Foto: Malteser
Der Hausnotruf gibt Sicherheit rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Die Malteser bieten dazu weitere Leistungen an, wie etwa einen mit dem Hausnotruf-Gerät kombinierten Rauchmelder. Oder den Sozialen Hintergrunddienst, kurz SHGD. Seit dem 1. Juli 2025 gibt es diesen auch im Landkreis Altötting. Hier ein Blick hinter die Kulissen, der Vorbehalte und Ängste abbauen soll.
SHGD – vier Buchstaben, hinter denen sich viel verbirgt. Hier wurden schon Leben gerettet. Meist aber werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu weniger spektakulären Hilfeleistungen gerufen. Hinter dem SHGD stehen Menschen mit einer sozialen Einstellung, die in dieser Aufgabe viel mehr als nur einen Job sehen.
Der Hausnotruf an sich ist schon eine segensreiche Einrichtung. Gibt er doch auf Knopfdruck Sicherheit rund um die Uhr. Doch der SHGD bietet noch viel mehr. Denn dazu braucht es keine Angehörigen oder Nachbarn in der Nähe, wenn der Notrufknopf gedrückt wurde. Er hilft auch dann, wenn die Angehörigen nicht erreichbar oder im Urlaub sind. Im Fall eines Notrufes wird von der Notrufzentrale der Malteser der geschulte Mitarbeiter des SHGD verständigt, der einen Schlüssel zur Wohnung hat. Er kann Erste Hilfe leisten und entscheidet, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind, wie etwa die Alarmierung des Rettungsdienstes.
An der Dienststelle Altötting ist Dienststellenleiter Gerhard Reichenauer auch für den Hausnotruf und damit für den SHGD verantwortlich. 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort beschäftigt, fünf im SHGD. Das Einzugsgebiet umfasst den ganzen Landkreis von Garching bis nach Pleiskirchen.
Gerhard Reichenauer zeigt auf, welche Voraussetzungen es für eine Mitarbeit im SHGD gibt: „Dazu gehören eine soziale und positive Grundeinstellung zu anderen Menschen, gute Nerven, wenn man um 3.00 Uhr in der Früh zu einem Fehlalarm ausrücken muss. Und man braucht Zeit, weil die 24-Stunden-Bereitschaftsdienste nach Möglichkeit immer über drei oder vier Tage gehen.“ Er betont, dass dies auf alle Fälle eine sinnstiftende Tätigkeit sei. Und: „Wir sind ein gutes Team, wir mögen uns und arbeiten gut zusammen. Und wir können über alles miteinander reden.“ „Der Umgang untereinander ist sehr wertschätzend“, bestätigt die SHGD-Mitarbeiterin Ramona Gössel. Ihr Kollege Andreas Grätz ergänzt: „So sehe ich das auch. Und auch die Übergaben und Absprachen funktionieren sehr gut.“
Der Dienststellenleiter erklärt, wie ein Notruf abläuft: „Unsere Zentrale setzt sich über das Hausnotruf-Gerät oder per Telefon mit dem Teilnehmer in Verbindung und versucht zu klären, was los ist. Denn oftmals kommen die Teilnehmer versehentlich auf den Knopf oder es geht um Kleinigkeiten, die man schnell regeln kann.“ Wenn jemand tatsächlich Hilfe im häuslichen Bereich braucht, komme der SHGD. „Niemand braucht Angst zu haben, dass gleich der Rettungsdienst kommt, wenn man den Notruf auslöst“, beruhigt Gerhard Reichenauer. Denn viele, die den Notruf bräuchten, hätten bedenken, dass dies der Fall ist. „Was werden die Nachbarn sagen, wenn der Rettungswagen vor dem Haus steht“, sei eine oft geäußerte Befürchtung. „Das passiert bei uns nicht“, verspricht Gerhard Reichenauer. Denn die Mitarbeiter des SHGD kommen zwar zuverlässig, aber auch unauffällig.
Fast 3.000 Teilnehmer vertrauen in der Diözese Passau auf den Hausnotruf der Malteser, im Bereich Altötting sind es mehr als 200. Rund 50 davon nehmen auch die Vorteile und die zusätzliche Sicherheit des SHGD in Anspruch. Weitere Teilnehmer sind natürlich herzlich willkommen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden intensiv auf ihre Aufgaben vorbereitet, unter anderem mit einem Erste-Hilfe-Kurs, einer Fahrerschulung sowie Online-Seminaren. Sie alle haben eines gemeinsam: Die soziale Einstellung und dass sie helfen wollen.
