Bistum

Babel oder Jerusalem! Und Passau?

Stefanie Hintermayr am 04.06.2026

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr / pbp

Zahlreiche Gläubige haben mit Bischof Stefan Oster SDB das Hochfest des Leibes und Blutes Christi gefeiert: Fronleichnam. Nach dem Pontifikalgottesdienst im Dom fand die traditionelle Prozession durch die Passauer Altstadt mit dem Allerheiligsten in der Monstranz statt.

Am Hoch­fest des Lei­bes und Blu­tes Chris­ti, Fron­leich­nam, wird tra­di­tio­nell genau zehn Tage nach Pfings­ten in beson­de­rer Wei­se der Gegen­wart Jesu Chris­ti in Brot und Wein gedacht. Dazu gehört auch die Fron­leich­nams­pro­zes­si­on mit dem Aller­hei­ligs­ten in der Mons­tranz, das Bischof Ste­fan Oster jedes Jahr unter dem Him­mel“ mit­führt, nach dem Pon­ti­fi­kal­amt im Pas­sau­er Ste­phans­dom. Auch heu­er fan­den sich wie­der zahl­rei­che Gläu­bi­ge im Dom ein, um die­ses Hoch­fest mit­ein­an­der zu fei­ern. Zudem kamen etli­che Fest- und Ehren­gäs­te, u.a. Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter aus Poli­tik, Gesell­schaft und der kirch­li­chen Ver­bän­de aus Stadt und Land­kreis Pas­sau, die der Bischof zu Beginn des Got­tes­diens­tes begrüß­te. Ich freue mich, dass wir nach­her mit­ein­an­der Zeug­nis geben von dem, der unse­re Mit­te ist. Wir fei­ern den, der für uns Mensch gewor­den und uns Nah­rung ist.“

Für die fest­li­che musi­ka­li­sche Gestal­tung sorg­ten Dom­chor und Dom­blä­ser unter der Lei­tung von Dom­ka­pell­meis­ter Andre­as Unter­gug­gen­ber­ger, Dom­kan­tor Maxi­mi­li­an Jäger an der Tru­hen­or­gel und Dom­or­ga­nist Lud­wig Ruck­de­schel. Gesun­gen wur­den u. a. Motet­ten und Lie­der von M. Hal­ler, P. Gries­ba­cher, M. Fri­si­na, J. Filke.

Babel oder Jerusalem! Und Passau? – Predigt

In sei­ner Pre­digt the­ma­ti­sier­te der Bischof die ers­te Enzy­kli­ka von Papst Leo XIV. mit dem Titel Magni­fi­ca Huma­ni­tas Die groß­ar­ti­ge Mensch­heit“. Genau­er: die zwei zen­tra­len Bil­der aus dem Alten Tes­ta­ment, die der Papst dar­in her­an­zie­he. Das ers­te Bild, der Turm­bau von Babel nach dem soge­nann­ten Sün­den­fall und nach der Sint­flut, the­ma­ti­sie­re die Zer­streu­ung des Vol­kes durch Gott, das grö­ßer sein woll­te als Gott selbst, so der Bischof. Die­se Erzäh­lung aus dem Buch Gene­sis hät­te durch­aus eine Par­al­le­le zu unse­rem heu­ti­gen tech­ni­schen Fort­schritt. Ein rie­si­ges Netz­werk, bild­lich gespro­chen ein gewal­ti­ger Turm der Selbst­er­mäch­ti­gung. Das Wis­sen der Mensch­heit ist ver­füg­bar, Infor­ma­tio­nen sind jeder­zeit abruf­bar.“ Doch stel­le sich die Fra­ge, ob all das unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­ein­an­der bes­ser oder schwie­ri­ger mache, hin­ter­frag­te Bischof Oster.

