Bistum

Ihr seid Diener der Freude

Redaktion am 01.07.2026

Info Icon Foto: Bayer / pbp

90 Jahre Passauer Bistumsblatt, die Vorstellung des neuen Synodalteams des Bistums Passau und der Segen für die neuen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden: Beim diesjährigen Hochfest des heiligen Valentin, Diözesanpatron des Bistums Passau, gab es viel zu feiern. Bischof Stefan Oster SDB hat den Pontifikalgottesdienst im Passauer Stephansdom am 1. Juli zelebriert, der im Rahmen der 11. Maria-Hilf-Woche stattfand.

Unse­re Kir­che von Pas­sau ist von außen mis­sio­niert wor­den, durch Men­schen wie den Hei­li­gen Valen­tin, der aus den heu­ti­gen Nie­der­lan­den kam und hier das Evan­ge­li­um ver­kün­de­te“, eröff­ne­te Bischof Ste­fan Oster sei­ne Pre­digt. Er stell­te den Gläu­bi­gen die Fra­ge: Was bedeu­tet heu­te Mis­si­on? Inner­halb der Kir­che sei das Wort eher nega­tiv bela­den. Nie­mand wol­le ger­ne mis­sio­niert werden.

Außer­halb der Kir­che sei gera­de das Gegen­teil der Fall. Das eng­li­sche Wort mis­si­on“ ist bei Fir­men sehr beliebt. Sie for­mu­lie­ren mis­si­on claims“, um ihre Pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen bes­ser zu anzu­prei­sen und moti­vie­ren­de State­ments zu for­mu­lie­ren. Ande­re Orga­ni­sa­tio­nen über­neh­men unse­ren Begriff und beset­zen ihn wie­der posi­tiv“, so der Bischof.

Er erzähl­te in sei­ner Pre­digt von einem eng­li­schen Sozi­al­psy­cho­lo­gen, der ein sehr mar­kan­tes Expe­ri­ment in den 80er-Jah­ren durch­ge­führt hat­te. Etwa 50 Frau­en und Män­ner wur­den in einem spie­gel­lo­sen Raum ver­sam­melt. In dem Expe­ri­ment ging es ver­meint­lich dar­um, wie Men­schen auf ande­re Men­schen reagie­ren, die ent­stellt sind. Visa­gis­ten sorg­ten für Nar­ben quer über das Gesicht der Teil­neh­men­den, danach soll­ten die­se hin­aus­ge­hen und ande­ren Men­schen begegnen.

Die Erfah­rung war, dass die Mehr­heit sich ange­starrt gefühlt habe, dass sie Vor­ur­tei­len begeg­net sei­en und dass sie sich her­ab­ge­wür­digt fühl­ten, so der Bischof. Das inter­es­san­te an dem Expe­ri­ment ist aber, dass die Men­schen sich vor dem Hin­aus­ge­hen im Spie­gel betrach­tet haben. Vor dem Hin­aus­ge­hen haben die Visa­gis­ten unter dem Vor­wand, dass sie noch etwas kor­ri­gie­ren möch­ten, allen die Nar­ben wie­der weg­ge­macht“, so der Bischof. Den­noch fühl­ten sie sich ohne Nar­ben ange­starrt und nega­tiv beurteilt. 

Hier können Sie sich die Predigt ansehen:

Ihnen entgeht ein toller Beitrag!

Ohne die Ver­wen­dung von Coo­kies kann die­ser Bei­trag nicht ange­zeigt wer­den. Coo­kies sind klei­ne Datei­en, die von Ihrem Web­brow­ser gespei­chert wer­den, um Ihnen ein opti­ma­les Erleb­nis auf die­ser Web­site zu bieten.

Mission statt Menschenfurcht

Wie ist das jetzt mit uns als Ange­hö­ri­ge der Kir­che“, frag­te der Bischof die Gläu­bi­gen. Bei­na­he jeden Tag lese man etwas Nega­ti­ves über die Kir­che und man füh­le sich von vor­ne­her­ein komisch beur­teilt. Der oder die ist von der Kir­che? Der oder die ist jetzt sogar Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­de oder Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­der? Um Got­tes Wil­len“, beschreibt der Bischof eine mög­li­che Reak­ti­on. Da geht man gewis­ser­ma­ßen mit ver­narb­tem Gesicht hin­aus und denkt sich: was den­ken die ande­ren? Die star­ren mich an. Da geh ich doch lie­ber in Deckung.“ Es sei schon in der Anti­ke so gewesen.

