Soziales

Ein Blick hinter die Kulissen

Redaktion am 05.12.2025

Info Icon Foto: Malteser
Dienststellenleiter Gerhard Reichenauer (v.r.) mit drei der fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sozialen Hintergrunddienst: Andreas Grätz, Ramona Gössel und Florian Hinterschwepfinger.

Der Hausnotruf gibt Sicherheit rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Die Malteser bieten dazu weitere Leistungen an, wie etwa einen mit dem Hausnotruf-Gerät kombinierten Rauchmelder. Oder den Sozialen Hintergrunddienst, kurz SHGD. Seit dem 1. Juli 2025 gibt es diesen auch im Landkreis Altötting. Hier ein Blick hinter die Kulissen, der Vorbehalte und Ängste abbauen soll.

SHGD – vier Buch­sta­ben, hin­ter denen sich viel ver­birgt. Hier wur­den schon Leben geret­tet. Meist aber wer­den die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter zu weni­ger spek­ta­ku­lä­ren Hil­fe­leis­tun­gen geru­fen. Hin­ter dem SHGD ste­hen Men­schen mit einer sozia­len Ein­stel­lung, die in die­ser Auf­ga­be viel mehr als nur einen Job sehen.

Der Haus­not­ruf an sich ist schon eine segens­rei­che Ein­rich­tung. Gibt er doch auf Knopf­druck Sicher­heit rund um die Uhr. Doch der SHGD bie­tet noch viel mehr. Denn dazu braucht es kei­ne Ange­hö­ri­gen oder Nach­barn in der Nähe, wenn der Not­ruf­knopf gedrückt wur­de. Er hilft auch dann, wenn die Ange­hö­ri­gen nicht erreich­bar oder im Urlaub sind. Im Fall eines Not­ru­fes wird von der Not­ruf­zen­tra­le der Mal­te­ser der geschul­te Mit­ar­bei­ter des SHGD ver­stän­digt, der einen Schlüs­sel zur Woh­nung hat. Er kann Ers­te Hil­fe leis­ten und ent­schei­det, ob wei­te­re Maß­nah­men erfor­der­lich sind, wie etwa die Alar­mie­rung des Rettungsdienstes.

An der Dienst­stel­le Alt­öt­ting ist Dienst­stel­len­lei­ter Ger­hard Rei­chen­au­er auch für den Haus­not­ruf und damit für den SHGD ver­ant­wort­lich. 13 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sind dort beschäf­tigt, fünf im SHGD. Das Ein­zugs­ge­biet umfasst den gan­zen Land­kreis von Gar­ching bis nach Pleiskirchen.

Ger­hard Rei­chen­au­er zeigt auf, wel­che Vor­aus­set­zun­gen es für eine Mit­ar­beit im SHGD gibt: Dazu gehö­ren eine sozia­le und posi­ti­ve Grund­ein­stel­lung zu ande­ren Men­schen, gute Ner­ven, wenn man um 3.00 Uhr in der Früh zu einem Fehl­alarm aus­rü­cken muss. Und man braucht Zeit, weil die 24-Stun­den-Bereit­schafts­diens­te nach Mög­lich­keit immer über drei oder vier Tage gehen.“ Er betont, dass dies auf alle Fäl­le eine sinn­stif­ten­de Tätig­keit sei. Und: Wir sind ein gutes Team, wir mögen uns und arbei­ten gut zusam­men. Und wir kön­nen über alles mit­ein­an­der reden.“ Der Umgang unter­ein­an­der ist sehr wert­schät­zend“, bestä­tigt die SHGD-Mit­ar­bei­te­rin Ramo­na Gös­sel. Ihr Kol­le­ge Andre­as Grätz ergänzt: So sehe ich das auch. Und auch die Über­ga­ben und Abspra­chen funk­tio­nie­ren sehr gut.“

