Foto: Simona Kehl
Zwei Drittel aller Pfarrgemeinderäte im Bistum Passau sind Frauen. In den kommunalen Gemeinderäten Niederbayerns liegt der Frauenanteil dagegen bei nur 18,4 Prozent. Ist kirchliches Ehrenamt also Frauensache? Einige PGR-Vorsitzende geben darauf Antworten.
Eine Woche, bevor im März 2026 die bayernweite Kommunalwahl ansteht, werden die Pfarrgemeinderäte gewählt. In den 100 Pfarrverbänden der 10 Dekanate im Bistum Passau dürfen Katholiken kreuzbrav am 1. März 2026 ihre Kreuzerl setzen und entscheiden, wer ihre Interessen in der Pfarrgemeinde vertritt.
Die Vorbereitungen haben bereits begonnen: Kandidatensuche und Listenaufstellung laufen. Im Unterschied zu einem politischen Votum dürfen bei der kirchlichen Wahl junge Männer und Frauen ab 14 Jahren wählen. Es gibt aber noch einen viel gewaltigeren Unterschied zur Politik: den Frauenanteil. 66 Prozent aller Pfarrgemeinderäte in der Diözese sind weiblich. Anders sieht es in politischen Gremien aus.
Im Passauer Stadtrat sitzen lediglich zehn Frauen bei insgesamt 44 Mitgliedern, in Altötting sind sechs der 24 Räte weiblich. Damit liegen die beiden Städte in etwa im niederbayerischen Schnitt für den Frauenanteil in Stadträten, der 25,7 Prozent beträgt. In Kreisräten liegt er etwas niedriger, nämlich bei 24,1 Prozent. Noch drastischer: Die durchschnittliche Quote aller Gemeinderätinnen im Regierungsbezirk Niederbayern liegt bei 18,4 Prozent.
Den bistumsweiten Frauenanteil von zwei Dritteln erfüllt auch der Pfarrgemeinderat in Sonnen (Lkr. Passau): Sechs Frauen bei neun Mitgliedern. Wenn in Sonnen allerdings politische Änderungen abgestimmt werden, hebt keine einzige Frau ihre Hand. Im Sonnener Gemeinderat sitzen bei zwölf Mitgliedern nur Männer. Die Sonnener Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gabriele Seibold sagt dazu: „Ich habe oftmals das Gefühl, dass nicht einmal die Frauen die Frauen wählen.“
Ist kirchliches Ehrenamt also Frauensache? Nicht ganz. Zur Wahrheit gehört auch, dass in den Kirchenverwaltungen der Pfarreien, die zumeist über Finanzen beraten, zum Großteil Männer aktiv sind. Beispiel Sonnen: Vier von vier Kirchenverwaltern sind männlich. Wieso sind also so wenige Männer in Pfarrgemeinderäten aktiv? Das Bistumsblatt hat sich bei einigen weiblichen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden umgehört.
Text: Anna Kelbel
Frauenanteil in Fürstenzell: 8/10
„Die Pfarrei ist meine Heimat — und das, obwohl ich Zugezogene bin. Viele Männer hier sagen: ‚Ich interessiere mich mehr für die Kirchenverwaltung, ich mag es, mit Geld oder Versicherungen umzugehen.’ Im Pfarrgemeinderat geht es mehr um Seelsorge, Glaubensfragen oder Catering bei Kirchenfesten. Doch das sind eben auch wichtige Punkte. Leider läuft meiner Meinung nach die Werbung für die Pfarrgemeinderatswahl im nächsten Jahr von Bistumsseite sehr spät an, da entsteht manchmal der Eindruck, die Kirchenverwaltung wäre wichtiger.“
Frauenanteil in Sonnen: 6/9
„Seit fünf Wahlperioden bin ich im Pfarrgemeinderat aktiv und ebenso lange Vorsitzende. Das war damals ein Sprung ins eiskalte Wasser. Ich will als Pfarrgemeinderatsmitglied für die Menschen vor Ort da sein. Mir ist es wichtig, u. a. auch die Seniorenarbeit zu unterstützen. Gerade überlege ich schon, wer für die nächste PGR-Wahl als Kandidat oder Kandidatin infrage kommt. Da komme ich fast nur auf Frauen. Unsere Kirchenverwaltung hingegen ist rein männlich besetzt. Es gab bei der letzten Wahl sechs Kandidaten für vier zu wählende Mitglieder. Nach Jahren ließ sich wieder einmal eine Frau aufstellen — und jetzt sitzt sie auf der Ersatzbank. Ich habe oftmals das Gefühl, dass nicht einmal die Frauen die Frauen wählen. Das gilt auch für die Politik.“
