Das glauben wir

Come as you are

Redaktion am 05.06.2026

Info Icon Foto: Bayer / pbp

Fast jeder Mensch kennt das Gefühl des Gruppenzwangs: Wenn man eigentlich etwas nicht tun möchte, sich aber dann von Freunden oder Kollegen dazu überreden lässt oder gewisse Konformitäten den anderen zu liebe beachtet, obwohl sie einem persönlich egal sind oder sogar widerstreben, wie zum Beispiel, wenn man andere Menschen aufgrund ihrer Andersartigkeit diskriminiert: „Wir sind die Guten!“ So war es schon bei den Pharisäern, wie Domkapitular Christian Altmannsperger in seinem Impuls zum Sonntag berichtet.

Im Evan­ge­li­um des 10. Sonn­ta­ges im Jah­res­kreis wird uns davon berich­tet, wie Jesus sich mit Zöll­nern und Sün­dern an einen Tisch setzt. Die­se Grup­pen ste­hen stell­ver­tre­tend für alle, die von der dama­li­gen Gesell­schaft gemie­den wur­den. Weiß Jesus denn nicht, dass er sich mit die­ser gro­ßen Nähe zu den Rand­grup­pen aus der from­men jüdi­schen Gesell­schaft aus­schließt? Wie sol­len wir jetzt mit Jesus umge­hen, fra­gen die Pha­ri­sä­er? Ganz deut­lich spü­ren wir ihr Miss­trau­en gegen­über Jesus.

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Wenn wir jetzt viel­leicht ver­sucht sind, spon­tan mit dem Fin­ger auf die Pha­ri­sä­er zu zei­gen, lau­fen wir Gefahr, uns selbst nicht ernst zu neh­men. Denn es liegt in der Natur des Men­schen, sich in einer Grup­pe zu bewe­gen, sich dort sei­nen Platz zu suchen. Und jede Grup­pe ver­sucht, sich in irgend­ei­ner Wei­se nach außen hin abzu­gren­zen. Auf dem Schul­hof zum Bei­spiel ent­schei­den manch­mal Äußer­lich­kei­ten, wie Klei­dung oder Han­dy dar­über, ob man in der Klas­se aner­kannt wird oder nicht. Am Arbeits­platz gel­ten wie­der ande­re Spiel­re­geln. Von daher ist es doch zu ver­ste­hen, dass auch die Pha­ri­sä­er dar­auf ach­ten, dass sie sich nicht selbst aus der Gemein­schaft aus­schlie­ßen. Jede und jeder von uns kennt sicher­lich sol­che manch­mal unge­schrie­be­nen Grup­pen­re­geln aus sei­nem per­sön­li­chen Umfeld. Eini­ge wer­den sich viel­leicht auch an Situa­tio­nen erin­nern, in denen sie selbst gegen sol­che Geset­ze ver­sto­ßen haben und die Fol­gen zu spü­ren beka­men. Ande­re wer­den an Fäl­le den­ken, in denen Men­schen abge­straft wur­den, weil sie in irgend­ei­ner Wei­se anders waren oder anders han­del­ten als die meisten. 

Jesus zeigt uns, wie man Gren­zen über­win­den kann, die Men­schen unter­ein­an­der auf­ge­baut haben. Er begeg­net Men­schen, die in der Gesell­schaft allen­falls am Ran­de gedul­det wer­den, mit einer Offen­heit, die für vie­le unvor­stell­bar ist. Ohne Berüh­rungs­ängs­te lässt sich Jesus auf die Nähe zu Men­schen ein, mit denen ande­re ihre Schwie­rig­kei­ten haben. Und er erzählt den­je­ni­gen, die sich dar­an sto­ßen, dass genau das Got­tes Wil­le ist. Barm­her­zig­keit und Lie­be, das ist das Ent­schei­den­de, sagt er. Von der Lie­be Got­tes soll kein Mensch aus­ge­schlos­sen blei­ben. Got­tes Lie­be geht über die Gren­zen hin­aus, die Men­schen auf­ge­rich­tet haben. 

Neh­men wir die­se wich­ti­ge Bot­schaft Jesu mit hin­ein in unse­ren All­tag und bemü­hen wir uns, die unbe­grenz­te Lie­be Got­tes für alle Men­schen erfahr­bar zu machen. AMEN.

Dom­ka­pi­tu­lar Chris­ti­an Altmannsperger

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