Bistum

Ohne Frauen ist der Ofen aus

Redaktion am 20.10.2025

Info Icon Foto: Simona Kehl

Zwei Drittel aller Pfarrgemeinderäte im Bistum Passau sind Frauen. In den kommunalen Gemeinderäten Niederbayerns liegt der Frauenanteil dagegen bei nur 18,4 Prozent. Ist kirchliches Ehrenamt also Frauensache? Einige PGR-Vorsitzende geben darauf Antworten.

Eine Woche, bevor im März 2026 die bay­ern­wei­te Kom­mu­nal­wahl ansteht, wer­den die Pfarr­ge­mein­de­rä­te gewählt. In den 100 Pfarr­ver­bän­den der 10 Deka­na­te im Bis­tum Pas­sau dür­fen Katho­li­ken kreuz­brav am 1. März 2026 ihre Kreu­zerl set­zen und ent­schei­den, wer ihre Inter­es­sen in der Pfarr­ge­mein­de vertritt. 

Die Vor­be­rei­tun­gen haben bereits begon­nen: Kan­di­da­ten­su­che und Lis­ten­auf­stel­lung lau­fen. Im Unter­schied zu einem poli­ti­schen Votum dür­fen bei der kirch­li­chen Wahl jun­ge Män­ner und Frau­en ab 14 Jah­ren wäh­len. Es gibt aber noch einen viel gewal­ti­ge­ren Unter­schied zur Poli­tik: den Frau­en­an­teil. 66 Pro­zent aller Pfarr­ge­mein­de­rä­te in der Diö­ze­se sind weib­lich. Anders sieht es in poli­ti­schen Gre­mi­en aus. 

Im Pas­sau­er Stadt­rat sit­zen ledig­lich zehn Frau­en bei ins­ge­samt 44 Mit­glie­dern, in Alt­öt­ting sind sechs der 24 Räte weib­lich. Damit lie­gen die bei­den Städ­te in etwa im nie­der­baye­ri­schen Schnitt für den Frau­en­an­teil in Stadt­rä­ten, der 25,7 Pro­zent beträgt. In Kreis­rä­ten liegt er etwas nied­ri­ger, näm­lich bei 24,1 Pro­zent. Noch dras­ti­scher: Die durch­schnitt­li­che Quo­te aller Gemein­de­rä­tin­nen im Regie­rungs­be­zirk Nie­der­bay­ern liegt bei 18,4 Prozent. 

Den bis­tums­wei­ten Frau­en­an­teil von zwei Drit­teln erfüllt auch der Pfarr­ge­mein­de­rat in Son­nen (Lkr. Pas­sau): Sechs Frau­en bei neun Mit­glie­dern. Wenn in Son­nen aller­dings poli­ti­sche Ände­run­gen abge­stimmt wer­den, hebt kei­ne ein­zi­ge Frau ihre Hand. Im Son­ne­ner Gemein­de­rat sit­zen bei zwölf Mit­glie­dern nur Män­ner. Die Son­ne­ner Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­de Gabrie­le Sei­bold sagt dazu: ​„Ich habe oft­mals das Gefühl, dass nicht ein­mal die Frau­en die Frau­en wählen.“

Ist kirch­li­ches Ehren­amt also Frau­en­sa­che? Nicht ganz. Zur Wahr­heit gehört auch, dass in den Kir­chen­ver­wal­tun­gen der Pfar­rei­en, die zumeist über Finan­zen bera­ten, zum Groß­teil Män­ner aktiv sind. Bei­spiel Son­nen: Vier von vier Kir­chen­ver­wal­tern sind männ­lich. Wie­so sind also so weni­ge Män­ner in Pfarr­ge­mein­de­rä­ten aktiv? Das Bis­tums­blatt hat sich bei eini­gen weib­li­chen Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­den umgehört.

