Am 9. März 2026 soll die Arbeit ruhen – zumindest die der Frauen. In Deutschland und weltweit ist ein großer Frauenstreik geplant. Was das bewirken kann, haben Isländerinnen 1975 gezeigt, als ihr Land faktisch zum Stillstand kam. Auch in der Region Passau hat sich eine Gruppe gegründet, die Frauenstreiks in Passau und Vilshofen plant. Tanja Kemper, Bildungsreferentin des KDFB-Diözesanverbands Passau, gehört zu den Initiatorinnen und stellt das Ziel des globalen Streiktags heraus: „Der Frauenstreik soll sichtbar machen, was gemeinhin als selbstverständlich betrachtet wird: die Arbeit von Frauen, ob bezahlt oder unbezahlt.“
Unter Federführung der Plattform „ENOUGH!“ soll mit dem Generalstreik ein vielstimmiger, kollektiver Aufschrei erfolgen, der deutlich macht, dass Frauen genug haben: „Genug von einem patriarchalen System, das auf Gewalt, Ausbeutung, Diskriminierung und Ungleichheit beruht. Weltweit werden Frauenrechte angegriffen. Wir akzeptieren nicht, dass Geld und Macht über dem Wohl von Menschen und dem Planeten stehen. Wir wollen Veränderung – vielfältig, solidarisch, gemeinsam“, so der offizielle Text der Plattform, den auch die Regionalgruppe übernommen hat. Frauenrechte mussten in der Vergangenheit immer hart erstritten werden, etwa von den „Suffragetten“, die Anfang des 20. Jahrhunderts für das Frauenstimmrecht kämpften. Die aktuelle weltpolitische Lage und die anhaltenden Ungerechtigkeiten machen es erforderlich, weiterhin lautstark für Frauenrechte einzustehen. Die Idee, dafür einen kollektiven Frauenstreiktag zu etablieren, wurde von vier Frauen im Mai 2025 geboren. Allein in Deutschland haben sich nach Angaben der Initiative inzwischen in 36 Regionen Gruppen gegründet, global sind es über 50. Gestreikt wird beispielsweise auch in New York, Buenos Aires und Lima. Das Datum ist kein Zufall. Mit dem Frauengeneralstreik wird bewusst der Internationale Frauentag am 8. März, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, verlängert. Die Formen des Protestes werden vielfältig sein und sollen an die jeweilige Lebensrealität angepasst werden. „Wir wünschen uns, dass die Frauen am 9. März bewusst sagen: ‚Es ist genug – ich mache heute nichts!‘ Jede streikt nach ihren Möglichkeiten. Das geht auch zu Hause, wenn beispielsweise morgens keine Brotzeit geschmiert oder am Abend kein Essen gekocht wird“, führt Kemper aus. Gleichzeitig wünschen sich die Mitglieder der Regionalgruppe eine rege Beteiligung an den beiden regionalen Protestaktionen.
Wichtig: Es handelt sich ausdrücklich nicht um Streiks im tarifrechtlichen Sinn. Wer teilnimmt, ist demnach nicht vom Streikrecht geschützt. Vielmehr nehmen sich die Frauen selbst frei. In Passau nimmt der Frauenstreik deshalb die Form einer verlängerten Mittagspause an. Er läuft von 12 bis 14 Uhr im Klostergarten. Zum Ausklang wird um 15:20 Uhr im Passauer Cineplex der Film über den bahnbrechenden isländischen Frauenstreik vor 50 Jahren „Ein Tag ohne Frauen“ gezeigt. In Vilshofen findet der Frauenstreik von 15 bis 17 Uhr am Stadtplatz statt. Die Teilnehmerinnen erwartet Musik, Tanz, Infos, freie Zeit zum Pause machen auf den Liegestühlen des KDFB mit der Aufschrift „Frau. Macht. Pause. Und die Welt steht still“, Picknick (bitte selbst mitbringen) und viel Frauensolidarität. Diese Solidarität soll auch in einer Mitmachtaktion sichtbar werden. Derzeit fragt die Regionalgruppe Politikerinnen aller demokratischen Parteien um ein kurzes Statement an. Jede Politikerin nennt ihr persönliches „Genug“. Auch alle Mitstreikerinnen können schließlich aufschreiben, wovon sie genug haben. „Das Miteinander verschiedenster Fraktionen, aber auch unterschiedlichster Frauen, soll zeigen: In Sachen Frauenrechte stehen wir zusammen“, so Kemper.
Text: KDFB


