Bistum

Gütig und von Herzen demütig

Tamina Friedl am 05.07.2026

Info Icon Foto: Tamina Friedl / pbp

Der letzte Sonntag im Rahmen der diesjährigen Maria-Hilf-Woche stand ganz im Zeichen derer, die Menschen mit Beeinträchtigung unterstützen und betreuen. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Caritas Passau sowie deren Vorstand um Andrea Anderlik und Stefan Seiderer feierte Bischof Stefan Oster im Passauer Stephansdom ein Pontifikalamt. Großer Dank galt all den „Herzensmenschen“, die immer wieder den Blick für das Wesentliche – den Menschen – bewahren. 

Über 100 Mit­ar­bei­ten­de betreu­en bei der Pas­sau­er Cari­tas an ver­schie­de­nen Stel­len Men­schen mit Beein­träch­ti­gung. Eine davon eröff­net den Got­tes­dienst und berich­tet gleich zu Beginn: Irgend­wie fehlt mir wer.“ Damit meint sie die­je­ni­gen, für die sie sonst da ist. Auto­ma­tisch habe sie den Dom auf die nächs­ten Aus­gän­ge und bar­rie­re­freie Toi­let­ten geprüft. Sie höre die vie­len geflüs­ter­ten Fra­gen, die sie beant­wor­ten wür­de, und ken­ne die Anzei­chen, wann sie den Got­tes­dienst gemein­sam ver­las­sen müss­ten. Heu­te bin ich ganz für mich da. Aber in Gedan­ken sind sie alle da.“ 

Zum Abschluss der Maria-Hilf-Woche ste­hen die Men­schen, die sowohl pri­vat als auch beruf­lich für Men­schen mit Beein­träch­ti­gung da sind, im Mit­tel­punkt, so anschlie­ßend Bischof Ste­fan Oster. Mit ihnen aber auch die betreu­ten Men­schen selbst. In sei­ner Pre­digt zitiert der Bischof eine Stel­le aus dem Tages­evan­ge­li­um: Denn ich bin gütig und von Her­zen demü­tig.“ Die­se Demut sei zugleich Vor­aus­set­zung und Her­aus­for­de­rung in die­sem Dienst. In einer ver­gan­ge­nen Pre­digt habe er vom her­un­ter­ge­kom­me­nen Gott“ gespro­chen und wur­de gefragt, ob das nicht Got­tes­läs­te­rung sei. Dabei habe er den Begriff in sei­ner Dop­pel­deu­tig­keit ver­wen­det. Wenn wir den Dienst in den Blick neh­men, den Men­schen tun, die mit Men­schen mit Beein­träch­ti­gung unter­wegs sind, dann müs­sen auch sie not­wen­dig immer im mehr­fa­chen Sinn her­un­ter­kom­men“, so Bischof Oster.

Wenn Sie fra­gen, was der Herr von uns erwar­tet, ist es genau das. Die­se Art von Güte und Demut, die wir ein­üben sollen.”

Bischof Stefan Oster

Das Wir­ken Got­tes in der Welt sei, dass er sich radi­kal mit uns soli­da­ri­sie­re und auf unse­re Ebe­ne und dar­un­ter her­ab­stei­ge. In der Arbeit mit Men­schen müs­se eben­falls etwas in uns her­un­ter­kom­men, wenn wir jeman­den wirk­lich ver­ste­hen und erken­nen wol­len, ihn von Herz zu Herz berüh­ren wol­len. Man müs­se sich öff­nen gegen­über dem ande­ren und ihn mög­lichst vor­ur­teils­frei auf sich zukom­men las­sen. Der demü­ti­ge Die­ner des ande­ren lernt auf die­se Wei­se, auch bei beein­träch­tig­ten Men­schen die Zei­chen des sich Äußerns zu ver­ste­hen und zu deu­ten“, so Bischof Oster. Indem man her­un­ter­kom­me, hel­fe man schließ­lich auch dem Gegen­über, sich zu zei­gen und zu äußern. Und man ler­ne, den ande­ren gern zu haben und zu spü­ren, was er sagen will und meint. Wenn Sie fra­gen, was der Herr von uns erwar­tet, ist es genau das. Die­se Art von Güte und Demut, die wir ein­üben sollen.“

Die Predigt von Bischof Stefan Oster zum Nachhören:

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Die Arbeit mit Men­schen for­de­re oft her­aus, for­de­re oft gren­zen­lo­se Geduld, sei müh­se­lig und belas­tend, so Bischof Oster. Hier sage der Herr: Da bin ich die Res­sour­ce. Ich bin der, zu dem ihr kom­men könnt. Weil das, was ihr zu tra­gen habt, tra­ge ich alles mit.“ Papst Fran­zis­kus habe ein­mal gesagt, es sei eine Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­ti­on eines Pries­ters, zu ler­nen, wie man aus­ruht beim Herrn. Aufs Gan­ze gese­hen sei die­ses Her­un­ter­kom­men und Aus­ru­hen beim Herrn das, was inner­lich froh macht. Das gel­te nicht nur für Pries­ter. Abschlie­ßend betont Bischof Ste­fan Oster, er besu­che die Ein­rich­tun­gen der Cari­tas so gern, weil dort immer Her­zens­men­schen“ arbei­ten, die sagen kön­nen: Wir ver­dan­ken gera­de den Men­schen mit Beein­träch­ti­gung unse­re Fähig­keit, unser Herz zu öff­nen. Ich möch­te heu­te aus­drück­lich allen dan­ken, die die­sen Dienst tun – ob beruf­lich oder pri­vat. Und ich möch­te Sie ein­la­den, von Her­zen das Ange­bot Got­tes anzu­neh­men. Las­sen Sie ihn Ihre Res­sour­ce sein und üben sie ein, aus­zu­ru­hen bei ihm.“

Mit einem Dank­ge­bet dank­te Vor­stand Andrea Ander­lik stell­ver­tre­tend für den Cari­tas­ver­band Pas­sau all den Men­schen in den ver­schie­de­nen Berei­chen von Werk­stät­ten über Wohn­hei­me bis hin zu den Schu­len und ande­ren Ein­rich­tun­gen für ihren täg­li­chen Dienst für Men­schen mit Beein­träch­ti­gung. Sie sei­en es, die im hek­ti­schen All­tag auch die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen immer wie­der auf das Wesent­li­che besin­nen: Auf die Menschen. 

Die musi­ka­li­sche Gestal­tung des Got­tes­diensts über­nah­men die Diö­ze­san­blä­ser unter der Lei­tung von Orga­nist Maxi­mi­li­an Jäger. 

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