Text: Anna Kelbel

Claudia
Neustifter

Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Fürstenzell

Frauenanteil in Fürstenzell: 8/10

„Die Pfar­rei ist mei­ne Hei­mat — und das, obwohl ich Zuge­zo­ge­ne bin. Vie­le Män­ner hier sagen: ​‚Ich inter­es­sie­re mich mehr für die Kir­chen­ver­wal­tung, ich mag es, mit Geld oder Ver­si­che­run­gen umzu­ge­hen.’ Im Pfarr­ge­mein­de­rat geht es mehr um Seel­sor­ge, Glau­bens­fra­gen oder Cate­ring bei Kir­chen­fes­ten. Doch das sind eben auch wich­ti­ge Punk­te. Lei­der läuft mei­ner Mei­nung nach die Wer­bung für die Pfarr­ge­mein­de­rats­wahl im nächs­ten Jahr von Bis­tums­sei­te sehr spät an, da ent­steht manch­mal der Ein­druck, die Kir­chen­ver­wal­tung wäre wichtiger.“

Gabriele
Seibold

Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Sonnen

Frauenanteil in Sonnen: 6/9

„Seit fünf Wahl­pe­ri­oden bin ich im Pfarr­ge­mein­de­rat aktiv und eben­so lan­ge Vor­sit­zen­de. Das war damals ein Sprung ins eis­kal­te Was­ser. Ich will als Pfarr­ge­mein­de­rats­mit­glied für die Men­schen vor Ort da sein. Mir ist es wich­tig, u. a. auch die Senio­ren­ar­beit zu unter­stüt­zen. Gera­de über­le­ge ich schon, wer für die nächs­te PGR-Wahl als Kan­di­dat oder Kan­di­da­tin infra­ge kommt. Da kom­me ich fast nur auf Frau­en. Unse­re Kir­chen­ver­wal­tung hin­ge­gen ist rein männ­lich besetzt. Es gab bei der letz­ten Wahl sechs Kan­di­da­ten für vier zu wäh­len­de Mit­glie­der. Nach Jah­ren ließ sich wie­der ein­mal eine Frau auf­stel­len — und jetzt sitzt sie auf der Ersatz­bank. Ich habe oft­mals das Gefühl, dass nicht ein­mal die Frau­en die Frau­en wäh­len. Das gilt auch für die Politik.“

Anna
Hennersperger

Pfarrgemeinderatsvorsitzende im Pfarrverband Passau-Ilzstadt

Frauenanteil in Passau-Ilzstadt: 10/17

„Ich bin zum ers­ten Mal – als Ehren­amt­li­che – gewähl­tes Pfarr­ge­mein­de­rats­mit­glied. Als Haupt­amt­li­che war ich in den­je­ni­gen Pfarr­ver­bän­den, in denen ich als Pas­to­ral­re­fe­ren­tin tätig war ein soge­nann­tes ​„gebo­re­nes“ Mit­glied im Pfarr­ge­mein­de­rat. Bei der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung wur­de ich dann gleich zur Vor­sit­zen­den gewählt – aber in gutem Ver­bund mit den Vor­sit­zen­den der ande­ren Pfar­rei­en unse­res Pfarr­ver­ban­des. Wir sind als PGR-Vor­stand ein sehr akti­ves und ver­läss­li­ches Team. Unser Pfarr­ge­mein­de­rat zählt sie­ben Män­ner bei sieb­zehn gewähl­ten Mit­glie­dern. Inso­fern ist die Ver­tei­lung recht aus­ge­wo­gen. Es macht Freu­de und ist anre­gend, dass die Per­spek­ti­ven von Frau­en und Män­nern bei uns sehr gut wahr­nehm­bar prä­sent sind. Der Pfarr­ge­mein­de­rat liegt mir am Her­zen: Er ist ein wich­ti­ges pas­to­ra­les und syn­oda­les Gre­mi­um; eine Errun­gen­schaft des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, durch das Kir­che gelernt hat, sich als Volk Got­tes unter­wegs zu ver­ste­hen. Mir ist sehr

wich­tig, dass der Pfarr­ver­band als Lebens­raum des Evan­ge­li­ums erfahr­bar und glaub­wür­dig ist. Ein­la­dend sein, Viel­falt zu för­dern, Kin­dern und Jugend­li­chen Räu­me zur Begeg­nung eröff­nen sehe ich als eine zen­tra­le Auf­ga­be. Aber eben­so ist es mir ein Anlie­gen, sen­si­bel für Schöp­fungs­ver­ant­wor­tung zu wer­den, ein­an­der wert­zu­schät­zen und aus dem Geist des Evan­ge­li­ums den Glau­ben zu leben, zu fei­ern und zu teilen. 