Frauenanteil in Passau-Ilzstadt: 10/17
„Ich bin zum ersten Mal – als Ehrenamtliche – gewähltes Pfarrgemeinderatsmitglied. Als Hauptamtliche war ich in denjenigen Pfarrverbänden, in denen ich als Pastoralreferentin tätig war ein sogenanntes „geborenes“ Mitglied im Pfarrgemeinderat. Bei der konstituierenden Sitzung wurde ich dann gleich zur Vorsitzenden gewählt – aber in gutem Verbund mit den Vorsitzenden der anderen Pfarreien unseres Pfarrverbandes. Wir sind als PGR-Vorstand ein sehr aktives und verlässliches Team. Unser Pfarrgemeinderat zählt sieben Männer bei siebzehn gewählten Mitgliedern. Insofern ist die Verteilung recht ausgewogen. Es macht Freude und ist anregend, dass die Perspektiven von Frauen und Männern bei uns sehr gut wahrnehmbar präsent sind. Der Pfarrgemeinderat liegt mir am Herzen: Er ist ein wichtiges pastorales und synodales Gremium; eine Errungenschaft des Zweiten Vatikanischen Konzils, durch das Kirche gelernt hat, sich als Volk Gottes unterwegs zu verstehen. Mir ist sehr
wichtig, dass der Pfarrverband als Lebensraum des Evangeliums erfahrbar und glaubwürdig ist. Einladend sein, Vielfalt zu fördern, Kindern und Jugendlichen Räume zur Begegnung eröffnen sehe ich als eine zentrale Aufgabe. Aber ebenso ist es mir ein Anliegen, sensibel für Schöpfungsverantwortung zu werden, einander wertzuschätzen und aus dem Geist des Evangeliums den Glauben zu leben, zu feiern und zu teilen.
Doch man darf nicht alles beschönigen: Der Pfarrgemeinderat krankt im Gesamtsystem Kirche schon länger an amtlich legitimierter Gestaltungsinkompetenz und mangelnder realer Wertschätzung. In vielen Gemeinden vor Ort haben sich deshalb die Männer still und leise, aber wahrnehmbar aus dem für sie offensichtlich nicht attraktiv genug erscheinenden Ehrenamt verabschiedet. Denn Männer nehmen — gerne und selbstverständlich — diejenigen Positionen ein, in denen es um Leitung, Gestaltungsmacht, Einfluss und den Zugriff auf finanzielle Ressourcen geht. Männer sind kirchlich dort präsent, wo klar umrissene Aufgaben mit Kompetenz und Entscheidungsmöglichkeiten gefragt sind wie in den in den Kirchenverwaltungen, Stiftungsräten oder in Bauausschüssen. Das erklärt auch, weshalb in den Kommunen die Plätze der Gemeinderäte überwiegend von Männern besetzt sind. Frauen hingegen – das weiß man aus verlässlicher Erfahrung – stehen für die „soft skills“. Sie sorgen für gutes Klima vor Ort: für Begegnungsmöglichkeiten, Bildung, Gestaltung der Feste im Jahreskreis, Katechese, Diakonie, Kommunikation, Sorge um Alte und Kranke, Spiel-Räume für Kinder. Frauen tragen die Kirche – Männer leiten sie. Der Pfarrgemeinderat müsste klare Kompetenzen als Steuerungsgruppe für das gelebte Evangelium vor Ort erhalten. Dann könnte die Mitarbeit auch für Männer wieder attraktiver werden.“
Frauenanteil in Altötting: 7/11