Men­schen­furcht hin­de­re uns dar­an, frei­mü­tig und freu­dig von unse­rem Glau­ben zu erzäh­len. Der Bischof beton­te aber zugleich, dass ein jeder von uns sei­nen Glau­ben einer ande­ren Per­son ver­dan­ke, die die­sen Glau­ben über­zeu­gend vor­ge­lebt, ver­kün­det oder bezeugt hat.“ Wir haben den Glau­ben geschenkt bekom­men und es sei wich­tig, sich immer wie­der dar­an zu erin­nern. Der Glau­be ist ein Geschenk, das wir nicht aus uns selbst haben. Der Herr geht mit uns durch die Zeit. Er ist bei uns, was immer auch pas­sie­ren mag. In guten wie in schlech­ten Tagen. Davon kom­men auch der Trost, die Hoff­nung und die Freu­de“, so der Bischof. Es gibt eine Freu­de, die nicht aus uns selbst kommt, die uns geschenkt ist und die wir mit­ein­an­der tei­len können.“

Einer der schöns­ten Begrif­fe von Mis­si­on ist: Den ande­ren ein­zu­la­den in die Freu­de.“ Die Kir­che sei auch ein Club der Sün­der, den­noch ist sie dafür da, dass aus Sün­dern hof­fent­lich hei­li­ge­re und freu­di­ge­re Men­schen wer­den. Daher ist unser Dienst für die Welt: der Welt vor­zu­schla­gen, in die Freu­de zu fin­den. In den grö­ße­ren Sinn“, so der Bischof. Als Gefahr sehe der Bischof, dass wir ver­ges­sen, die­se Die­ner der Freu­de zu sein, dass wir selbst die Bezie­hung zu dem nicht pfle­gen, der uns die Freu­de schenkt. 

Der Bischof erzähl­te von sei­ner Rei­se nach Mala­wi, in eines der ärms­ten Län­der der Welt. Die Men­schen haben kei­ne Hoff­nung, was die Poli­tik und den Staat angeht. Aber sol­che Hoff­nung und Freu­de im Glau­ben“, so der Bischof tief beein­druckt. Wenn man mer­ke, dass einem die­se tie­fe geschenk­te Freu­de viel­leicht abhan­den­kommt, dann gehen wir mit IHM in die Stil­le oder wir suchen das Gespräch mit Men­schen bei denen wir spü­ren: der oder die hat die Freude.“

Diener der Freude

Die drei Grup­pen, die im Rah­men des Got­tes­diens­tes in beson­de­rer Wei­se gewür­digt wur­den, die die­nen dem Geheim­nis“, das die Freu­de bringt. Das Bis­tums­blatt berich­tet seit 90 Jah­ren über das gläu­bi­ge Leben in der Kir­che von Pas­sau. Sie tun es in span­nen­den Geschich­ten, in tief­grün­di­gen Arti­keln mit der Aus­le­gung des Evan­ge­li­ums oder wun­der­ba­ren Repor­ta­gen. Und sie stif­ten Ein­heit und Gemein­schaft“, so der Bischof.

Sei­nen gro­ßen Dank rich­te­te er auch an die noch frisch gewähl­ten Pfarr­ge­mein­de­rä­tin­nen und ‑räte und die Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­den. Wie schön ist das, dass Sie Kir­che von Pas­sau mit­ge­stal­ten!“. Und auch an das Syn­od­al­team rich­te­te Bischof Ste­fan direkt sein Wort. Syn­oda­li­tät heißt: mit­ein­an­der gehen in der Freu­de. Las­sen Sie uns das Mit­ein­an­der ein­üben lie­be Brü­der und Schwes­tern. Dan­ke für Ihren Dienst!“

Wolf­gang Krin­nin­ger, der Chef­re­dak­teur des Pas­sau­er Bis­tums­blat­tes erin­ner­te in einer kur­zen Anspra­che dar­an, dass die Kir­chen­zei­tung vor 90 Jah­ren in einer Zeit, die von Dun­kel­heit und Unsi­cher­heit geprägt war, nicht mit Jubel, son­dern mit einem stil­len Ver­spre­chen“ erschie­nen ist. Mit Blick auf die NS-Zeit war das Bis­tums­blatt eine Stim­me der Wahr­haf­tig­keit in einer Welt, die die Wahr­heit zu ersti­cken droh­te“, so Krinninger.