Doch man darf nicht alles beschö­ni­gen: Der Pfarr­ge­mein­de­rat krankt im Gesamt­sys­tem Kir­che schon län­ger an amt­lich legi­ti­mier­ter Gestal­tungs­in­kom­pe­tenz und man­geln­der rea­ler Wert­schät­zung. In vie­len Gemein­den vor Ort haben sich des­halb die Män­ner still und lei­se, aber wahr­nehm­bar aus dem für sie offen­sicht­lich nicht attrak­tiv genug erschei­nen­den Ehren­amt ver­ab­schie­det. Denn Män­ner neh­men — ger­ne und selbst­ver­ständ­lich — die­je­ni­gen Posi­tio­nen ein, in denen es um Lei­tung, Gestal­tungs­macht, Ein­fluss und den Zugriff auf finan­zi­el­le Res­sour­cen geht. Män­ner sind kirch­lich dort prä­sent, wo klar umris­se­ne Auf­ga­ben mit Kom­pe­tenz und Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten gefragt sind wie in den in den Kir­chen­ver­wal­tun­gen, Stif­tungs­rä­ten oder in Bau­aus­schüs­sen. Das erklärt auch, wes­halb in den Kom­mu­nen die Plät­ze der Gemein­de­rä­te über­wie­gend von Män­nern besetzt sind. Frau­en hin­ge­gen – das weiß man aus ver­läss­li­cher Erfah­rung – ste­hen für die ​„soft skills“. Sie sor­gen für gutes Kli­ma vor Ort: für Begeg­nungs­mög­lich­kei­ten, Bil­dung, Gestal­tung der Fes­te im Jah­res­kreis, Kate­che­se, Dia­ko­nie, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Sor­ge um Alte und Kran­ke, Spiel-Räu­me für Kin­der. Frau­en tra­gen die Kir­che – Män­ner lei­ten sie. Der Pfarr­ge­mein­de­rat müss­te kla­re Kom­pe­ten­zen als Steue­rungs­grup­pe für das geleb­te Evan­ge­li­um vor Ort erhal­ten. Dann könn­te die Mit­ar­beit auch für Män­ner wie­der attrak­ti­ver werden.“

Luise
Hell

Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Altötting

Frauenanteil in Altötting: 7/11

„Wie lan­ge ich schon im Pfarr­ge­mein­de­rat dabei bin? Puh, da muss ich erst ein­mal über­le­gen. Es wer­den nächs­tes Jah­re 28 Jah­re, 20 davon als Vor­sit­zen­de. Seit 2010 ste­he ich außer­dem dem Deka­nats­rat vor. Eigent­lich bin ich damals eher zufäl­lig rein­ge­rutscht, als ich einen Cursil­lo, also einen Glau­bens­kurs, gemacht habe. Dort habe ich die Pfar­rei­mit­glie­der noch enger ken­nen­ge­lernt und gemerkt, wie vie­le sich dort enga­gie­ren. Dass ich direkt beim ers­ten Mal rein­ge­wählt wur­de, hat mich sel­ber über­rascht. Als ich vor bald 20 Jah­ren dann mit einer Kol­le­gin die Stim­men­kö­ni­gin war und sie nicht Vor­sit­zen­de sein woll­te, habe ich es über­nom­men. Das ist schon ein ganz ande­res Arbeits­pen­sum, aber ich bin rein­ge­wach­sen. Dass Ehren­amt eher eine Frau­en­sa­che ist, ist gesell­schaft­lich lei­der noch so ver­an­kert. Dabei ist der Pfarr­ge­mein­de­rat so ein schö­nes Amt, man kann sich in den ver­schie­dens­ten Aus­schüs­sen ein­brin­gen. Alters­tech­nisch sind bei uns in etwa zwei Drit­tel über 50. Auf Kan­di­da­ten­su­che für die nächs­te Wahl bin ich schon län­ger. Doch das ver­läuft bis­her zäh.“

