Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Man hat oft die Wahl im Leben. Religion, Beruf, Familienform, Freizeitgestaltung. Vieles kann man selbst entscheiden. Beim Glauben ist das nicht anders. Man kann sich gegen Gott und damit für die Finsternis entscheiden. Oder aber man wählt den Weg mit Gott und erfährt sein Licht. Ein Impuls zum 4. Fastensonntag Laetare am 15. März 2026 von Domvikar Bernhard Kirchgessner.
Im Leben hat man oftmals die Wahl. Das beginnt schon in frühen Jahren, wenn man vor die Frage gestellt wird, welchen Schultypus man besuchen möchte und setzt sich dann bei der Berufswahl fort. Und schließlich kommen weitere existenzielle Fragen auf einen zu. Etwa, ob man eine Ehe, eine Partnerschaft eingehen oder Single bleiben möchte. Wo man sich einmal örtlich niederlassen möchte, was natürlich wieder mit der Berufswahl zusammenhängt. Heutzutage stellen sich Eltern die Frage, ob ihr Kind getauft werden soll oder nicht. Taufe bald nach der Geburt ist nicht mehr selbstverständlich. Die Eltern bzw. der nicht Getaufte haben die Wahl: Taufe ja oder nein?
Immerzu sind wir Menschen vor die Wahl gestellt und sollen uns entscheiden. Auch jetzt wieder, wo es nach den Kommunalwahlen des vergangenen Sonntags für eine ganze Reihe von Kandidaten in die Stichwahl geht. Da heißt es Augen auf, wo man sein Kreuzchen setzt. Vor einer Wahl ganz besonderer Art stellt der Apostel Paulus die frühe Christengemeinde in Ephesus, aber auch eine jede und einen jeden von uns, wenn er uns heute auffordert: „Wähle zwischen Licht und Finsternis!“ Und die Epheser wie uns fordert er dezidiert auf: „Lebt als Kinder des Lichtes!“ Wer unvoreingenommen in die Welt unserer Tage schaut, wer die Zeitung aufschlägt, Radio oder Fernsehen zu den Nachrichten aufdreht, der sieht, hört und liest, dass unsere Welt derzeit voller Finsternis ist. Ja, es scheint, als triumphiere die Finsternis geradezu über das Licht, das Böse über das Gute.
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Und darum ermutigt uns Paulus: „Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen. Deckt sie vielmehr auf!“ Die jüngste Aufdeckung der Epstein-Akten bestätigt, wie berechtigt des Paulus‘ Ermahnung ist. Was bis dato aufgedeckt wurde – Vieles ist ja noch in den Akten geschwärzt –, offenbart, dass im Epstein-Imperium Frauen als Ware im Selbstbedienungsladen von reichen, berühmten, berüchtigten und einflussreichen Männern, deren Testosteronspiegel außer Kontrolle geraten war, degradiert wurden. Und dahinter stand ein ganz raffinierter Strippenzieher, der wusste, dass Sex der Speck in der Mausefalle von Machtgier, Einfluss und Reichtum ist. Ein Speck, dem sich offensichtlich kaum einer damals verweigert hat. Und wieder ist es Paulus, der die passenden Worte hierzu findet: „Von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden, ist schändlich.“
Wir sind inzwischen weit in der Fastenzeit vorangeschritten. Eine Zeit, die uns eine einmalige Chance der Selbstreflexion anbietet bei der die Frage, auf welche Seite sich ein jeder von uns gestellt hat, im Mittelpunkt steht. Sollte man entdecken, bis dato mehr die Finsternis als das Licht gewählt zu haben, so böte sich nun die passende Gelegenheit, sich genau davon zu verabschieden. Wer bis jetzt im Halbdunkel dahindöste, dem ruf Paulus zu: „Wach auf, du Schläfer, steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein!“
Bernhard Kirchgessner
Leiter Spectrum Kirche Passau



