Foto: Susanne Simperl / pbp
Das Referat Mission & Weltkirche im Bistum Passau hatte über Ostern Gäste aus Arequipa in Peru zu Besuch.
Arequipa ist eine Stadt auf 2.400 Meter Höhe in der Nähe des Titicacasee mit einem aktiven Vulkan im Zentrum. Die Stadt hat ca. 1,5 Millionen Einwohner. Alicia leitet dort eine Einrichtung von CIRCA-MAS, einer Schulgemeinschaft für Kinder aus sehr armen Stadtrandregionen und Kinderheimen für Waisen. Arbely koordiniert ein Stipendienprojekt für mittellose Jugendliche vor Ort. Mit der Hilfe von Spenderinnen und Spendern aus dem Bistum Passau konnten in den letzten Jahren ca. 90 junge Menschen ihr Studium beenden.
Im Radiointerview erzählen beide von ihren Projekten:
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Die Einrichtung CIRCA-MAS, die Alicia leitet, widmet sich vor allem der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, aber auch der Aufnahme von Kindern aus vulnerablen Familienverhältnissen oder Waisenkindern sowie der spirituellen Bildung. Die Schulen und Heime sind Anlaufstellen für Tausende Kinder und Jugendliche. Ein Schulgeld muss nicht bezahlt werden, viele Eltern schätzen die CIRCA-Schulen aber insbesondere wegen der ganzheitlichen Bildung mit einem Schwerpunkt auf Werteerziehung. In den Schulen sind rund 1.200 Lehrkräfte beschäftigt. In den Kinderheimen sind zahlreiche Ehrenamtliche tätig, die dafür sorgen, dass die Kinder dort Unterkunft, warmes Essen, Hilfe bei den Hausaufgaben und letztlich „eine neue, kleine Heimat“ finden können, so Alicia. Die spirituelle Säule der Einrichtungen tragen zudem Priester vor Ort. Finanzielle Unterstützung für die Einrichtungen kommt auch aus dem Bistum Passau. Eine unverzichtbare Hilfe für die Organisation, so Alicia: „Wir wüssten nicht, was wir ohne die Unterstützung aus Passau mit all unseren Kindern tun würden. Sie wären wieder auf der Straße. Aber mit der Hilfe aus Passau können diese Kinder ein neues Heim gewinnen. Sie fangen wieder an zu träumen und zu hoffen, in Bezug auf ihre Zukunft einfach ein Licht zu sehen.“ Bis zur Beendigung der Freiwilligenentsendungen waren in Arequipa jedes Jahr auch fünf Freiwillige aus Passau im Einsatz. Diese hätten es ermöglicht, einen Erfahrungsaustausch zwischen den Kulturen anzustoßen. Trotz anfänglicher kultureller Unterschiede sei es immer ein gutes Miteinander gewesen und eine Freude, zusammenzuarbeiten.
„Ich danke Gott dafür, dass meine Jugendlichen aus diesem Stipendienprojekt eine gute Zukunft vor sich haben. Ich bin so dankbar für die Unterstützung aus Passau.”
Das Stipendienprojekt in Arequipa, das Arbely koordiniert, hat in der Vergangenheit knapp 90 Jugendlichen, die in der Schule zu den Besten ihres Jahrgangs gehört haben und aus armen Verhältnissen stammen, zu einem Studienplatz verholfen. Sie alle haben einen guten Beruf gefunden, verdienen jetzt ihr eigenes Geld und sind in Peru geblieben. So erzählt Arbely zum Beispiel von Michael, der mit seiner Familie in der Kindheit nur mit Müh und Not ein Dach über dem Kopf hatte und dessen Mutter von seinem Stiefvater geschlagen wurde. Durch das Stipendium hat Michael Geophysik studiert und einen guten Job gefunden. Heute rufe er Arbely regelmäßig an und frage: „Wie kann ich die Kinder in den Kinderheimen unterstützen? Was kann ich euch geben? Was braucht ihr?“ Das Stipendienprojekt ist mittlerweile zu Ende gegangen. Zwei Stipendiaten, Piero und Julika, beenden gerade noch ihr Studium in Ernährungswissenschaften bzw. Wirtschaft. Arbely habe nun die Hoffnung, darauf etwas Neues aufzubauen, auch mit der Unterstützung der Stipendiaten, die etwas von dem zurückgeben möchten, was sie erhalten haben. „Ich danke Gott dafür, dass meine Jugendlichen aus diesem Stipendienprojekt eine gute Zukunft vor sich haben. Ich bin so dankbar für die Unterstützung aus Passau“, so Arbely. „Die Stipendiaten haben natürlich erfahren, dass ich nach Passau eingeladen wurde. Und sie sagten oft mit Tränen in den Augen, ich soll viele Grüße bestellen und soll den Dank überbringen, denn ohne die Unterstützung hätten sie keine berufliche Zukunft, keine Zukunft für ihre alte Familie, aus der sie kommen, aber auch keine Zukunft für Ihre Familie, die sie gründen werden.“
Foto: Christine Krammer
Knapp eine Woche haben Alicia und Arbely nun im Bistum Passau verbracht. Neben einem Austausch mit Bischof Stefan Oster und Generalvikar Josef Ederer standen einige weitere Begegnungen, auch mit ehemaligen Freiwilligen, auf dem Plan. So zum Beispiel in der Pfarrei Hals, die mit dem gesamten Pfarrverband Ilzstadt und Grubweg sowie dem Frauen- und Mütterverein eine Spende über 1.300€ für das Projekt CIRCA überreichte. Mit den Spenden werden die Kinderhäuser, in denen Kinder von 0 – 18 Jahren leben, die aus prekären Familiensituationen kommen, unterstützt. Romy Schmied aus der Pfarrei Hals kennt CIRCA aus ihrer Zeit als Weltwärts-Freiwillige. Ein Jahr arbeitete sie in den CIRCA-Schulen und in den Kinderhäusern mit, begeistert sich bis heute für die Einrichtung und initiierte die Spendenaktion.
Treffen mit Spendern
Arbely und Alicia trafen sich in Straßkirchen mit einer Gruppe von SpenderInnen, die über viele Jahre engagiert und treu die Stipendiaten aus sehr armen Familien unterstützten. Am Abend nach einer gemeinsamen Gebetszeit in der Pfarrkirche Straßkirchen erzählten Sie über die erfolgreich abgeschlossenen Studien der Stipendiaten und wie sich damit neue Chancen für die Zukunft, die vorher für sie undenkbar gewesen wären, eröffneten.
Treffen mit ehemaligen Freiwilligen aus dem Bistum Passau
Bis zur Pandemie 2021 entsandte das Bistum Passau jedes Jahr 5 Freiwillige, die in CIRCA in den Kinderheimen und an den Schulen mitarbeiteten und intensiv mitlebten. Dabei entstanden viele Freundschaften, aber auch ein tiefes Verständnis für die Lebensverhältnisse in einem armen Land und die Situation der Kinder, die aus sehr armen Familien stammen oder oft auch ohne Familie aufwachsen müssen. Das Wiedersehen mit Arbely und Alicia hier in Passau war für alle eine große Freude und eine Gelegenheit, die kulinarischen Besonderheiten unserer Heimat (Weißwürste, Bier, süßer Senf und Brezen) miteinander zu probieren.