Beatrix
Atzinger

Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Untergriesbach

Frauenanteil in Untergriesbach: 9/12

„Ich beob­ach­te es gene­rell, dass Frau­en häu­fi­ger im Ehren­amt tätig sind. Aber auch wenn bei uns der Groß­teil Frau­en aus­macht: Alters­tech­nisch sind wir bunt gemischt. Das fängt bei Anfang 20 an. Ich bin im Pfarr­ge­mein­de­rat seit knapp 20 Jah­ren Vor­sit­zen­de, um mich ein­zu­brin­gen. Das liegt mir am Her­zen. Wenn sich kei­ner mehr enga­giert, geht es nur bergab.“

Doris
Löffelmann

Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Frauenau

Frauenanteil in Frauenau: 6/9

„Bei uns geht sich die Bis­tums­sta­tis­tik genau auf. Ein Drit­tel unse­rer neun Mit­glie­der sind männ­lich. Ich bin auch noch poli­tisch im Frau­enau­er Gemein­de­rat enga­giert, da schaut der Frau­en­an­teil­ganz anders aus. Klar, in der Pfar­rei kann man die Kin­der leich­ter mit­neh­men. Im Pfarr­ge­mein­de­rat bin ich seit 2002 und seit inzwi­schen 16 Jah­ren auch Vor­sit­zen­de. Für mich ist es selbst­ver­ständ­lich, mich zu enga­gie­ren. Ich bin schließ­lich auch sehr reli­gi­ös auf­ge­wach­sen. Nach­wuchs­pro­ble­me bei den Kan­di­da­ten haben wir bei uns nicht. Durch die tol­le Minis­tran­ten­ar­beit in Frau­en­au haben wir vie­le enga­gier­te, jun­ge Pfarr­ge­mein­de­rä­te, die zuvor Minis­tran­ten waren.“

Claudia
Pagler

Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Simbach am Inn

Frauenanteil in Simbach am Inn: 6/6

„Mir liegt vor allem die Zusam­men­ar­beit mit den katho­li­schen Kin­der­ta­ges­stät­ten am Her­zen. Der Glau­ben soll nicht von den Kin­dern fern­ge­hal­ten wer­den. Daher habe ich jetzt auch eine Aus­bil­dung zur Wort­got­tes­dienst­lei­te­rin absol­viert. Ich bin Vor­sit­zen­de im Deka­nats­rat und außer­dem Mit­glied des Diö­ze­san­rats. Bei uns im Pfar­rei­aus­schuss Drei­fal­tig­keit in Sim­bach sind alle sechs Mit­glie­der weib­lich. Wir arbei­ten aber auch viel als Gesamt­pfarr­ge­mein­de­rat zusam­men. Das ist sehr gewinn­brin­gend. Ins­ge­samt sind dar­an sie­ben Pfar­rei­en betei­ligt. 32 Mit­glie­der zählt der Gesamt­rat, acht Män­ner sind dar­un­ter. In der Kir­chen­ver­wal­tung schaut es wie­der anders aus, da herrscht Män­ner­über­schuss. Dass im Pfarr­ge­mein­de­rat so vie­le Frau­en enga­giert sind, liegt mei­ner Mei­nung nach am Auf­ga­ben­feld. Bei uns geht es oft um die Orga­ni­sa­ti­on von Fes­ten, wäh­rend sich die Kir­chen­ver­wal­tung mit Finan­zen beschäf­ti­gen muss.“

Petra
Ranzinger

Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Grafenau

Frauenanteil in Grafenau: 7/12

„Nun bin ich neben mei­nem Voll­zeit­job schon die drit­te Peri­ode im Pfarr­ge­mein­de­rat, die zwei­te davon als Vor­sit­zen­de. Gemein­sam kön­nen wir unse­re Pfar­rei gestal­ten. Mir ist es bei­spiels­wei­se wich­tig, dass die Kir­che mit der Zeit geht und auch auf die jun­ge Bevöl­ke­rung ein­geht. Also soll es bei uns in der Kir­che eine Kin­der­ecke geben, sodass auch Eltern beden­ken­los am Got­tes­dienst teil­neh­men können.“

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