Foto: Markus Kirchmeyer
Die Mesnerinnen und Mesner der Diözese Passau trafen sich auch in diesem Jahr wieder zu ihren traditionellen Einkehrtagen. Diese fanden am 2. März im Haus der Begegnung Heilig Geist in Burghausen sowie am 9. März im Bildungshaus Spectrum Kirche in Passau statt.
Insgesamt nahmen 186 Mesnerinnen und Mesner teil — 53 in Burghausen und 133 in Passau.
Die Einkehrtage boten Gelegenheit zu geistlicher Vertiefung, Austausch untereinander und zur Auseinandersetzung mit aktuellen Themen des kirchlichen Dienstes.
Nach der Begrüßung durch die Diözesansprecher Martin Kopietz und Petra Kolb eröffnete Präses Markus Kirchmeyer den Einkehrtag mit einem geistlichen Vortrag zum Thema: “Seliger Franz Jägerstätter — Schutzpatron der Mesnerinnen und Mesner”. Dabei stellte er das beeindruckende Lebenszeugnis des österreichischen Märtyrers vor und machte deutlich, welche Bedeutung dessen Gewissensentscheidung für Christen bis heute besitzt. Der selige Franz Jägerstätter verweigerte im Jahr 1943 den Fahneneid auf Adolf Hitler und wurde dafür hingerichtet. Für Jägerstätter war diese Entscheidung keine politische Geste, sondern eine Gewissensentscheidung aus seinem tiefen christlichen Glauben heraus. Er war überzeugt, dass ein Christ ein Unrechtssystem nicht unterstützen dürfe. Der Vortrag beleuchtete sowohl den historischen Hintergrund der Zeit des Nationalsozialismus als auch die geistliche Entwicklung Jägerstätters. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle des Gewissens in der christlichen Tradition: Das Gewissen ist jene innere Stimme, in der der Mensch seine Verantwortung vor Gott erkennt.
Jägerstätters Entscheidung war deshalb so außergewöhnlich, weil sie in einer Situation fiel, in der Anpassung für viele Menschen selbstverständlich war. Trotz der Verantwortung für seine Familie und trotz massiven Drucks blieb er seiner Überzeugung treu. 1943 wurde er vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Erst Jahrzehnte später wurde sein Zeugnis umfassend gewürdigt. Am 26. Oktober 2007 wurde Franz Jägerstätter schließlich seliggesprochen. Heute gilt er als Schutzpatron der Mesnerinnen und Mesner. In seinem Leben sehen viele eine besondere Parallele zum Dienst der Mesner: Wie sie oft im Hintergrund für die Würde der Liturgie sorgen, so stand auch Jägerstätter nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sein Zeugnis entstand im stillen Ringen des Gewissens — und gerade darin liegt seine große geistliche Kraft. Pfarrer Kirchmeyer zog daraus eine Verbindung zum Dienst der Mesnerinnen und Mesner heute. Sie tragen Verantwortung für den äußeren Raum des Glaubens — den Kirchenraum, den Altar, die liturgischen Zeichen. Franz Jägerstätter erinnert daran, dass es auch einen “inneren Altar” des Gewissens gibt, der ebenso sorgfältig bewahrt werden muss.
Nach einer Gesprächsrunde folgte die gemeinsame Feier der Eucharistie. Sie bildete den geistlichen Höhepunkt des Einkehrtages. In der Einführung wurde der Dienst der Mesner besonders gewürdigt. Oft geschehe dieser im Verborgenen — in der Vorbereitung der Liturgie, im Sorge tragen für den Kirchenraum, im Entzünden der Kerzen oder im Läuten der Glocken. Doch gerade diese scheinbar kleinen Aufgaben tragen wesentlich dazu bei, dass Menschen Gott begegnen können. In der Predigt wurde der Bogen erneut zum Leben Franz Jägerstätters gespannt. Seine Kraft, so wurde betont, habe aus der Nähe zu Christus und aus seinem eucharistischen Glauben geschöpft. Gerade als Mesner war er dem Allerheiligsten besonders verbunden. Diese Nähe zum Heiligen schärfte sein Gespür für die Unvereinbarkeit von Evangelium und Unrecht. Auch die Situation der Kirche heute wurde angesprochen. Viele Gemeinden erleben Veränderungen, Rückgänge und Unsicherheiten. Gerade in dieser Zeit sei der Dienst der Mesnerinnen und Mesner ein wichtiges Zeichen der Hoffnung und der Treue. Jede offene Kirche, jede brennende Kerze und jede würdig gefeierte Liturgie erinnere daran, dass Gott mitten unter den Menschen gegenwärtig ist.
Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum gemeinsamen Mittagessen. Dabei blieb ausreichend Zeit für Gespräche, für persönliche Begegnungen und für den Austausch über Erfahrungen aus den jeweiligen Pfarreien. Viele Mesnerinnen und Mesner nutzen diese Treffen bewusst, um Kontakte zu pflegen und sich gegenseitig zu ermutigen. Gerade angesichts der Veränderungen in der kirchlichen Landschaft wird dieser Austausch als besonders wertvoll erlebt.
Am Nachmittag gab es einen inhaltlichen Input zum Thema “Nähe mit Verantwortung. Grenzachtender Umgang mit Kindern und Jugendlichen.” Frau Sturm, Präventionsbeauftragte des Bistums, verfolgte mit der Sensibilisierungsveranstaltung das Ziel, ein achtsames Miteinander im beruflichen Alltag zu stärken und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Prävention sexualisierter Gewalt zu leisten. Die Teilnehmenden bekamen Einblick in die Dynamik zwischen Betroffener-Beschuldigter-Institution und hörten von den Schwachstellen, die sexualisierte Gewalt begünstigen. Die Bedeutung von Nähe und Distanz aus der beruflichen Rolle heraus wurde ebenso thematisiert wie die Verhaltensregeln im Umgang mit den Ministranten. Der anschließende Erfahrungsaustausch und das Gespräch miteinander stärkten die Mesnerinnen und Mesner für ihren wichtigen Dienst in der Kirche, sowie ihrem Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen.
Die Einkehrtage machten erneut deutlich, welche wichtige Rolle Mesnerinnen und Mesner im Leben der Kirche spielen. Ihr Dienst verbindet praktische Verantwortung mit geistlicher Tiefe. Die Tage in Burghausen und Passau boten daher nicht nur geistliche Impulse, sondern auch konkrete Orientierung für den kirchlichen Alltag. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer kehrten gestärkt in ihre Pfarreien zurück — mit neuer Motivation für ihren Dienst an Liturgie, Gemeinde und Glauben. Gerade das Beispiel des seligen Franz Jägerstätter erinnert daran, dass christlicher Glaube immer auch eine Frage des Gewissens und der Treue ist — im Großen wie im Kleinen.
Text: Markus Kirchmeyer

