Foto: Rüdiger Busch
Der Passauer Künstlerseelsorger Dr. Bernhard Kirchgessner hat den Vatikanischen Museen in Rom ein Aquarell des Künstlers Giacomo Manzù geschenkt.
(Von Rüdiger Busch / PNP). Passau / Rom. Mit einem ganz besonderen Präsent ist der aus Hettingen stammende Monsignore Dr. Bernhard Kirchgessner kurz nach Pfingsten nach Rom gereist: einem Aquarell des italienischen Künstlers Giacomo Manzù, das als Vorlage für ein Portal des Petersdom diente. Aber nicht nur das Geschenk war besonders, auch der Empfänger: die Vatikanischen Museen. Mit großem Interesse an dem Werkund Wortendes Dankes und der Anerkennung nahm Prof. Giandomenico Spinola, kunsthistorischer Vizedirektor der Vatikanischen Museen, das Geschenk entgegen.
An seinem 30. Geburtstag war Kirchgessner in Venedig erstmals den Werken des italienischen Bildhauers begegnet. „Von diesem Zeitpunkt an ließen mich die Skulpturen und Grafiken Giacomo Manzùs nicht mehr los“, erklärt der im niederbayerischen Passau wirkende Geistlichen, „und ich begann seine Werke zu sammeln.“
Foto: Rüdiger Busch
Im Rahmen einer Manzù-Ausstellung im Dommuseum Salzburg lernte der Monsignore Manzús Ehefrau Inge und Sohn Mileto kennen. Inge Manzù lud ihn nach Ardea in das Atelier des 1991 verstorbenen Bildhauers ein, und Kirchgessner konnte auf dem als Colle di Fico bekannten Anwesen des Künstlers eine Vielzahl von Plastiken bestaunen und das original erhaltene Atelier besuchen. Dieser Besuch bildete das Fundament für ein Buch Kirchgessners über die von Manzù gestalteten Portale am Petersdom, am Salzburger Dom und in Rotterdam, das mit einem Interview von Inge Manzù bereichert wurde.
Vor geraumer Zeit konnte Monsignore Kirchgessner schließlich ein 1963 gemaltes Aquarell Manzùs erwerben, das den Tod Jesu, wie von den italienischen Faschisten praktiziert, durch Erhängung zeigt. Dem kunstbeflissenen Geistlichen fiel sofort die Ähnlichkeit zwischen der Zeichnung und der Porta della morte, dem Tor des Todes in der Vorhalle des Petersdoms, auf. Die Vermutung Kirchgessners, es handle sich um die Vorlage für das Portal am Petersdom, wurde von den Sachverständigen der Vatikanischen Museen bestätigt, die sich sehr an diesem Werk interessiert zeigten.
Foto: Rüdiger Busch
Auch deshalb entschloss sich Kirchgessner zur Schenkung des Werks „Morte di Cristo – Tod Christi“, die nun vollzogen wurde. Im Rahmen eines Rom-Besuches hat er jüngst nach genauer Prüfung der Provenienz durch das Governatorat des Vatikanstaates das Aquarell als Geschenk den Vatikanischen Museen überlassen. Es ist nun Teil der 1973 gegründeten Abteilung für Gegenwartskunst. Bei der Übergabe sagte Vize-Direktor Prof. Spinola: „Dank großzügiger Wohltäter wie Sie, verehrter Monsignore, ist diese Sammlung entstanden und kann nun weiterwachsen.“
Neben Spinola nahmen weitere Mitarbeiter der Vatikanischen Museen das Kunstwerk mit großem Interesse in Augenschein und spendeten bei der Übergabe Beifall. Mit dabei waren Francesca Boschetti, Kuratorin der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, Dr. Rosalia Pagliarani, Leitung der Abteilung moderne und zeitgenössische Kunst, Dr. Chiara Foti, Leitung Inventar und verantwortlich für die Herausgabe der Kataloge der Vatikanischen Museen, sowie die beiden Restauratorinnen Dr. Alessandra Terrei und Dr. Serena Dominijanni.
Die Vatikanischen Museen sind eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. Sie umfassen über 70. 000 Exponate in den historischen Palästen des Vatikans. Der spektakuläre Rundgang führt durch antike Statuen, Meisterwerke der Renaissance und endet in der weltberühmten Sixtinischen Kapelle, wo Michelangelos atemberaubende Deckengemälde die Blicke auf sich ziehen. Pro Jahr zählen die Museen etwa 6 Millionen Besucher. Und die können sich künftig auch ein Werk anschauen, das zuvor in Dr. Bernhard Kirchgessners Wohnzimmer in Passau hing…
Text: Rüdiger Busch / PNP



