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War Jesus einer von uns, ein Mensch unter Menschen, der all die Freude und das all Leid des menschlichen Lebens genauso gefühlt hat wie wir, oder war er von Anfang an über alle Dinge erhaben? Die Antwort auf diese Frage gibt Florian Kandler, Referent für Sakramentenpastoral und Ehe-Familie-Kinder in seinem Impuls zum Ostersonntag.
What if god was one of us? sang Joan Osborn 1995. Was, wenn Gott einer von uns wäre? Für uns Christen ist diese Frage schon lange beantwortet – und doch bleibt sie aktuell. Im Lied werden Begegnungen skizziert – was, wenn wir Gott im Nächsten, allzu menschlichen Gesicht erkennen würden? Wir werden aufgefordert, unseren Mitmenschen ins Gesicht zu schauen, hinter selbst aufgezogene Fassaden zu blicken und das göttliche in ihnen zu erkennen. Können wir diese Grenzen überwinden? Wie würden wir Gott da begegnen?
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Jesus provozierte in seinem Auftreten ganz ähnliche Begegnungen. Er vereinte göttliche Botschaft mit allzu menschlichem Handeln. Doch gerade seine Zuwendung zu den Ärmsten und Ausgestoßenen, sein Mitfühlen und das große Leid, dass er auf sich nimmt, offenbart die Größe Gottes. Was ist das für ein Gott, der sich niederkniet um seinen Freunden die Füße zu waschen? Warum lässt er sich von der Trauer Martas und Marias berühren und weint vor dem Grab des Lazarus? Warum lässt sich dieser allmächtige Gott ans Kreuz schlagen? Weil er einer von uns ist. Für uns, um unser Heil willen, um uns das Tor in seine Ewigkeit zu öffnen, geht er den Weg eines Menschen.
Als Maria von Magdala weinend vor dem leeren Grab sitzt, und den Auferstandenen nicht sofort erkennt, spricht sie dieser auf zutiefst menschliche Art an. Er sieht sie, sieht ihre Trauer und spricht ihren Namen aus. Diese menschliche Begegnung führt zur Gottesbegegnung, wenn sie ihn, und das Wunder, das hier geschehen ist, erkennt. Gott, der den Menschen nah sein will, damit sie ihm nahe sind.
Im Lied heißt es weiter: Würdest du das Gesicht Gottes wirklich sehen wollen? Gott ins Gesicht schauen bedeutet: Wahrhaft zu glauben an seine Macht, sein Reich und die Auferstehung aus dem Tod.
Ich wünsche ihnen von Herzen ein frohes, gesegnetes Ostern! Auf das wir gemeinsam hineinschauen in Gottes menschliches Gesicht, das er uns bereitwillig hinhält – damit wir wahrhaftig an die frohe Osterbotschaft glauben können.
Florian Kandler, Referent für Sakramentenpastoral und Ehe-Familie-Kinder



