Zwei junge Frauen haben ein FSJ im Bistum Passau gemacht - Ende August ist jetzt Schluss. Das Freiwillige Soziale Jahr – ein Einstieg in gesellschaftliches Engagement. Und eine gute Möglichkeit sich zu finden, seine Interessen auszuloten.
Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist eine beliebte Möglichkeit für junge Menschen, sich gesellschaftlich zu engagieren, Erfahrungen zu sammeln und sich persönlich weiterzuentwickeln. Es wurde in Deutschland im Jahr 1964 eingeführt und hat sich seitdem zu einem festen Bestandteil der Jugendarbeit entwickelt. Das FSJ ist eine freiwillige Tätigkeit, bei der Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 27 Jahren in sozialen, kulturellen oder ökologischen Einrichtungen mitarbeiten.
„Ich habe noch keine Ahnung gehabt, wo es beruflich hingehen soll. Da hat mein Bruder gemeint, probiere halt ein FSJ aus und teste einfach mal ein Jahr die Jugendarbeit.”
Im Bistum Passau sind noch bis Ende August zwei junge Frauen beschäftigt, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Rebekka Seidl aus Kreuzberg bei Freyung und Saskia Eiler aus Hinterschmiding. „Ich habe letztes Jahr eine Absage für einen Ausbildungs- bzw. Studienplatz erhalten und stand dann vor der Frage, was mache ich jetzt? Nur die Zeit vertreiben mit irgendwelchen Minijobs oder eben ein FSJ. Da bin ich dann durch meine Freundin draufgekommen und das FSJ hat persönlich einfach mehr Vorteile“, erzählt Rebekka Seidl. Ihre Kollegin Saskia Eiler war nach der Schule eher unschlüssig, wie es weitergehen soll: „Ich habe noch keine Ahnung gehabt, wo es beruflich hingehen soll. Da hat mein Bruder gemeint, probiere halt ein FSJ aus und teste einfach mal ein Jahr die Jugendarbeit.“
Die Hauptidee des FSJ ist es, jungen Menschen die Chance zu geben, Verantwortung zu übernehmen, soziale Kompetenzen zu entwickeln und Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu gewinnen. Es ist geeignet für Schulabgänger, die sich orientieren möchten, sowie für Menschen, die eine Pause vom Schul- oder Berufsalltag suchen. Vorteile des FSJ sind vielfältig: Es fördert soziale Fähigkeiten, stärkt das Verantwortungsbewusstsein und kann bei späteren Bewerbungen von Vorteil sein. Zudem bietet es die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Saskia Eiler über ihre Aufgaben im kirchlichen Jugendbüro in Freyung, wo sie angestellt ist: „Also ich habe bei größeren Aktionen mitgeholfen, in der Organisation und Vorbereitung, ich war auch öfter bei Tagen der Orientierung dabei, als Betreuerin usw. Ich war auch als Referentin bei Schulbesuchen und habe einfach auch im Büro mitgeholfen. Gerade bin ich dabei, eine Abschlussfahrt zu planen. Mit einer Firmgruppe geht es nach Wien.“
Rebekka Seidl arbeitet im Haus St. Max am Domplatz in Passau beim BDKJ. „Also, ich war bei einigen Fahrten, wie z.B. einer Pfingstfreizeit mit Jugendlichen dabei. Eine ganz wichtige und große Veranstaltung beim BDKJ ist die Jugendfußballfahrt, da war ich auch dabei, bei der Planung und bei der Wallfahrt selbst. Das war ein richtig tolles Erlebnis, das war richtig schön. Ich habe aber auch so ganz normale Büroaufgaben, wie Maßnahmen vor- und nachbereiten, Protokolle schreiben. Und dadurch, dass ich im Haus beim BDKJ bin und dort auch das BJA ist, ist da auch immer mal was mit den Jugendverbänden, die man unterstützen kann.“
Hier erzählen die beiden im Radiobeitrag ihre Beweggründe für das FSJ:
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Die Vergütung ist in der Regel eine sogenannte „Taschengeldpauschale“, die je nach Träger variiert, aber meist zwischen 200 und 400 Euro im Monat liegt. Die Dauer eines FSJ beträgt in der Regel 6 bis 12 Monate. Seit Einführung des FSJ haben bereits mehrere Hunderttausend junge Menschen diese Erfahrung gemacht. Im Jahr 2022 waren es etwa 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in verschiedenen sozialen Einrichtungen tätig waren. Das FSJ ist somit eine wertvolle Gelegenheit, gesellschaftliches Engagement mit persönlicher Entwicklung zu verbinden und die Weichen für die Zukunft zu stellen.
„Es war eine richtig gute Entscheidung. Ich bereue es überhaupt nicht. Es hat richtig viel Spaß gemacht.”