Der Dienst­stel­len­lei­ter erklärt, wie ein Not­ruf abläuft: Unse­re Zen­tra­le setzt sich über das Haus­not­ruf-Gerät oder per Tele­fon mit dem Teil­neh­mer in Ver­bin­dung und ver­sucht zu klä­ren, was los ist. Denn oft­mals kom­men die Teil­neh­mer ver­se­hent­lich auf den Knopf oder es geht um Klei­nig­kei­ten, die man schnell regeln kann.“ Wenn jemand tat­säch­lich Hil­fe im häus­li­chen Bereich braucht, kom­me der SHGD. Nie­mand braucht Angst zu haben, dass gleich der Ret­tungs­dienst kommt, wenn man den Not­ruf aus­löst“, beru­higt Ger­hard Rei­chen­au­er. Denn vie­le, die den Not­ruf bräuch­ten, hät­ten beden­ken, dass dies der Fall ist. Was wer­den die Nach­barn sagen, wenn der Ret­tungs­wa­gen vor dem Haus steht“, sei eine oft geäu­ßer­te Befürch­tung. Das pas­siert bei uns nicht“, ver­spricht Ger­hard Rei­chen­au­er. Denn die Mit­ar­bei­ter des SHGD kom­men zwar zuver­läs­sig, aber auch unauffällig.

Fast 3.000 Teil­neh­mer ver­trau­en in der Diö­ze­se Pas­sau auf den Haus­not­ruf der Mal­te­ser, im Bereich Alt­öt­ting sind es mehr als 200. Rund 50 davon neh­men auch die Vor­tei­le und die zusätz­li­che Sicher­heit des SHGD in Anspruch. Wei­te­re Teil­neh­mer sind natür­lich herz­lich will­kom­men. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wer­den inten­siv auf ihre Auf­ga­ben vor­be­rei­tet, unter ande­rem mit einem Ers­te-Hil­fe-Kurs, einer Fah­rer­schu­lung sowie Online-Semi­na­ren. Sie alle haben eines gemein­sam: Die sozia­le Ein­stel­lung und dass sie hel­fen wollen.

Zum Team gehört auch Flo­ri­an Hin­ter­schwep­fin­ger. Er berich­tet, wie er zu sei­ner Auf­ga­be kam: Auf­merk­sam auf die Mal­te­ser und deren Ange­bo­te wur­de ich mehr oder weni­ger zufäl­lig, weil mei­ne Frau und ich im Vor­feld einen Ers­te-Hil­fe- Auf­fri­schungs­kurs bei Ger­hard Rei­chen­au­er absol­vier­ten.“ Und er erklärt, was für ihn die Mit­ar­beit im SHGD aus­macht: Beson­ders reiz­voll für mich ist die Fle­xi­bi­li­tät der Bereit­schafts­diens­te, sodass die Tätig­keit per­fekt ver­ein­bar mit mei­nem Haupt­be­ruf als Lei­ter der Amts­ver­wal­tung am Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten ist. Auch kann ich hier ein­fach etwas Gutes tun — ich hel­fe Men­schen und leis­te so einen wert­vol­len Bei­trag für die Gesellschaft.“

Er ist von Anfang an dabei, also seit dem 1. Juli, und hat­te schon eini­ge Ein­sät­ze: Dabei han­del­te es sich vor­wie­gend um Stür­ze. Ent­we­der, weil Ange­hö­ri­ge allein nicht in der Lage waren, die Teil­neh­mer wie­der auf­zu­rich­ten oder wenn allein­ste­hen­de Teil­neh­mer zu schwach sind, um sich selbst auf­zu­rich­ten. Im Übri­gen waren mei­ne Ein­sät­ze so akut, dass der Ret­tungs­dienst geru­fen wer­den muss­te. Mei­ne Hil­fe war für die Erst­ein­schät­zung von gro­ßer Bedeu­tung“, berich­tet er.