„Wie lange ich schon im Pfarrgemeinderat dabei bin? Puh, da muss ich erst einmal überlegen. Es werden nächstes Jahre 28 Jahre, 20 davon als Vorsitzende. Seit 2010 stehe ich außerdem dem Dekanatsrat vor. Eigentlich bin ich damals eher zufällig reingerutscht, als ich einen Cursillo, also einen Glaubenskurs, gemacht habe. Dort habe ich die Pfarreimitglieder noch enger kennengelernt und gemerkt, wie viele sich dort engagieren. Dass ich direkt beim ersten Mal reingewählt wurde, hat mich selber überrascht. Als ich vor bald 20 Jahren dann mit einer Kollegin die Stimmenkönigin war und sie nicht Vorsitzende sein wollte, habe ich es übernommen. Das ist schon ein ganz anderes Arbeitspensum, aber ich bin reingewachsen. Dass Ehrenamt eher eine Frauensache ist, ist gesellschaftlich leider noch so verankert. Dabei ist der Pfarrgemeinderat so ein schönes Amt, man kann sich in den verschiedensten Ausschüssen einbringen. Alterstechnisch sind bei uns in etwa zwei Drittel über 50. Auf Kandidatensuche für die nächste Wahl bin ich schon länger. Doch das verläuft bisher zäh.“
Frauenanteil in Untergriesbach: 9/12
„Ich beobachte es generell, dass Frauen häufiger im Ehrenamt tätig sind. Aber auch wenn bei uns der Großteil Frauen ausmacht: Alterstechnisch sind wir bunt gemischt. Das fängt bei Anfang 20 an. Ich bin im Pfarrgemeinderat seit knapp 20 Jahren Vorsitzende, um mich einzubringen. Das liegt mir am Herzen. Wenn sich keiner mehr engagiert, geht es nur bergab.“
Frauenanteil in Frauenau: 6/9
„Bei uns geht sich die Bistumsstatistik genau auf. Ein Drittel unserer neun Mitglieder sind männlich. Ich bin auch noch politisch im Frauenauer Gemeinderat engagiert, da schaut der Frauenanteilganz anders aus. Klar, in der Pfarrei kann man die Kinder leichter mitnehmen. Im Pfarrgemeinderat bin ich seit 2002 und seit inzwischen 16 Jahren auch Vorsitzende. Für mich ist es selbstverständlich, mich zu engagieren. Ich bin schließlich auch sehr religiös aufgewachsen. Nachwuchsprobleme bei den Kandidaten haben wir bei uns nicht. Durch die tolle Ministrantenarbeit in Frauenau haben wir viele engagierte, junge Pfarrgemeinderäte, die zuvor Ministranten waren.“
Frauenanteil in Simbach am Inn: 6/6
„Mir liegt vor allem die Zusammenarbeit mit den katholischen Kindertagesstätten am Herzen. Der Glauben soll nicht von den Kindern ferngehalten werden. Daher habe ich jetzt auch eine Ausbildung zur Wortgottesdienstleiterin absolviert. Ich bin Vorsitzende im Dekanatsrat und außerdem Mitglied des Diözesanrats. Bei uns im Pfarreiausschuss Dreifaltigkeit in Simbach sind alle sechs Mitglieder weiblich. Wir arbeiten aber auch viel als Gesamtpfarrgemeinderat zusammen. Das ist sehr gewinnbringend. Insgesamt sind daran sieben Pfarreien beteiligt. 32 Mitglieder zählt der Gesamtrat, acht Männer sind darunter. In der Kirchenverwaltung schaut es wieder anders aus, da herrscht Männerüberschuss. Dass im Pfarrgemeinderat so viele Frauen engagiert sind, liegt meiner Meinung nach am Aufgabenfeld. Bei uns geht es oft um die Organisation von Festen, während sich die Kirchenverwaltung mit Finanzen beschäftigen muss.“
Frauenanteil in Grafenau: 7/12
„Nun bin ich neben meinem Vollzeitjob schon die dritte Periode im Pfarrgemeinderat, die zweite davon als Vorsitzende. Gemeinsam können wir unsere Pfarrei gestalten. Mir ist es beispielsweise wichtig, dass die Kirche mit der Zeit geht und auch auf die junge Bevölkerung eingeht. Also soll es bei uns in der Kirche eine Kinderecke geben, sodass auch Eltern bedenkenlos am Gottesdienst teilnehmen können.“