Zum Team gehört auch Florian Hinterschwepfinger. Er berichtet, wie er zu seiner Aufgabe kam: „Aufmerksam auf die Malteser und deren Angebote wurde ich mehr oder weniger zufällig, weil meine Frau und ich im Vorfeld einen Erste-Hilfe- Auffrischungskurs bei Gerhard Reichenauer absolvierten.“ Und er erklärt, was für ihn die Mitarbeit im SHGD ausmacht: „Besonders reizvoll für mich ist die Flexibilität der Bereitschaftsdienste, sodass die Tätigkeit perfekt vereinbar mit meinem Hauptberuf als Leiter der Amtsverwaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist. Auch kann ich hier einfach etwas Gutes tun — ich helfe Menschen und leiste so einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft.“
Er ist von Anfang an dabei, also seit dem 1. Juli, und hatte schon einige Einsätze: „Dabei handelte es sich vorwiegend um Stürze. Entweder, weil Angehörige allein nicht in der Lage waren, die Teilnehmer wieder aufzurichten oder wenn alleinstehende Teilnehmer zu schwach sind, um sich selbst aufzurichten. Im Übrigen waren meine Einsätze so akut, dass der Rettungsdienst gerufen werden musste. Meine Hilfe war für die Ersteinschätzung von großer Bedeutung“, berichtet er.
Ramona Gössl ist ebenfalls eine Mitarbeiterin der ersten Stunde des SHGD in Altötting. Sie erklärt: „Ich bin gelernte Sozialbetreuerin, war in einem Behindertenheim und als Schulbegleitung tätig und habe eine Beschäftigung im sozialen Bereich gesucht. Die Stellenanzeige der Malteser habe ich eine gute Sache gefunden und mich dann beworben.“
Auch sie hatte schon einige Einsätze, bisher ausschließlich Fehlalarme. Wie kann es zu solchen kommen, wo doch im Vorfeld die Zentrale alarmiert und eine Sprechverbindung aufgebaut wird? „Diese Sprechverbindung ist nicht immer möglich. Etwa, wenn die Teilnehmer nach dem Notruf das Haus verlassen oder in den Keller gehen und dann den Kollegen nicht hören können“, erklärt Ramona Gössl. „Da bin ich dann rausgefahren, um nach dem Rechten zu schauen.“ Die Reaktionen, wenn sie dann plötzlich in der Wohnung stand, seien sehr positiv gewesen, sagt sie: „Die Teilnehmer haben gesehen, dass sie sich auf uns verlassen können und wir uns darum kümmern, wenn ein Notruf eingeht. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie sich dann noch sicherer fühlten.“
Andreas Grätz ist seit 1. August im SHGD tätig. Im Hauptberuf arbeitet er auch bei den Maltesern, und zwar als Erste-Hilfe-Ausbilder. So habe er mit Gerhard Reichenauer gesprochen. „Ich wollte einen praktischen Bezug zu meinem Hauptjob, wollte sehen, wie Hilfeleistungen in der Praxis funktionieren“, erklärt er. Er sei ein „Quereinsteiger“, denn vorher war er Schichtmeister in der Chemieindustrie.
Auch er hatte schon einige Fehlalarme. Doch es gab auch schon Notrufe, wo seine Hilfe dringend gebraucht wurde. „Ein Teilnehmer war hingefallen und konnte allein nicht mehr aufstehen“, berichtet er. Oder: „Bei einem anderen Notruf brauchten wir den Rettungsdienst. Der Teilnehmer war im Garten hingefallen, hatte sich am Fuß verletzt.“ Solche Einsätze sind für Andreas Grätz sehr emotional: „Wenn man die Dankbarkeit in den Augen sieht, wenn man ihnen helfen kann, das ist ein Wahnsinn. Das macht es für mich auch aus. Das ganze System finde ich sehr gut, weil älteren Menschen die Selbständigkeit erhalten bleibt. Meine Erwartungen an diese Aufgabe wurden voll und ganz erfüllt. Ich bin immer auf Spannung, wenn ich Bereitschaftsdienst habe. Denn es kann jederzeit etwas passieren.“
Gerhard Reichenauer räumt mit möglichen Bedenken auf, was die Alarmierung betrifft: „Die Leute machen sich immer wieder Sorgen, wenn es Fehlalarme gibt. Wir können sie beruhigen. Das ist für uns kein Problem. Dafür sind wir da. Einsätze bei Fehlalarmen verursachen keine Zusatzkosten, ebenso wie die Einsätze bei echten Notsituationen. Und ab dem Pflegegrad 1 übernimmt die Pflegekasse annähernd die Hälfte der Kosten für den SHGD.“
Text: Rosmarie Friedsam
Gerne geben die Malteser in Altötting weitere Informationen zum Hausnotruf und zum Sozialen Hintergrunddienst:
- Telefon:
-
08671/9262365
- E-Mail:
-
hausnotruf.altoetting@malteser.org
- Adresse:
-
Altötting, Bahnhofstr. 39
- Öffnungszeiten:
-
Montag bis Freitag von 9.00 bis 12.30 Uhr oder nach Vereinbarung