Heu­te sei die Welt schnel­ler, lau­ter und hek­ti­scher. Algo­rith­men befeu­ern Pola­ri­sie­rung und die Stim­me der Ver­nunft droht in der Flut der Mei­nun­gen unter­zu­ge­hen.“ Das Pas­sau­er Bis­tums­blatt wol­le auch künf­tig Hoff­nung wecken“, wie schon damals mit den ers­ten Aus­ga­ben in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus und auch heu­te in einer Zeit eines media­len Tohu­wa­bo­hu“, so vie­le Men­schen wie­der nach Wahr­haf­tig­keit und Ori­en­tie­rung suchen.

Der Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­de Mar­kus Biber gra­tu­lier­te noch­mals den vor weni­gen Mona­ten gewähl­ten neu­en Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­den. Damit ver­bun­den war vor allem auch sein Dank: Sie über­neh­men eine sehr wich­ti­ge Auf­ga­be in den nächs­ten Jah­ren. Im Bis­tum Pas­sau wer­den zum 1. Sep­tem­ber die Pas­to­ra­len Räu­me Rea­li­tät. Sie tra­gen gro­ße Ver­ant­wor­tung bei deren Gestal­tung“, beton­te Biber. Sie den­ken die­se Räu­me mit und sie wir­ken ent­schei­dend dar­auf ein, wie die­se Räu­me mit Leben gefüllt wer­den“. Die Zusam­men­ar­beit unter­ein­an­der lau­fe künf­tig nicht mehr nur über die Pfar­rei­ebe­ne, son­dern auf einer höhe­ren Ebe­ne“, so Biber weiter.

Er sprach den Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­den und auch dem neu gewähl­ten Syn­od­al­team sei­nen gro­ßen Dank für die­ses ehren­amt­li­che Enga­ge­ment aus, das in unse­rer Gesell­schaft immer wich­ti­ger wer­de. Es ist eine gro­ße Stär­ke unse­rer Räte- und Ver­bän­de­struk­tur, ver­schie­de­ne Posi­tio­nen zu dis­ku­tie­ren, zu ver­han­deln und um gemein­sa­me Zie­le zu rin­gen“, so Biber. Er stimm­te die Anwe­sen­den zugleich hoff­nungs­voll auf die Zukunft ein: Wenn Sie ide­al­ty­pisch wei­ter­ar­bei­ten, dann brau­chen Sie kei­ne Angst vor die­sen gro­ßen Ver­än­de­run­gen zu haben. Wir wer­den gemein­sam wei­ter, im Glau­ben wachsen.“

Musi­ka­lisch stim­mungs­voll gestal­tet wur­de der Fest­tag von den Diö­ze­san­blech­blä­sern unter der Lei­tung von Dom­kan­tor Maxi­mi­li­an Jäger, Dom­or­ga­nist Lud­wig Ruck­de­schel und Kan­to­rin Sophie Schach­ner. Im Anschluss an den Got­tes­dienst konn­ten sich die Got­tes­dienst­be­su­cher noch bei Geträn­ken und Gebäck unter­ein­an­der austauschen.

Video: Hin­ter­mayr
Text: Zier­in­ger
Fotos: Bay­er 

Weitere Nachrichten

Bischof
17.07.2026

Statement zur Leihmutterschaft: Bischof Stefan Oster bezieht Stellung

Das Thema Leihmutterschaft steht derzeit wieder im Fokus der öffentlichen Debatte. Aus diesem Anlass hat sich…

Das glauben wir
17.07.2026

Nicht nur schwarz oder weiß!

Die Predigt zum 19. Juli 2026 mit einem Impuls von Gemeindereferentin Jennifer Kinder, dass Gott uns nicht…

Bistum
15.07.2026

Selbsthilfegruppe: "Rebellen des Lebens"

Die „Rebellen des Lebens“ sind eine Selbsthilfegruppe für Menschen unter 65 Jahren, die selbst von einer…

Bischof
15.07.2026

Bischof Oster besucht Frauenhaus Passau

Ein Besuch, der bewegt hat: Bischof Stefan Oster informierte sich im Frauenhaus des SkF über die Situation…