In seiner Predigt setzte sich Bischof Oster sehr tief mit den beiden Texten der Lesung und des Evangeliums auseinander: „Gott ist die Liebe“ aus dem ersten Johannesbrief und Jesu Zuspruch im Matthäusevangelium: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“
Beide Stellen seien, so der Bischof, „unglaublich tröstlich – aber auch herausfordernd“. Im Johannesbrief heiße es, dass die vollkommene Liebe die Furcht vertreibe. „Wer sich fürchtet, ist also nicht in der Liebe – das ist eine ziemliche Zumutung“, so Oster. Ebenso das Wort Jesu: „Mein Joch drückt nicht, meine Last ist leicht“ – obwohl er doch selbst vom Kreuz spreche.
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Um diese Spannung zu verstehen, zog der Bischof ein Wort des Königs Salomo heran: „Gib mir ein hörendes Herz.“ Das sei, so Oster, die Haltung, die auch für die Telefonseelsorge wesentlich sei. „Ein hörendes Herz ist wie eine geöffnete Tür, in die ein Mensch eintreten darf, ohne beurteilt oder verurteilt zu werden.“ Wer so zuhöre, ermögliche anderen, weniger angstvoll und freier zu werden. Oster betonte, dass wirkliches Zuhören anstrengend sein könne: „Manchmal denkt man: Wie lange halte ich das noch aus? Wie bringe ich das Gespräch zu Ende?“ Doch genau hier liege die Kunst des Dienstes – nicht in der schnellen Antwort, sondern in der inneren Offenheit.
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„Ich glaube, Jesus war der größte Zuhörer, der je über diese Erde gegangen ist“, sagte Oster. Dreißig Jahre lang habe er in Stille gelebt und den Menschen zugehört. „Wenn ich mich in diesen Raum Jesu stelle, kann ich selbst offener, vorbehaltloser, freier werden.“ Zum Abschluss dankte der Bischof allen Engagierten in der Telefonseelsorge. Ihr Dienst sei „einer der kostbarsten in der Kirche“. Denn jeder Mensch, egal woher er komme, dürfe bei ihnen anrufen und finde – „ein hörendes Herz“. Für die musikalische Gestaltung des Festottesdienstes sorgte der Chor der Telefonseelsorge unter Leitung von Robert Kabuye.
Der zweite Teil der Feierlichkeiten fand im Festsaal St. Valentin statt. Durch das abwechslungsreiche Programm führte Moderatorin Sabine Müller, die auf der Bühne zahlreiche Gäste interviewte, die sich in besonderer Weise um die Telefonseelsorge verdient gemacht haben – darunter die langjährige hauptamtliche Mitarbeiterin Gabriele Dölzer, Pater Georg Galke, Dipl.-Theologe Josef Feigl, Pastoralreferentin Monika Winter, Pater Ludger Werner, Leiter der Telefonseelsorge, sowie Elisabeth Peterhoff, Sprecherin der Telefonseelsorge Bayern.
Für die musikalischen Höhepunkte sorgte Musiker Robert Kabuye gemeinsam mit seiner Familie, die den Abend mit schwung- und gefühlvollen Klängen bereicherten. Nach dem gemeinsamen Festessen nutzten die Gäste die Gelegenheit, dieses besondere Jubiläum in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen und sich über ihre Erfahrungen und ihr Engagement in der ehrenamtlichen Arbeit auszutauschen.



