Kirche vor Ort

Adventliches Mysterienspiel*

Redaktion am 06.11.2026

Eine erste Aufführung des Spiels vom Stammbaum Jesu vor zwei Jahren fand großen Anklang bei den Besuchern und Besucherinnen. Im Anschluss gab es schnell den Wunsch nach einer Wiederholung. 

Und so laden wir heu­er ein zwei­tes Mal am Nach­mit­tag des Christ­kö­nigs­sonn­tags ein zu die­ser beson­de­ren vor-advent­li­chen Fei­er mit Musik und bibli­schem Spiel.

Der Titel die­ses Mys­te­ri­en­spiels ​„Sein Name wird sein ​‚Gott mit uns‘“ ist dem Mat­thä­us- Evan­ge­li­um ent­nom­men und es ent­fal­tet in dich­ter Wei­se den soge­nann­ten Stamm­baum Jesu im aller­ers­ten Kapi­tel des Neu­en Testaments. 

Es begeg­net uns dar­in eine lan­ge Lis­te fremd­ar­ti­ger, aber auch eini­ger bekann­ter Namen. Der Evan­ge­list möch­te nicht eine his­to­risch exak­te bio­lo­gi­sche Geschlecht­er­fol­ge auf­zei­gen, son­dern er ruft die Geschich­ten der Vor­fah­ren Jesu in Erin­ne­rung: vom Anfang mit Abra­ham über den Höhe­punkt bei König David und den kata­stro­pha­len Tief­punkt des Exils in Baby­lon bis hin zum Kom­men des ver­hei­ße­nen Messias. 

Mat­thä­us erwähnt in der Ahnen­rei­he Jesu auch Frau­en, die für unser Emp­fin­den so gar nicht dort hin­ein­pas­sen wollen: 

Nicht-Israe­li­tin­nen, also Frem­de, dar­un­ter eine kin­der­lo­se Wit­we, eine Hure, eine Ehe­bre­che­rin. Mit List und Tücke und auf durch­aus krum­men Wegen kom­men sie zu ihrer Rol­le im Stamm­baum Jesu. 

Auch Josef nimmt Im Evan­ge­li­um des Mat­thä­us eine beson­ders wich­ti­ge Stel­lung ein. In der her­aus­for­dern­den Situa­ti­on mit Maria, sei­ner Ver­lob­ten und dem mes­sia­ni­schen Kind kommt es für ihn auf das Hören und auf das Han­deln an. Sein ungläu­bi­ges Gegen­bild im Stamm­baum ist König Ahas, der weder hören noch han­deln will.

In unse­rem geist­li­chen Spiel kom­men die­se außer­ge­wöhn­li­chen Gestal­ten der Ahnen­rei­he Jesu zu Wort. Sze­nisch wird die Fro­he Bot­schaft des Stamm­baums sicht­bar und hör­bar gemacht: 

„Was gering ist in die­ser Welt, hat Gott erwählt, um das zu beschä­men, was groß ist.”

Vie­le unse­rer ver­trau­ten Lie­der der Advents­zeit schla­gen die Brü­cke vom Evan­ge­li­um zu unse­rem heu­ti­gen Leben. Chor und Instru­men­ta­lis­ten eröff­nen uns einen Klang-Raum der Besin­nung und Teilnahme.

Der Stamm­baum Jesu kann uns neu den Blick öff­nen für unse­ren eige­nen Weg als Chris­tin­nen und Chris­ten: Wir dür­fen offen und auf Über­ra­schun­gen gefasst sein und wir dür­fen im Neu­en, im Unver­mu­te­ten, im Irri­tie­ren­den und auch in allem Befremd­li­chen Signa­le der Nähe Got­tes erkennen.

Text: Andrea Wirth

*Nach einer Vor­la­ge von Ger­trud Wim­mer (1924−1988) bis 1986 Dozen­tin für Neu­es Tes­ta­ment und Kir­chen­ge­schich­te an der Fach­hoch­schu­le München/​Eich­stätt; über­ar­bei­tet und neu her­aus­ge­ge­ben von Mar­kus Eham und Mar­tin Liebau, EOS – Ver­lag, St. Otti­li­en 2009

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