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Fast jeder Mensch kennt das Gefühl des Gruppenzwangs: Wenn man eigentlich etwas nicht tun möchte, sich aber dann von Freunden oder Kollegen dazu überreden lässt oder gewisse Konformitäten den anderen zu liebe beachtet, obwohl sie einem persönlich egal sind oder sogar widerstreben, wie zum Beispiel, wenn man andere Menschen aufgrund ihrer Andersartigkeit diskriminiert: „Wir sind die Guten!“ So war es schon bei den Pharisäern, wie Domkapitular Christian Altmannsperger in seinem Impuls zum Sonntag berichtet.
Im Evangelium des 10. Sonntages im Jahreskreis wird uns davon berichtet, wie Jesus sich mit Zöllnern und Sündern an einen Tisch setzt. Diese Gruppen stehen stellvertretend für alle, die von der damaligen Gesellschaft gemieden wurden. Weiß Jesus denn nicht, dass er sich mit dieser großen Nähe zu den Randgruppen aus der frommen jüdischen Gesellschaft ausschließt? Wie sollen wir jetzt mit Jesus umgehen, fragen die Pharisäer? Ganz deutlich spüren wir ihr Misstrauen gegenüber Jesus.
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Wenn wir jetzt vielleicht versucht sind, spontan mit dem Finger auf die Pharisäer zu zeigen, laufen wir Gefahr, uns selbst nicht ernst zu nehmen. Denn es liegt in der Natur des Menschen, sich in einer Gruppe zu bewegen, sich dort seinen Platz zu suchen. Und jede Gruppe versucht, sich in irgendeiner Weise nach außen hin abzugrenzen. Auf dem Schulhof zum Beispiel entscheiden manchmal Äußerlichkeiten, wie Kleidung oder Handy darüber, ob man in der Klasse anerkannt wird oder nicht. Am Arbeitsplatz gelten wieder andere Spielregeln. Von daher ist es doch zu verstehen, dass auch die Pharisäer darauf achten, dass sie sich nicht selbst aus der Gemeinschaft ausschließen. Jede und jeder von uns kennt sicherlich solche manchmal ungeschriebenen Gruppenregeln aus seinem persönlichen Umfeld. Einige werden sich vielleicht auch an Situationen erinnern, in denen sie selbst gegen solche Gesetze verstoßen haben und die Folgen zu spüren bekamen. Andere werden an Fälle denken, in denen Menschen abgestraft wurden, weil sie in irgendeiner Weise anders waren oder anders handelten als die meisten.
Jesus zeigt uns, wie man Grenzen überwinden kann, die Menschen untereinander aufgebaut haben. Er begegnet Menschen, die in der Gesellschaft allenfalls am Rande geduldet werden, mit einer Offenheit, die für viele unvorstellbar ist. Ohne Berührungsängste lässt sich Jesus auf die Nähe zu Menschen ein, mit denen andere ihre Schwierigkeiten haben. Und er erzählt denjenigen, die sich daran stoßen, dass genau das Gottes Wille ist. Barmherzigkeit und Liebe, das ist das Entscheidende, sagt er. Von der Liebe Gottes soll kein Mensch ausgeschlossen bleiben. Gottes Liebe geht über die Grenzen hinaus, die Menschen aufgerichtet haben.
Nehmen wir diese wichtige Botschaft Jesu mit hinein in unseren Alltag und bemühen wir uns, die unbegrenzte Liebe Gottes für alle Menschen erfahrbar zu machen. AMEN.
Domkapitular Christian Altmannsperger