Ramo­na Gössl ist eben­falls eine Mit­ar­bei­te­rin der ers­ten Stun­de des SHGD in Alt­öt­ting. Sie erklärt: Ich bin gelern­te Sozi­al­be­treue­rin, war in einem Behin­der­ten­heim und als Schul­be­glei­tung tätig und habe eine Beschäf­ti­gung im sozia­len Bereich gesucht. Die Stel­len­an­zei­ge der Mal­te­ser habe ich eine gute Sache gefun­den und mich dann beworben.“

Auch sie hat­te schon eini­ge Ein­sät­ze, bis­her aus­schließ­lich Fehl­alar­me. Wie kann es zu sol­chen kom­men, wo doch im Vor­feld die Zen­tra­le alar­miert und eine Sprech­ver­bin­dung auf­ge­baut wird? Die­se Sprech­ver­bin­dung ist nicht immer mög­lich. Etwa, wenn die Teil­neh­mer nach dem Not­ruf das Haus ver­las­sen oder in den Kel­ler gehen und dann den Kol­le­gen nicht hören kön­nen“, erklärt Ramo­na Gössl. Da bin ich dann raus­ge­fah­ren, um nach dem Rech­ten zu schau­en.“ Die Reak­tio­nen, wenn sie dann plötz­lich in der Woh­nung stand, sei­en sehr posi­tiv gewe­sen, sagt sie: Die Teil­neh­mer haben gese­hen, dass sie sich auf uns ver­las­sen kön­nen und wir uns dar­um küm­mern, wenn ein Not­ruf ein­geht. Ich hat­te immer das Gefühl, dass sie sich dann noch siche­rer fühlten.“

Andre­as Grätz ist seit 1. August im SHGD tätig. Im Haupt­be­ruf arbei­tet er auch bei den Mal­te­sern, und zwar als Ers­te-Hil­fe-Aus­bil­der. So habe er mit Ger­hard Rei­chen­au­er gespro­chen. Ich woll­te einen prak­ti­schen Bezug zu mei­nem Haupt­job, woll­te sehen, wie Hil­fe­leis­tun­gen in der Pra­xis funk­tio­nie­ren“, erklärt er. Er sei ein Quer­ein­stei­ger“, denn vor­her war er Schicht­meis­ter in der Chemieindustrie.

Auch er hat­te schon eini­ge Fehl­alar­me. Doch es gab auch schon Not­ru­fe, wo sei­ne Hil­fe drin­gend gebraucht wur­de. Ein Teil­neh­mer war hin­ge­fal­len und konn­te allein nicht mehr auf­ste­hen“, berich­tet er. Oder: Bei einem ande­ren Not­ruf brauch­ten wir den Ret­tungs­dienst. Der Teil­neh­mer war im Gar­ten hin­ge­fal­len, hat­te sich am Fuß ver­letzt.“ Sol­che Ein­sät­ze sind für Andre­as Grätz sehr emo­tio­nal: Wenn man die Dank­bar­keit in den Augen sieht, wenn man ihnen hel­fen kann, das ist ein Wahn­sinn. Das macht es für mich auch aus. Das gan­ze Sys­tem fin­de ich sehr gut, weil älte­ren Men­schen die Selb­stän­dig­keit erhal­ten bleibt. Mei­ne Erwar­tun­gen an die­se Auf­ga­be wur­den voll und ganz erfüllt. Ich bin immer auf Span­nung, wenn ich Bereit­schafts­dienst habe. Denn es kann jeder­zeit etwas passieren.“

Ger­hard Rei­chen­au­er räumt mit mög­li­chen Beden­ken auf, was die Alar­mie­rung betrifft: Die Leu­te machen sich immer wie­der Sor­gen, wenn es Fehl­alar­me gibt. Wir kön­nen sie beru­hi­gen. Das ist für uns kein Pro­blem. Dafür sind wir da. Ein­sät­ze bei Fehl­alar­men ver­ur­sa­chen kei­ne Zusatz­kos­ten, eben­so wie die Ein­sät­ze bei ech­ten Not­si­tua­tio­nen. Und ab dem Pfle­ge­grad 1 über­nimmt die Pfle­ge­kas­se annä­hernd die Hälf­te der Kos­ten für den SHGD.“

Text: Ros­ma­rie Friedsam

Gerne geben die Malteser in Altötting weitere Informationen zum Hausnotruf und zum Sozialen Hintergrunddienst:

Telefon:

08671/9262365

E-Mail:

hausnotruf.altoetting@malteser.org

Adresse:

Altötting, Bahnhofstr. 39

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag von 9.00 bis 12.30 Uhr oder nach Vereinbarung

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