen Dienst in der Kir­che, sowie ihrem Umgang mit den ihnen anver­trau­ten Kin­dern und Jugendlichen. 

Die Ein­kehr­ta­ge mach­ten erneut deut­lich, wel­che wich­ti­ge Rol­le Mes­ne­rin­nen und Mes­ner im Leben der Kir­che spie­len. Ihr Dienst ver­bin­det prak­ti­sche Ver­ant­wor­tung mit geist­li­cher Tie­fe. Die Tage in Burg­hau­sen und Pas­sau boten daher nicht nur geist­li­che Impul­se, son­dern auch kon­kre­te Ori­en­tie­rung für den kirch­li­chen All­tag. Vie­le Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer kehr­ten gestärkt in ihre Pfar­rei­en zurück — mit neu­er Moti­va­ti­on für ihren Dienst an Lit­ur­gie, Gemein­de und Glau­ben. Gera­de das Bei­spiel des seli­gen Franz Jäger­stät­ter erin­nert dar­an, dass christ­li­cher Glau­be immer auch eine Fra­ge des Gewis­sens und der Treue ist — im Gro­ßen wie im Kleinen.

Text: Mar­kus Kirchmeyer

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