So sehen es auch die beiden FSJ-lerinnen im Bistum Passau, wenn das Jahr jetzt in wenigen Wochen, Ende August, zu Ende geht – bereuen sie ihre Entscheidung keineswegs. Rebekka Seidl: „Es war eine richtig gute Entscheidung. Ich bereue es überhaupt nicht. Es hat richtig viel Spaß gemacht. Es war super auch mit dem Kollegenkreis. Ich bin richtig gut aufgenommen worden. Echt toll. Es war eine super Bereicherung. Man wächst persönlich, man entwickelt sich weiter und man macht ja auch was für sein Umfeld.“
Saskia Eiler: “Das war eine gute Sache, auf jeden Fall. Wir haben bei Seminaren neue Leute kennengelernt, es waren super Kollegen, wir haben einfach extrem viel Spaß gehabt dieses Jahr. Aber jetzt auch beruflich zu wissen, wie es weitergeht, ist schon ein Vorteil, es ist einfach eine super Möglichkeit, sich selber besser kennenzulernen, sich zu entwickeln und beruflich einfach mal einen Durchblick zu haben.“
Und so geht es dann bei den beiden Noch-FSJ-lerinnen weiter. Saskia Eiler wird im Herbst voraussichtlich in Deggendorf „Soziale Arbeit“ studieren – also sie geht auf jeden den Weg auf der sozialen Schiene weiter – und kann sich durchaus auch ein Jugendbüro oder z.B. das bischöfliches Jugendamt als Arbeitsplatz vorstellen.
Rebekka Seidl fängt im Oktober eine Ausbildung zur Logopädin an. Auch sie bleibt im sozialen Bereich, das war für sie aber auch vor dem FSJ schon klar. „Das FSJ hat mich einfach auch selber noch mal überzeugt, es wirklich durchzuziehen, weil die Arbeit mit Kindern und mit Erwachsenen, einfach allgemein am Menschen, einfach richtig viel Spaß macht.“
„Ein knappes Jahr später steht dann die gleiche Person total souverän vor einer Gruppe, kann da flexibel handeln, ist ausgestattet noch mal mit mehr Methoden im Rucksack, um ins Leben gehen, das ist schön zu sehen.”
FSJ im Bistum Passau: Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Bayern ist zusammen mit der Caritas und InVia Träger des FSJ und unter anderem zuständig für das Bewerbungsverfahren, die Auswahl der Einsatzstellen und die pädagogische Begleitung während des Jahres. „Und dann liegt es nahe, dass der BDKJ Passau Diözesanverband Kooperationspartner ist und die Landesstelle unterstützt, eben bei Bewerbungsgesprächen, bei Kooperationen mit den Einsatzstellen und einfach bei der Begleitung der FSJ-ler selber. Und natürlich — ein Freiwilliges Soziales Jahr — kirchliche Jugendarbeit das ist ja ein typischer sozialer Beruf – und da bieten wir auch im bischöflichen Jugendamt selber FSJ-Stellen an“, erklärt Veronika Pongratz, BDKJ Referentin und Vorstandmitglied im BDKJ Diözesanverband. Der BDKJ Diözesanverband vermittelt aber auch in alle anderen Bereiche, je nachdem, wofür sich der Bewerber interessiert und wo er herkommt: „Also es geht beim FSJ ja um überwiegend pädagogische, pflegerische, soziale Berufe – d.h. in Krankenhäusern, Seniorenheimen, Einrichtungen mit Menschen mit Beeinträchtigung, kirchliche Jugendarbeit bei uns, in Kindertagesstätten. Also typische soziale Berufe. Bei den Bewerbern schaut man dann halt schon, wo kommt denn die Person her? Ist jemand eher vom westlichen Diözesanbereich oder kommt aus dem Bayerischen Wald und wo will jemand eigentlich hin? Also ist es eher ein pflegerischer Bereich, oder pädagogischer Bereich. Da kommt man dann auch einfach ins Gespräch, man kann durchaus auch seinen Wunsch äußern, wo man gerne hinmöchte.“
Auch BDKJ Referentin Veronika Pongratz ist der Meinung, dass ein FSJ jede Menge Vorteile hat. Sie hat bislang mit den Kandidaten nur positive Erfahrungen gemacht: „Also es ist einfach total schön, die FSJ-ler im Laufe des Jahres zu begleiten. Da ist je nach Einsatzstelle schon auch noch ein bisschen Unsicherheit da im Herbst. Wie mache ich das jetzt? Direkter Kontakt mit Menschen, sei es im Krankenhaus oder in der Jugendarbeit, bei Tagen der Orientierung mit Schulklassen. Und am Ende des Jahres haben sie dann spürbar eine persönliche Entwicklung hingelegt. Und ein knappes Jahr später steht dann die gleiche Person total souverän vor einer Gruppe, kann da einfach flexibel handeln, ausgestattet noch mal mit mehr Methoden im Rucksack, um ins Leben gehen, das ist schön zu sehen.“

