Foto: Hintermayr / pbp
Wir kennen wohl alle die Momente, in denen wir „auf der Leitung stehen“ – und es dann doch plötzlich „klick“ macht, wenn wir verstehen. Den Jüngern Jesu ging es nicht anders. „Klick“ machte es erst, als sie Zeugen wurden von Tod und Auferstehung Jesu, dass er der Sohn Gottes ist. Ein Impuls zum 3. Mai 2026 von Kaplan Tobias Asbeck.
In der Schule hatten wir einen Informatiklehrer. Wenn wir etwas partout nicht verstanden haben, ließ er uns aufstehen, einen Schritt zurückgehen – und noch einmal nachdenken. Für ihn war klar: Wir standen „auf der Leitung“.
Pädagogisch vielleicht fragwürdig, haben die kurze Irritation und der Perspektivwechsel manchmal tatsächlich geholfen. Plötzlich hat es „klick“ gemacht. Auf der Leitung stehen scheinbar auch die Jünger im Evangelium dieses Sonntags. Jesus spricht von seinem Abschied. Er versucht zu erklären, dass es gut ist, wenn er zum Vater zurückkehrt. Seit Jahren sind die Jünger mit ihm unterwegs – und doch verstehen sie ihn nicht.
Er spricht vom Vaterhaus, in dem er ihnen einen Platz bereiten wird. Thomas fragt: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir den Weg kennen?“ Und Philippus bittet: „Herr, zeig uns den Vater, das genügt uns.“
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Stehen die Jünger auf der Leitung? Hilft aufstehen und ein Schritt zurück? Wahrscheinlich nicht. Denn das, was Jesus sagt, ist schwerer zu verstehen als jeder Übungscode im Informatik-Unterricht. Es geht um das Geheimnis, dass er der Sohn Gottes ist. Und das versteht man nicht auf einmal. Jesus bleibt geduldig. Er erklärt es noch einmal: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Der eigentliche Perspektivwechsel kommt erst noch: durch seinen Tod und seine Auferstehung. Dann macht es wirklich „klick“. Die Jünger beginnen zu verstehen – und werden zu Zeugen.
Gut, dass Jesus Geduld mit ihnen hatte. Und gut, dass Gott Geduld mit mir hat. Denn auch ich sage leicht: Jesus ist der Sohn Gottes – etwa bei jedem Kreuzzeichen. Aber es zu verstehen braucht Zeit. Wahrscheinlich ein ganzes Glaubensleben lang. Wie die Jünger darf ich Jesus immer wieder fragen und immer wieder auf ihn hören: durch das Lesen in der Bibel, durch das Glaubenszeugnis anderer – und vor allem durch die Begegnung mit Jesus selbst: in den Sakramenten, im persönlichen Gebet, in der Anbetung. Dann passieren auch die Oster-Momente, in denen mir etwas aufgeht, es „klick“ macht und ich Jesus ein bisschen mehr verstehe.
Tobias Asbeck, Kaplan im Pfarrverband Grafenau

