Foto: Tamina Friedl / pbp
Der letzte Sonntag im Rahmen der diesjährigen Maria-Hilf-Woche stand ganz im Zeichen derer, die Menschen mit Beeinträchtigung unterstützen und betreuen. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Caritas Passau sowie deren Vorstand um Andrea Anderlik und Stefan Seiderer feierte Bischof Stefan Oster im Passauer Stephansdom ein Pontifikalamt. Großer Dank galt all den „Herzensmenschen“, die immer wieder den Blick für das Wesentliche – den Menschen – bewahren.
Über 100 Mitarbeitende betreuen bei der Passauer Caritas an verschiedenen Stellen Menschen mit Beeinträchtigung. Eine davon eröffnet den Gottesdienst und berichtet gleich zu Beginn: „Irgendwie fehlt mir wer.“ Damit meint sie diejenigen, für die sie sonst da ist. Automatisch habe sie den Dom auf die nächsten Ausgänge und barrierefreie Toiletten geprüft. Sie höre die vielen geflüsterten Fragen, die sie beantworten würde, und kenne die Anzeichen, wann sie den Gottesdienst gemeinsam verlassen müssten. „Heute bin ich ganz für mich da. Aber in Gedanken sind sie alle da.“
Zum Abschluss der Maria-Hilf-Woche stehen die Menschen, die sowohl privat als auch beruflich für Menschen mit Beeinträchtigung da sind, im Mittelpunkt, so anschließend Bischof Stefan Oster. Mit ihnen aber auch die betreuten Menschen selbst. In seiner Predigt zitiert der Bischof eine Stelle aus dem Tagesevangelium: „Denn ich bin gütig und von Herzen demütig.“ Diese Demut sei zugleich Voraussetzung und Herausforderung in diesem Dienst. In einer vergangenen Predigt habe er vom „heruntergekommenen Gott“ gesprochen und wurde gefragt, ob das nicht Gotteslästerung sei. Dabei habe er den Begriff in seiner Doppeldeutigkeit verwendet. „Wenn wir den Dienst in den Blick nehmen, den Menschen tun, die mit Menschen mit Beeinträchtigung unterwegs sind, dann müssen auch sie notwendig immer im mehrfachen Sinn herunterkommen“, so Bischof Oster.
„Wenn Sie fragen, was der Herr von uns erwartet, ist es genau das. Diese Art von Güte und Demut, die wir einüben sollen.”
Das Wirken Gottes in der Welt sei, dass er sich radikal mit uns solidarisiere und auf unsere Ebene und darunter herabsteige. In der Arbeit mit Menschen müsse ebenfalls etwas in uns herunterkommen, wenn wir jemanden wirklich verstehen und erkennen wollen, ihn von Herz zu Herz berühren wollen. Man müsse sich öffnen gegenüber dem anderen und ihn möglichst vorurteilsfrei auf sich zukommen lassen. „Der demütige Diener des anderen lernt auf diese Weise, auch bei beeinträchtigten Menschen die Zeichen des sich Äußerns zu verstehen und zu deuten“, so Bischof Oster. Indem man herunterkomme, helfe man schließlich auch dem Gegenüber, sich zu zeigen und zu äußern. Und man lerne, den anderen gern zu haben und zu spüren, was er sagen will und meint. „Wenn Sie fragen, was der Herr von uns erwartet, ist es genau das. Diese Art von Güte und Demut, die wir einüben sollen.“
Die Predigt von Bischof Stefan Oster zum Nachhören:
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Die Arbeit mit Menschen fordere oft heraus, fordere oft grenzenlose Geduld, sei mühselig und belastend, so Bischof Oster. Hier sage der Herr: „Da bin ich die Ressource. Ich bin der, zu dem ihr kommen könnt. Weil das, was ihr zu tragen habt, trage ich alles mit.“ Papst Franziskus habe einmal gesagt, es sei eine Schlüsselqualifikation eines Priesters, zu lernen, wie man ausruht beim Herrn. Aufs Ganze gesehen sei dieses Herunterkommen und Ausruhen beim Herrn das, was innerlich froh macht. Das gelte nicht nur für Priester. Abschließend betont Bischof Stefan Oster, er besuche die Einrichtungen der Caritas so gern, weil dort immer „Herzensmenschen“ arbeiten, die sagen können: Wir verdanken gerade den Menschen mit Beeinträchtigung unsere Fähigkeit, unser Herz zu öffnen. „Ich möchte heute ausdrücklich allen danken, die diesen Dienst tun – ob beruflich oder privat. Und ich möchte Sie einladen, von Herzen das Angebot Gottes anzunehmen. Lassen Sie ihn Ihre Ressource sein und üben sie ein, auszuruhen bei ihm.“
Mit einem Dankgebet dankte Vorstand Andrea Anderlik stellvertretend für den Caritasverband Passau all den Menschen in den verschiedenen Bereichen von Werkstätten über Wohnheime bis hin zu den Schulen und anderen Einrichtungen für ihren täglichen Dienst für Menschen mit Beeinträchtigung. Sie seien es, die im hektischen Alltag auch die Kolleginnen und Kollegen immer wieder auf das Wesentliche besinnen: Auf die Menschen.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdiensts übernahmen die Diözesanbläser unter der Leitung von Organist Maximilian Jäger.