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Das zwei­te Bild aus dem Buch Neh­emia, den Wie­der­auf­bau der Stadt Jeru­sa­lem nach ihrer Zer­stö­rung, beschrei­be Papst Leo als gemein­sa­mes Werk, bei dem Gott im Tem­pel die Mit­te bil­det“, so der Bischof. Der Papst stel­le uns dabei die Fra­ge, wel­che Stadt wir bau­en woll­ten. Eine von Tech­nik domi­nier­te Stadt oder eine, in der die mensch­li­che Wür­de bewahrt wür­de und das Mit­ein­an­der wach­se. Ein Gedan­ke des Paps­tes bezüg­lich des Titels der Enzy­kli­ka Die groß­ar­ti­ge Mensch­heit“ habe ihn beson­ders berührt. Er nennt die Begrenzt­heit der Mensch­heit ihre Grö­ße.“ Die mensch­li­che Begrenzt­heit habe zwar durch­aus ihre nega­ti­ven Sei­ten wie bei­spiels­wei­se Krank­heit und Sterb­lich­keit. Doch kön­ne man sie auch posi­tiv sehen, weil wir ein­an­der brau­chen wür­den, so Bischof Oster. Wir brau­chen die klei­nen Gemein­schaf­ten von Fami­lie und Freund­schaft, um Lie­be zu ler­nen, Ver­trau­en auf­zu­bau­en und Ver­ge­bung ein­zu­üben.“ Das kön­ne kei­ne künst­li­che Intel­li­genz, beton­te er. In die­sem Sinn lädt uns Papst Leo ein, eine Stadt, eine Gemein­schaft und eine Gesell­schaft zu bau­en, in der Gott die Mit­te ist und des­halb die Wür­de jedes Men­schen geach­tet wird – jene Wür­de, die ihren Ursprung in der Got­tes­eben­bild­lich­keit hat.“

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Bezo­gen auf die Fron­leich­nams­pro­zes­si­on bedeu­te das, Gott sei der Mit­tel­punkt unse­res Lebens. Nicht weil Gott das braucht, son­dern weil wir es brau­chen für ein gutes Mit­ein­an­der. Dann sagt Gott: Ich habe euch das Brot des Lebens gege­ben.“ Gemein­schaft­li­ches Mit­ein­an­der sei schließ­lich auch einer der Wer­te, die Poli­tik und Gesell­schaft heut­zu­ta­ge wie­der för­dern woll­ten. Wer­te sei­en aber an den gebun­den, der grö­ßer ist als jeder ein­zel­ne Wert. Er will unse­re Her­zen wei­ten, damit wir eine Stadt bau­en, in der die Wür­de jedes Men­schen gewahrt wird – aus­nahms­los jedes Men­schen – und in der Gott die Mit­te ist.“ Genau das wür­den wir mit Fron­leich­nam bezeu­gen, so Bischof Oster schließ­lich. Möge er die­se Stadt und unser Land seg­nen. Möge er uns hel­fen, mit dem Her­zen zu ver­ste­hen, wie sehr er die Mit­te unse­res Lebens ist und sein will – für uns alle.“

Fronleichnamsprozession

Mit dem Aller­hei­ligs­ten in der Mons­tranz unter dem Him­mel“ führ­te Bischof Ste­fan Oster die fei­er­li­che Fron­leich­nams­pro­zes­si­on durch die Pas­sau­er Alt­stadt im Anschluss an den Got­tes­dienst an. Begin­nend am Dom­por­tal zog die Fest­ge­mein­de gemein­sam um den Dom­platz zum ers­ten Altar am Denk­mal von König Max I. Nach der tra­di­tio­nel­len Seg­nung durch den Bischof ging es wei­ter über die Zen­ger­gas­se und die Schrott­gas­se zum zwei­ten Altar am Rat­haus­platz. Von dort führ­te die Pro­zes­si­on zurück über die Schrott­gas­se zum drit­ten Altar auf dem Resi­denz­platz. Am vier­ten und letz­ten Altar, dem Hoch­al­tar im Dom, wur­de die Pro­zes­si­on fei­er­lich abgeschlossen.

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Genau zehn Tage nach Pfingsten feiern wir als Christen Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi. Feierliche Prozessionen mit der Monstranz unter dem „Himmel“ zu kunstvoll geschmückten Altären haben im ganzen Bistum Passau Tradition. Bischof Stefan Oster wird das Pontifikalamt am Donnerstag im Stephansdom zelebrieren und im Anschluss die Prozession durch die Passauer Altstadt anführen.

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