Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Was ist gerecht? „Dem allgemeinen Empfinden von Gerechtigkeit, Wertmaßstäben entsprechend“ lautet eine Definition. Gott aber setzt andere Maßstäbe. Er handelt nicht nur gerecht, sondern v.a. barmherzig. Wir sollten nicht neidisch auf das schauen, was andere haben, sondern wahrnehmen, was uns geschenkt ist. Ein Impuls zum 20. September 2026 von Pastoralreferentin Teresa Aigner.
Was ist gerecht? Eine schwierige Frage. Wenn ich nach einer Definition suche, finde ich z.B. „dem allgemeinen Empfinden von Gerechtigkeit, Wertmaßstäben entsprechend“. So steht es im Duden. Das allgemeine Empfinden ist aber auch etwas schwierig. Ist immer das gerecht, was die Allgemeinheit als gerecht ansieht? Wenn ich diese Maßstäbe an das Gleichnis im heutigen Evangelium ansetze, dann erscheint es mir erstmal als ungerecht. Die Frage, ob es für gleiche Arbeit gleichen Lohn geben sollte, wird wahrscheinlich jede und jeder mit „ja“ beantworten. Mein erster Gedanke ist also auch, warum bekommen die Arbeiter, die nur eine Stunde gearbeitet haben genauso viel wie die Arbeiter, die den ganzen Tag gearbeitet haben?
Aber: Ich merke, mit meinen Maßstäben komme ich hier nicht weiter. Also schaue ich mir das Gleichnis nochmal genauer an. Am Anfang heißt es: Mit dem Himmelreich ist es wie… Ein Hinweis darauf, dass Jesus uns etwas über Gott und über sein Reich erzählen will. Und in diesem Himmelreich gelten unsere Maßstäbe eben nicht mehr. Gott handelt anders. Das zeigt mir auch das Verhalten des Gutsbesitzers. Er gibt jedem genauso viel, wie er zum Leben braucht. Und, er freut sich über jeden, der noch zu ihm in den Weinberg kommt.
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Der Gutsbesitzer – und damit Gott – handelt barmherzig. Und das beißt sich hier mit unserem Gerechtigkeitsempfinden. Das Gleichnis fragt deshalb: Wie gehe ich mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit um? Und: Wenn andere genauso viel bekommen wie ich, obwohl ich vielleicht mehr getan habe – nehmen sie mir dann etwas weg? Dahinter steckt die Angst, zu kurz zu kommen und neidisch auf das zu schauen, was andere haben, statt wahrzunehmen, was mir selbst geschenkt ist.
„Das Himmelreich/das Reich Gottes ist nahe!“, das ist die Botschaft Jesu. Und für dieses Himmelreich kann auch ich etwas tun. Ich kann etwas dafür tun, dass dieses Himmelreich hier auf der Erde spürbar ist. Und mir etwas vom Verhalten Gottes und von Jesus abschauen. So kann ein Stück Himmel hier und jetzt beginnen, wenn ich was ändere, meine Angst zu kurz zu kommen ablege, mich nicht von der Gier nach immer mehr treiben lasse oder einfach den Menschen, die hier mit mir auf der Erde leben, mehr Beachtung schenke.
Teresa Aigner
Pastoralreferentin Bad Birnbach

