Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Anders als bei dem aktuell vielgespielten Lied „Du bist gut genug!“ haben die Apostel Jesu die Erfahrung gemacht: Er ist gut genug, das Kreuz für mich zu tragen. Und wenn ich ihm nachfolge, dann verändert er mich und lässt meine Seele zur Ruhe kommen. Und zwar ohne beruhigende Worte wie in dem bekannten Lied. Ein Impuls zum 5. Juli 2026 von Kaplan Tobias Asbeck.
„Du bist gut genug!“ Diese Liedzeile trällern meine Schülerinnen und Schüler momentan immer wieder. „Du bist gut genug!“ Falls Sie das Lied noch nicht kennen, geht es Ihnen wie mir vor zwei Wochen. Ich habe die Zeile von meinen Schülern aufgeschnappt, gegoogelt und mir das Lied angehört. Dabei habe ich herausgefunden: Dieses Lied geht gerade um die Welt. Eine eingängige Melodie mit Ohrwurmpotential und eine Botschaft, die viele Menschen anspricht. Und ich gebe zu: Auch ich erwische mich jetzt immer wieder, dass ich das Lied summe oder leise singe.
Trotzdem tue ich mich als Christ mit der Kernaussage etwas schwer. Im Evangelium sagt Jesus: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ Das klingt nicht nach: „Du bist gut genug.“ Nicht weil wir gut genug sind, hat Jesus das Kreuz getragen, sondern weil er gut genug ist – weil er gütig und von Herzen demütig ist.
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
So motivierend die Liedzeile auf den ersten Blick auch wirken mag: Letztlich trägt sie im Leben nicht weit. Die Erfahrung der Christen von Anfang an, die Erfahrung des Petrus, der Jesus verleugnet hat, die Erfahrung des Paulus, der die Christen verfolgt hat, die Erfahrung der Jünger, die bis zum Tod Jesu nicht wirklich verstanden haben, was er von ihnen wollte, und sich immer wieder um sich selbst gedreht haben – ihre gemeinsame Erfahrung lautet nicht: „Ich bin gut genug.“ Sie lautet: „Er ist gut genug!“
Jesus ist gut genug, für mich das Kreuz zu tragen. Und wenn ich ihm auf diesem Weg nachfolge, dann verändert er mich. Dann werde ich mehr und mehr so, wie Gott mich gut gedacht hat. Und dann brauche ich keine bloß beruhigenden Worte mehr, sondern finde tatsächlich Ruhe für meine Seele.
Tobias Asbeck
Kaplan Pfarrverband Grafenau


